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Laufberichte

Mister Sympathicus Jonathan Wyatt erneut vorne

12.10.08

Die Tour de Tirol legt in der Teilnehmerzahl wieder zu. Generalprobe geglückt bei Kaiserwetter. Generalprobe für was? - "Da rasnde Reporter kimmt!" - Nicht nur Schnelligkeit, sondern auch den Knigge muss man beherrschen!

Bereits in Davos spricht mich Martin Kaindl (Chef von Jol) an, ob ich nicht wieder als laufender Reporter von der Tour de Tirol berichten will. Ja, der Martin ist nicht nur ein Geschäftsmann, der sein Handwerk versteht, sondern auch eine Sportskanone. In Davos rennt er beim K78 in der Spitze mit.

Als Vorbereitung zur Tour gibt es mehrere Treffen, wo dann einzelne Streckenteile unter seiner Leitung abgelaufen werden. Wer jetzt glaubt, dass da nur Spitzensportler laufen können, dem muss ich den richtigen Weg zeigen. Es gibt die Möglichkeit, nur ein oder zwei Rennen zu bestreiten, oder sich mit einem oder zwei Läufern die ganze Tour zu teilen. Da können dann auch Frauen-, Männer oder gemischte Staffeln teilnehmen. Und für den Nachwuchs ist ebenfalls in sportlicher Sicht gesorgt.

Je nach Anmeldezeitpunkt kostet die ganze Tour ab 125 EUR. Dafür erhält man nicht nur ein wunderschönes Sportwochenende, sondern auch Funktionssocken, Race-Cap, eine Kultmütze, einen Bildband über Tirol und ein Finishershirt in bester Funktionalität. Medaille, Rücktransport per Bahn von der Hohen Salve, sowie Bustransporte nach Raith und an den Walchsee, ein Nudelgericht sowie ein Gutschein über 5 EUR sind ebenfalls schon includiert.

Jetzt höre ich schon Fragen, wie der Otto Normalläufer das hinkriegen soll. Nun, den Zehner kann man in Richtung Bestzeit laufen, der Kaisermarathon soll als Genusslauf herhalten und beim Halben mache ich die ersten beiden der vier Runden zurückhaltend und drehe dann zum Schluss hin auf. Die schnelle Einheit am ersten Tag kann ja auch langsam gelaufen werden.

Der Standort der Tour ist Söll. Zu erreichen über Kufstein oder Wörgl mit Anfahrt von weniger als 30 Minuten von der Inntalautobahn. Wer bei der Anmeldung am Freitag noch keine Unterkunft gebucht hat, da „werden Sie geholfen“, denn der Tourismusverband Söll ist mit einer Mitarbeiterin vor Ort.

Tag 1: Der Alpbachtaler Zehner – Aufgalopp in Reith

Nach einer knappen 45minütigen Busfahrt steige ich in Reith im Alpbachtal aus. Der Ort beschreibt sich gerne als Europas schönstes Blumendorf . Die Helfer haben schon eifrig am Nachmeldeschalter zu tun, die Nummern werden ausgegeben und der Streckenaufbau ist in vollem Gang.

 
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Dieter Ulbricht ist ebenfalls schon vor Ort. Auch er wird berichten. Für ihn ist es die erste Teilnahme an der Tour. Er ist ein wenig unsicher, da er noch nie drei Wettkämpfe aufeinander absolviert hat. Ich beruhige ihn. Denn wer den Ultra Trail um den Mont Blanc schafft, den bringt eine Tour erst recht nicht um.

Ich schaue mir das Höhendiagramm des Zehners an. Ja, vier Runden im Dorf stehen an und jede hat wohl so 40 Höhenmeter eingebaut. Also ganz flach ist die Strecke nicht, für einen Tiroler vielleicht schon. Anstiege sind beim Wendepunkt und nach der Kirche vorhanden. Wo es halt bergan geht, geht es irgendwo auch wieder hinab. Die Runde weist auch einen kleinen Teil mit Crosscharakter auf. Da laufen wir kurz über Gras und über einzelne Wurzeln.

Ich schaue mir das Dorfzentrum an. Am Reither Weiter sind noch einige Sonnenanbeter zu sehen, am Spielplatz daneben sind noch zahlreiche Kinder. Zum Einlaufen nutze ich gleich die ausgeschilderte Strecke. Die Sonne ist kurz vor dem Untergehen.

Zurück am Start werden schon die Zuschauer unterhalten. Die Moderatoren der Vorjahre, Stefan Steinacher und Othmar Peer, unterhalten das Läuferfeld und die Zuschauer. Immer wieder picken sich die beiden Athleten aus dem Feld und interviewen sie. Dabei muss auch ich ran ans Mikrophon.

Kurz vor dem Start erfolgt eine Wettkampfbesprechung. Die letzten Infos werden bekanntgegeben. Und dann werden wir mit einem Schuss losgeschickt. Das Feld hetzt davon. Ich bleibe zwei, drei Mal für einen Fotoschuss stehen. An der Wende, bis dahin ist es leicht ansteigend, kommen schon Michael Mair, Albuin Schwarz und Daniel Bett entgegen. Die Spitze ist noch kompakt zusammen.

 
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Es geht um den Wendepunkt herum, dann kann ich es laufen lassen, es geht bergab. Nach einer Linkskurve werden Getränke gereicht. Die eingesetzten Kinder sind mit Eifer dabei, die Becher den Athleten hinzuhalten.

Nach rund 100 Metern verlassen wir den Asphaltuntergrund. Die Strecke wird dann später crossartig. Gut dass sich das Feld schon ein wenig auseinander gezogen hat. Es ist jedoch Konzentration nötig, nicht dass sich mir eine Wurzel um den Fuß legt. Nach einem kurzen Gegenanstieg geht es auf einem Feldweg mit Karacho ins Dorf hinein. Leichte Rechtskurve, dann sehen wir die Kirche auf der rechten Seite. Viele Zuschauer haben sich hier versammelt und sorgen für Zuspruch. Es geht kurz bergan, Rechtskurve und schon hören wir die Moderatoren. Erste Runde geschafft.

Leider schaffe ich es nicht, einen Blick auf die Zieluhr zu werfen. Da das Licht für meine Fotoarbeit zunehmend knapp wird, lasse ich die Kamera meist in der Tasche. Dann geh ich halt auf Zug.

In den folgenden Runden merke ich schon, dass durch die Fotostopps einige Zeit draufgegangen ist: Ich kann jetzt immer wieder Gegner einholen. Schnelle Frauen sind hier unterwegs. So kann ich noch einige überholen und probiere mit mehr oder weniger Erfolg nochmals Bilder mit der Kamera aus dem Laufen heraus zu machen.

Das mir vorgegebene Ziel gelingt: Ich werde von der Spitze nicht überrundet. Dafür bin ich froh, als ich nach der letzten Runde in den Zielkanal gewunken werde. Die erste Aufgabe ist jetzt erfüllt. Mit einer Zeit von 41.01 Minuten bin ich zwar eine gute Minute langsamer als 2007, aber egal, ich hatte ja in den letzten Wochen ein volles Programm. Da darf man dann schon einen Schritt langsamer sein. Platz 11, das passt. Ja, und meine letzte Runde ist die Schnellste.

An der V-Stelle im Zielbereich erhalten wir Obst, Iso, Cola und das gute Bier aus Erding. Nach einer Runde Auslaufen geht es ins Tennisheim unter die mollig warmen Duschen. 313 Läufer sind ins Ziel gekommen, davon 99 Frauen, Respekt. Bei der Siegerehrung noch eine Beobachtung. Der Sieger Daniel Bett braucht noch Nachhilfe in Sachen Knigge. Die kleine Lizzy steht schon oben auf dem Stockerl und der große Daniel stellt sich direkt vor sie. Kein Gedanke, dass man frau vielleicht nach vorne stellen könnte. So muss die Lizzy seitlich vorbeilinsen. Später sorgen die Tirolinstones für eine After-Running-Chillout-Party. Ich kehre mit Dieter in unsere Unterkunft in die Pension Tulpe in Söll zurück.

 
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Siegerinnen:

1. Lizzy Hawker, weekly athletics, 37.21 Min.
2. Monika Feuersinger, JOLSPORT, 40.10 Min.
3. Tania Harpes, o.V., 41.03 Min.

Sieger:

1. Daniel Bett, HORNIG KAFFEE, 32.05,6 Min.
2. Ambrose Bitok, HORNIG KAFFEE, 32.05,8 Min.
3. Jonathan Wyatt, Team Tour de Tirol, 32.34 Min.

Tag 2: Der Kaisermarathon – Vorentscheidung?

Kommt heute die Entscheidung? Über diese Frage diskutieren wir am Frühstückstisch und sind uns einig, dass der „üblich Verdächtige“ wohl den Hinterherlaufenden die Hacken zeigen würde. Ja, es dürfte eine eindeutige Angelegenheit für Jonathan Wyatt werden.

Es ist ganz praktisch, hier in Söll zu übernachten, denn heute brauchen wir nur zehn Minuten gehen und sind dann schon in der Dorfmitte beim Startgelände. Passend zum Namen des Kaisermarathons zeigt sich auch Petrus – Kaiserwetter am Wilden Kaiser. Ich nehme mir fest vor, heute die 42,195 Kilometer und die 2000 Höhenmeter bei jedem Schritt zu genießen.

In der Dorfmitte laufen wieder Bekannte auf mich zu wie Wolfram Brunnmeier, den ich beim Gondo Event kennen lernen durfte. Oder Jürgen Teichert, der jede Marathonstrecke nur einmal läuft. Es ist möglich, Wärmebekleidung abzugeben, die dann auf die Hohe Salve transportiert wird.

 
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Ja, eine Woche früher, da hätte man einen Notplan aus der Schublade ziehen müssen, denn der Kaltlufteinbruch hatte der Hohen Salve eine Schneedecke von 50 Zentimeter beschert. Die ist aber mittlerweile wieder weggetaut. Es soll lediglich etwas rutschig sein, so werden wir vorgewarnt.

Start ist um 10.30 Uhr. Der Nebel im Tal sorgt dafür, dass der Hubschrauber nicht pünktlich starten kann und sich somit der Start um 10 bis 15 Minuten verzögert. Die Verspätung wird dann wieder für Interviews genutzt.

Mich fragt Othmar Peer, da ich an der Startlinie stehe, wie ich es schaffen will, auch den Zieleinlauf zu fotografieren. Dabei zwinkert er mit den Augen. „Das kann schon gehen“, erwidere ich, „mit den Motorrädern da vorne, vielleicht ein Stück als Anhalter und die Bergbahn werde ich bestimmt auch brauchen.“

Dann machen sich mit einem Schepperer die gut 250 Bergläufer auf die Strecke. Mit viel Applaus laufen wir durch Söll (698 Meter) und sind bei Kilometer eins bereits auf den Almwiesen. Der Hubschrauber des ORF schwebt über dem Läuferfeld.

Wir laufen jetzt eine Schleife von gut sieben Kilometer. Es ist ein stetiges leichtes Auf und Ab. Vor der ersten V-Stelle beim Alpenschlössl (770 Meter) wartet bereits eine erste kurze knackige Steigung, aber noch belaufbar.

Günter Bauernfeind von den Freien Läufern Baden Württemberg lobt die Berichterstattung auf m4y. Damit kann sich jeder Läufer auf ein Marathonrennen vorbereiten. Mit ihm duelliere ich mich mehrmals, da ich immer wieder für meine Arbeit stehen bleibe.

 
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Die Beschaffenheit der Wege ändert sich fortlaufend: So sind nicht nur kurze Asphaltpassagen, sondern auch befestigte Naturwege und sogar einzelne Trails vorhanden. Immer wieder laufen wir um Ecken und Kurven, somit wird unser heutiges Geschäft nicht langweilig.

Über Dorfbichl geht es zurück in die Ortsmitte von Söll, wo wir über Lautsprecher angekündigt werden. In mehreren Reihen stehen die Zuschauer. Vereinzelt haben sie sogar Kuhglocken dabei. Wir laufen durch eine Unterführung, somit muss nicht die vorbeiführende Bundesstraße aufwändig abgesperrt werden. Ja, es stehen viele Helfer aus Feuerwehr, Bergwacht, Rotkreuzlern und anderen Vereinen an der Strecke und überwachen. Die Strecke ist zwar nicht vollends gesperrt, aber die Anzahl der Helfer gibt ein gutes Gefühl.

Kilometer 8. Wir haben Söll wieder verlassen. Ich schaue auf die Uhr, ein glatter Fünf-Minuten-Schnitt. Später höre ich noch bayerische Sprachfetzen vom Münchener Peter Ostertag. Bei der Rainermühle (Kilometer 10,8) gibt es wieder was für die Gurgel.

Die Weissach ist jetzt unsere Begleiterin auf den nächsten Kilometern bis Scheffau. Ein Holländer freut sich, als ich wieder ein paar Kühe fotografiere. Eine kommt sogar angewackelt, sie denkt wohl, es gibt was zu Fressen.

Eine langgezogene leichte Steigung führt uns dann hinein nach Scheffau (752 Meter). Wenn man den Ort so liegen sieht, dann kann man den früheren Namen „Skefenouwen“, eine schiefe Au, nachvollziehen. An der Pfarrkirche stehen einige gut angezogene Leute. War da wohl Chorprobe oder ähnliches?

Wir verlassen den Ort. Ich kann jetzt zwei Damen beobachten, die sich nach meinem Augenschein belauern. Maria Frei aus Zeltweg und Barbara Wielandner aus Kössen. Ja, nicht nur die beiden haben noch genug Zeit und Weg, den Kampf mit sich und mit dem Gegner auszutragen.

Ellmau (803 Meter) heißt die nächste Ortschaft. Da war der Austragungsort der ersten Tour. Der Weg hinein geht leicht ansteigend. In der Ortsmitte haben sich wieder viele Zuschauer eingefunden. Ich verpflege wieder. Immer gut trinken, so ist meine Devise. Meist erhalten wir Wasser, Iso, Banane und Riegel. An einigen Tankstellen werden auch Gel, Cola und Red Bull gereicht.

 
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An der Kirche sehe ich ein Plakat, ich lese: Gottes Engel mögen Euch begleiten. Und beschützen, denke ich.

Weiter leicht ansteigend erreichen wir die Halbzeit bei der Talstation der Standseilbahn. Zwischenzeitnahme. Es folgen jetzt harte Kilometer, der Anstieg zum Hartkaiser. Von Ellmau aus gerechnet über 700 Höhenmeter. Den Forstweg kann ich noch belaufen, doch dann, auf dem steileren Wanderweg, wird gewandert. Hier sind auch einzelne Stufen vorhanden.

Nach zehn Minuten arger Schnauferei verlassen wir den Waldweg. Jetzt geht es eine Skipiste, nicht minder steil, hinauf. Das lässt aber dann nach.

An der Rübezahlalm (Kilometer 23,6) sind die Plätze im Freien schon gut besetzt. Es riecht nach Schweinebraten. Für mich gibt’s lediglich Iso und Cola. Und ein Gel als Nachtisch. Weiter.

Ich lese Sunnseit Team Ellmau auf einem Trikot. „Du hast heute ein Heimspiel,“ sage ich zu Peter Kaufmann. „Net wirklich,“ entgegnet er. „Ja, im Wintersport, da bin ich schon fitter, aber jetzt, mit den 25 gelaufenen Kilometern im Fahrgestell, da kann ich hier fast nichts mehr hochlaufen.“

Kurz hinter der Jägerhütte stehen drei Kinder mit einem kleinen Wimpel und winken den Läufern zu. Ja, Kinder sind nicht nur für mich ein schönes Foto-Motiv. Immer leicht zu motivieren. Einmal lasse ich sie in einer Reihe aufstellen und dann klatsche ich sie ab.

Nach gut 2,5 Stunden erreiche ich den Bergkaiser (Kilometer 26,7, 1555 Meter). Die erste harte Steigung ist jetzt hinter mir. An der V-Stelle nimmt mir ein Helfer die Kamera ab und knipst. Die Laufstrecke wird jetzt flacher, es sind jedoch immer wieder Gefälle und Steigungen enthalten. Ich fühle mich gut, ähnlich stark wie 2007, als ich mit Franz Wagner die zweite Hälfte zusammenlief. Seit Ellmau ist keiner von hinten gekommen.

Da vorne sehe ich ein gelbes Trikot vom Davoser K78. Das ist Dieter. Der war mir bereits kurz nach dem Start davon gesprungen. Wird er Probleme haben, frage ich mich. Als ich auflaufe, gebe ich ein „tüt tüt“ von mir. Auf eine Frage nach seinem Befinden sagt er „es geht nicht wirklich gut. Ich kann das wohl noch nicht, in kurzer Folge Wettkämpfe machen.“ Als ich überhole und ihn dann knipse, dann lacht er. So schlimm wird es schon nicht kommen für den Dieter.

„Jetzt kommt die Tanzbärenalm für uns Tanzbären,“ lasse ich bei der Tanzbodenalm los. An der Alm geht es mitten durch die Terrasse. Ein Kellner zeigt mir den Weg in die Gaststube. Wenn ich jetzt da einkehre, dann könnte ich versumpfen. Also mache ich weiter auf dem Weg ins Ziel. Die Alm verlassen wir über ein paar Stufen bergab.

Vor mir läuft eine „zache“ Frau. Evi Braune aus dem Alpbachtal kann ich zwar noch überholen, aber auch sie hat einen starken Lauf. Im Ziel werde ich nur zehn Sekunden Vorsprung haben.

Eibergalm, Holzalm, Filzalmsee sind die nächsten Ziele. Die Strecke ist jetzt gefällig. An einer Linksserpentine verlassen wir die Bergstraße geradeaus – mitten hinein in eine Almwiese, steil bergab. Ich muss langsam machen, die Oberschenkel maulen. Konzentration ist auch nötig, denn einige Kuhhaufen warten darauf, dass man hinein steigt.

Kilometer 35, Filzalmsee, eine weitere Trinkstelle. „Da rasnde Reporter kimmt,“ höre ich einen Helfer rufen. Ja, komme ich daher gerannt wie eine gesengte Sau, denke ich mir. Schnell verpflegt und weiter. Die Kilometer fliegen dahin. Ich zähle schon die Restkilometer, wohl im Bewusstsein, dass noch drei, vier vorschlaghammerharte Kilometer auf die Hohe Salve warten.

Hexenwasser (Kilometer 38,6, 1140 Meter), Wir haben massig Höhenmeter verloren. Die Turbo-Schnecken aus Lüdenscheid machen eine bombige Stimmung. Die Sauerländer haben einen Vereinsausflug hierher organisiert. Und wer meint, dass es in Lüdenscheid recht flach ist, der soll mal im Sauerland Urlaub machen.

Ich verpflege und mache mich auf das härteste Wegstück des heutigen Tages. Ein Pärchen liegt auf einer Liege und beobachtet. Er, mit freiem Oberkörper, lässt sich die Sonne auf den Bauch brennen. „So, jetzt übernimmst Du meine Startnummer, und ich leg mich da hin,“ sage ich. Dann lacht die ganze Bagage. Weiter.

Vor Kilometer 40 endet der Fahrweg. Jetzt geht es schnurstracks nach oben. Laufen unmöglich. Außer für Jonathan. Ich muss jeden Schritt suchen, denn das Gras ist feucht. Rutschgefahr.

„Durchziehen“, sagt ein Tourist. „Anschieben ist leichter,“ entgegne ich. Kilometer 40,5. Jetzt sind alle 500 Meter ausgeschildert. Ich höre Hard Rock aus einem Jeep. Die letzte V-Stelle bei Keat. Jetzt gibt es Red Bull und Cola. Den Red Bull kennts selba saufa, denke ich.

Wir queren die schwarze Abfahrtspiste. Eine skifahrende Vereinskollegin hat uns als verrückt erklärt, als ich ihr das letzte Wegstück zum Ziel beschrieb. Wir müssen nun jeden Schritt überlegen, alles ist feucht und rutschig. Der Weg führt auch über Steine, nur nicht hinfallen. Einen knappen Kilometer noch.

Wie lange dieser Kilometer dauert, das weiß ich bereits. In der Ebene braucht ein gemütlicher Spaziergänger 12 Minuten, hier geht nichts unter 15 Minuten. Ein Sportler sitzt im Schatten, es sieht wohl die „Blaumeise“. „Steh auf und geh langsam weiter,“ fordere ich ihn auf. „Du kühlst hier aus.“ „Meinst Du?“ frägt er. Ich nicke und beobachte, dass er sich langsam auf den Weg macht.

Ich kann jetzt keinen mehr überholen, die Abstände sind zu groß. Es besteht eher die Gefahr, dass von hinten jetzt doch der Erste seit Ellmau kommt. Ich kämpfe nun auch mit dem Berg. Othmar Peer kann ich schon von oben hören. Es geht nun noch ein paar Meter gerade, bevor es in der Zielgerade nach oben geht. Nochmals sausteil.

Dann wird das Zieltor immer größer. Ich sehe die Zeitmessmatte, bleibe davor stehen und hüpfe mit einem Standweitsprung auf die Matte. Gratulation, Medaille, Cola, Wärmefolie. Othmar will gleich ein Statement. Wie es mir gefallen hat? Wie die Strecke ist? Und, und, und. Bei seinen Fragen gibt es nur eine Antwort: „BÄRIG!“

Feierabend für heute. Im Ziel gibt es die volle Verpflegungspalette. Erdinger, warme, leckere Bouillon, Käse- und Wurstsemmeln. Ich genieße die Sonne auf der Hohen Salve (1829 Meter). Der Platz an der Wallfahrtskirche ist begehrt. Neben mir ist eine Horde Rosenheimer, die sich schon von Angehörigen den Flachmann reichen lassen. Und einer spricht: „Ich höre jetzt auf zu laufen. Ich gehe golfen.“

Am Abend besuche ich die Siegerehrung. Ja, und der Sieg war deutlich. Zwar sah man Jonathan Wyatt die Mühen im Ziel an, doch er hatte 15 Minuten Vorsprung zum Zweiten. Ja und mit meiner Zeit bin ich hochzufrieden. Ein Jahr älter geworden, gut trainiert, und dann mit 4.30.26 Stunden acht Sekunden schneller als 2007. Das reicht für Rang sieben in der Klasse.

Ja, und der heutige Lauf war die Generalprobe für die 2009 stattfindende Berglauf-Weltmeisterschaft über die Langdistanz. Und es hat alles wie am Schnürchen funktioniert.

 
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Siegerinnen:

1. Monika Feuersinger, Jolsport, 4.05.24 Std.
2. Waltraud Berger, o.V., 4.17.32 Std.
3. Beate Bauer, LT Auenwald, 4.17.41.

Sieger:

1. Jonathan Wyatt, Team Tour de Tirol, 3.06.43 Std..
2. Daniel Bett, Hornig Kaffee, 3.21.52 Std.
3. Albuin Schwarz, Jolsport, 3.27.21 Std.

Tag 3: Halbmarathon im Kaierwinkl - Schaulaufen für viele oder doch noch mal kämpfen?

Überhaupt keine Hektik mehr verbreitet der Halbmarathon im Kaiserwinkl bei mir. Ich weiß, was auf mich zukommt und was ich noch zu leisten vermag. Am Anfang die ersten zwei Runden einrollen, mehr fotografieren und dann auf Runde drei und vier die Sau rauslassen, das ist meine Taktik.

Da der Start erst um 13.00 Uhr ist, kann man regelrecht ausschlafen und ohne Stress nach Walchsee am gleichnamigen See anreisen. Viele Sportler fahren gleich selbst an, denn dann muss nicht mehr aufwändig nach Söll per Bus zurückgefahren werden. Vom Walchsee ist man dann auch nach runden 15 Kilometern auf der Inntalautobahn.

 
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Die Strecke ist schnell zu belaufen, auf den vier Runden sind wohl weniger als 100 Höhenmeter eingebaut. Da jetzt teilweise die Uferpromenade neu hergerichtet wurde, entfällt die bisherige kleine Zusatzschleife. Die vorbeiführende Bundesstraße wird von den Feuerwehrlern zur Hälfte gesperrt. Ich habe nur ein Ziel, dass ich nicht überrundet werde. Dies ist mir zwar 2007 nicht gelungen, dafür konnte ich den Endspurt um den Sieg praktisch von der ersten Reihe aus beobachten.

Das Startprozedere gleicht sich wie an den zwei Tagen zuvor, lediglich der Martin hat eine heißere Stimme. Dafür hängt ihm eine riesige Kuhglocke um den Hals. Hatte er heute schon den persönlichen Almabtrieb? Ich muss schmunzeln.

Dieter und ich stehen wieder am Rand, als das große Feld mit mehr als 300 Sportlern losgelassen werden. Er geht vom Startplatz beim Tenniszentrum sogleich auf die Bundesstraße. Mit Kilometer eins sind wir bereits in der Ortsmitte von Walchsee. Auffällig ist der Blumenschmuck des Ilgerhofs und des Hotels Schick. Unsere Strecke führt dann an einem Bootsverleih vorbei und später verlassen wir die Hauptstraße und wechseln auf den asphaltierten Uferweg.

Nach dem Durchlaufen eines kleinen Waldstückes ist eine kleine Welle zu bezwingen, die Strecke fällt dann aber sogleich wieder. Wir überqueren den Weißenbach, wo wir die neue Promenade belaufen. Bei Kilometer drei können wir die V-Stelle ausgiebig benützen. Ich sehe Wasser und Iso und habe bestimmt nicht die ganze Palette erblickt. Einen Becher Wasser und weiter.

Nun geht es an einem Campingplatz vorbei, im angrenzenden Cafe sind die Freiplätze schon gut belegt, kein Wunder, bei diesem strahlenden Sonnenschein und warmen Temperaturen. Unserer weiterer Weg durch den Ortsteil Öd wird etwas ansteigend, dann kann auf den letzten knappen Kilometer bis zum Ende der Runde eins noch mal Gas gegeben werden. Ich mache mehrere Fotopausen und muss also immer wieder intervallartig aufholen.

 
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Runde zwei. Da sehe ich Dieter vor mir rennen. Ich laufe auf und kann ihn sogar kurzzeitig überholen. Der Vorsprung geht dann nach dem Bootsverleih wieder flöten, als ich ihn ablichte. Dann auf der Seepromenade grasen zwei Enten am Rand der Rennbahn. Ha, das ist ein schönes Motiv. Dann dauert es eine ganze Weile, ich glaube so rund 30 Sekunden, bis der erste Verfolger zu sehen ist. Läufer und Enten, ja das will ich auf dem Chip haben. Doch was passiert. Der Enterich haut im Flug ab und sie schimpft wie ein Rohrspatz. Wie im richtigen Leben, wo die Frauen auch immer maulen.

Durch diese Aktion habe ich natürlich Zeit verloren. Es dauert mehrere Kilometer, bis ich wieder an die vor mir Laufenden aufschließen kann. Vor mir ein bekanntes Gesicht. Nicole Kresse, die mir am Vortag noch zehn Minuten abgenommen hat. Ich schieße aus dem Lauf heraus ein Bild. Nicole lacht. Ihr geht es richtig gut. Gegen Ende der zweiten Runde beschließe ich, die Kamera wegzustecken.

Mittlerweile merke ich, dass ich platt bin. Die Spritzigkeit lässt zu wünschen übrig. Wenigstens kann ich noch einige Läufer einholen. Aufbauend sind die Zuschauer, die jeden Tourläufer anfeuern. Bei den anwesenden Holländern bin ich wohl schon bekannt, denn die rufen: „Anton hopp“.

Ich kann mein Tempo trotz der allgemeinen Müdigkeit noch leicht steigern. Das reicht aber nicht, denn in Öd kommt zuerst ein Motorradfahrer, dann Daniel Bett mit einem Speed daher wie die Feuerwehr. Wenigstens bleibt es bei einem Überholmanöver. Letztes Jahr sind ja zwei an mir vorbei.

In der letzten Runde geht es zunehmend schwerer. Dieter ist mit mittlerweile auf und davon. Er hat sich von gestern wieder deutlich erholt. Dann bleibt mir Richard Pirngruber bis zur Zielgerade auf den Fersen. „Komm, wir laufen gemeinsam ins Ziel“, kommt mein Vorschlag, den er gerne annimmt. Die Uhr bleibt für uns bei 1.32.36 Stunden stehen. Das passt schon.

Im Verpflegungsbereich wird der Chip abgenommen, dafür erhalten wir im Gegenzug Finishershirt und RaceCap. Ich wechsele die Oberbekleidung und gehe auf die Strecke, um noch einige Finisherbilder zu erhaschen. Es sind fast ausschließlich stolze Touris zu sehen.

Othmar Peer ruft mich abermals ans Mikrophon, just als Georg Tangerner einläuft. Der ist auch ein wilder Hund. So hat er den Ötschermarathon und den Bergmarathon Kainach schon mehrmals bezwungen. Auch lange Einheiten und Etappenläufe (Transalpine) liebt er.

Ich werde dann von Othmar gefragt, ob ich 2009 zur WM kommen will. Nun, wenn die Gesundheit erhalten bleibt, dann gerne.

Siegerinnen:
1. Lizzy Hawker, weekly athletics, 1.21.57 Std.
2. Kathrin Thaumiller, Laufsport Tassani Team, 1.27.45 Std.
3. Tania Harpes, o.V., 1.29.56 Std.

 
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Sieger:
1. Daniel Bett, HORNIG KAFFEE, 1.08.09 Std.
2. Ambrose Bitok, HORNIG KAFFEE, 1.10.06 Std.
3. Simon Lechleitner, SV Schlickeralm/LG Decker Itter, 1.11.57 Std.

Siegerehrung: Winner is Monika Feuersinger and Jonathan Whyatt

Wie in beiden Vorjahren gewinnt Jonathan Wyatt deutlich die Gesamtwertung. Bei den Frauen siegt zum ersten Mal Monika Feuersinger. Zufrieden zeigen sich auch Martin Kaindl, Dieser Aufinger als „Häuptlinge“ der Veranstaltung. 40 Prozent mehr Teilnehmer, 1000 Finisher, 300 NordicWalker und 250 Kinder, das lässt sich sehen. Für 2009 mit der vorgesehenen Weltmeisterschaft ist ein weiterer Zuwachs prognostiziert.

Bei der Siegerehrung brachte dann ein Altersklassenläufer den Spruch des Tages: „Wenn es die Tour de Tirol nicht geben würde, müsste man sie erfinden.“

Gesamtsiegerinnen:
1. Monika Feuersinger, JOLSPORT, 6.15.47 Std.
2. Waltraud Berger, TG Salzachtal, 6.31.58 Std.
3. Beate Bauer, LT Auenwald, 6.34.14 Std.
4. Monika Hager, Team Alpbachtal Seenland/Lauftreff; 6.37.15 Std.
5. Nicole Kresse, o.V., 6.39.40 Std.
6. Marion Kapuscinski, SV Riveg Lunz, 6.46.46 Std.

Sieger:
1. Jonathan Wyatt, Team Tour de Tirol, 4.51.23 Std.
2. Daniel Bett, HORNIG KAFFEE, 5.02.07 Std.
3. Albuin Schwarz, JOLSPORT, 5.15.13 Std.
4. Ambrose Bitok, HORNIG KAFFEE, 5.17.22 Std.
5. Stefan Widauer, Rennteam Alpbachtal, 5.23.09 Std.
6. Martin Schedler, Team Salomon/SV schlau.com Saar 05, 5.23.31 Std.
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28. Anton Lautner, Marathon4you.de, 6.44.03 Std.

Streckenbeschreibung:

Prolog welliger Vierrundenkurs in Reith. Kaisermarathon von Söll über Ellmau auf den Hartkaiser zum Ziel auf der Hohen Salve mit über 2000 Höhenmeter. Halbmarathon über vier flache Runden am Walchsee. Alle Kilometer beschildert.

Wettbewerbe:

Tour kann als Einzelläufer oder als Staffel gelaufen werden. Einzelne Wettkämpfe auch möglich. Beim Prolog Kinderläufe. Beim Marathon zusätzlich Nordic Walking vom Söll zum Hexenwasser bzw. auf die Hohe Salve.

Zeitnahme:

Chip auf der Startnummer.

Auszeichnung:

Geldpreise für die Besten, Medaillen für die drei Klassenbesten. Reichhaltige Startergeschenke (Laufsocken, Kultmütze, RaceCap). Beim Marathon für alle Medaillen. Finishershirt für alle in der Gesamtwertung.

Drumherum:

Übernachtungen können bei der Einschreibung gebucht werden. Jeder Lauf wird mit einer Siegerparty bei Livemusik beendet. Massagemöglichkeit. Gepäckbewachung. Rücktransport von der Hohen Salve mit der Bergbahn. Transport mit Bussen nach Reith und zum Walchsee.

Verpflegung:

Reichhaltig Verpflegungsstellen mit Wasser, Tee, Iso, Bananen, Äpfel, Riegel, Cola, Bier, Red Bull. Diese Aufzählung ist wahrscheinlich nicht vollständig.

Zuschauer:

Auf der ganzen Strecke waren Zuschauer vorhanden. Besonders viele in den größeren Orten.

 
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Fazit:

Eine schöne Veranstaltung für den Naturliebhaber und Landschafts- und Bergläufer. Für Neulinge empfehle ich einzelne Etappen. Der routinierte Bergläufer kann sich schon die gesamte Tour zumuten.

In diesem Sinne für 2009: „Wir sehen und im Oktober und laufen gemeinsam die Tour de Tirol!“

 

Informationen: Kaisermarathon / Tour de Tirol
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteFotodienst HotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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