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Laufberichte

Zweihundertelf Runden

 

Laufen ist meine liebste Beschäftigung. Ich kann z.B. eine komplette Fernsehübertragung vom Frankfurt Marathon samt Vor- und Nachberichterstattung ansehen ohne auch nur einmal vom Sofa aufzustehen. Klar, selber laufen mag ich auch. Hier ist die Liste meiner Favoriten lang. Zuoberst stehen einsame Trails, vorzugsweise mit Aussicht. Kann es etwas Besseres geben, als auf schmalen Pfaden  zu laufen? Dann kommen aber auch schon die Rundenläufe. Deren Vorzüge liegen klar auf der Hand: Ich bin nie allein unterwegs, Verpflegung befindet sich immer an der gleichen Stelle mit von Anfang an bekannter Auswahl, und ich bin mitten im Renngeschehen.

Der, ich möchte fast sagen Montblanc unter den Rundenläufen ist der Hallenmarathon in Geisingen. Hier wird der Marathon auf einer 200 m Runde gelaufen. Eine Herausforderung, der sich seit der Erstaustragung 2016 immer mehr Läufer stellen. Mir hat das von Anfang an sehr gut gefallen, es waren nur ca 20 Läufer am Start. Wie wird es wohl mit 60 sein? Die Bahn ist zwar 7 m breit - aber wer will schon außen laufen?

Am Vortag des Laufes hat es kräftig geschneit. Die A81 um die Ausfahrt Geisingen ist besonders betroffen. Norbert und ich verfolgen besorgt die Verkehrsnachrichten im Radio. Am Sonntagmorgen ist der Spuk, zumindest auf der Autobahn, allerdings vorbei. Einer sicheren Anreise steht nichts mehr im Weg. Auf dem Parkplatz vor der Inline-Arena ist der Schneepflug zu Gange und überraschend viele Autos stehen schon da.

In der 2010 erbauten, luftigen Halle ist trotzdem noch nicht viel los. Direkt am Eingang gibt es eine kleine Marathonmesse. Die Startnummernausgabe erfolgt zügig. Es ist frisch: zwischen 11 und 13 °C, je nachdem wo gemessen wird. Zum Laufen ist das optimal. Toiletten und Umkleidekabinen (angenehm beheizt) befinden sich linker Hand. Ich hab eine kleine Schachtel mit Eigenverpflegung vorbereitet, in der Hoffnung, diese irgendwo deponieren zu können. Helfer am Verpflegungsstand stellen sie zu meiner persönlichen Trinkflasche. Der Veranstalter sponsert diese Flaschen, mit der Startnummer drauf können sie nicht verwechselt werden. Als Verpflegung wird Wasser, sehr leckerer Tee und Cola, außerdem Laugenbrezeln, Früchteriegel, Banane und Apfel angeboten; alles natürlich in mundgerechte Portionen klein geschnitten.

 

 
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Die Verpflegungstische befinden sich an der Gegengerade etwas nach hinten versetzt. Über eine Art Boxengasse sind sie für die Läufer erreichbar. Auf Zuruf füllen die Helfer die persönliche Flasche und reichen sie in der nächsten Runde an.  Eein Service, der den schnellen Läufern einen echten Vorteil bietet. Je nach Bedarf joggt dann ein Helfer quer durch den Innenraum der Halle, um die Flasche etwa eine halbe Runde später wieder abzunehmen. Wir Langsameren können natürlich wie gewohnt verweilen und ein Schwätzchen halten.

Während Norbert und ich uns auf der großen Zuschauertribüne fertig machen, beginnt der Moderator, es ist derselbe, wie vor zwei Jahren, mit dem Soundcheck. Er wird von jetzt an nahezu ununterbrochen den Sporttag moderieren. Nach dem Marathon gibt es noch einen Schülerlauf über 1000 m, einen 5 und 10 km Lauf sowie einen Halbmarathon. Also ein wahrer Moderationsmarathon von 8 Uhr 45 bis 17 Uhr 30.

In der Halle kann man kurzärmelig und -hosig laufen. Der halleneigene Transponder wird mithilfe eines Klettbandes am Bein befestigt. Dann sind wir startklar. Start ist auf der Bahn am Kopfende, Ziel unter den Fähnchen bei der Zeitmessung, das sind dann genau 42,195 km und entspricht 211 Runden. Auf der großen Anzeigentafel kann man die Position, die Namen der Läufer samt Startnummer, die gelaufenen Zeit, die Anzahl der bereits gelaufenen Runden und die daraus resultierende Distanz ersehen.

 

 
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Es folgt ein kurzes Briefing, pünktlich um 8 Uhr 45 geht es los. Schnell sortiert sich das Feld. Ich versuche mich innen zu halten. Normalerweise würde ich aus Rücksicht auf die Schnellen nach außen ausweichen. Aber das funktioniert so nicht, da man häufig sogar von 2 Läufern gleichzeitig überholt wird und unschöne und vielleicht sogar gefährliche Ausweichmanöver die Folge wären. Deshalb bleibe ich stur innen. Meist klappt das ganz gut, nur wenn ein Pulk in der Kurve überholen will, kommt es schon mal zu kurzem Gerangel. Gott sei Dank verläuft aber alles ohne Zwischenfälle, jeder nimmt Rücksicht.

Gemütliches vor sich Hinschlappen oder ausgedehnte Unterhaltungen mit anderen Läufern sind  heute nicht angesagt. Auf der Bahn wird Sport getrieben, hier heißt es konzentriert seine Runden abzuspulen. Ich teile mir den Lauf in 25er Runden ein, das sind 5 Kilometer. Danach gönne ich mir eine Pause an der VP. Obwohl sich das monoton anhört, finde ich das Laufen nach Plan sogar spannend, das sollte ich vielleicht öfter machen. Der Moderator gibt zeitnah die Platzierungen durch.

Nach zweieinhalb Stunden wird es aufregend: Andreas Probst führt seit dem Start und schickt sich an, den Streckenrekord von 2:45:23 aus dem letzten Jahr zu brechen. Mit fantastischen 2:42:35 überquert er die Ziellinie. Thomas Knittel 2:54:09, Christopher Greenaway 2:57:17 und Lokalmatador Lars Schweizer 2:58:18 bleiben ebenfalls unter 3 Stunden. Julia Fatton, erfolgreiche Teilnehmerin bei der 24h-Lauf WM 2017 wird in diesem starken Feld gesamt 12. und gewinnt das Frauenrennen in 3:22:50 vor Ulrike Greif 3:47:41 und Jasmin Lehmacher 4:06:31.

 

 
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Bei mir läuft es dagegen eher zäh. Bereits nach den ersten Runden habe ich schwere Beine. Vermutlich bin ich, trotz besseren Wissens, zu schnell losgelaufen. Weil ich ohne meine Uhr unterwegs bin, kann ich das jedoch nicht überprüfen. Die Anzeigetafel ist mir keine große Hilfe, da die Anzeige durchläuft, wie die Läufer über die Zeitmessung gehen. Um sie richtig lesen zu können, müsste ich stehen bleiben und das will ich dann doch nicht. Die ersten 10 km sind im Bereich von einer Stunde, bei 20 km bin ich schon weit über 2 Stunden. Dann bekomme ich trotz Salztabletten Krämpfe. Immer wieder muss ich rechts raus, um die anderen nicht zu behindern. Ich quäle mich so durch die Runden. Ab km 35 geht es wieder besser. Ich bin jetzt bei Rundenzeiten um 1:23, das ist ein knapp 7:00er Pace.

Zielschluss ist angekündigt mit 4h30. Aber Orgaleiter Thomas Schneider deutet mir an, dass ich trotzdem weiterlaufen kann. Es sind noch 3 km. Inzwischen ist die Halle ziemlich voll geworden. Die Jugendläufe stehen an und die Läufer der weiteren Wettbewerbe sind auch schon da. Der Moderator erklärt den Anwesenden, warum ich noch meine Runden drehe. Die Zuschauer sind begeistert und ich werde daraufhin lautstark angefeuert. Die Marathonfinisher stehen jubelnd am Kopfende der Bahn, die Helfer an der Verpflegung klatschend an der Seite. So bekomme ich mehr Applaus als die Sieger. Weil ich den Transponder abgeben muss,  steht ein Helfer am Zieldurchlauf und signalisiert per Handzeichen meine noch zu laufenden Rundenzahlen. 5, 4, 3, 2, dann ertönt die Glocke für die letzte Runde. Mit elegantem Sprung und unter tosendem Applaus überquere ich die Ziellinie.

 

 

Fazit:


Der Hallenmarathon des Lauftreffs Pfohren ist für mich eine geniale Ergänzung im Laufkalender, vor allem jetzt  im Winter. Hier kann man ohne Witterungseinflüsse seine Form testen. Gerne würde ich auch mal das Zeitlimit von 4h30 schaffen, wenn nicht hier, wo dann? Die Helfer sind unglaublich ambitioniert und wissen genau, was die Athleten brauchen. Man merkt, dass Sie selbst Läufer sind. Die Inliner-Halle eignet sich optimal; die komplette Technik und Infrastruktur ist vorhanden und erfolgreich erprobt. Nicht umsonst laufen hier vergleichsweise viele schnelle Läufer.

Auch für Zuschauer ist es, denke ich, interessant. Wo sonst kann man einen kompletten Marathon hautnah mitverfolgen? Danke an den professionellen Moderator. Ohne ihn wäre das Ganze nur halb so schön. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr.

 

Informationen: Hallenmarathon Pfohren
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