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Zeitreise mit Fontane - oder: Das alles für eine Gurke

17.04.11

Fotos: Kay Spamer

Knapp 600 km liegen zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und dem Spreewald, 152 Jahre zwischen dem Besuch von Theodor Fontane und unserem Besuch. Wir nahmen Quartier in Lübbenau, wo auch Fontane nächtigte. Bei einer abendlichen Führung durch die Altstadtgassen tauchten wir mit der Romanfigur „Gottlieb Grambauer“,  welcher um 1938 von dem damals in Lübbenau lebenden und wirkenden Schriftsteller Ehm Welk geschaffen wurde, in die Geschichte ein.

„Und das dem Netze dieser Spreekanäle, nichts von dem Zauber von Venedig fehle. Durchfurcht das endlos wirre Flussrevier mit seinem Kahn der Spreewaldgondolier“. Theodor Fontane

Eingehüllt in Wolldecken unternehmen auch wir eine Kahnfahrt durch die einzigartige Natur- und Kulturlandschaft, die  1990 zum Biosphärenreservat erklärt wurde und 1991 den UNESCO-Status erhielt.

Im heimatkundlichen Spreewald-Museum Lübbenau sehen wir uns u. a. die Sonderausstellung zum Thema „Die Mode in der DDR“ an. Noch weiter zurück geht unsere Zeitreise. So fahren wir ca. 40 km weiter nach Cottbus. Wer kennt ihn nicht, die schillernde Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts „Fürst Pückler“ ? Er ist nicht nur der Namensgeber für ein Speiseeis, sondern war einer der größten europäischen Gartenkünstler, Dandy, Frauenheld, Reiseschriftsteller. So legte der Fürst als über 60-jähriger einen Landschaftspark nach englischem Vorbild an. Die historischen Räume im Schloss inmitten des Parks  vermitteln Einblicke in das Leben und Werk des Fürsten. Einzigartig sind die im Westteil des Branitzer Parks gelegenen zwei Pyramiden.

Einen Abstecher in die Altstadt von Cottbus können wir nur empfehlen. Nicht nur die 400 Jahre alte Löwenapotheke, in der sich ein  Apotheken Museum befindet, ist sehenswert. Wir haben das Glück einer knapp 2 stündigen „Privatführung“, welche uns wieder 100 Jahre zurückversetzte.

 
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Getreu dem Motto „Was macht den Spreewälder stark? Kartoffeln, Leinöl und Quark“ nehmen wir dies am Vorabend des Laufes zu uns.

Theodor Fontane schreibt 1894 über das Reisen in der Mark an einen Freund:

„... fünftens und letztens. Wenn du das Wagstück wagen willst – ‚füll deinen Beutel mit Geld‘. Reisen in der Mark ist alles andere eher als billig. Glaube nicht, weil du die Preise kennst, die Sprache sprichst und sicher bist vor Kellner und Vetturinen, dass du sparen kannst; glaube vor allem nicht, dass du es deshalb kannst, ‚weil ja alles so nahe liegt‘. Die Nähe tut es nicht. In vielbereisten Ländern kann man billig reisen, wenn man anspruchslos ist; in der Mark kannst du es nicht, wenn du nicht das Glück hast, zu den ‚Dauerläufern‘ zu gehören.“

In diesem Sinne ist es Zeit, uns endlich auf die Strecke zu begeben.
Der Spreewald ist bekannt für seine Gurken, die gibt es in Hülle und Fülle. Und an einem Wochenende im Jahr sind über 7000 Sportler bei über 30 verschiedenen Strecken und Disziplinen an am Start - und das alles für eine Gurke. Egal ob man als Skater, Radler, Paddler oder Läufer unterwegs sein möchte, für fast jeden ist was geboten.

 
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Der Hauptlauf ist der Marathon, welcher erst am Sonntag im Ortsteil Burg stattfindet. Bei den vielen Wettbewerben und Möglichkeiten haben wir kurz in Erwägung gezogen, bereits am Samstag den Halbmarathon in Lübbenau zu laufen. Dies hätte richtig gut in unser Training gepasst, jedoch schlage ich mich bereits seit Mittwoch mit einer Erkältung herum und ich will nicht den Marathon am Sonntag auf´s Spiel setzen, sondern bin froh,  überhaupt starten zu können. So viele Möglichkeiten, in diesem Jahr noch in Brandenburg einen Marathon zu laufen, gibt es für uns leider nicht.

Wenn man früh genug unterwegs ist, bekommt man auch noch einen Parkplatz nur wenige hundert Meter vom Start und Zielraum entfernt. Vor dem Start  ist es wie immer ein Getümmel von Läufern und deren Angehörigen. Diesmal treffen wir keine Bekannten, sehen aber etliche Läufer mit Laufshirts aus dem Hessenland. Eine Gruppe Trommler sorgt für das „warm up“.

Um 10:30 Uhr fällt der Startschuss. Da wir mal wieder ganz hinten stehen, haben wir unsere liebe Not, uns einen Weg durch die vielen Walker, die drei Minuten später auf die Laufstrecke geschickt werden, sich aber in den Startblock der Marathonläufer mischen, verletzungsfrei den Weg zu bahnen. Aber irgendwann überqueren auch wir die Startlinie. Eigentlich ist es ja egal, wie lange man bis zur Startlinie braucht, denn bei der Abholung der Startunterlagen muss auch ein Transponder vom Veranstalter für 25,00 EURO gemietet werden. 20,00 EURO Pfand bekommt man nach Rückgabe des Chips zurück.

Interessant ist das Verbot von Startnummernbändern. Eine individuelle Fahrrad-Begleitung ist aber offensichtlich erlaubt und deshalb sehr verbreitet.

 
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Gleichzeitig mit uns starten auch die 10km- und die Halbmarathonläufer. Die Strecke ist ein Rundkurs mit Start und Ziel in Burg. Sie ist zu 80 % asphaltiert. Sie wird von den „Halben“ einmal und von uns zweimal gelaufen. Nach etlichen Kilometern sehen wir ein Schild „Hotel zur Eiche“. Dieses Gasthaus war 1859 zusammen mit dem gleichnamigen Forsthaus weit und breit die einzige menschliche Ansiedlung im Zentrum des damals noch urwaldähnlichen Spreewaldes. 

Und heute? Heute laufen hunderte Marathonläufer auf diesen Wegen und entlang der Strecke zählen wir  11 Verpflegungspunkte mit reichhaltigem Getränke- und Speisenangebot. Kein Wunder, dass so mancher Läufer hier doch etwas länger als eingeplant unterwegs ist. Auf die leckeren angebotenen Pralinen hatten wir zwar keine Lust, aber die gekühlte Cola ist doch auch ganz lecker. Die Laufstrecke ist Topfeben und man überquert nur einige kleine Brücken. Zur Absicherung der Laufstrecke sind die Johanniter erstmals auch als Fahrradstaffel unterwegs. 

 
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Fontane schrieb in seinem Reisebericht „Im Spreewald musst du springen können, von Boot zu Boot dich schwingen können, singen können, musst du vor allen Dingen können.“

Demgemäß spielt  bei km 20 bzw. 41 zur Motivation und Kurzweil eine Band auf.  Im Ziel gibt es jede Menge Getränke, Kekse und Obst. Wer will, kann sich auch an einem der vielen Stände eine Bratwurst gönnen. Außerdem gibt es Mitbringsel und  Souvenirs und zu kaufen zum Beispiel das gesunde Leinöl, Gurkensenf, Gurkenmarmelade oder ein Fässchen eingelegter Gurken.

Endlich, nach über 4 Stunden bekommen wir unsere Gurken-Medaille. Die schwere, gusseiserne grüne Spreewälder Gurke wird uns feierlich um den Hals gelegt.

Der Spreewaldmarathon feiert 2012 sein 10-jähriges Jubiläum.  Ein Grund mehr, einmal an Brandenburgs größter Breitensportveranstaltung teilzunehmen.

Marathonsieger

Männer

1. Markus-Kristan Siegler, TB ERlangen  2:40:40
2. Torsten Hentschel, HSG Turbine Zittau  2:46:13
3. Rene Große, SV Glückauf Sondershausen  2:50:30

Frauen

1. Inge Rabe, Skiclub Remscheid  3:17:59
2. Kathrin Schröttke, asics Frontrunner  3:19:27
3. Ute Christine Deters TuS Eversten  3:24:47

368 Finisher

 

 

 

Informationen: Spreewald Marathon
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