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Laufberichte

Links und rechts RuM

 

„Warum eigentlich immer nur lange Trainingsläufe auf meiner Trainingsstrecke am Rubbenbruchsee?“ Diese Frage beschäftigte unseren Osnabrücker Lauffreund Michael Brehe, den „Marathonpapa“, nachhaltig. „Nach 35 Kilometern würde doch nur noch eine gute Runde fehlen, um den Marathon vollzumachen. Aber alleine ist das langweilig. Es gibt bestimmt genügend Leute, die mitmachen. Zum Beispiel diejenigen,

... die noch einen im Dezember wollen.
... die im Dezember immer noch nicht genug haben.
... die sich für das nächste Jahr gut vorbereiten wollen.
... für die die Winterpause zu lange dauert.
... denen es nichts ausmacht, wenn es evtl. kalt, rutschig und/oder nass ist.
... denen sonst nichts Besseres einfällt.“

Wie nicht anders zu erwarten, fanden sich im vergangenen Jahr tatsächlich innerhalb kürzester Zeit eine ganze Reihe Laufverrückter, von denen 50 starteten und 48 ankamen. Keine schlechte Anzahl für eine kleine, handgemachte Veranstaltung, die, ähnlich meinem Wiedtal-Ultratrail, bewusst klein gehalten wird, um den Organisationsaufwand in Grenzen zu halten. Für eine Kostenumlage von 15 nur Euro, wobei der Überschuss gespendet wird, gibt es eine Startnummer, angeblich einfache (tatsächlich aber gute) Verpflegung, eine Medaille für die Finisher, eine Ergebnisliste und eine Urkunde zum Download. Was will man mehr? Kein Wunder also, dass die in diesem Jahr angebotenen 70 Startplätze erneut im Handumdrehen vergeben waren und eine ansehnliche Warteliste geführt wurde.

Tatsächlich gibt es also am traditionellen Wochenende des von mir schon fünfmal gelaufenen sonntäglichen Siebengebirgsmarathons mit dem Rubbenebruchsee-Marathon (RuM) eine samstägliche Alternative. Oder für die völlig Durchgedrehten die Möglichkeit, selbst im Dezember einen Doppeldecker zu absolvieren. Auf jeden Fall ist Osnabrück seit dem letzten Jahr als weißer Fleck von der Marathonlandkarte getilgt.

Lange ringe ich mit mir, ob ich überhaupt anreisen soll. Am Vor-Wochenende streckt mich eine ordentliche und hartnäckige Erkältung dahin (wofür härtet man sich eigentlich das ganze Jahr draußen ab?), dann gibt mir am Montag eine Zahnwurzelentzündung den Rest. Den Abend verbringe ich in äußerst angenehmer Atmosphäre auf dem Zahnarztstuhl, fahre am Dienstag noch zur Arbeit, um mich mittags völlig platt wieder heimbringen zu lassen. Erst im Laufe des Donnerstags berappele ich mich wieder einigermaßen. Am Freitag kehrt, reichlich spät, die Kraft zurück. Wird das aber für einen Marathon reichen?

Entscheidend wird mein Entschluss, doch zumindest erst einmal zu starten, durch die heutige Streckenführung bestimmt. Die Aufgabe besteht nämlich aus neun Runden um den Rubbenbruchsee und auf der zweiten bis achten Runde sieben zusätzlichen Schleifen  durch ein angrenzendes Waldstück wie folgt: 1. Runde: nur die verkürzte Seerunde (3,095 km), 2. - 8. Runde: die komplette Acht (5,140 km), 9. Runde: nur die verkürzte Seerunde (3,120 km). Also kann ich im Zweifelsfall jederzeit, ohne die Organisation zu belasten, den Lauf beenden. Das gibt den Ausschlag.

Die Anfahrt ist für mich mit zweieinhalb Stunden nicht ganz ohne, aber angesichts der sehr zivilen Startzeit um 11 Uhr bei den heutigen guten Witterungsverhältnissen (trocken, um die Mittagszeit etwa 7°) problemlos zu schaffen. Michael, der Organisator, hat dankenswerterweise meine Info zur Keniahilfe in seine letzten Rundmail aufgenommen, etliche Lauffreunde haben ausrangierte, aber noch gut brauchbare Sportutensilien mitgebracht. Ich danke Euch allen sehr namens der Henry Wanyoike Foundation!

 
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Mein erster Eindruck ist ein tadelloser und der sollte sich auch nicht mehr ändern: Im Start- und Zielbereich steht ein Pavillion, den die Orga, v.a. für die Zeitnahme, in Beschlag genommen hat. Daneben steht ein Tisch für die Verpflegung, auf dem auch Mitgebrachtes deponiert werden kann. Die Toiletten des unmittelbar dahinterliegenden Cafés am See, der „Kaffeetasse“, können von uns benutzt werden. Und wer, wie ich, ganz schlau ist, setzt sich noch schön gemütlich ins Warme und schlürft ein Heißgetränk mit Sicht auf den Startbereich. Begleitpersonen können ab 9:30 Uhr am Frühstücksbuffet teilnehmen, dann sind die auch gut beschäftigt. Umkleiden und eine Duschmöglichkeit sind (wie ausgeschrieben) allerdings nicht vorhanden.

Auf der nicht amtlich, aber per Fahrrad, GPS und Messrad vermessenen Strecke um den See findet übrigens auch der Benefizlauf „Teamlauf um den Rubbenbruchsee“ statt mit dem Motto „Jede Oma zählt - Keiner ist besser als die Omas“. Wenn ich mich heute so umschaue, zählen heute verstärkt eher die Opas, zu denen ich mich seit dreieinhalb Jahren dank Malina ebenfalls zählen darf.

Pünktlich um 11 Uhr gibt uns Michael seinen Segen, wenn ich die Szenerie auf meinem Foto richtig deute, und jagt uns im Uhrzeigersinn los. Er selbst schließt sich zwanglos an und ist dank seiner Bekleidung auch gut zu erkennen, trägt er doch den kompletten Trikotsatz eines mir unbekannten bayrischen Fußball-Provinzvereins. Glücklicherweise sind auch andere Vereinsfarben zu sehen, die mein Weltbild wieder ins Gleichgewicht bringen. Danke, Falko!

 
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Sehr nett sind die ersten auf öffentlichen, sehr gut ausgebauten, allerdings nicht abgesperrten Spazierwegen zu laufenden km. Nach der ersten Seerunde kommen wir nach nicht einmal zwei km erneut zur Streckenteilung in die Mitte der zu laufenden 8. „Links RuM“ steht auf dem an einem Brückengeländer befestigten Schild und schon sind wir auf der jetzt achtmal zu laufenden Zusatzrunde durch den Wald. Diese hält ein besonderes Schmankerl für uns übrig, denn deren letzte rund 500 m führen über ein sehr schönes Trailstück. Allerdings ist hier, gerade wenn man müder zu werden beginnt, Vorsicht angesagt, denn den vor mir laufenden Kollegen haut es wegen vorstehender Steine und Wurzeln gleich zweimal hintereinander auf die Nase, glücklicherweise folgenlos.

 
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Wieder im Startbereich wird meine Nummer laut aufgerufen und von einer guten Seele in den Laptop gehämmert. Etwas ganz Tolles und Umweltfreundliches sind die Getränkebehältnisse: Jeder hat einen mit seiner Startnummer versehenen Mehrwegbecher, der ständig mit Wasser gefüllt ist. Das allerdings ist ziemlich kalt und ich frage, ob es nicht auch etwas Warmes gibt. Prompt erhalte ich beim nächsten Vorbeikommen direkt einen entsprechend gefüllten Becher vor die Nase gehalten. Das nenne ich doch einmal einen Service!

Zum zweiten Mal geht es bei herrlichstem, teilweise sogar sonnenbeschienenem Wetter um den Rubbenbruchsee, der ein 1968 künstlich geschaffener, ca. 24 ha großer See im Osnabrücker Westen und Teil eines großen Naherholungsgebiets ist. Umgeben von Wald und Wiesen ist er besonders in den Sommermonaten ein beliebtes Ausflugsziel. Im naturbelasseneren südlichen Teil befindet sich sogar eine Insel. Ca. 1,3 Kilometer lang und ca. 300 Meter breit variiert seine Tiefe zwischen zwei und 24 Metern. Seine Beliebtheit dürfen wir mit zunehmender Laufdauer mehr als eindrücklich zur Kenntnis nehmen, denn die Zahl der Spaziergänger, Radfahrer, Jogger und auch erkennbar ernsthaft Trainierender nimmt im Tagesverlauf deutlich zu. Viele sind auch, mit teils hochwertiger Ausrüstung versehen, um den See unterwegs und nutzen die schönen Lichtverhältnisse, um Federvieh, Kinder und/oder die Liebste ins rechte Licht zu rücken.

 
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Christian Pflügler, mit dem ich mich länger unterhalte, ist Organisator des Münsteraner 6 Stunden-Laufs. Am 12. März wird es wieder zur Sache gehen und mit erwarteten 500 Teilnehmern (der Lauf ist bereits ausgebucht) könnte es einen Weltrekord ais teilnahmestärkster 6 Stunden-Lauf geben. Das hört sich doch nicht schlecht an. Erst gegen Mitte des Rennens werde ich aufgrund eines Hinweisschildes auf die Landwehr Eversburg aufmerksam. Diese Befestigungsanlage wurde um 1300 zur Gebietsabgrenzung der Wasserburg, der Eversburg, gegen böse Nachbarn angelegt und ist auch heute noch teilweise zu erkennen. Sich das einmal näher anzuschauen, wäre alleine ein Grund zur Wiederkehr.

So drehe ich Runde um Runde und habe nach einem exakten Sechserschnitt Halbzeit. Zwei Dinge sind mir klar: Erstens werde ich das heutige Kind, egal wie, nach Hause schaukeln, dafür aber zweitens deutlich mehr Zeit auf den zweiten Hälfte benötigen, denn anfangs habe ich mich in der üblichen Starteuphorie doch zu sehr mitreißen lassen und werde dem Tribut zollen müssen. Über uns befindet sich die Einflugschneise zum Flughafen Münster/Osnabrück, da hält alleine der Flugverkehr die Sache kurzweilig.

Am Ende meiner vorletzten Runde wartet eine harte Prüfung an der Verpflegungsstelle in Form, besser gesagt Person, von Jürgen und Andreas, die bereits fertig haben und medaillendekoriert die Zielverpflegung plündern. Ich aber habe noch gute acht km vor mir, die mir wirklich sehr schwer fallen, was aber angesichts der letzten Woche wahrlich kein Wunder ist. Dann, endlich, endlich, darf ich nach sieben großen Runden rechts RuM abbiegen. Ich halte mich tatsächlich durchgängig am Laufen, auch wenn der innere Schweinehund, immer lauter werdend, schon lange auf den Geh-Modus umschalten möchte.

 
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Nach 4:17 Stunden ist es dann vollbracht und ich bin platt im Ziel. Saisonende! Aber was heißt das schon bei uns Viel- und Ganz viel-Läufern? An Silvester geht’s ins „deutsche Sao Paolo“ zum Lauf nach Trier und dann ist auch schon das neue Jahr da mit all seinen selbstgemachten Herausforderungen, auf die ich mich schon jetzt freue. Herzlichen Dank an Michael, seine Familie und den weiteren Helfern, die uns heute einen wunderbaren, mit Herzblut gemachten Marathonlauf ermöglicht haben. Dieses Herzblut erkennt man nicht zuletzt auch an der sehr schönen, doppelseitig beschrifteten Medaille, die alles andere als 08/15 ist. Da hat man sich wirklich Gedanken gemacht.

Nicht schön gegenüber dem Veranstalter empfinde ich allerdings die letztlich für mich überraschend schwache Teilnahme, wie ich sie der Ergebnisliste entnehme. Die enthält nämlich, exakt wie im Vorjahr, nur 48 Erfolgreiche bei vier Abbrechern. Bei siebzig schnell vergebenen Startplätzen sind doch etliche nicht erschienen. Ein Grund mehr für Euch, das schöne Angebot im kommenden Jahr zu nutzen und Euch am Rubbenbruchsee verwöhnen zu lassen.

Streckenbeschreibung:
Schöner, abwechslungsreicher Landschaftslauf. Zeitlimit 5 Stunden (wer länger braucht, wird ggf. früher auf die Strecke geschickt).

Startgebühr:
15 €

Auszeichnung:
Medaille, Urkunde übers Netz, Pokale für die ersten Drei m/w.

Logistik:
Parkmöglichkeiten an der Zufahrtstraße. Start und Ziel am Café Kaffeetasse am See, dessen Toilette genutzt werden kann. Keine Dusche, keine Umkleide.

Verpflegung:
Eine Verpflegungsstation (Personalisierter Mehrwegbecher!).

Zuschauer:
Viele Spaziergänger, Radler und Jogger.

 

Informationen: Rubbenbruchsee Marathon
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