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Laufberichte

Wenn's am Schönsten ist ...

25.04.10
Autor: Klaus Duwe

Zuschauer gibt es hier kaum. Außer den Läufern sind etliche Radler unterwegs, auf dem Rhein Ausflugsschiffe und einige Frachtkähne. Ich laufe gerne am Wasser, genieße diesen Streckenabschnitt und beneide die Bonner um diese einmalig schöne  Lauf- und Trainingsstrecke. Spätestens jetzt werden wir mit der jüngeren deutschen Geschichte konfrontiert, in der Bonn als Hauptstadt eine wichtige Rolle spielt.  Warum ist  sie damals eigentlich Hauptstadt geworden?

1949, vier Städte stehen zur Auswahl: Kassel, Frankfurt, Stuttgart und Bonn. Kassel scheidet schnell aus wegen der großen Kriegsschäden, Stuttgart hat finanzielle Probleme. Bleiben Frankfurt und Bonn. Für Bonn ist vor allem Adenauer mit seiner Rheinischen CDU. Die Hessische CDU ist aber für Frankfurt, dazu die SPD. Keine Chance für Bonn. Das ist auch das Ergebnis einer Probeabstimmung. In Frankfurt wird bereits ein Gelände für das Regierungsviertel erschlossen, sogar mit dem Bau eines Plenarsaales begonnen. Und Frankfurt OB Walter Kolb hat seine Dankesrede an die Abgeordneten bereits auf Band gesprochen.

Da wird Adenauer eine Pressemitteilung des SPD-Vorsitzenden Kurt Schuhmacher an den Deutschen Pressedienst (dpd) zugespielt, in der sich dieser so äußert, als habe die CDU in der Hauptstadtfrage bereits verloren. Diese Mitteilung präsentiert Adenauer den Abgeordneten unmittelbar vor der entscheidenden Abstimmung. Es kommt zu der erhofften Trotzreaktion der Hessischen Abgeordneten und Bonn wird zur  Hauptstadt gewählt. Was der Fuchs verschwiegen hatte: die Pressemitteilung war ein internes Papier und ist nie verschickt worden.

Natürlich wollte man mit der Entscheidung für Bonn, das ja alles andere als eine Metropole war,  auch unterstreichen, dass man nur eine Übergangslösung wollte und gleichzeitig die Abkehr vom Größenwahn  des Dritten Reiches zum Ausdruck bringen.

Rechts liegen die Villa Hammerschmidt und das Palais Schaumburg, ehemals Sitz des Bundespräsidenten und des Kanzlers, heute deren Zweitsitz und da Wasserwerk, der ehemalige Parlamentssaal. Man muss sich auskennen, sonst sieht oder erkennt man die Gebäude nicht. Unübersehbar dagegen ist de „Lange Eugen“, das ehemalige Abgeordnetenhaus. Namensgeber ist Eugen Gerstenmeier, in dessen Amtszeit als Bundestagspräsident der Bau des 114 m hohen Gebäudes (1965/69) fiel. Heute sind in dem denkmalgeschützten Gebäude verschiedene Einrichtungen der Vereinten Nationen darin untergebracht.

Wie man heute baut, sieht man am Post-Tower (km 13). Der Koloss aus Stahl und Glas ist 162 m hoch und hat die Form zweier versetzter Kreissegmente. Nur in Frankfurt stehen noch höhere Hochhäuser.   Die Postzentrale liegt fast genau gegenüber der T-Mobile-Zentrale auf der anderen Rheinseite. Gut für Bonn, dass der aufgeteilte ehemalige Staatsbetrieb nicht auch nach Berlin umgezogen ist, wie beispielsweise die Bahn von Frankfurt. Für die Stadt, die den Verlust des Hauptstadtstatus überraschend gut verkraftet hat, wäre das die Katastrophe.

Aber es gibt nicht nur Post und Telekom, sondern viele andere namhaften Firmen haben hier ihre Zentrale. Außerdem sind auch noch einige Ministerien (z.B. Gesundheit, Umweltschutz) und Behörden (z.B. Bundeskartellamt) hier ansässig.

Fast zwei Kilometer geht es jetzt auf der Petra-Kelly- und dann Ludwig-Erhard-Allee südwärts. Bei der Rheinaue (km 14), einem Freizeitpark der sich auf beide Rheinseiten erstreckt, ist eine große Verpflegungsstelle eingerichtet, die wie alle anderen zuvor sehr gut bestückt ist. Wasser und Iso, Cola, Bananen, Äpfel, alles da. Viele Leute sonnen sich auf den grünen Hügeln. Die Sonne macht sie träge. Auch den Läuferinnen und Läufer setzt sie etwas zu, denn Schatten gibt es keinen und die 20 Grad sind längst überschritten.

Bei km 15 wird gewendet und nach 2,5 km sind wir auf der B 9 Richtung Stadtmitte. Hier reihen sich repräsentative Firmenzentralen, Behörden und Ministerien aneinander. Die Bundesnetzagentur kann ich erkennen, Tank und Rast, das Haus der Geschichte usw. Rechts das Adenauer-Denkmal, das Kanzleramt und Palais Schaumburg. Ich rüttle am Zaun und rufe: „Ich will hier rein“. Nichts rührt sich. Da laufe ich einfach weiter.

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Informationen: Deutsche Post Marathon Bonn
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