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Laufberichte

Marathon der Herzen

 

Wir sind wieder in Italien. Und zwar mittendrin, in Terni in Umbrien. Etwa 100 Km nordöstlich von Rom findet der Marathon of Love statt, der Maratona di San Valentino. Was für ein Name! Als ich den gelesen hatte, stand für mich fest: Da musst Du hin!

Namensgeber des Marathons ist der heilige Valentin. Valentin von Terni war im 3. Jahrhundert Bischof von Interamna, dem heutigen Terni. Er ist Schutzpatron von Terni und gilt als Patron der Liebenden. Ihm zu Ehren wird am 14. Februar der Valentinstag gefeiert.

Die Bahn bringt uns in einstündiger Fahrt von Rom nach Terni. Vom Bahnhof gehen wir etwa einen Kilometer zur Piazza della Repubblica zur Startnummernausgabe und Expo. Rasch habe ich meine Startnummer. Im Startbeutel sind wieder schöne und leckere Sachen: ein Shirt in neongelb, ein Schokoladenherz, eine Flasche Birra, Proteinbrot, Nüsse, Mobiltelefonhalter für den Oberarm... .  Ein Einmalzeitmesschip ist auch dabei. Er wird am Schuh befestigt.

Gerne nehmen wir das kostenlose Angebot der Veranstalter für alle Läufer an und besteigen einen der Busse, die uns die Laufstrecke mit ihren Sehenswürdigkeiten näher bringen sollen. An den nur wenige Km von Terni entfernt im Valnerina Tal gelegenen Cascata della Marmore verlassen wir den Bus und erkunden die wahrlich beeindruckenden Wasserfälle aus der Nähe.

 

 
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Mit dem übernächsten Bus fahren wir weiter und besuchen noch Arrone, Montefranco und Ferentillo. Hier gehen wir in das Museum delle Mummie unterhalb der Chiesa di Santo Stefano. Über 200 Jahre alte Leichen wurden hier bei Ausgrabungen mumifiziert entdeckt.

Im Anschluß werden auf dem Platz unterhalb lokale Köstlichkeiten kredenzt. Wir greifen gerne zu. Dann beziehen wir unser nahe gelegenes Quartier und machen uns auf zur Stadterkundung. Die Pasta Party in der Via Muratori lassen wir sausen. Wir haben nach den Verköstigungen keinen Hunger mehr.


Regen oder viel Regen?


Die Wetterprognosen sind schlecht. Regen ist vorhergesagt. Als wir am Laufmorgen um 8.30 Uhr aus dem Fenster schauen, regnet es tatsächlich. Meine Laune geht in den Keller. Aber als wir uns um 9 Uhr auf den Weg zum nahe gelegenen Startbereich machen, hat es aufgehört zu regnen. So könnte es bleiben. Wird es aber nicht.

Vor dem Startgelände auf dem Corso del Popolo / Piazza Europa gebe ich mein Gepäck ab. Viele Läufer sind in Regencapes/umhängen gehhüllt oder haben gar Ganzkörperregenschutz an.

 

 
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Ich stell mich in den ersten Startblock. Es werden erfreulicherweise keine großen Reden gehalten und pünktlich um 9.30 Uhr fällt der Startschuss. Es geht zunächst durch die Stadt. Nach wenigen Metern wird eine Brücke überlaufen, die uns über die Nera bringt. Es geht links ab in die Via XX. Settembre. Nach mehreren Richtungswechseln passieren wir die Basilica di San Valentino mit dem Sarg des Heiligen Valentin.

Die Straßen sind recht breit, so dass trotz der Läufermassen gut zu laufen ist. Denn mit uns Marathonis sind auch die Halben gestartet. Auf einer ersten Begegnungsstrecke noch vor der Basilica di San Valentino kommt uns der Führende des Halbmarathons entgegen. Rasch folgen ihm weitere Läufer. Ich bleibe bei meinem gemütlichen Trab. Trotzdem kommen mir nach der Schleife um die  Basilica di San Valentino auf der Begegnungsstrecke noch vereinzelte langsame Läufer entgegen.


Raus aus der Stadt


Auf der Viale Filippo Turati laufen wir zurück in Richtung Stadtzentrum. Rechts liegt der Parco Delle Grazie. Weiter geht es über die Via Martin Luther King,  vorbei an der Universität und dem Krankenhaus. Ein Barfußläufer fällt mir auf, als er an mir vorbeizischt. Ich werde ihn später noch einmal treffen. Die Piazzale Girolamo Bianchini Riccardi mit linksseitig vielen Geschäften wird umlaufen. Den Freizeitpark Luna Park und die Pineta Centurini lassen wir rechts bzw. links liegen.

Noch einmal laufen wir über die Nera. Am Museo delle Armi verlassen wir die Stadt,  Km 5 wird passiert. Links und rechts der SP 209 liegen große Industrieanlagen. Früher hatte Terni viel mehr Industrie und war zentraler Industriestandort in Umbrien. Mussolini wollte aus Terni die Waffenschmiede für ganz Italien machen und so erfuhr die Stahlindustrie einen großen Aufschwung.

 

 
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In der Folge kam es im Zweiten Weltkrieg zu starken Bombardierungen der Industrieanlagen aber auch der Altstadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Schwerindustrie einen starken Niedergang und Terni einen Strukturwandel. Auf großen ehemaligen Industrieflächen entstanden neue Wohngebiete.

Die SP 209 führt uns durch das Valnerina hinaus in die Berge. Auf dieser Straße werden wir später nach dem Umkehrpunkt auch den Rückweg unter die Füße nehmen. Die Bar Cervara liegt verlockend an der Strecke, ich begnüge mich mit dem Angebot der Wasserstelle bei Km 7,5.

 

Hinein ins Valnerina


Es ist durchaus angenehm zu laufen, obwohl es wieder angefangen zu regnen.  Dazu liegen die Temperaturen um 10 Grad. Allerdings kommt nach dem Verlassen von Terni in der Verengung der Valnerina unangenehmer Wind auf. Gut, dass ich meine leichte Windjacke für solche Fälle schon anhabe. Die an der Strecke stehenden Wasserbottiche zum Eintauchen der im Starterbeutel befindlichen Schwämme brauchen wir heute nicht. Kühlung tut nicht not.

 

 
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An einem Kreisverkehr bei Km 8 halten wir uns rechts und bleiben auf der SS 209 und laufen weiter in das Valnerina. Es folgen große Industrieanlagen bei Papigno. Die markanten Gebäude haben schon bessere Zeiten gesehen und zeugen vom erwähnten Niedergang der Schwerindustrie.

Ein Schild weist auf Rafting hin. An der Nera ist ein Dauerparcours für Wildwasserkanuten eingerichtet. Gestern konnten wir etliche Wagemutige im wilden Wasser sehen. Heute zeigt sich leider keiner.

Eine riesige Brücke mit einer dicken Stahlrohrkonstruktion überspannt das Valnerina hoch über uns. Wir laufen unter ihr weiter talaufwärts. Eine Verpflegung bietet willkommene Labung. Die kleingeschnittenen Früchtekuchen, Kekse und Rosinen haben es mir angetan. Ich greife zu, auch bei Tee, Iso und später Cola. 


Wiedersehen

 

Kurz hinter der VS kündigen am Berg weithin sichtbare Wasserschleier die Cascata delle Marmore an. Die Wasserfälle haben eine Fallhöhe von 165m. Sie entstanden im 3. Jahrhundert v. Chr. zur Römerzeit durch die Umleitung des Velino. Um ein Sumpfgebiet trocken zu legen wurde ein Kanal gebaut und der Velino in den Nera geleitet.

Eine Sage dazu ist aber viel schöner: Die Nymphe Nera liebt den Hirten Velino. Jupiter ist davon nicht angetan und bestraft Nera, indem er sie in den Fluß Nera verwandelt. Der verzweifelte Hirte Velino stürzt seiner Geliebten Nera nach und fertig ist der Wasserfall.

 

 
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Wir laufen direkt an den Wasserfällen vorbei und können die einzelnen Kaskaden sehen, in denen das Wasser in die Tiefe stürzt. Auf der Straße links der Wasserfälle kommen uns schon Halbmarathonis entgegen. Auf dem Rückweg kommen wir hier noch einmal vorbei, dann fließt aber weitaus weniger Wasser. Es wird in Rohre zur Energiegewinnung umgeleitet.

Viele Läufer bleiben stehen und so manches Selfie entsteht hier. Nach dem Passieren des Eingangszentrums zu den Wasserfällen folgen wieder Industrieruinen. Die Zahl der entgegenkommenden Halben nimmt stark zu. Zwei Handbiker mühen sich durch die Läufermassen zurück Richtung Terni.

 


Weiter durchs Valnerina


Links und rechts der Strecke liegen jetzt große Waldgebiete. In Collestatte bei Km 12,5 verlassen uns die Halben. Sie wenden und machen sich auf den Rückweg. Wir laufen weiter auf der SP 209 durchs das nun breite Valnerina. Die Läuferschar ist ohne die Halben deutlich reduziert. Torre Orsine wird passiert. Der Ort wie auch das später folgende Castel di Lago liegt in sogenannter Akropolislage auf einem Hügel und thront über der Hochebene des Valnerina. Schwindelerregend, wie die Häuser am Berg kleben. Sieht klasse aus.

 

 
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Nicht schön ist der Regen. Trotzdem bin ich bester Laune, der Lauf macht so richtig Spaß. Hinter Vocabolo Isola  kommen mir die beiden Führenden des Marathons entgegen. Mann, haben die ein Tempo drauf. Nee, da halte ich nicht mit, bleibe bei meinem Schlappschritt und genieße den Lauf.

An einem Kreisverkehr nach Km 16 biegen wir nach rechts ab und laufen ins nahe gelegene Arrone. Hinauf in den Ort heißt es einige Höhenmeter zu bewältigen, denn auch Arrone liegt auf einem Hügel. Allerdings laufen wir nur im unteren Teil um die Kirche und schon geht es wieder abwärts Richtung Kreisverkehr. Diese Schleife müssen wir auf dem Rückweg nicht mehr laufen.

 

Gegenverkehr


So langsam nähern wir uns der Halbmarathonmarke. Mehr und mehr Läufer kommen uns entgegen. Vor Ferentillo ist Km 20 erreicht, eine VS bietet Labung. Auf beiden Seiten der Talverengung hinter Ferentillo sind schon von Weiten zwei markante Burgen zu sehen.

Eine 5 Km-Schleife wartet auf uns. Vor Ferentillo laufen wir rechts weiter auf der SS 209. Ein kleiner Abstecher bringt uns in den Ortsteil Matterella bis unterhalb des von uns gestern besuchten Museo delle Mummie. Am Platz der Verköstigung biegen wir links ab. Durch die Gassen von Matterella laufen wir aus dem Ortsteil heraus und queren nach Km 23 erneut die Nera.

Noch etwa einen Km geht es tiefer ins Valnerina, dann ist auch für uns Marathonis der Wendepunkt erreicht. Eine ansteigende Straße bringt uns nach Ferentillo. Von oben können wir die Läufer Richtung Wendepunkt laufen sehen.

Wir durchlaufen Ferentillo, es kommen uns nur noch wenige Läufer entgegen. Der vor uns liegende Rückweg ist bekannt, ich mache daher nur noch wenige Fotos. Den 4.30 Std. Zugläufer überhole ich und auch den Barfüßigen lasse ich hinter mir. Es ist ein angenehmes Gefühl, den vertrauten Hinweg nun stets leicht abfallend unter die Füße zu nehmen und dem Ziel in Terni entgegen zu laufen.

 

 
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Motivation …


… schöpfe ich zudem aus dem Straßenschildern. Sie zeigen mir an, wie weit es noch bis zum Ziel in Terni ist. Noch einmal geht es an den Cascata delle Marmore vorbei  -  immer noch sehr beeindruckend. Diesmal durchlaufen wir einen Tunnel und kommen nicht unmittelbar an den Wasserfällen vorbei.

An den Stahlwerken am Stadtrand wird Km 40 passiert und wir kommen wieder hinein in die Stadt des Heiligen Valentin. Es geht immer geradeaus, vorbei an unserem Quartier. Nur noch einmal müssen wir nach links abbiegen und sind in der Haupteinkaufsstrasse mit ihren vielen Geschäften. Die Straße ist mustergültig abgesperrt, wie übrigens auch die gesamte Strecke perfekt abgesichert ist. Links und rechts sind Gitter aufgestellt, so dass wir Läufer auf unserem letzten Km eine breite Gasse in der Straßenmitte für uns haben.

In bester Stimmung laufe ich durch den Zielbogen. Auch er – wie fast alles in der Stadt des Valentin – in roter Herzform. Ich bekomme meine Finishermedaille, natürlich auch diese in Herzform, und greife bei der Zielverpflegung zu. Lecker die mit Öl getränkten gesalzenen Toastbrote! Dazu warmer Tee.

Der Clou ist aber das Eis und die heißen Schokoladen in der Caffetteria / Pasticcheria / Gelateria Yogorina unmittelbar am Zielbereich. Die heiße Schokolade mit Schlagsahne ist das Beste, was ich je an Schokolade getrunken habe. Und dazu gibt es leckere Plätzchen.

Leider müssen wir irgendwann am Nachmittag die Yogorina verlassen und die Regenerationsmaßnahmen mit Keksen, Eis und Schokolade abbrechen. Wir müssen zum Bahnhof, der Zug nach Rom wartet. Auf dem Weg zum Bahnhof kommt uns Felice entgegen. Auch er kämpft sich noch tapfer ins Ziel. Bravo Felice!
Grazie Maratona di San Valentino! Es war ein Vergnügen. Che Piacere!

 

Fazit


Schöner Marathon ins Valnerina, bestens organsiert. Begleitprogramm unbedingt mitmachen.

 

 

Informationen: Maratona di San Valentino
Veranstalter-WebsiteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

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