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Laufberichte

Traum-Trails in der Aletsch Arena

 

Das Wallis ist für mich der Inbegriff für Berge und Alpen. Meine Trail-Laufbahn begann beim Klassiker Swiss Alpine in Davos. Es folgten Strecken am Eiger und Matterhorn, am Verbier und im Vaudoise in der Region des Genfer Sees. Auch den Simplon Pass habe ich schon erkundet, aber der Swiss Alps 100 hat mir in meiner Sammlung noch gefehlt.

Eigentlich wollte ich den 100er machen, aber beim Blick auf die Startzeiten habe ich mich für die Kurzdistanz entschieden. Die 50 km Strecke enthält alle landschaftlichen Highlights aber vor allem läuft man am Aletsch Gletscher bei Tageslicht und nicht in der Nacht. 

Mit von der Partie ist diesmal nur Astrid. Mein Laufpartner Buki ist arbeitsbedingt in letzter Minute ausgestiegen. Schade, aber dann muss ich es diesmal alleine machen. 


Anfahrt mit Vorgeschmack


Wir nehmen die Anfahrt in Richtung Gottardo und biegen vor dem Tunnel ab zum Furkapass. Bekannt aus dem James Bond Film „Goldfinger“ ist der Pass ein beliebtes Ausflugsziel für Sportwagen. Aber auch viele Motorrad- und Fahrradfahrer sind unterwegs. Auf der Passhöhe hat man den Blick auf das Gotthard Massiv und die majestätischen 4000er des Wallis. Ein schöner Einstieg ins Hochgebirge. Den Ausflug in die Eis-Höhle des Rhone Gletschers sparen wir uns. Wir wollen noch im Hellen unsere Unterkunft erreichen. 

Wir wohnen in Bellwald, wo auch unsere Laufstrecke durchkommt. Von unserem Balkon schauen wir auf’s Eggishorn. Dort ist das Ziel für die Finisher des Vertical. Auf 10,3 km sind 1.830 Höhenmeter zu bezwingen. 

 


View Point Eggishorn


Am nächsten Morgen wird erst mal ausgeschlafen. Nach dem Frühstück geht es nach Fiesch. Wir parken an der Seilbahn, die uns hoch nach Kühboden und weiter zum Eggishorn bringt. So können wir uns ein wenig akklimatisieren und schon mal die erste Hälfte des Rennens überblicken. An der Mittelstation ist für die Läuferinnen und Läufer des Vertical die Verpflegung aufgebaut. Das wird morgen auch unser erster VP sein.

Oben am Eggishorn ist es frisch. Der Anblick des Gletschers ist wirklich atemberaubend. Wir spazieren zu den verschiedenen Aussichtspunkten und feiern die ankommenden Läuferinnen und Läufer, die stolz den Zielbogen auf dem winzigen Plateau vor der Hütte durchlaufen. 

Das Mittagessen nehmen wir dann an der Mittelstation in Kühboden. 

Gut gestärkt und mit ersten Streckeneindrücken geht es wieder ins Tal zur Startnummernausgabe. Neben der Nummer gibt es ein Shirt und einen GPS-Tracker. Außerdem noch ein Gel und eine Dose Mate. Auf dem Rückweg nehmen wir noch ein kühles Helles. Heute Abend geht es beizeiten in die Koje. 


Race-Day


Um vier Uhr geht der Wecker. Den hätte ich eigentlich nicht gebraucht, denn die nahe Kirchturmuhr hat mir zu jeder vollen Stunde zugerufen, wie lange ich noch im Bett bleiben kann. Ein Kaffee und ein Hörnchen lassen mich endgültig wach werden. Dann geht es auch gleich schon los zum Start nach Fiesch. Wir parken wieder an der Seilbahn und laufen 10 Minuten zum Eventgelände in einem riesigen Sport-Ressort.

Kurz bevor es losgeht, kommt der erste Läufer der 100 km Strecke nach knapp 12 Stunden und somit neuem Streckenrekord ins Ziel. Es ist schon so hell, dass wir keine Stirnlampe brauchen und pünktlich um 6 Uhr starten wir ins Abenteuer. 

 

 

Es ist schon recht warm und ich beginne sofort zu schwitzen. Zum Glück habe ich die Windjacke noch schnell im Zielbeutel verstaut. Bis Kühboden haben wir die gleiche Strecke, wie gestern beim Vertical. 800 Höhenmeter sind es bis Kühboden. Aber die Strecke ist gut zu laufen und technisch einfach. Ich schalte den Diesel ein und ziehe gleichmäßig den Berg hoch.

Als die Sonne hinter den Bergen hervorspitzt, wird es sofort richtig warm. Ich beginne direkt mit dem Trinken. Einer meiner häufigsten Fehler ist es, mit dem Trinken erst zu beginnen, wenn es fast schon zu spät ist. Diesmal habe ich vorgesorgt und mir ein Sirup zum Wasser gemischt, um den Plastikgeschmack der Flaschen zu unterdrücken, was auch sehr gut damit gelingt. Bei Kühboden habe ich bereit 40 Minuten auf’s Cutoff. Sehr gut. Ich hasse es, den Schlusszeiten wegrennen zu müssen, was mit steigendem Alter immer schwieriger wird. So habe ich genug Zeit, die Strecke entlang des Gletschers zu genießen. 

Aber erst geht es noch ein paar hundert Meter berghoch. Vor uns haben wir bei perfekter Fernsicht nun den Blick auf das Matterhorn und den Mont Blanc. Um uns herum ein fantastisches Panorama. 


Aletsch-Arena


Wir umrunden den Höhenzug und biegen rechts ein in die Aletsch Arena. Der Anblick ist fantastisch. Der Gletscher und die gegenüberliegende Bergflanke werden bereits von der Sonne angestrahlt. Die Aussicht ist atemberaubend. Auf unserer Schattenseite ist es angenehm frisch und so steige ich staunend und voller Ehrfurcht den jetzt technischer werdenden Pfad hinab.

 

 

Ich kann mich gar nicht satt sehen. Die verschiedenen Strukturen, Formen und Farben des Gletschers ziehen mich komplett in den Bann und ich zwinge mich, auf die Strecke zu achten. Immer tiefer steigen wir ab. Mal über gute Pfade, mal über grobes Blockwerk. Immer näher kommen wir dem Gletscher und immer majestätischer wirkt er auf mich. Aus der gegenüberliegenden Schlucht rauscht mit wildem Getöse das Wasser zu Tal.

Am Ende des Gletschers sind Eiger, Mönch und Jungfrau zu erkennen. Ich bin froh, dass ich die kurze Strecke gewählt habe und die fantastische Fernsicht genießen kann. 
Viel zu schnell biegen wir ab in ein Seitental. An der Gletscherstube ist unsere Verpflegung aufgebaut. Astrid ist sprichwörtlich schon über alle Berge. Ich habe mir viel Zeit genommen, aber das war es mir wert. 


Gratwanderung


Nach einem flachen Abschnitt geht es jetzt in einen langen Downhill. Mit den gut laufbaren Wegen ist es erst mal vorbei. Die Strecke fordert volle Konzentration. Über Holztreppen und Eisenleitern folgen wir einem Grat mit spektakulärer Aussicht in die Weisswasserschlucht am Fuße des Fieschergletschers. Wild rauscht das Wasser durch die enge Schlucht, der wir bis zur Aspi-Titter Hängebrücke folgen. 

Hier verlassen wir das Aletsch-Plateau und betreten auf der anderen Seite die Region Goms. Die Überquerung der Brücke ist nichts für schwache Nerven. Irgendwie traue ich den Brettern unter mir nicht so recht und bin froh, als ich auf der anderen Seite bin. Die Brücke ist die einzige Verbindung der beiden Regionen.

Nun folgt ein anstrengender Aufstieg. Die hohen Stufen machen mir in der Mittagshitze schwer zu schaffen. Bergab werden die Wege immer besser und am VP Bellwald fülle ich die leeren Flaschen nach und stopfe ein paar Melonenstücke in den hungrigen Schlund. 

 


Cool Down

 

Auf dem weiteren Weg ins Tal nutze ich jede Gelegenheit, meine Mütze und das Kühltuch nass zu machen. Es hat gut über 30 Grad und ich bin froh für jedes Fleckchen Schatten. 
Parallel zur Furkastraße steigen wir ab bis zum Talboden. An der Hütte neben dem VP gönne ich mir ein großes Bier mit viel Limonade. 

Wir folgen der Rhone talwärts, bis wir zur Chäserstatt aufsteigen. An der VP gibt es Rösti mit oder ohne Ei und auch sonst alles, was der Ultraläufer begehrt. Ich nehme eine kleine Portion und folge gut gestärkt dem Milibach, bis ich an einer Brücke auf die Zusammenführung der 100km Strecke stoße. Die Läuferinnen und Läufer der langen Strecken sind hier dem Tal in einer großen Schleife weiter gefolgt. 

Für mich war es der letzte große Anstieg. Jetzt geht es erst mal wieder moderat bergab und ich lasse es gut rollen. Ein paar technische Passagen sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Die Hitze macht mir aber arg zu schaffen. Zum Glück gibt es viele Gelegenheiten sich zu erfrischen. In den kleinen urigen Ortschaften gibt es viele Brunnen. Das kalte Wasser läuft herrlich frisch durch die Kehle und das Kühltuch sorgt für Frische bis zum nächsten Brunnen.


Hängebrigga zu den Gogwärgini


Die nächste spektakuläre Hängebrücke (Hängebrigga) Fürgangen-Mühlebach bringt uns wieder auf die andere Seite der Rhone. Nachdem wir die Straße unterquert haben geht es noch einmal stramm in die Höhe. Dann folgen wir einem alten Bewässerungsgraben durchs Fieschertal bis in den Zielort. An jedem Brunnen lege ich einen Stopp ein, um mich abzukühlen.

 

 

Ich folge dem Gogwärgiweg in Richtung Fiesch. Die Gogwärgini sind der Sage nach Zwerge, die den Menschen beim Arbeiten helfen. Also quasi die Heinzelmännchen der Schweiz. Alle paar hundert Meter steht so ein handgeschnitzter Holzzwerg am Weg. Die Mama Gogwärgi sieht, wie die anderen, ziemlich gruselig aus und ich verwackele das Foto. Es wird jetzt Zeit, ins Ziel zu kommen.

Ich stecke noch einmal den Kopf in einen Brunnen und dann geht es auch schon in gutem Tempo durch Fiesch. Die Leute auf der Straße klatschen und beglückwünschen die ankommenden Läuferinnen und Läufer. 

Voller Freude und voller einmaliger Eindrücke laufe ich nach gut 52 Kilometern durch den Zielbogen, wo mich Astrid bereits erwartet. Sie ist genauso beeindruckt von der Strecke, wie ich und auch sie hat unter der Hitze arg gelitten. Wir entspannen uns noch eine Weile im Schatten auf der Wiese  neben dem Zielbogen und freuen uns über die anderen Finisher. Ein fantastisches Laufabenteuer geht zu Ende. 

 


Fazit

 

Der Swiss Alps 100 ist ein fantastisches Landschaftserlebnis. Wer die Berge mag, wird den Lauf lieben. Anspruchsvolle Passagen und gut laufbare Abschnitte wechseln sich ab. Die Brücken und einige Passagen sind nichts für Menschen mit Höhenangst. Alle anderen kommen voll auf ihre Kosten. Die Strecke ist sehr gut markiert. Die Verpflegung ist perfekt. Unterwegs gibt es viele Bäche und Brunnen. Außerdem sind auch noch verschiedene Hütten am Wegesrand. Dabei sind die Cutoff-Zeiten auch für Genussläufer zu schaffen. 

Der Lauf sollte in keiner Sammlung fehlen. 

Strecken

Swiss Alps 160        160 Km / D+/- 10.150 m
Swiss Alps 100        100 Km / D+ 6.250 m
Swiss Alps 50            52 Km / D+ 3.210m
Vertical                      10 Km / D+ 1.810m
Matterhorning            33 Km / D+ 4.692 m
Gletschi Kinderlauf (gratis)        

 

 

 

Informationen: Swiss Alps 100 Endurance Run
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