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Laufberichte

HALLO, ROLAND

19.09.10
Autor: Klaus Duwe

Bei km 24 Am Herzogenkamp ist noch einmal tolle Stimmung, die folgenden Kilometer bei der Universität finde ich nicht so prickelnd. Liegt es daran, dass mir die Beine schwer werden? Zwar sehe ich vor und hinter mir jeweils viele Läufer, aber rechts und links sehe ich keinen. Ich bin alleine und das  mitten in der Krise. Erst das an einen Wal erinnernde, metallene Gebäude macht mich wieder munter. „Das ist das Universum, ein Museum“, teilt man mir auf Anfrage mit. Und was für eines. Es ist eine Dauerausstellung zu den Themen Mensch, Erde, Kosmos und die Besucher werden animiert („Heute schon studiert?“), viele der 250 Exponate selbst auszuprobieren.

Auch das ist nichts für mich. Schon eher der Afrikanische Chor, der unermüdlich und gekonnt Liedgut aus der Heimat vorträgt. Der DJ ein paar hundert Meter weiter müht sich zwar auch, hat aber keine Chance. Die Mädels sind einfach hübscher. Der Frauenchor am Eingang zum Bürgerpark gibt gerade ein Loblied auf die Läufer zum Besten, das ich mir gerne zu Ende angehört hätte - aber es rollt gerade wieder so einigermaßen. Den Rest besorgen der DJ und die Zuschauer, die uns bei km 28 lautstark begrüßen. Der 200 ha große Bremer Bürgerpark liegt mitten in der Stadt. Das Besondere ist, dass er seit seiner Entstehung 1865 aus Spendengeldern finanziert und unterhalten wird.

Dem Bach da mit seiner braunen Brühe sieht man seine Geschichte aber auch nicht an. Es ist der Torfkanal in Findorff, auf dem im 19. Jahrhundert Torf, damals Heizmaterial, vom Teufelsmoor in den Findorffer Hafen transportiert wurde. Auf der anderen Seite des Kanals laufen wir zurück in den Vorort und lassen uns für 30 gelaufene Kilometer feiern.

Hier kann ich ihn nicht mehr halten, der 4:30-Pacer, mittlerweile so alleine unterwegs wie ich, zieht vorbei. Wenig später übe ich fürchterliche Rache. Nicht am Pacer, ich überhole die letzten Halbmarathonläufer, die so ungefähr auf halber Strecke sind und mache ein Bild. „Kommen wir jetzt ins Fernsehen,“ fragt die Frau. „Quatsch, die nehmen doch nur die Ersten“, belehrt sie der Mann. Stimmt - und der Rest landet im Internet bei marathon4you.

Km 33, Überseestadt. Ein ehrgeiziges Stadtentwicklungsprojekt, bei dem im alten Hafengebiet Räumlichkeiten für Dienstleistungs- und Gewerbebetriebe, aber auch Wohnungen entstehen sollen. Speicher 1 am Europahafen ist fertig, wir können den Prachtbau besichtigen. Sogar von innen, denn durch eine Passage gelangen wir zur Hafenseite. Musik und viele Zuschauer begleiten uns. Die Restaurantterrasse ist allerdings verwaist. Frisch ist es hier und windig. Noch nicht einmal ein Raucher, der ja neuerdings ziemlich wetterfest sein muss, ist zu sehen.

Lloydstraße 4, eine historische Adresse. Aus dem ehemaligen Eduscho-Gebäude wurde 2007 ein moderner Office-Standort, das Kaffee Quartier. Kaffee und Bremen, das gehört zusammen. Jede zweite Tasse, die in Deutschland getrunken wird, kommt aus Bremen.

Wir laufen schnurstracks auf den Weser-Tower, einem 22stöckigen Glaspalast, zu. 800 Menschen werden hier bald arbeiten. Architekt ist übrigens Helmut Jahn. Kennt Ihr nicht? Aber, aber … Nicht aufgepasst beim Laufberichte lesen? Von Helmut Jahn ist auch der Messeturm in Frankfurt. Dort sehen wir uns demnächst.

Aber zuerst muss ich den hier zu Ende laufen. 7 km fehlen noch, die schlimmsten bei jedem Marathon. Wir sind auf der Weserpromenade, unterhalb der Schlachte, Bremens maritimer Meile. „BMW“, ruft der Helfer an der Verpflegungsstelle, „Bremer Marathon Wasser, ohne Gräten.“ Sind die alle gut drauf. Ein Radiosender hat hier einen Außenposten eingerichtet, der Moderator bemüht sich redlich, aber Zuschauer gibt es kaum. Die sind alle ein Stück weiter auf dem Marktplatz und feiern die Finisher.

Derweil gibt es auf dem Wasser einen originalgetreuen Nachbau einer Fregatte zu bewundern, wie sie Lord Nelson 1805 bei der Schlacht von Trafalgar befehligte. Nach ihm ist das Restaurantschiff auch benannt, statt Kanonen gibt es Pfannkuchen, von 3,95 Euro aufwärts.

Wie der Kaffee ist mittlerweile auch der Fußball untrennbar mit Bremen verbunden. Meist spielen der Werderaner ja ganz vorne mit, die letzte Meisterschaft liegt allerdings schon etwas zurück. 2003/04 holte man aber gleich Schale und Pokal. Zum Weserstadion, Heimat von Werder Bremen,  laufen wir jetzt, immer am Fluss entlang. Das Stadion (km 38) wird gerade umgebaut, im nächsten Jahr soll es fertig sein.

Wir machen kehrt und laufen nun oberhalb des Uferwegs auf der Osterdeichstraße zurück in die Stadt. Ihr kennt die letzten Kilometer, ich spare mir das Gejammere.

 
 

Informationen: Bremen Marathon
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