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Laufberichte

Schää war‘s

 

Den folgenden Streckenabschnitt erkenne ich vom Kleinkarlbacher 6-Stunden Lauf wieder. An diesen Lauf im letzten Herbst habe ich noch schöne Erinnerungen. Trotz Weindoping meistere ich auch die zweite Weiche unfallfrei, puh – geschafft. Da uns die Halbmarathonis verlassen haben, ist das Feld spürbar geschrumpft. Dafür geht es jetzt richtig bergauf nach Bobenheim am Berg – der Name scheint Programm.

Bobenheim lassen wir schnell hinter uns und schon liegt Weißenheim am Berg schemenhaft vor uns in der Sonne. Die Silhouette des Dorfes wird von den beiden unterschiedlichen Kirchtürmen geprägt. Die mittelalterliche protestantische Kirche hat einen hohen, spitzen, schwarzen Kirchturm. Die katholische Kirche aus dem Jahr 1933 wirkt dagegen gedrungen und hat ein rotes Dach. Es geht mitten durch den Ort. Die Verpflegungsstelle liegt zentral bei der katholischen Kirche, wo sich zahlreiche Zuschauer eingefunden haben. Neben Wasser, Iso, Tee und Obst gibt es Riesling und Weißherbst. Wegen des Jubiläums hängt über der Straße ein Efeukranz mit einer gut sichtbaren 10.

Hinter Weißenheim geht es erneut bergauf (km14). Die Straße liegt an einer weißblühenden Schlehenhecke, in deren Schutz zahlreiche Osterglocken blühen. Gut gelaunt ziehen die Läufer den Berg hinauf, jeder in seinem Tempo. Oben bekommen, haben wir zur Belohnung einen atemberaubenden Ausblick auf die Höhenzüge des Haardt am Ostrand des Pfälzer Waldes.

 

 

Es geht wieder steil bergab. Unten sehe ich bereits das Ortsschild von Bad Dürkheim. Das kann aber noch nicht sein, ich denke, das kommt erst bei km 20. Tatsächlich handelt es sich nur um den Ortsteil Leistadt. Hier führt die niedliche, schmale Hauptstraße abermals bergauf. Oben erwarten uns Schaulustige, die jeden Vorbeikommenden kräftig anfeuern. Noch eine Kurve und die nächste Wasserstelle direkt vor dem historischen Rathaus kommt in Sicht. Ich nutze die bereitgestellten Wannen mit Schwämmen zur Kühlung und laufe auf der engen Hauptstraße weiter. Schon von weitem kann ich lautes Jubeln vernehmen. Hinter der evangelischen Kirche hat sich gefühlt das halbe Dorf versammelt. Jeder Läufer bekommt eine LaOla-Welle mit viel Applaus. Das macht den Sportlern sichtbar Spaß.

Wir verlassen den Ort und es stockt uns fast der Atem. Vor uns liegt die Rheinebene bis zum Odenwald im glänzenden Sonnenlicht. Der Sonnenkreisel bildet einen würdigen Vordergrund für dieses tolle Bild. Die Straße ist gesperrt und gut zu laufen, es geht rasant bergab. Das Gefälle scheint kein Ende zu nehmen. Bad Dürkheim ist jetzt tatsächlich in Sichtweite.

Als wenn es uns begrüßen wollte, beginnt in diesem Moment anhaltendes Glockengeläut. Mir ist schon klar, dass es sich um das sonntägliche Mittagsläuten handelt. Nichtsdestotrotz passt es gerade gut zu Sonne, Blüten und Fachwerkhäusern. Wir laufen durch die verwinkelten Gassen von Bad Dürkheim. Ich wundere mich, dass hier nichts los ist. Bei km 20 weiß ich warum. Alle Einwohner haben sich wohl hier versammelt. Ein Sprecher kündigt die Läufer an; es gibt eine Verpflegungsstelle, die Zwischenzeitmessung und der Wechselpunkt der Duo-Läufer. Ich genieße die Atmosphäre und halte mich vielleicht etwas zu lange beim Helfer am Weinstand auf. Er kredenzt einen Weißen mit dem klingenden Namen „Vier Jahreszeiten“ und wir diskutieren die Wichtigkeit von Weinkühlern, gerade bei der doch nun recht warmen Mittagssonne.

 

 

Inzwischen überholen mich gefühlt hundert Läufer. Jetzt muss ich aber doch los. Es geht ein Stück durch den Kurpark zum Gradierwerk, oder auch Saline genannt. Er ist Teil der Kuranlagen. In dem langen, hohen Bauwerk sind ca. 250 000 Reisigbündel aufgeschichtet, über die Salzwasser aus einer Heilquelle rieselt. Das Wasser verdunstet und die salzhaltigen Tröpfchen sollen sich positiv auf Lungen und Bronchien auswirken. Ich kenne das Gelände vom letzten 12-Stunden Salinenlauf, als man, allerdings bei Nacht und Dauerregen, wenig Muße hatte, den Bau eingehend zu betrachten. Heute bin ich froh über ein bisschen Schatten und die kühle Brise, die aus dem Bauwerk kommt.

Bei km 21 befindet sich erneut eine Zeitmessung. Für uns ist hier Halbzeit. Wir verlassen die Kuranlagen und laufen auf dem Radweg die B271 entlang. Auf der Straße stauen sich die Autos. Zwischen den Bäumen auf der anderen Straßenseite kann ich Läufer erkennen. Vom letzten Mal weiß ich noch, dass wir jetzt hin und auf der anderen Straßenseite wieder zurück müssen. Wie weit das ist, kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern. Zumindest kommen wir gerade an den  km 22 und 23 Schildern vorbei. An der nächsten Verpflegungsstelle verzichte ich trotz reichhaltigem Angebot auf den Wein. Stattdessen genehmige ich mir zwei Becher Tee. Mir ist heiß. Hinter dem km 24 Schild überqueren wir die Straße, was auch den massiven Autostau erklärt. Es geht nun auch für uns zurück. Auf der anderen Seite kommen immer noch Läufer entgegen.

Km 25: Wir erreichen Ungstein und somit wieder die Deutsche Weinstraße. Es scheint ein verschlafener Ort zu sein. In der Ortsmitte steppt allerdings der Bär. Die Mannheimer Percussionband  PercuBaMa macht mit ihren typischen Samba-Instrumenten Stimmung. Während die Straße unaufhörlich ansteigt, höre ich noch immer die heißen Rhythmen.

Zur Abwechslung geht es in Kallstadt wieder runter. Wir durchqueren den Ort (km 28) und erreichen die VP. Ein paar Zuschauer sind noch da, scheinen aber müde. Beim Weiterlaufen fällt mir eine Wokpfanne mit Zwiebelresten ins Auge. Hier gab es Pfälzer bzw. Kallstädter Saumagen. Das traditionsreiche Gericht wird aus Schweinefleisch, Brät und Kartoffeln wie eine Art Brühwurst hergestellt. Wenn ich ein paar Minuten warten würde, gäbe es Nachschub. Leider kommt gerade wieder ein Schwung Läufer von hinten und ich will nicht noch weiter zurückfallen. Also lasse ich Saumagen Saumagen sein und ziehe meiner Wege. In Kallstadt gibt es übrigens auch noch eine Weinlage, die Kallstädter Saumagen heißt.

Hinter dem Ort geht es erneut lange bergauf. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Immer wieder kommen Jogger von hinten. Ich wechsle zwischen Gehen und Laufen ab, um wenigstens einigermaßen Schritt zu halten. Oben kommt Herxheim am Berg in Sicht. Von weitem kann man das exponierte Gebäude der Winzergenossenschaft erkennen, das sich heute viele Besucher als Logenplatz für den Weinstraßen Marathon auserkoren haben. In der Ortsmitte ist ein kleines Straßenfest. Hauptattraktion ist die Rieslingdusche. Was für eine Verschwendung! Gabi Gründling, nicht nur als Moderatorin in der Laufszene bestens bekannt, gibt zu jedem Läufer einen launigen Kommentar ab.

 

 

Obwohl wir schon die ganze Zeit aufwärts laufen, geht es immer noch so weiter.  Auf einem Verkehrsschild steht, dass wir noch 3 km bis Kirchheim haben. Wir erreichen eine Kuppe und sind erneut ganz begeistert vom weiten Blick ins Pfälzer Bergland. Vor uns ist die Straße gesperrt und ein Helfer weist uns rechts nach Dackenheim. An der Verpflegungsstelle gibt es Muffins und gut gelaunte Helfer. Es ist richtig gemütlich, nur die mich ständig überholenden Läufer mahnen mich zur Eile. Ab hier wird nun auch zusätzlich Cola-Mix angeboten. An der nächsten Steigung weist ein Schild auf den Rieslingschwamm hin: Mitten auf der Straße steht ein Kiosk, an dem man erneut diese Weinstraßen-Marathon-Spezialität bekommt. Mir ist das immer noch nicht geheuer und so lasse ich den Stand links liegen.

In einer Schleife geht es nun zurück zur Straße nach Kirchheim, wo wir durch das Wohngebiet laufen. Bevor wir den Ortskern erreichen, weist uns eine Percussionsband mit rhythmischem Getrommel nach links zur nächsten VP. Hier lerne ich eine weitere Seite der Pfälzer Gastfreundschaft kennen und verliere wieder einige Plätze im Marathon-Ranking. Frisch gestärkt und mit neuem Schwung ziehe ich weiter.

Wir verlassen Kirchheim und gelangen auf das Gelände einer großen Baustelle. Hier entsteht die neue Ortsumgehung. Zuerst geht es steil hinunter und dann steil hinauf. Der Trail und die karge, wüstenähnliche Landschaft stehen  im krassen Gegensatz zu dem vielen  Grünen und Blühen bisher. Hinter km 34 kommen wir auf den vom Herweg bekannten Streckenteil.

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Informationen: Deutsche Weinstraße Marathon
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