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Laufberichte

Ho ho ho, drauß‘ im Walde trailt es sehr

 

Mittlerweile dürfte die Mountainman-Serie wohl jedem interessierten Trail-Runner bekannt sein. Nicht nur dank toller Locations machte das Mountainman-Team um Jutta auf sich aufmerksam. Diverse Streckenlängen mit entsprechendem Schwierigkeitsgrad bieten sowohl dem Anfänger wie auch dem engagierten Läufer viele Möglichkeiten. Auch Wanderer, auf Neudeutsch Hiker genannt, werden angesprochen. Wer seinem Hund ein Bergabenteuer bieten will, ist ebenfalls willkommen.

Die Organisation ist über jeden Zweifel erhaben, wovon ich mich in der Vergangenheit selbst mehrfach überzeugen konnte. In diesem Jahr ist der Nikolaus-Trail im fränkischen Pommelsbrunn neu im Laufkalender und verspricht auf der XL-Strecke, dem Nussknacker-Trail, nicht nur anspruchsvolle 1.300 Höhenmeter, sondern auch ein herrliches Landschaftserlebnis.

Obwohl ich nach meiner Rückenverletzung noch nicht wieder fit bin, möchte ich es doch mit dem Nussknacker-Trail versuchen. Ich habe dank Bernie wenig Druck. Er hat aufgrund einer Knieverletzung auf den Knecht Ruprecht-Trail umgemeldet. Dieser ist 15 km lang und entspricht exakt der kleinen Schleife der XL-Strecke. Sollte ich also den Cut-off bei Kilometer 27 nach der großen Schleife nicht schaffen, so könnte Bernie über den zweiten Teil berichten. Um es vorwegzunehmen, genauso ist es auch gekommen und wir werden bei diesem Bericht Job-Sharing betreiben. Ich berichte über die erste, sehr herausfordernde Schleife und werde dann sozusagen die Tastatur an Bernie übergeben.

Bereits am Samstag fahren Bernie und ich also nach Pommelsbrunn und begeben uns nach einer rund zweistündigen Fahrt direkt zum Sportplatz, wo wir unsere Startunterlagen abholen können. Alles läuft gewohnt unkompliziert und wir dürfen auch eine prall gefüllte Startertüte entgegennehmen. Das hat bei anderen Veranstaltungen in den letzten Jahren stark abgenommen, doch hier ließen sich die Sponsoren offensichtlich nicht lumpen. Passend zum Nikolaus-Trail ist sogar eine rote Pommelsmütze, ähm ich meinte natürlich eine Bommelmütze, zwischen den Gimmicks zu finden. Wir schlendern noch etwas über das Gelände. Feuertonnen werden gerade angezündet, können aber noch nichts gegen die Kälte ausrichten. Ich nutze die Gelegenheit und kaufe mir eine neue, wärmende Lauftight, da ich mit meiner ¾-Hose wohl etwas zu optimistisch war.

Anschließend beziehen wir unsere Zimmer in zwei unterschiedlichen Hotels und verabreden uns zur Pasta-Party wieder, die in Bernies Hotel stattfindet. Jutta findet sogar die Zeit, sich etwas mit uns zu unterhalten. Dabei kann sie auch gleich mit einem Missverständnis aufräumen. Waren Bernie und ich doch der Meinung, dass wir durch die Fränkische Schweiz laufen dürfen, so müssen wir uns nun erklären lassen, dass wir nicht in der Fränkischen, sondern in der Hersbrucker Schweiz unterwegs sein werden. Nicht so bekannt, touristisch nicht so überlaufen, aber mindestens genauso schön, verspricht uns Jutta. Sie weiß, wovon sie spricht, schließlich werden wir praktisch im Wohnzimmer der Moutainman-Macher laufen. Jeden Weg und auch noch so kleinen Pfad haben sie hier in den letzten Jahren erkundet und konnten so ganz einfach eine spannende Runde zusammenstellen. Gestärkt mit neu gewonnenem Wissen und einer ordentlichen Portion Nudeln verabschieden wir uns zeitig.

Am nächsten Morgen hole ich zunächst Bernie ab und wir fahren wieder zum Sportplatz. Hier hat sich seit gestern Nachmittag einiges getan. Der Zielbogen ist genauso wie der Start- und Zielkanal aufgebaut, die Zeitmessung leuchtet rot in der Morgendämmerung und rund 200 Teilnehmer des Nussknacker-Trails bevölkern das Gelände. Das Teilnehmerlimit von 1000 LäuferInnen für die gesamte Veranstaltung wurde bereits vor Wochen erreicht und es ist zu spüren, dass sich alle auf den bevorstehenden Lauf freuen. Wir treffen noch auf Rudi und Stephan, die als Moderatoren von keiner Mountainman-Veranstaltung wegzudenken sind. Ein paar Minuten bleiben uns, bevor sie mit ihrer Moderation beginnen. Es ist immer eine Freude, die beiden zu treffen.

 

 

Dann wird es auch schon Zeit, dass ich mich in den Startbereich begebe. Die Rucksäcke werden sporadisch auf Pflichtausrüstung kontrolliert. Die bereitgestellten GPX-Daten müssen auf der Laufuhr oder in meinem Fall auf ein mobiles Navi geladen sein. Eine Stirnlampe, ein Erste-Hilfe-Set, sowie ein Trinkbecher dürfen ebenso wenig fehlen, wie ein Mobiltelefon. Bei mir gibt es nichts zu beanstanden und so stehe ich mit meinen Mitstreitern hinter dem Startbogen und warte, dass die letzten Minuten vergehen. Wir werden aufgefordert, uns entsprechend unserer Leistung einzusortieren, was problemlos funktioniert. Die Top-Läufer mit Siegambitionen stehen natürlich vorne. Ganz am Ende des Feldes stehen die Teilnehmer mit Hund, die es scheinbar gar nicht mehr erwarten können. Aufgeregtes Bellen übertönt nahezu die Ansagen von Rudi und Stephan. Aber nicht nur die Hunde wollen los, auch wir Läufer können es kaum erwarten. Stimmungsvoll wird der Startbereich in einen künstlichen Nebel gehüllt und schon kann es losgehen.

Im Startkanal ist es auf den ersten zweihundert Metern etwas beengt, dennoch kommt es zu keinerlei Komplikationen. Über einen Steg überqueren wir kurze Zeit später einen Bach und nähern uns über einen Feldweg schon bald dem Wald, der uns für lange Zeit umgeben wird. Dank Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt bin ich noch nicht mal richtig warmgelaufen, als auch schon der erste Anstieg vor uns liegt. Wir tauchen in den Wald ein und auf einem von Eichenlaub bedeckten Weg geht es stramm nach oben. Oben angekommen, pumpe ich schon wie ein Maikäfer, bin noch nicht richtig im Takt, aber das wird schon werden. Es ist noch viel Zeit und als die Strecke wieder flacher wird, kann ich erst mal etwas durchatmen. Wellig geht es nun dahin und das Laufen macht Laune. Immer wieder kommen kurze, aber giftige Anstiege, wobei man sich bergab schnell wieder erholen kann. Als uns der Wald wieder ausspuckt, geht es bergab durch eine kleine, noch verschlafene Ortschaft und am anderen Ortsrand weist mich ein Holzschild auf den Zankelstein, den Pommelsbrunner Hausberg hin. 547 Meter ist der Zankelstein hoch und bietet einen ersten Eindruck, was mich noch weiter erwarten wird.

Ich war noch nie hier, obwohl ich in meiner Ausbildung vor über dreißig Jahren ein halbes Jahr im nahegelegenen Sulzbach-Rosenberg verbracht habe. Damals hatte ich noch andere Interessen. Die Landschaft der Hersbrucker und Fränkischen Schweiz entstand schon in der Jurazeit und hinterließ eine einzigartige Landschaft. Bei den weißen Felsen, die hier aus dem Wald zu wachsen scheinen, handelt es sich um ehemalige Riffe aus der Jurazeit, einer Zeit, als diese Region noch unter dem Meer verborgen war. Später, in der Kreidezeit, zog sich das Meer zurück und es herrschte ein tropisches Klima mit üppigem Pflanzenwachstum. Die Kalkschichten zogen sich zurück und übrig blieben die freistehenden Felskegel, die man heute hier bewundern kann.

Ich habe den Zankelstein inzwischen erreicht und hätte wohl einen herrlichen Blick über das Nürnberger Land, doch heute ist es leider etwas diesig. Weiter geht es auf den laubbedeckten Waldwegen und ich erreiche schon bald die erste Verpflegungsstation bei Kilometer 8. Ein paar Jungs von den Nürnberg Rams stehen am Waldrand und warten mit Kuchen, Salzigem, Iso und Wasser auf mich. Sie sind wirklich gut drauf und versichern mir, dass es Spaß macht bei 1°C im Freien zu stehen und die Läufer zu verpflegen. Ich verweile nicht allzu lange, denn mir wird kalt, schließlich habe ich ja auch kein Football-Dress an.

 

 

Frisch gestärkt tauche ich wieder in den Wald ein und habe wieder ein ständiges Auf und Ab auf schönen Waldwegen vor mir. Auf den teils steilen Bergab-Passagen muss ich Vorsicht walten lassen. Der Untergrund ist teils schlammig, zwischen den Eichelblättern spitzeln gelegentlich Felsen hervor. Ein Sturz könnte hier fatale Folgen haben. Schließlich lasse ich auch dieses Waldstück hinter mir und erreiche eine kleine Ortschaft. Es ist ruhig hier. Niemand nimmt von uns Kenntnis und ich überlege noch, ob hier tatsächlich jemand wohnt. Hühner gackern und Gänse schnattern aufgeregt in den Gärten. Scheinbar trauen sich die Bewohner bei diesem tristen Wetter nicht vor die Haustüre.

Noch etwas habe ich Schonzeit. Es geht leicht wellig dahin, bevor ich auf den Höhenglückssteig geleitet werde. Was mich dort erwartet ist aller erste Trailläufer-Sahne. Ich bin umgeben von meterhohen Felswänden, auch Höhlen sind gelegentlich zu erkennen. Da ich inzwischen völlig allein unterwegs bin, kann ich die Ruhe genießen und erfreue mich der herrlichen Landschaft, die mich umgibt. Die Strecke wird aber auch zusehends anspruchsvoller und gelegentlich bleibe ich stehen, um mir über ein sicheres Weiterkommen Gedanken zu machen. Steile Hänge gilt es zu überwinden und ich bin teilweise auf allen Vieren unterwegs. Sicherlich nicht gerade „trailrunner-like“, aber es sieht mich ja niemand. Ab und zu muss ich auch nach dem rechten Weg suchen. Nicht etwa, dass die Strecke schlecht ausgeschildert wäre, ich lasse mich einfach viel zu oft, von den Schönheiten hier ablenken. Ich stehe an einem felsigen Abhang und denke, es geht nicht weiter, doch ich erkenne die orangen Fähnchen. Ich bin tatsächlich richtig und bahne mir vorsichtig einen Weg nach unten.

 

 

Wenig später stehe ich vor drei umgestürzten Bäumen, die mir den Weg versperren. Oben drüber? Unten durch? Auch hier muss ich mir erst einen Plan machen. Es wird mir nicht langweilig. Aber die Zeit rinnt davon und ein Erreichen des Cut-offs am Ende der großen Runde bei Kilometer 27 wird immer unwahrscheinlicher.

Irgendwann erinnere ich mich an die Absprache mit Bernie. Falls es bei mir mit dem Durchkommen nicht funktioniert, übernimmt Bernie die zweite Hälfte des Berichts. Damit nehme ich gedanklich von einem Finish Abschied und will die weitere Strecke einfach nur genießen und dabei meinen Rücken etwas schonen. Das Genießen fällt mir nicht schwer, es liegt noch einiges an wunderbarer Landschaft vor mir. Zum Beispiel das Noris-Törl. „Wow“ kann ich da nur sagen. Ein zehn Meter hohes und zweieinhalb Meter breites natürliches Felsentor steht vor mir. Wahnsinn, was die Natur alles hervorbringt. Sollte jemand das Noris-Törl mal bewundern wollen, man findet es auf dem Noris-Steig, einem markierten Wanderweg.

Jetzt habe ich auch bald den anspruchsvollsten Teil der großen Runde hinter mir. In Worte zu fassen, was die Natur einem hier bietet, fällt wirklich schwer. Es ist einfach traumhaft schön und irgendwie ist es schade, dass er nun hinter mir liegt.

 

 

Ich bin bald am Waldrand und kann die Moderatoren hören. Das Ziel kann also nicht mehr weit sein. Erholsam geht es nur noch bergab und auf dem letzten Kilometer eben dahin in Richtung Sportplatz. Ich nehme meine Laufstöcke in die Hand und jogge gemütlich durch den Zielkanal und weiß, dass ich aufregende und unvergessliche 27 Kilometer hinter mir habe.

„Diesen Läufer habe ich nicht auf meinem Zettel. Hatte der Greppi etwa ein Problem mit dem Cut-off?“ Mit diesen Worten werde ich von Rudi begrüßt. Ich grinse und zucke die Schultern. Tja, so war es.  Aber ich bin mit mir zufrieden und mein Rücken wird es mir danken, dass ich Vernunft walten lasse. Ich werde es ein anderes Mal mit einem Finish in Pommelsbrunn versuchen.

Damit bin ich mit meinem Bericht über die große Schleife des Nussknacker-Trails am Ende und übergebe das Wort an Bernie.

 

Bernies Runde

 

Anderthalb Stunden nach dem Start des Nussknacker-Trails bin ich an der Reihe im Teilnehmerfeld des Knecht Ruprecht-Trails über 15,5 km. Die Strecke ist identisch mit der Südschleife des Marathons, wodurch diese im weiteren Verlauf ziemlich belebt sein wird. Ich begnüge mich heute mal auf einer kürzeren Distanz. Nach meiner Diagnose Meniskusriss und Stressfraktur im Knie will ich bei den Hikern vorsichtig versuchen, wieder in die Gänge zu kommen. Mein Doc meinte, ich soll mich bewegen. Das muss er mir natürlich nicht zweimal sagen.

Eine halbe Stunde vor uns sind um 9 Uhr noch die Starter, Starterinnen und Vierbeiner des ca. 30 km langen Krampus-Trails an der Reihe. Mit den ganzen Start-Prozeduren, der fachkundigen und witzigen Moderation vom Mountainman-Kult-Moderatoren-Team Rudi & Stephan und der musikalischen Unterhaltung mit Rocksound vergeht die Zeit wie im Flug. Bei Temperaturen nur noch knapp über Null sorgen mehrere Feuertonnen dafür, dass man sich warmhalten kann. Das ist sehr stimmungsvoll und angenehm.

 

 

Ein paar Minuten vor dem Start wird die Rockmusik auf Lautstärke gebracht, die Nebelmaschine in Gang gesetzt und los geht‘s. Der Start mit den Hikern ist natürlich nicht ganz so dynamisch, wie ich es im Läuferfeld eigentlich gewohnt bin und so befinde ich mich dann auch gleich ganz vorne, während es das Hauptfeld etwas gemütlicher angehen lässt. Am Ende des Start- und Zielkanals passieren wir nach 100 Metern bereits den Cut off der beiden längeren Strecken. Beim Marathon sollte man am Stand von den Nürnberg Rams in 5 Stunden durchkommen, sonst muss man nach rechts ins Ziel abbiegen und seinen Run beenden. Leider hat es auch Greppi zeitlich nicht geschafft, so übernehme ich die Streckenbeschreibung der Südschleife.

An der Straße wartet ein Quad der Bergwacht. Auch wenn die Berge der Hersbrucker Schweiz nicht alpine Höhen aufweisen, gibt es oben viele Felsen und es wird darauf geschaut, dass alle gut durchkommen. Ich versuche zwischendrin immer wieder vorsichtig einige Meter zu laufen, damit mir die vor mir liegenden nicht zu weit enteilen, etwas Ehrgeiz muss schon sein. Nach einem Kilometer ist ein erstes Hügelchen zum Warmwerden zu überqueren. Richtig bergig wird es nach einem weiteren Kilometer, wir erreichen den Waldrand und den ersten Aufstieg. Seven Summits nennen sich Wanderungen auf die sieben höchsten Erhebungen im Nürnberger Land. Lindgrüne Schildchen mit der 7 an den Baumstämmen markieren die Wege, wir befinden uns gerade auf dem Dom-Rundweg.

Erst noch vorsichtig steigt der Weg an aber etwas weiter wird daraus ein wurzeliger und steiler Pfad. Er führt uns auf die Lichtung zum Aussichtspunkt der Mühlkoppe, wo heute die Schneegrenze beginnt auf etwa 500 Meter Höhe. Die Trails sind davon aber weitestgehend unberührt. Die Aussicht über die Landschaft mit Blick nach Hohenstadt und Hersbruck könnte besser sein, aber die Wolken hängen sehr tief. Wall und Grabenreste auf der heute bewaldeten Bergkuppe weisen auf eine einstige Höhenburg aus dem 13. Jahrhundert hin.

 

 

Nach einem kurzen Abwärtsstück geht es weiter aufwärts. Ich bin wohl etwas zu viel auf mein Knie fixiert und daher vielleicht etwas unkonzentriert, prompt habe ich eine Abzweigung verpasst, was mir ein paar hundert zusätzliche Meter einbringt. Aber dank der gespeicherten Streckenkarte auf meinen GPS, ist der Fauxpas schnell wieder korrigiert, leider sind mir jetzt die vor mir liegenden Hiker enteilt. Kurz vor der VP Hochberg bei km 6 werde ich bereits vom Zweitplatzierten der L-Strecke überholt. Der Führende muss mich wohl bereits bei meiner Extratour passiert haben. Warmer Tee ist an der VP leider nicht im Angebot, aber ansonsten kann man gut ein zweites Frühstück einnehmen.

Entlang von moosbedeckten Steinen und Felsen geht weiter aufwärts. Durch die verschneite Winterlandschaft führen uns herrliche Trails um den Hochberg. Rund um den zweithöchsten Gipfel im östlichen Mittelfranken befand sich zur Zeit der Kelten eine für damalige Verhältnisse riesige Burg- und Wehranlage, die sich über eine Fläche von ca. 2,75 Hektar erstreckte. Wir laufen auf einem Rundweg, der das gesamte Gelände erschließt. Auf einer Infotafel kann ich etwas von einer "Akropolis der Kelten" lesen. Eine kleine Kraxeleinheit führt uns auf einen Felsblock. Oben wartet auch schon die Fotografin, um uns abzulichten. Der Abstieg auf einem Single-Trail ist nass und glitschig und recht anspruchsvoll zu laufen, ich nehme hier lieber das Tempo raus.

Nachdem wir den Wald verlassen haben, passiert mich mit Nick Seiferth bereits der Führende auf der XL-Strecke. Auf der rechten Wegseite liegt die alte Kapellenruine Arzlohe, welche begehbar ist und wofür ich heute auch genügend Zeit habe. Von dem einschiffigen, spätgotischen Bau sind noch bis zu fünf Meter hohe Umfassungsmauern, das Portal und ein spitzbogiges Fenster übrig. Ältester Nachweis über dieses Kirchlein stammt aus dem Jahre 1480. Die urkundlich erwähnte Bezeichnung „Zum heiligen Baum“ deutet auf eine vorchristliche Kultstätte hin.

 

 

Der Ort hier eignet sich hervorragend für ein schönes Fotoshooting. Erst noch durch den Torbogen der Kapelle und unmittelbar danach beim nachfolgenden Aufstieg. Begeistert verfolge ich für ein paar Meter mit Miria Meinheit die erste Frau des Krampus-Trails bei ihrem dynamischen Bergantritt. Immer öfters werde ich jetzt überholt. Aber andersrum kann ich jetzt einige der Hundeführer auf der kürzeren S-Strecke überholen. Nach 10 km wartet an einer Lichtung die zweite Verpflegungsstelle auf uns.

Unser letzter Aufstieg für heute führt uns auf die Houbirg zum Aussichtspunkt „Hohler Fels“, dem höchsten Punkt der M-Strecke. Am Aussichtsfelsen mit wunderschönem Blick auf den Happurger Stausee hat sich auch die Bergwacht postiert. Der Weg durch die Felsen birgt ein gewisses Unfallrisiko und ist nicht ganz einfach auszumachen. Etwas unterhalb gibt es eine Höhle mit Funden aus der Steinzeit, die wie die Felswand den Namen „Hoher Fels“ trägt.

Über einen vorgeschichtlichen Ringwall geht es wieder runter vom Aussichtspunkt. Nach dem derzeitigen Wissensstand zählt die Houbirg (= Hoher Berg) zu den bedeutendsten vor- und frühgeschichtlichen Höhensiedlungen in Deutschland. In der Gegend wurden auch Überreste von eiszeitlichen Tieren gefunden, wie Höhlenbär, Höhlenhyäne, Wildpferd, Riesenhirsch, Rentier und Wollnashorn.

 

 

Mein Knie läuft mittlerweile leider nicht mehr ganz so rund, so kann ich das Gefälle und den Rest der Strecke nur mehr langsam wandernd angehen.

Viele Abschnitte unserer Süd- und Nordschleife gehören auch zum gut beschilderten „1000hmr“ und können jederzeit auch individuell gewandert und gelaufen werden. Der Pommelsbrunner "1000 Höhenmeter Rundwanderweg" besteht insgesamt aus zwei Abschnitten, die zusammen mehr als 1000 Höhenmeter auf etwas mehr als 23 km Wegstrecke bieten.

Über den früheren keltischen Ringwall geht es über den Weiler Reckenberg runter ins Pegnitztal. Kurz vor Pommelsbrunn passieren wir noch den Reckenberg-Hof mit einer Lama-Farm, die teilweise aus eigener Zucht stammen. Vom Ziel her kann ich schon, noch etwas undeutlich, die Moderation vernehmen. Der Schlusskilometer führt uns über eine Teerstraße bis zum Zieleinlauf, wo ich schon von weitem von Rudi und Stephan begrüßt werde.

Warmer Tee mit Lebkuchen und Wintergebäck sorgen für Stärkung, die Feuertonnen lodern immer noch. Insgesamt eine schöne, vorweihnachtliche Stimmung. Wenn’s was zu meckern gäbe, dann sind das die zum späteren Zeitpunkt nur mehr mäßig warmen Duschen im Vereinsheim des SC Pommelsbrunn. Aber verständlich, die sind natürlich auch nur für ein paar Fußballer ausgelegt.

Ho ho ho, drauß im Walde trailt es sehr. Der Nikolaus kann bei der Premiere des Mountainman Pommelsbrunn fast nur Bestnoten vergeben. Auf der Nord- und Südrunde erlebt man das Beste, was die Region zu bieten hat. Die Trails sind herausfordernd und sollten vor allem bei Winterwetter nicht unterschätzt werden.

 

Informationen: MOUNTAINMAN Nikolaus-Trail
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