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Laufberichte

Zwischen Ostsee und Bodden

 

Jedes Jahr macht das Orgateam vom Röntgenlauf einen Vereinsausflug zu einer anderen Laufveranstaltung. Diesmal hatten wir uns den Darß Marathon vorgenommen, da er bei vielen Vereinsmitgliedern schon lange auf der Wunschliste stand.

Da wir so einen mehrtägigen Ausflug natürlich auch zur Wissenserweiterung nutzen, hatten wir einen lokalen Führer verpflichtet, der uns die Schönheit des Darß und die versteckten Sehenswürdigkeiten nahe bringen konnte.

Der Darß ist der mittlere Teil der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, westlich von Rügen und gehört zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Er schließt sich nordöstlich an das Fischland an und geht seinerseits im Osten in die Halbinsel Zingst über. Die Grenze bildet hier der Prerower Strom. Im Norden wird er von der Ostsee und im Süden vom Saaler Bodden und vom Bodstedter Bodden begrenzt, die zur Darß-Zingster Boddenkette gehören.

Der Darß hat eine Nord-Süd-Ausdehnung und eine West-Ost-Ausdehnung von jeweils zehn bis zwölf Kilometern, sodass es ein Leichtes ist, hier einen Marathonlauf auszurichten, ohne dass Streckenteile doppelt gelaufen werden müssen. Die Halbinsel umfasst die Dörfer Born a. Darß, Prerow und Wieck, die auch alle durchlaufen werden. Der Ortsteil Ahrenshoop der Gemeinde Ahrenshoop gehört zum Vordarß, während die südlicheren Ortsteile Ahrenshoop, Althagen und Niehagen, zum Fischland gehören.

Eine weitere Besonderheit ist, das der Darß bereits zu Vorpommern gehört, während Fischland historisch dem Landesteil Mecklenburg angehört. Die Grenze verläuft am Grenzweg in Ahrenshoop. Diesen Weg belaufen wir bei km 23. Die Läufer auf der linken Straßenseite sind in Mecklenburg, die auf der rechten Seite in Pommern. Ein Grenzpfosten und eine Gedenktafel erinnern daran.

Der größte Teil des Darß ist von Wald bedeckt, dem 5800 ha großen Darßer Urwald. Der Weg führt uns zuerst zur Arche in Wiek auf dem Darß. Die Arche ist das Besucher- und Gästezentrum mit einer Ausstellung direkt neben der alten Dorfschule. Auf 500 qm erhält der Besucher einen Einblick über den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft sowie das Wirken der Kräfte, die zur Entstehung dieser Landschaft führten.

Es werden auch Umweltbildungsprogramme und Naturerlebnis-Veranstaltungen angeboten. Das ökologisch erbaute und mit Solarenergie betriebene Haus wird durch eine Galerie mit Kreativwerkstatt und einem Cafe mit Verkaufsraum ergänzt. Nebenan ist das Meldebüro und innerhalb weniger Minuten erhält man seine Unterlagen.

Das Shirt 13 Euro extra. Es gibt eine Tauschtafel. Da die 1.000 Startplätze meist sehr schnell ausverkauft sind, ist das die letzte Gelegenheit, noch einen Platz zu ergattern.

 
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Draußen gibt es Thüringer Bratwurst und Bier und dann die Kinderläufe, die ich mir noch ansehe und die 1500 m Runde auch mal abgehe, da sie fast deckungsgleich mit unserer Zielgeraden ist. Hier kann ich dann schon die schöne Boddenlandschaft genießen. Abends fahren wir dann zurück ins Hotel nach Rostock, um dann am nächsten Morgen wieder da zu sein.

Pünktlich um 9 Uhr macht sich ein kleines Feld von 412 Marathonis auf die Strecke. In den Vorgärten stehen die Anwohner und ein Teil der um 10 Uhr startenden Halbmarathonis und jubeln den Läufern zu.

Wir verlassen den Ort über Kopfsteinpflaster und es geht über einen Feldweg am Wasser entlang. Bei km 4 verlassen wir den Bodstedter Bodden und laufen durch die Wiecker Wiesen, einer flachen Wiesenlandschaft, in Richtung Hafen Prerow. Hier erklimme ich eine Aussichtsplattform, um noch ein paar Photos des noch zusammenhängenden Läuferfeldes zu machen.

Die Sonne wärmt uns jetzt ein wenig, auch wenn es nur 12 Grad sind. Kurz vorm Ort kommt die erste Verpflegungsstation mit Essen und Trinken. Am Hafen von Prerow überqueren wir die Bäderstrasse und kommen in den Ort. Hier sind einige schöne Schiffe und Boote zu sehen.

 
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Das Ostseebad Prerow, umrahmt vom Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft mit dem urwüchsigen Darßwald, ist schon seit 1880 Badeort. Die Seebrücke mit 395 Meter Länge ist die Flaniermeile am Meer. Der weiße, feinsandige und flach abfallende Strand zählt zu den schönsten Europas. Am Vortag hatte ich an der Seebrücke in Zingst die Gelegenheit genutzt, mit der Tauchgondel die Ostsee mal von unten zu sehen.

Die Laufstrecke führt nun über die Hafenstrasse zur Strandstrasse, Anwohner und Gäste und jubeln uns zu. Entlang der Straße hängen viele Transparente, mit denen die Läufer zum 9. Darßmarathon begrüßt werden. Wir kreuzen die Ladenstrasse, die direkt an den Strand führt. Aber wir müssen noch einige Kilometer warten, bis wir ihn wirklich sehen.

Hinter Km 8 vor dem Darß Museum sitzen 14 Frauen mit ihren Spinnrädern, die zum Darßer „Spinn-Marathon“ angetreten sind. Sie freuen sich riesig, als ich sie fotografiere. Kurz dahinter im Biergarten gibt es Live-Musik mit fetzigem Gitarrensound. Kurz danach sehe ich ein Hinweisschild nach links zur Seemannskirche, die wir am Vortag mit unserer Röntgenlauftruppe besucht hatten.

Unser Fremdenführer hatte uns die Geschichte in lebhaften Bildern erzählt. Die Seemannskirche Prerow ist eine aus dem 18. Jahrhundert stammende protestantische Kirche. Sie ist die älteste Kirche auf dem Darß und diente einst auch als Orientierungspunkt für die Seefahrt. Das Tafelbild über der Eingangstür hat der Vater eines 1690 vor Prerow gestrandeten und ertrunkenen Seemannes aus Kopenhagen der Kirche gestiftet.

Zahlreiche Modellschiffe aus dem 18. und 19. Jahrhundert gehören zur Ausstattung der Kirche. Es handelt sich um Votivschiffe, die aus Dankbarkeit für die Rettung aus Seenot der Kirche gestiftet wurden. Im nördlichen Seitenschiff hängt die „Peter Kraft“, das Modell einer englischen Dreimastfregatte, gestiftet 1780 von dem Kapitän gleichen Namens.

Wir verlassen nun Prerow und laufen in den Schatten spendenden Wald ein. Hier geht es auf Naturboden und Betonplatten lange Geraden entlang. Es ist aber auf keinen Fall langweilig, denn es gibt so viel im Naturschutzgebiet zu sehen. Der Wald verändert sich laufend. Einfach herrlich ist es hier. Am Peters Kreuz gibt es wieder Essen und Trinken und einige Spaziergänger, die uns zujubeln. Hier nutze ich die Gelegenheit an dem „nach mir benannten“ Wegekreuz einige Fotos zu machen.

Wir ändern die Richtung nach rechts und es geht weiter der Küste entgegen. Für die eine Stunde später gestarteten Halbmarathonis geht es hier gerade aus. Da von den 412 gestarteten Marathonis jedoch nur gut 270 ins Ziel kommen, gehe ich davon aus, dass einige hier umgestiegen sind.

 
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Es geht weiter auf schmalen sich windenden Waldwegen durch den herrlichen Wald und bei den Drei Eichen bei km 19 kommen wir auf den geteerten Deichradweg. Jetzt liegt der Deich in seiner endlosen (4km) Länge vor uns. Leider kann man den Strand, der nur einige Meter hinter dem Baumstreifen liegt, nicht sehen, sondern nur kurze Einblicke an den Zugängen erhaschen.

Nach 2 Kilometern auf dem Deich kommt die Halbmarathonmatte und nach weiteren 2 km kurz vorm Ortseingang Ahrenshoop bei km 22 verlassen wir diesen wieder. Jetzt geht es an der Dorfstraße entlang. Ahrenshoop wurde 1760 von Seefahrern gegründet und hat sich seit Ende des 19. Jahrhunderts als Künstlerkolonie einen Namen gemacht. Hier unterrichteten Berliner Kunstprofessoren auch die ersten weiblichen Kunststudenten. Der Ort ist heute ein beliebtes Seebad.

Bei km 23 geht es eine kurze Rampe hoch Richtung Strand. Jetzt ist sie da, die Ostsee - herrlich. Malerische Ausblicke auf das Wasser, den Strand und die Steilküste liegen vor uns. Die Ausblicke sind fantastisch, das Wetter nach wie vor toll. Zunächst sehen wir immer noch viel Sandstrand und später nur Felsen und alte Bunker, die nun im Meer liegen. Der Landraub ist hier deutlich zu erkennen.

Dann geht es weiter auf einem Rindenmulchweg, der fast 2 Kilometer lang ist und immer wieder tolle Ausblicke auf die Steilküste freigibt. Hier durchlaufen wir auch die Grenze vom Darß zum Fischland. Alle drei, Fischland, Darß und Zingst waren einst eigenständige Inseln, aber durch allmähliche Verlandung und nach der großen Sturmflut 1872 wuchsen die drei Inseln zusammen.

 
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Kurz vor Wustrow verlassen wir die Küste und es geht auf einem Feldweg bergab in Richtung Niehagen. Wir durchqueren das Fischland hinunter zum Saaler Bodden. Diesen hatten wir am Vortag mit einem Boddenschiff überquert. Der Bodden ist im Durchschnitt nur 2 Meter tief, sodass die Schiffer sagen, man bräuchte keine Rettungswesten, sondern Gummistiefel. Doch das war gestern.

Heute ist nicht das Wasser das Problem, sondern der Wind, und der weht heftig. Denn ab hier wird er uns bis zum Ziel ins Gesicht wehen. Zunächst laufen an noch an einigen Häusern vorbei und kommen an den Schilfgürtel auf den Boddenwanderweg nach Althagen. Dieser Schilfgürtel bietet einerseits Schutz für viele Vögel in der Brutzeit, er ist aber andererseits Rohstofflieferant für die Reeteindeckung der Häuser, die wir hier so zahlreich sehen. Das Schilf hat eine lange Lebensdauer, laut unserem Führer bis zu 50 Jahre, und damit viel länger als jeder Dachziegel, den von den Stürmen sowieso weggetragen würde. Schilf ist elastisch und legt sich wieder an die gleiche Stelle zurück. Es schützt im Winter gegen Kälte und im Sommer vor der Hitze.

In Althagen werden wir am Hafen von einigen Urlaubern lautstark begrüßt. Die Feuerwehr am Hafen versorgt uns wieder mit Essen und Trinken. Dann geht es weiter auf dem Boddenwanderweg Richtung Born. Die Laufstrecke verläuft auf dem Deich und ist ein fester und ebener Naturweg. Von rechts schimmert die Sonne über den Bodden auf uns. Links des Weges befinden sich grüne Wiesen mit Löwenzahn.

Nach Querung des Campingplatzes bei Km 34 führt die Strecke nach Born. Born auf dem Darß zieht sich fast 5 Kilometer am Wasser entlang. In diesem kleinen romantischen Ort sind die Häuser oft nur durch Wiesen und Schilf von den Wellen getrennt. Born ist auch für seine „Kapitänstüren“ mit den beliebten Sonnen- und Blumenmotiven bekannt. Am Vortag hatten wir gelernt, dass diese Türen in reiner Handarbeit auf dem Darß gefertigt werden und ca. 8.000 € kosten.

Wir laufen an vielen niedrigen Häusern mit diesen Türen und ihren tiefgezogenen Rohrdächern und den weitgeschwungenen Gauben. Hier im Ort gibt es ein grobes Kopfsteinpflaster mit schmalen glatten Streifen am Rand. Hier hat die Gemeinde ein Projekt gestartet, um das Radfahren einfacher zu machen.

Hinter Km 38 kommen wir ins Bliesenrader Gehölz und haben wieder ein wenig Schatten. Vor mir sehe ich immer wieder Läufer, die abwechselnd gehen und laufen. Wir biegen vor der Siedlung Bliesenrade ab zum Bodstedter Bodden, der sich nahtlos an den Saaler Bodden anschließt.

 
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Wir verlassen den Wald hinter der letzten Getränkestation am Km Schild 40. Jetzt geht es noch knapp zwei Kilometer auf dem Wanderweg zwischen Wiese und Schilf immer am Wasser der Boddenküste entlang nach Wieck. Im Schilf entdecke ich dann noch ein brütendes Schwanenpaar. Ein wirklich erhebender Anblick. Schon bald hört man die Ansagen aus dem Zielbereich, was mich nochmals anspornt. Dann kommt das Schild Km 42, und schon taucht neben der Darßer Arche der Zielbogen auf. 42,2 km sind wieder einmal geschafft.

Es gibt eine schöne Medaille aus Ton, die hier auf der Insel gefertigt wurde, genau wie die Tonvasen für die Sieger bei der späteren Siegerehrung.

Apropos Siegerehrung. Nach dem Duschen (übrigens waren das Duschcontainer vom THW) ging ich bei nach wie vor strahlendem Sonnenschein zu derselben, denn der RöntgenSportclub war nicht nur die Teilnehmerstärkste Gruppe, sondern aus unseren Reihen ging diesmal auch die Gesamt-Siegerin hervor: Inge Raabe, die 2 Tage nach Ihrem 50sten Geburtstag, mit der Startnummer 50, bei Ihrem 50sten Marathonlauf den Sieg einfuhr.

Auch die Mannschaftwertung konnte der RSC einfahren.

Die Sieger:

Männer:

1. Marco Resech in 2.53.16 
2. Ronald Speer in 2.57.29 
3. Ronald Suter in 3.04.13

Frauen:

1. Inge Raabe in 3.20.27 
2. Christiane Wermann in 3.41.14 
3. Karen Spieß in 3.48.03

 
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Informationen: Darß-Marathon
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