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So kann man sich irren

26.03.11
Autor: Olaf Ulmer

Zugegeben: Als ich das erste Mal vom Saaletal-Marathon hörte, glaubte ich, dass dieser Lauf bestimmt irgendwo in Thüringen stattfindet und zum schnell mal hinfahren viel zu weit weg ist.

Aber weit gefehlt: Die Saale, Namensgeber dieses Landschafts-Marathons, hat ihren Ursprung im Fichtelgebirge in Oberfranken zwischen Weißenstadt und Zell und durchquert auf ihrer 413 Kilometer langen Reise die Bundesländer Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt, bevor sie bei Barby (der Ort heißt wirklich so) in die Elbe mündet. Na, wieder mal in Erdkunde nicht aufgepasst.

Der Saaletal-Marathon findet auf Unterfränkischem Gebiet zwischen Schweinfurt und Bad Kissingen statt. Start- und Zielort ist die kleine Weinortschaft Ramsthal mit ihren rund 1200 Einwohnern. Die Landschaft ist hauptsächlich von Weinbau und Landwirtschaft geprägt. Stolz ist man hier unter anderem auch auf die fränkische Weinkönigin, Melanie Unsleber, die aus Ramsthal stammt.

Nachdem auch die beiden Lauffreunde Thomas und Peter, mit denen ich beim letzten Alpin-Marathon in Oberstaufen das Top-Team bildete, einen Startplatz innehatten und die Anfahrt gerade mal eine starke Stunde in Anspruch nahm, war die Entscheidung für die Teilnahme an dieser Laufveranstaltung nicht schwer gefallen.

Eventarena, wie es auf so schön neudeutsch heißt, war das Sportheim des hiesigen Sportvereins SV Ramsthal 1921.

 
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Neben dem Marathon wurde ein Halbmarathon, Power-Walking über die Halbmarathon-Distanz und Walking über 8 km angeboten. Ein Minimarathon und ein Bambini-Lauf rundeten das Laufangebot ab.

316 Voranmeldungen über alle Distanzen hinweg verdeutlichten, dass es sich bei dem Saaletal-Marathon um eine kleine und überschaubare Veranstaltung handelte.

Zusammen mit der Startnummer erhielten wir ein hochwertiges Funktionsshirt, sowie den Einmalchip für die Zeitmessung, den man in die Schnürung eines Laufschuhes einfädeln musste.

Die Zeit bis zum Start verging bei etlichen Gesprächen mit den Läufern beinahe wie im Fluge. Volker Berka, ein Autorenkollege von marathon4you, ging ebenfalls an den Start und hatte sich vorgenommen, im Zeitlimit von 6 Stunden für den langen Kanten zu bleiben.

Das Streckenprofil, welches auf der Homepage des Veranstalters zu finden war, wies zu Beginn und zur Mitte des Rennens zwei deftige Anstiege auf. Der Rest der Strecke wirkte leicht wellig mit einem kleinen gefälligen Schlussanstieg.

 
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Um Punkt 10 schickte und die Ramsthaler Weinprinzessin Irina Neder auf die Reise. Ich lichtete das losstürmende Läuferfeld ab und reihte mich vor dem Besenfahrrad am Ende des Feldes ein. Zunächst ging es durch die Straßen von Ramsthal, wo bereits nach wenigen Metern der erste Anstieg, erst sanft, dann immer steiler werdend, auf uns wartete. Thomas und ich hechelten dem Feld hinterher und passierten zunächst Bernhard Seitz, der mit seinem Jack-Russell-Terrier den Halbmarathon anging. Volker Berka auf seiner sub-6-h-Mission ließen wir wie auch Ralph Peckmann mit seinem Golden Retreiver hinter uns zurück und widmeten uns der ersten Herausforderung des Tages, dem Aufstieg auf den Singberg. Erste Läufer mutierten schon zu Walkern oder waren das die Power-Walker? Puls und Temperatur schnellten in die Höhe und so folgte nach bereits 3,5 Kilometer die erste Verpflegungsstelle. Es ging nun leicht wellig auf gut befestigten Wald- und Feldwegen. Ein kurzes Stück Single-Trail sorgte für einen weiteren Sinnesreiz, bevor wir in einer rasanten Abfahrt die soeben mühselig erworbenen 110 Höhenmeter wieder verloren.

 
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Tendenziell bergablaufend erreichten wir Arnshausen, wo an der Verpflegungsstelle die Hammelburger Tausendfüßler gegrüßt wurden. Die Stärkung an der Verpflegungsstelle war auch dringend nötig, denn nun ging es abermals stramm bergaufwärts. Mir war hier nur ein welliger Verlauf im Gedächtnis. Wie man sich doch irren kann. Ein Single-Trail führte uns über eine kleine Eisenbahn-Brücke. Kaum oben angekommen, ging es auch schon wieder bergab. Bis hierhin war alles noch in bester Ordnung, der Lauf machte Spaß, war abwechslungsreich und die Muskulatur spielte auch noch mit.

 
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Es ging leicht wellig im Saaletal weiter, als wir uns bei Kilometer 17,5 von den Halbmarathonis verabschiedeten, die geradeaus dem Ziel in 3,5 km Entfernung entgegenstürmten. Wir hingegen durften nach rechts abbiegen und uns auf den nächsten Anstieg freuen. Dieser war mir nun wiederum im Gedächtnis. 100 Höhenmeter auf gut einem Kilometer Streckenlänge waren nicht gerade von schlechten Eltern. Erstmals heulten die Oberschenkel.

Oben angekommen, passierten wir bei Kilometer 20 die Ruine Aura. Das sind die traurigen Überreste einer nie fertig gestellten Wallfahrtskirche aus dem 17. Jahrhundert. Der Dreißigjährige Krieg und der Tod des Auftraggebers, Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen, verhinderten die Fertigstellung.

 
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Steil bergab auf Kopfsteinpflaster laufend flogen wir in Aura ein. Über einen Wieseweg und unter einer Brücke hindurch erreichten wir zur Halbmarathon-Marke die nächste Verpflegungsstelle.

Wir verließen Aura auf der zunächst flachen Verbindungsstrasse nach Elfershausen. Dieser rund zwei Kilometer lange Streckenabschnitt war komplett einsehbar, so dass man noch am Horizont die enteilenden Läufer sehen konnte. Kurz vor Elferhausen mussten wir einen steilen Anstieg bewältigen und wiederum war mir dieser nach dem Studium des Streckenprofiles so nicht in Erinnerung. Wir erreichten Elfershausen bergab laufend. Nachdem wir den Ortsrand passiert hatten, verließen wir auf einem weiteren Singletrail Elfershausen und hatten nun einen sehr weiten Ausblick auf die kommenden Kilometer. Der Streckenverlauf hatte nun endgültig Kandel-Charakter, wo ebenfalls lange einsehbare Geraden den Läufern mental Einiges abfordern.

Wir überquerten Die Autobahn A7 und kamen nach kurzer Zeit nach Langendorf.
Am Ortsausgang bannte uns dann ein freundlicher Helfer der Verpflegungsstelle auf die Speicherkarte.

 
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Nach der nötigen Stärkung unterquerten wir zunächst die Autobahn und anschließend über eine Treppe die Bundesstraße. So erreichten wir Trimberg. Abermals hatte ich mich geirrt in meiner Annahme, der Streckenverlauf wäre nur noch leicht wellig. Ich nahm den Laufschritt an der Steigung raus und ließ Thomas seiner Wege auf der Mission beinahe-impossible zur sub-4-Stunden ziehen.

Wir erreichten Aura, als ein Läufer mich als rasender m4y-Reporter identifizierte. Ich entgegnete ihm, dass ich der nicht mehr rasende Reporter bin.

Meine Erinnerung an den Streckenverlauf entsprach nun der Wirklichkeit und es ging nur noch leicht wellig weiter nach Euerdorf. Nach der letzten Verpflegungsstelle bei Kilometer 38 lief dann Peter zu mir auf und wir absolvierten die letzten Kilometer gemeinsam bis zum Ziel. Mit schmerzenden Muskeln und pochenden Waden, aber mit einem Lächeln im Gesicht überquerte ich am Sportplatz von Ramsthal schließlich die Zeitmeßmatte. Im Ziel wartete schon Thomas, der es sich mit einem Erdinger Alkoholfrei bereits gemütlich gemacht hatte. Die sub-4-Mission gelang zwar nicht, dennoch durfte sich Thomas über den souveränen Sieg in seiner Altersklasse freuen.

Ich genoss meinerseits ein erfrischendes Weißbier und machte mich auf dem Weg zu den Umkleidekabinen, wo mich warme Duschen erwarteten.

Nach der Siegerehrung verließen wir das Sportheim und machten uns auf dem Weg zum Parkplatz, als uns Volker Berka in Begleitung des Besenfahrrades entgegenkam. Volker schaffte die 6-Stunden-Marke und konnte noch in die offizielle Wertung mit aufgenommen werden.

Mit 100 Finishern ist der Saaltal-Marathon einer der kleineren Marathonläufe. Gegenüber anderen, teilnehmerstärkeren Läufen waren hier kaum Straßen gesperrt, so dass man mitunter auch mit Verkehr rechnen musste. Alle Autofahrer nahmen aber Rücksicht auf die Läufer und so brauchte man keine Sorgen um die eigene Sicherheit haben. Hatte man Straßen zu überqueren, so wurden diese von den umliegenden Feuerwehren kurzfristig abgesperrt.

Neun Verpflegungs- und Wasserstellen boten alles, was das Läuferherz begehrt. Auch die Zielverpflegung bot kein Grund zur Beanstandung. Jeder Finisher, ob Zwei- oder Vierbeiner, erhielt im Ziel eine wunderschöne Medaille.

Der Lauf ist bestens organisiert. Es gibt keinen unnötigen Schnick-Schnack und die Helfer sind alle freundlich und motiviert. Feuerwehr und Sanitätsdienst sorgen für die nötige Sicherheit der Läuferschar. Zuschauer gab es, wie bei solch einem Landschaftslauf üblich, nur an wenigen Punkten.

Schön, wenn sich solche kleineren Läufe wie der Saaltetal-Marathon behaupten können. Sie bieten einen tollen Gegensatz zu den Massenveranstaltungen. Geirrt habe ich mich nur in der Erinnerung des Streckenprofils, aber sicherlich nicht mit der Teilnahme bei diesem Lauf.

 

Informationen: Saaletal-Marathon
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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