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Laufberichte

Hart, härter, steinhart

 

Zum Abschluss meines Marathonjahres, dem ersten mit einer zweistelligen Laufzahl, zieht es mich ins Münsterland. Passend zum zu Ende gehenden Laufjahr habe ich mir den anspruchsvollen Marathon in Steinfurt durch das Bagno über den Buchenberg ausgewählt. Auf dem Weg zu unseren Freunden Anne und Manfred hole ich die Startunterlagen ab. Bei Sonnenschein herrscht im Festzelt am Wasserschloss reges Treiben. Die kleine Messe bietet Gelegenheit, sein Equipment zu ergänzen. Gewohnt gut organisiert bekomme ich trotz 608 Teilnehmer sofort meine Unterlagen. So steht einem stressfreien und gemütlichen Abend nichts mehr im Weg.

Der Start am Sonntag um 9.30 Uhr gibt mir Gelegenheit auszuschlafen und üppig zu frühstücken. So erreiche ich gut gestärkt den Startbereich. Die frischen Temperaturen von 5 Grad treiben mich nochmals ins Festzelt. Gut eingeheizt ist hier, weshalb sich das Gros der Starter einfindet. Ich bekomme die Gelegenheit, zahlreiche Bekannte zu begrüßen, wie Gerd, Günter und HaWe. Erst der nahe Start treibt uns ins Freie. Langsam füllt sich der Startbereich. Links stehen schon die Ziegelsteine für die Finisher. Vorher vergreift sich keiner daran. Wäre zu auffällig und zudem zu unhandlich und schwer, diese 42 Kilometer mitzuschleppen. Wie komme ich nur auf solche Ideen?

Seit meiner letzten Teilnahme gab es eine Streckenänderung. Heute werde ich die notwendigen Kilometer auf drei Runden ohne Einführungsrunde bewältigen. Mal schauen, wie gleichmäßig das wird. Der übliche Countdown, ein Schuss und schon bin ich unterwegs. Unterwegs sind aber erst einmal die Marathonis und die Ultraläufer. Die Teilnehmer über die 14 und 28 Kilometer folgen später. Wer sich überschätzt hat, kann rundenweise mit Wertung aussteigen.

 

 
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1. Runde - hart

 

Vorbei geht es am Denkmal für die Gefallenen der Weltkriege, um anschließend nach rechts in den Wald einzutauchen. Auch wenn es die Sonne heute schwer hat, die Wolken zu durchbrechen, leuchten die Blätter in grün, gelb und rot. Die Helfer sind auf dem Posten und weisen uns den richtigen Weg. Dies bleibt auch so, so daß Verlaufen ausgeschlossen ist. Nach einem kurzen Schwenk nach Westen knickt die Strecke erst in Richtung Süden und dann nach Südosten ab. Es folgt eine lange Gerade, die uns nach knapp 3 KM unter der B 54 hindurch führt. Bernd schließt zu mir auf, ich bin wieder einmal als Reporter aufgefallen. Als früherer Organisator der Brems- und Zugläufer plaudert er aus dem Nähkästchen und bringt mir die Geschichte der Steinfurter Marathongeschichte näher.

Die Vorgängerveranstatltung hatte ein einfacheres Profil. Mit den angebotenen Brems- und Zugläufern, die  hier „erfunden“ wurden, sollten die Teilnehmer zu ihren gewünschten Zeiten ins Ziel gebracht werden. Das kam gut an, so dass der Steinfurter Marathon zu den größten Veranstaltungen in ganz Deutschland zählte. Dann kam der Boom und  Marathonveranstaltungen wie die in Steinfurt verloren an Zuspruch, bis der Aufwand in keinem Verhältnis mehr zum gewünschten Ertrag stand. Konsequenterweise überarbeitete man das Konzept mit dem Bagno-Buchenbergmarathon als Ergebnis. Mich hat dieses bereits beim ersten Mal überzeugt, weshalb ich immer gerne wieder komme.

Abgelenkt vom Plausch liegen bereits 4 KM hinter mir. Die lange Gerade hat ein Ende. Noch habe ich viele Läufer vor mir im Blick, so gemütlich bin ich unterwegs. Nach mehrmaligen 4 Stunden-Jagden laufe ich zum ersten Mal ohne Uhr, ohne Stress, nur nach Lust und Gefühl.  So komme ich zur Verbindungsstraße zwischen den Stadtteilen Burgsteinfurt und Borghorst. An der ersten Verpflegungsstation wird neben Cola und Wasser auch warmer Tee gereicht, genau das Richtige heute. Zudem stärke ich mich mit dem leckeren Rosinenstuten. Die nächste Steigung wartet schon. Die Straße ist die erste größere Herausforderung des Tages. Ich schließe zu HaWe auf und bin etwas irritiert. Eigentlich hatte ich ihn hinter mir vermutet. Ich bin wohl noch langsamer als gedacht. Macht aber nichts, denn jetzt kann ich endlich mal einige Kilometer mit ihm gemeinsam laufen. Klaus aus Dänemark schließt sich an. Gemeinsam haben wir am Bilstein dieses Jahr schon größere Herausfordeungen gemeistert. Auch Johannes schließt sich uns an. Er kommt aus Holland und ergänzt unsere internationale Gruppe.

 

 
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Gemeinsam verlassen wir nach wenigen hundert Metern die Straße. Wir streifen die ersten Ausläufer des Naturschutzgebietes am Buchenberg. Geradeaus könnten wir ihn den Berg sehen, versperrten nicht Bäume die Sicht. Ein Schwenk führt uns bald darauf aus dem Wald heraus und voraus grüßt Borghorst. Zuschauer gibt es hier auch, einer hat seine Tröte ausgepackt und bläst uns den Marsch. Eine tolle Abwechslung. Freundlich angetrieben erreiche ich kurz darauf den zweiten Steinfurter Stadtteil. Ich streife ihn jedoch nur am Rande, denn schon bald führt mich die Strecke hinaus ins typische Münsterland. Zwischen den Ortschaften verteilen sich einzelne Höfe. 6 KM sind geschafft.

Stefan ist mit Sandalen unterwegs. Na ja, als Orthopäde wird er wissen, was er tut. Er ist ja grundsätzlich so unterwegs. Auf der alten Strecke habe ich sogar mal einen Barfußläufer beobachten können. Würde ich mir bei der heutigen Strecke aber nicht zutrauen. Das nächste Trailstück steht nämlich unmittelbar bevor.

Nur noch eine Linkskurve mit der zweiten Verpflegungsstation, dann führt mich der anschließende Feldweg direkt in Richtung Buchenberg, während Borghorst von den ersten Sonnenstrahlen des Tages beschienen wird. Durch die Wiesen steigt die Strecke noch mäßig an. Dies ändert sich, als ich den Wald wieder erreiche. Hier erwartet mich eine zwar kurze, dafür umso knackigere Steigung. Die schwierigste heute. Die ersten Teilnehmer werden zu Wanderern. Ich versuche es mit langsamen Laufen. Daß ich hier noch zweimal vorbeikomme, stört mich dabei nicht. Schließlich geht es gleich wieder bergab und es ist Zeit zum Erholen. Nach etwa 9 KM beende ich die Buchenbergrunde, als ich erneut auf die Landstraße stoße. Verpflegung ist angesagt. Die anschließenden Meter kenne ich wieder, denn diese habe ich bereits anders herum gemeistert. Entgegen kommt mir noch niemand. Wäre auch zu deprimierend, wenn die Führenden im Marathon oder Ultralauf schon etwa 10 KM Vorsprung hätten.

Ich bin mit Ralf für die nächsten Kilometer zusammen. Bei KM 10 erwartet uns ein Begegnungsstück, damit die Runde auf die erforderlichen 14 Kilometer kommt. Wäre weiter nicht schlimm, wenn nicht einige zusätzliche Höhenmeter damit verbunden wären. Als Ausgleich bekomme ich Gelegenheit zur Standortbestimmung. Klaus und HaWe liegen etwas zurück. Aber das interessiert mich heute egentlich wenig, denn ich bin ja zeitlos unterwegs. Zudem bin ich ja in intensivem Gespräch mit Ralf. Fast unbemerkt erreiche ich das Bagno mit seiner Konzerthalle. Moderne Kunst füllt den Platz davor. Links liegt der Bagnosee, dessen Ufer ich anschließend folge.

KM 12 ist erreicht. Ich tauche erneut in den Wald ein. Am Ende des Sees überquere ich eine Brücke. Im Bogen führt die Strecke nach rechts. Ein Zaun markiert den Golfplatz, den ich bald quere. Hier kommen mir die Läufer entgegen, die bereits etwa 1,5 Kilometer weiter sind. Der Weg geradeaus würde mich am schnellsten ins Ziel führen. Die netten Helfer weisen mich jedoch nach rechts. Noch läßt mich der Wald nicht los. Ich verlasse ihn erst, als ich kurz darauf die wieder hergestellte Große Allee erreiche. 2003 neu errichtet, verbindet sie das Steinfurter Schloß mit dem Bagno. Die Allee führt mich direkt in den Zielbereich. Die erste Runde ist abgehakt.

 

 
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2. Runde – härter

 

Die Zwischenzeit deutet auf eine Endzeit von 4:30 Stunden hin. Ich fühle mich gut und laufe entsprechend motiviert auf die 2. Runde. Ralf läßt mich ziehen. Das Teilnehmerfeld ist jetzt soweit auseinandergezogen, das ich nur noch wenige Läuferinnen und Läufer im Blick habe. Von hinten kommt derzeit wenig, die Vorderleute spornen mich an. Der herbstliche Wald wirkt beruhigend, rechts fließt die Steinfurter Aa gemächlich dahin. Ich finde die notwendige Balance, um nicht läuferisch zu überdrehen. In gleichmäßigem Tempo lasse ich mich die nächsten Kilometer treiben.

Als ich auf das Begegnungsstück zur Landstraße abbiege, ist es mit meiner Ruhe erst mal vorbei. Die Läufer der kürzeren Strecken über 14 und 28 Kilometer kommen mir entgegen. Sie sind einige Zeit nach uns auf die Strecke gegangen. Das Gedränge ist groß genug, um höchste Konzentration zu fordern. Gut so, denn sonst wären die mir bekannten Paderpiraten mit Ralle womöglich entgangen. In ihrem Piratenkostüm fallen sie bei jedem ihrer Läufe auf. Das ist gewollt, denn sie sammeln Spenden für Kinderprojekte im Paderborner Land. Ich freue mich immer wieder, diese engagierte Truppe zu treffen. Aber ihren Vorsprung werde ich wohl kaum aufholen.

Die Verpflegung an der Landstraße ist erneut erreicht, das Begegnungsstück zu Ende. Ich kann mich wieder auf meinen Laufrhythmus konzentrieren. Gar nicht so einfach, wenn das Profil so wellig und anspruchvoll ist. Ich lasse mich aber nicht beirren und freue mich auf Borghorst. Wenn da nur nicht die Herausforderung Buchenberg wäre. Gut, daß ich vorher nochmal die Verpflegungsstelle passiere. Sogar alkoholfreies Bier ist im Angebot. Aber während eines Laufes habe ich davon noch nie Gebrauch gemacht und dabei bleibt es auch heute. Der warme Tee sagt mir bei den heutigen Temperaturen mehr zu.

Auf dem Weg über die Felder zum Buchenberg pfeift mir starker Wind um die Ohren. Da bin ich froh, dass der Wald bald wieder erreicht ist. Die Steigung zum Buchenberg fällt mir jetzt schon schwerer. Aber mein langsames Laufen bewährt sich und ich bin ganz gleichmäßig unterwegs. Ich kann sogar ein paar Plätze gut machen. Auf den folgenden Kilometern geht es erneut, wenn auch bei welligem Profil, leicht bergab. Angenehm, wenn kurz vor KM 24 nicht wieder die neue Zusatzschleife warten würde. Mein Mitstreiter beschwert sich scherzhaft, dass die Streckenposten uns nicht sofort links abbiegen lassen. Klar, wäre einfacher, aber wir haben ja für das ganze Vergnügen bezahlt. So nehme ich die folgenden Höhenmeter mit einem lachenden und einem weinenden Auge unter die Füße. Der Rest der Runde wäre Routine, wenn nicht der Führende im 28 Kilometerlauf zu mir aufschließen würde. Sein Tempo beeindruckt mich schwer und kann schon neidisch machen. Aber dann ist da im rechten Moment Silke, die mir am Bagnosee entgegenlächelt. Da fallen auch die letzten beiden Kilometer dieser Runde nicht mehr schwer. Am Ende wartet auch noch Manfred, der mich darauf aufmerksam macht, daß meine 2. Runde deutlich schneller war als die erste.

 

 
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3. Runde - steinhart

 

Gut, daß er mich darauf aufmerksam macht, aber irgendwie spüre ich es auch. Meine Waden und auch die Oberschenkel zeigen mir deutlich, daß anstrengende 28 KM hinter mir liegen. Hinter mir höre ich vom Zieleinlauf des Marathonsiegers Markus. Eine Überrundung ist mir erspart geblieben. Aber dann kommt aber schon der erste Ultraläufer. Das Schild weist KM 30 aus. Auf der langen Geraden kann ich noch einige Läufer vor mir erkennen, der Abstand zu ihnen vergrößert sich nicht. Auf dem Begegnungsstück ist es wieder übersichtlich.

Verpflegungsstelle Landstraße, die Geh-/Trink-Pause fällt etwas länger aus. Noch komme ich wieder ins Laufen. Abbiegen nach links in den Wald, von weitem ist die Tröte des unermüdlichen Zuschauers zu hören. Das motiviert und so erreiche in gleichmäßigem Laufschritt Borghorst. Liegt wohl auch am Rückenwind, den ich allerdings erst bemerke, als er mir auf dem Weg hinauf zum Buchenberg wieder ins Gesicht bläst.

Meine Kraft reicht immer noch, Gehpausen bleiben mir erspart. Etwas zäh ziehen sich die folgenden Kilometer dahin. Ein letztes Mal biege ich auf die Zusatzschleife ein. Läufer kommen mir kaum noch entgegen. Da ruft mir Günter zu: „Markus, bei dir geht noch was. Du bist doch gleich im Ziel.“ Stimmt, sind ja nur noch schlappe 4 Kilometer. Letzte Wende und schon geht es fast nur noch bergab.

Der Begleitradler des ersten Ultraläufers kündigt sich an. Muß ich mich von dem noch überholen lassen? Nur nicht verrückt machen lassen. Ich versuche, mein Tempo etwas zu steigern, was auch ganz gut gelingt. Auf dem Vorplatz der Konzerthalle schließe ich zu Günter auf und bedanke mich für die richtigen Worte zur richtigen Zeit. Die nötigen Körner für einen ordentlichen Zieleinlauf habe ich noch. Aber den ersten Ultra kann ich mir nicht vom Leibe halten, noch im Bagno werde ich kassiert. Im Gegenzug schaffe ich es, bis zur Allee noch auf einige Läufer aufzuschließen. Die Waden und die Oberschenkel sind steinhart. Dann sehe ich vor mir tatsächlich die Paderpiraten. Eine finale Motivation. Die Allee zum Ziel fliege ich förmlich hinab, einer Endzeit von 4:07:35 Stunden entgegen. Auch wenn es nicht  mehr für eine sub-4 reicht, freue ich mich über den negativen Split. Das Laufen nach Gefühl ist manchmal halt doch besser, als das Kleben am Zeiteisen.

 

 

Einen besseren Jahresabschluss kann ich mir nicht vorstellen. Wunderschöne Strecke, freundliche Helfer und Zuschauer haben wesentlich dazu beigetragen. Der Lauf ist eine steinharte Herausforderung, die sich in jeder Läufervita gut macht.

 

Ergebnisse:


Ultra

Männer
     
1. Christof Marquardt    04:05:05    
2. Benjamin Luber    04:22:49    
3. Sebastian Krampe    04:25:05

Frauen

1.Beate Bienicke        06:33:18  

 
Marathon

Männer:

1. Markus Titgemeyer, 2:45:07
2. Marc Außendorf, 2:55:50
3. Michael Prott, 2:59:46


Frauen:
1. Ingrid König, 3:43:41
2. Ines Sandbote, 3:51:49
3. Silvia Sprenger, 3:57:52

 

Streckenbeschreibung:
Kurs über drei Runden.
Zeitnahme:
Champion-Chip
Weitere Veranstaltungen:
14, 28 und 56 Kilometer.
Startgeld:
Marathon: 29 - 35 € zzgl. 1,00 € FLVW-Abgabe, je nach Anmeldezeitpunkt
Auszeichnungen:
Ziegelstein im Ziel. Urkunde im Internet. Finisher-Shirt gegen Aufpreis
Verpflegung:
Verpflegungspunkte an der Strecke und Verpflegung im Ziel. Gereicht werden Tee Wasser und teilweise Cola, dazu Apfelstücke und Rosinenstuten.
Zuschauer:
Vor allem am Wendepunkt Wasserschloß, dazu bestens aufgelegte Helfer an den Verpflegungsstellen und der Strecke.

 

Informationen: Steinhart 500
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