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Laufberichte

Langer Kampf mit dem Schweinehund

25.09.05

Sub 3 im Visier

 

32. Berlin Marathon - Anton Lautner war im Feld der 31.619 Teilnehmer. Exklusiv für unsere Onlineleser schildert er hier seine Erlebnisse und Eindrücke im schier nicht enden wollenden „Wurm“, der sich am Sonntag durch die Straßen der Bundeshauptstadt schlängelte.

 

„Bereits am Freitagmittag fahren wir zu Viert mit dem Pkw nach Berlin. Wochenendverkehr und einige Baustellen auf der A 9 bremsen uns auf der Anreise immer wieder aus. Doch am frühen Abend erreichen wir die Messe, wo wir noch schnell die Startunterlagen holen wollen. Danach fahren wir auf der schnurgeraden Ost-West-Verbindung der Bundesstrassen 2 und 5 nach Berlin-Mitte, wo wir unsere Unterkunft unweit des Brandenburger Tores beziehen.

 

Samstag:

Nach dem Frühstück springen wir in die U 2, die schon Udo Lindenberg besungen hat („Sonderzug nach Pankow“). Da fahren wir aber nach Westen, um am Frühstückslauf vom Charlottenburger Schloss zum Olympiastadion teilzunehmen. „Janz langsam“ setzt sich der Zug der fast 10.000 Läufer in Bewegung. Nach rund 45 Minuten laufen wir in das renovierte Olympiastadion ein und sehen nach dem kurzen Weg in den Katakomben der Sportstätte die blaue Tartanbahn. Eine Runde wird noch gedreht und dann steigen wir die Zuschauertribüne an der Seite des Olympischen Feuers hoch. Oben wartet das Frühstück. Es gibt Tee, Kaffee, Rosinenbrötchen, Pfannkuchen (so sagt der Berliner zum Krapfen), Joghurt, Bananen und Äpfel. Rückkehr in die Unterkunft.

 

Später schauen wir uns noch die Stelen-Gedenkstätte an. Einer unserer Gruppe, dessen Name hier verschwiegen wird, springt verbotenerweise auf den Stelen herum und kassiert dann von einem Ordner einen Rüffel. Mit Armin und Stephan fahre ich dann noch zur Messe, wo wir uns noch die Nudeln auf der Pastaparty schmecken lassen. Wir nutzen auch noch die Gelegenheit, das eine oder andere Schnäppchen auf der Messe zu kaufen. Am Abend werden dann in unserer Ferienwohnung noch Nudeln und Kartoffeln zubereitet. Wer jetzt noch einen Mangel an Kohlehydraten haben sollte, der ist selber schuld. Ein Bier dazu und als Schlafmittel ein Glas Wein, so finde ich dann meine Ruhe.

 

Sonntag:

Kurz vor sechs Uhr stehe ich gut ausgeschlafen auf. Ein karges Frühstück mit Tee, Semmeln und Marmelade folgt. Kurz vor acht Uhr verlassen wir die Wohnung und marschieren Richtung Reichstag, wo wir nach einem obligatorischen Foto-Shooting durch das Tor eins den Umkleidebereich betreten. Da brauche ich nur gerade weiterzugehen, wo mein Kleider-Lkw, einer von mehr als hundert, auf der linken Seite steht. Ich gebe meine verpackte Kleidung ab und marschiere gegen halb neun zum Start auf der Strasse des 17. Juni. Nach dem feucht-kühlen, aber bestzeitentauglichen Wetter vom Vorjahr, wird uns die Sonne heute erfreuen, denn mit rund fünfzehn Grad ist es schon jetzt fast zu warm. Ein paar Minuten geht es durch den Tiergarten und dann befinde ich mich vor dem Starttransparent. Der Block C, wo ich mich einfinden muss, ist dann etwa zehn Meter von der Startlinie entfernt. Ein paar Minuten vor neun Uhr werden die Bänder zwischen den Blocks nach vorne entfernt und das ganze Feld rückt noch mal ein paar Meter nach vorne, so dass ich mich bereits an dem großen Startgerüst einfinde.

 

 
Gruppenbild. Ich nehme vorne die liegende Position ein.
© marathon4you.de

Dann um neun Uhr schiesst uns der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit auf die Strecke. Ein paar Sekunden geht nichts voran, doch dann traben wir an und überlaufen die roten Zeitmessmatten nach etwa 15 Sekunden. Ich drücke meine Stoppuhr. Nach 600 Meter umläuft das riesige Feld die Siegessäule mit der Goldengel. Später schaue ich bei Kilometerschild 1 auf meine Uhr und registriere, dass ich für den ersten Kilometer schon fast 15 Sekunden zu lange unterwegs war. Denn für mein Vorhaben, unter drei Stunden den Bewerb zu bewältigen, sind Kilometersplits von 4 Minuten und 15 Sekunden nötig.  Also etwas mehr Tempo. Bei Kilometer sechs, in der Nähe des Bundeskanzleramtes und der Schweizer Botschaft, steht dann Ilka und feuert mich an.

 

Am Friedrichstadtpalast bei Kilometer acht finden wir einen Augenschmaus. Mehrere Drag Queens in ihren schrillen pink- und lilafarbenen Kostümen. Dazu wohl pfundweise Schminke in ihren Visagen. Weiter.

 

Bei Kilometer 11 laufen wir am 365 Meter hohen Fernsehturm am Alexanderplatz vorbei. Nach meinem Fahrplan haben ich bereits einen kleinen Vorsprung auf die drei Stunden herausgelaufen. Bezirk Mitte und Kreuzberg werden berührt. Den Verlauf der früheren Mauer erkenne ich an einer doppelten Reihe von Pflastersteinen. Jemand hält ein Schild hoch: „Petra, Move Your Ass.“ Ja, und wenn die Angesprochene zu langsam daherkommt, wer tritt dann in denselben?

 

Bei Kilometer 17 sehen wir für einen Augenblick die „Capoeira Akademie“, die ihren brasilianischen Kampftanz vorführt. Die Halbmarathonmarke durchlaufe ich in knappen 1.28 Stunden. Mein Tempo ist schnell, hoffentlich ist es nicht zu schnell. Zudem steigt die Temperatur, so dass wir immer mehr den Schatten auf unserem Kurs suchen. Immer wieder stehen Musikgruppen an der Strecke.

 

Die höchste Stelle des Kurses ist der Platz am Wilden Eber (Kilometer 27). Hier hatte in der Vergangenheit ein wildgewordenes Borstenvieh die königliche Ausflugsgesellschaft gehörig erschreckt. Die Sau musste das mit dem Leben bezahlen. Hier steht auch traditionell die Samba-Band „Sapucaiu No Samba“, die im schönen Zehlendorf für Latino-Stimmung sorgt. „Ab hier die Sau rauslassen“ verkündet ein Transparent. Es geht leicht bergab.

 

Der Kilometer 33 bringt uns auf den Kurfüstendamm, wo ich es schaffe, dass ein Moderator mich mit Namen nennt. Ich hebe die Hand. Nur aufs Laufen konzentriert, merke ich nicht, dass wir an der Gedächtniskirche vorbeilaufen.

 

Bei Kilometer 35 beträgt mein Vorsprung zur Marschtabelle immer noch gut eine Minute. Eine Countryband spielt sinnigerweise „Take Me Home, Country Roads“.

 

Nationalgalerie, Staatsbibliothek und Philharmonie folgen auf unserem Weg zum Potsdamer Platz. Da wartet dann das „Cheerleaders Dance Team“, und hilft uns dann weiter. Immer wieder kontrolliere ich mein Tempo. Es ist nun schon sehr warm. Während einige Sportler zu Gehern werden, andere sich mit Muskelkrämpfen plagen, legen wieder andere noch einen Zahn zu.

 

Gendarmenmarkt mit Deutschen und Französischem Dom werden berührt. Nikolaikirche und das Rote Rathaus sind die nächsten touristischen Highlights. Doch für mehr als einen Blick habe ich kaum Zeit. Bei Kilometer 40 am Schlossplatz ist wieder eine Uhr angebracht. Ich bemerke, dass es für die drei Stunden sehr eng wird. Bei Kilometer 41 ist der Kurs bereits auf der Prachtstrasse Unter den Linden. Wir laufen auf das Brandenburger Tor zu, das Deutsche und Berliner Symbol schlechthin. Durch den mittleren Torbogen laufe ich durch, sehe dann bereits die Zieluhr und kann wahrnehmen, wie die Stundenanzeige von zwei auf drei umspringt. Kurz danach durchlaufe ich den Zielbogen, etwa 3 Stunden und 30 Sekunden nach dem Startschuss.

 

Die Medaille wird von freundlichen Helfern umgehängt. Später merke ich, dass die heutige Siegerin und Olympiagewinnerin von Athen sich darauf befindet. Wärmeschutzfolien sollen gegen Abkühlung sorgen. Auf der folgenden Verpflegungsstrasse erhalten wir Wasser, Mineralgetränke, Äpfel, Bananen und Kekse. Da treffe ich dann Stefan, Stephan und Michael, der immerhin zehntbester deutscher Läufer wird.

 

Auf der Massagebank werden die geschundenen Muskeln geknetet und bearbeitet. Zum Duschen genehmige ich mir noch zwei frisch gezapfte Pils. Das verschreibt auch Dr. Willi Heepe als ärztlicher Chef des Berlin Marathon als Belohnung. Der Gerstensaft geht natürlich voll in die Birne. Später beim Ausdruck der Soforturkunden bin ich hochzufrieden, als ich meine Zeit sehe. Die 3.00.16 Stunden bringt mich trotz warmen Wetters und größerem Teilnehmerfeld im Vergleich zum Vorjahr um 13 Gesamtränge nach vorne.

 

Noch Daten des Rekordlaufes erwünscht?

Gewinner: Philip Manyim (Kenia) 2.07.41 Std. und Mizuki Noguchi (Japan) 2.19.12 Std., die mit ihrer Zeit einen neuen Streckenrekord und Asienrekord aufstellt. Rollstuhlfahrer Heinz Frei (SUI) feiert den 100. Sieg bei einem Marathon, davon bereits zum 16. Mal in Berlin. 31.619 Marathonis am Start, 30.584 am Ziel, eine Million Trinkbecher, gut 2,5 Tonnen Medaillen, 142.000 Bananen, ...“

 

Streckenbeschreibung:

Rundkurs durch die Bundeshauptstadt. Absolut flach mit vielen Sehenswürdigkeiten. Asphaltiert. Super Stimmung mit zahlreichen Bands.


Auszeichnung:

Medaille, Urkunde und Erlebnisheft per Post, Soforturkunde aus dem Internet oder nach dem Lauf.


Verpflegung:

Internationaler AIMS-Standard. Alle 5 Kilometer Verpflegungsstellen, ab 12,5 Kilometer zusätzliche Wasserstellen. Im Ziel Wasser, Iso, Äpfel, Bananen, Kekse, im Umkleidebereich Freibier (lechz).


Zeitnahme:

Champion-Chip.


Logistik:

Anfahrt ausschließlich mit U- oder S-Bahn. Kleiderbewachung, Duschmöglichkeiten, Massagen.

 


 

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