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Laufberichte

MMM - der mit dem gewissen Extra

 

2009 hat Sascha zum ersten Mal seinen Geburtstag mit der Austragung des MMM gefeiert, also wird er jetzt neun Jahre alt. Kann natürlich nicht stimmen, es gab noch Frühjahrsaustragungen des Mainzer Maarauen (Ultra) Marathons.  Eigentlich sollte der 10te MMM der letzte sein, deswegen fing Sascha neu an zu zählen: 10.4. bedeutet, Sascha wird heute 14. Mainz ist halt anders. 130 Läufer sind angetreten, mehr verkraftet die Organisation und das Mündungsgebiet des Mains, die Maaraue, nicht

Vor über 800 Jahren war das anders.  In der Maaraue fand die bis dahin größte Party der Welt statt:  Kein Geringerer als Kaiser Friedrich Barbarossa hatte geladen und 50.000 Gäste, darunter Könige, Herzöge, Reichsfürsten und Ritter aus ganz Europa folgten der Einladung. Anlass war die Aufnahme seiner Söhne Heinrich und Friedrich in den Ritterstand. Man errichtete dafür  auf der Maaraue eine Kaiserpfalz mit  Kirche und Unterkünften aus Holz und schlug eine Schiffsbrücke zum linksrheinischen Ufer nach Mainz. Am ersten Tag fanden die Feiern im Mainzer Dom statt. Tags darauf erfolgte auf der Maaraue der Ritterschlag, an den sich ein Saufgelagen anschloss. Am dritten Tag tobte ein Unwetter, bei dem Brände ausbrachen, Holzbauten einstürzten und Menschen zu Tode kamen. In der Weltchronik heißt es über die Fete: „Dat was de groteste hochtit en, die im em dudischeme lande ward“  - Eine „hochtit“ bedeutet Hoch-Zeit, also tolle Zeit. Wobei  - eine Hochzeit findet heute nicht statt, wir laufen 45 Kilometer mit 250 Höhenmetern.

Die 250 Höhenmeter kommen mit den drei Brücken zusammen: zwei, die über den Rhein führen und eine, die über den Main führt.  Dann gibt es noch Brückchen, die über Altarme und Häfen führen.

 

 

Das Zeitlimit beträgt 6:30 Stunden. Das ist nötig, denn Biggi betreibt die Verpflegungsstation, an der man folglich alle neun Kilometer vorbei kommt. Grundsätzlich gilt Eigenverpflegung, doch die Helfer vom Kinderhospiz laufen mit Kindern und Bollerwagen entgegen der Laufrichtung, um uns zusätzlich zu versorgen. Biggi und Sascha sammeln mit diesem Lauf Spenden für das Kinderhospiz.

Nach einigen warmen Worten der Politik geht’s bei Sonnenschein los. Spaziergänger sind kaum unterwegs, wir haben viel Platz auf den Uferwegen. In Kostheim wird der Main überquert, den wir nach 20 Metern verlassen, um über eine kleine Brücke ein Stück Rhein zu überqueren. Letztes Jahr noch tummelten sich hier Enten und Schwäne. Ich schätze mal, die sind schon verbraten. Schwäne sind essbar, gab es im Mittelalter auf jedem Buffet. Um die Bestände zu schützen, wurden Schwäne als Eigentum des Adels deklariert. Die Schwäne in Großbritannien sind immer noch Eigentum der Queen.

Die kleine Brücke quert den versandeten, ehemaligen Flößerhafen. Einst warteten die Holzflößer hier auf die Abnehmer und vertrieben sich die Zeit im Puff. Heute nennt sich das Gebäude Gasthof Rhein-Main-Terrassen, das uns mit dem Duft gebratener Schwäne empfängt. Andere Vögel empfangen uns mit heiserem Krächzen, es sind grüne Halsbandsittiche.

Und wieder überqueren wir den Flößerhafen, Blick in die Amtsstube der Wasserschutzpolizei, die haben sichtlich einen lauen Job. Hinter der Bastei liegt das „Strandschiff“, ein Dreimaster, der bis 1974 als Heringsfischer vor Grönland im Einsatz war.

 

 

Auf der Theodor-Heuss-Brücke hindert mich der starke Gegenwind an einem eleganten Anstieg. Blick hinunter zu den zwei Wasserentnahmestellen der Rheinwasseruntersuchungsstation (ziemlich langes Wort). Mit Schläuchen wird das Wasser auf beiden Länderseiten entnommen. Die Schläuche hängen an metallenen Auslegern, von denen die Kormorane fleißig in die Auffangringe kacken. Bin gespannt, ob die Deutsche Umwelthilfe gegen die Fischfresser klagen wird. Im Mainzer Brückenpfeiler ist ein Aquarium eingelassen, das mit Rheinwasser gespeist wird, darin ein einzelner Goldfisch, wohl resistent gegen verdaute Fischreste.

Der Lauf, jetzt flussaufwärts auf Mainzer Seite, ist eine Tortur wegen des Bratenduftes, der zunächst vom Hilton und vom Hyatt Regency, dann von überall her weht. Es ist 10:30 Uhr, ich habe Kohldampf.

Auf der Südbrücke, der Eisenbahnbrücke, zeigt mir Réné die zahlreichen Liebesschlösser, die er unter Hormonschüben einst hier angebracht hat. Dann endlich Ankunft an der Verpflegungsstation.

Ich drehe um, laufe die zweite Runde entgegen der Laufrichtung. Sehr lustig.  Allerdings muss ich für Fotos immer stehen bleiben und das bremst.

Vor der dritten Runde gebe ich Biggi meinen Fotoapparat. So erfahre ich, dass Sascha Haare im Ohr und in der Nase hat. Hab die Bilder aber gelöscht, muss ja nicht jeder wissen! Der VP von Biggi ist traditionell klasse. Dieses Jahr begeistern mich die Bratwürste, die angenehm mit Kümmel und Fenchel gewürzt sind und meinem Magen wohl tun. Lob an den Metzger!

Die Boxenstopps am VP werden immer länger. Nach meiner fünften Runde, bald nach Zieleinlauf geht die Sonne hinter dem Rhein unter. Fünf Minuten langsamer als letztes Jahr, das lag an dem schönen Sonnenwetter. 4400 Euro gehen durch unseren Lauf an das Kinderhospiz. Großen Dank an den neuen Hauptsponsor Technogroup, der nichts mit Musik, sondern viel mit IT zu tun hat. Der Logospruch von Technogroup: „Keep it running“.

Bei heißer Graupensuppe, dies ist ja der Ultra mit dem gewissen Extra, planen die ganz Verrückten den nächsten Marathon an Heiligabend.

 

Informationen: Mainzer Maaraue (Ultra-)Marathon
Veranstalter-WebsiteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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