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Laufberichte

Der Lanzarote Marathon: Very British

 

Einige Marathon-Berichte von den Kanarischen Inseln haben Judith und ich schon beigesteuert. Einen noch größeren sportlichen Bereich nehmen die vielen Trailläufe auf den Kanaren ein. Für dieses Winterhalbjahr hatte ich mir da was Schönes ausgesucht: Den Anaga K42 auf Teneriffa. Der gleichnamige Gebirgszug wurde schon mehrmals von uns durchwandert und beeindruckt mich immer wieder durch eine für uns ganz ungewohnte Vegetation. Kurz vor der Anmeldung prüfe ich die Cutoff-Zeiten und muss feststellen, dass diese für Judith und mich wahrscheinlich nicht machbar sind. Die Strecke verläuft fast ausschließlich auf schmalen Trails, wo andere Tempo-Maßstäbe gelten. Trotzdem probieren? Ein DNF möchte ich mir dieses Jahr nicht mehr gönnen, und so wird kurzfristig umgeplant.

Neben den grünen Wanderinseln Teneriffa, Gran Canaria, Gomera, La Palma und El Hierro gibt es noch die Inseln Fuerteventura und Lanzarote. Nur 100 km von der afrikanischen Küste entfernt gelegen, verfügen sie über ein sehr trockenes Klima. Der Lanzarote Marathon wird dieses Jahr zum 27. Mal veranstaltet und hat uns 2016 so gut gefallen, dass wir noch einmal teilnehmen wollen.

Ein Flug für 120 Euro ist schnell gefunden und nur die Startgebühr von 70 Euro während der letzten Anmeldephase lässt mich doch etwas schlucken. Die Läufe über 42, 21, 10 und fünf Kilometer werden dieses Jahr nahezu ausgebucht sein. Nachmeldungen kosten 20% zusätzlich. Trotz allem: Sonnenhungrige können hier vor den Weihnachtsferien noch allerlei Reiseschnäppchen ergattern und dem Weihnachtsstress in Deutschland entfliehen. Ein weiterer Vorteil ist die  politische Zugehörigkeit der Inselgruppe zu Spanien und der EU samt Schengenraum. Vom zeitlichen Aufwand her lässt sich der vierstündige Flug fast mit einer Autofahrt zu einem Marathon in Deutschland vergleichen.

Für unser Wochenende finde ich ein Hotel direkt beim Start/Zielbereich in dem Ferienort Costa Teguise. Das veranstaltende Sporthotel Sands Beach war schon ausgebucht. Dort gibt es auch spezielle Marathonpakete. Aber aufgepasst: Wer hier als Marathoni absteigt, muss sich mit knallharten Triathleten messen und wird mit Marathonzeiten um 4 Stunden nicht wirklich prahlen können. Dann nehme ich doch lieber ein nettes kleines Urlauberhotel, in dem außer uns viele Engländer abgestiegen sind.

 

Lanzarote

 

Lanzarote ist die nordöstlichste der sieben großen Kanareninseln und mit 60 km Länge und ca. 20 km Breite recht überschaubar. Trotzdem gibt es hier viel zu sehen: So hat eine Serie von Vulkanausbrüchen in den Jahren 1730 bis 1736 einen Teil der Insel in eine Mondlandschaft verwandelt. Pauschaltouristen können sich mit Bussen auf eine Rundfahrt durch den Timanfaya-Nationalpark begeben, aktivere Sportler unternehmen von Tinguatón aus eine Wanderung auf den Caldera-Blanca-Krater. In gut drei Stunden kann man ein Lavafeld durchqueren und dann den Kraterrand einmal umrunden. Die Tour wäre auch für einen Trailrun geeignet. Lava, soweit das Auge reicht, bis dann auf einmal ein Auto auf einer Piste am Horizont vorbei fährt und man an der Größe des Fahrzeugs erkennt, dass die Entfernungen sich doch in Grenzen halten.

Den Surfern kann man am Strand von La Caleta de Famara zusehen, vor der bis zu 600 Meter aufragenden Steilküste.

Diesen Winter scheint es noch nicht geregnet zu haben. Alles ist vulkanisch braun-schwarz und die vielen Büsche sehen verdorrt aus. Das ändert sich schlagartig nach einem der winterlichen Regenfälle, wie wir ihn bei unserer Abreise am Montag erleben werden. Ansonsten werden alle Palmen und Bäume am Straßenrand künstlich bewässert.

Die Marathonmesse erwartet uns in einem Zelt vor dem Sands Beach. Unser kleiner roter Laufbeutel ist schon mit der Startnummer beklebt und hängt ordentlich auf dem ihm zugewiesenen Haken. Morgen wird er dorthin zurückkehren. Andere Gepäckstücke kann man nicht aufgeben.

Im Beutel sind Goodies wie  Marathon-Shirt in auffälligem Design, Marathon-Lanzarote-Laufsocken, Sonnencreme, Lippensonnenschutz und Aloe-Seife aus Lanzarote enthalten.

Auf dem Gelände ist auch eine Marathon-Bar aufgebaut. Dort gibt es Tapas und Getränke. Irgendwie erfahren wir erst am nächsten Tag, dass dort auch die kostenlose Pasta-Party stattgefunden hat. Gelesen habe ich davon nirgends. Also nächstes Jahr nachfragen.

Die Marathonstrecke ist schnell beschrieben: Wir starten im Osten vor dem Sands Beach Hotel, laufen an der Küste bis Matagorda, dem Beginn des Ferienortes Puerto del Carmen, und wieder zurück. Mitkommen werden auf dem Rückweg die Halbmarathonis sowie die 10k- und 5k- Läufer. Für sie gibt es Shuttlebusse zu den Startpunkten.

 

 

Judith und ich gehen die 1,5 km zum Start. Es ist noch dunkel. Um 7:15 sind wir am Startbereich und es ist noch wenig los. Wie immer treffen die spanischen Sportler sehr knapp vor dem Startschuss um 8 Uhr ein.

Dafür fühlt man sich plötzlich wie in Great Britain. Überall sieht man den Union Jack auf Laufhemden. Und auch die einzige Sprache scheint Englisch zu sein. Teamweise sind Sportler aus dem Vereinigten Königreich angereist. Über die Hälfte der 2.000 Starter aller Disziplinen kommen aus Irland und UK, mehr als doppelt so viele wie letztes Jahr. Ein Viertel aus Spanien und weniger als ein Zehntel aus dem deutschsprachigen Raum. Very British also.

Nach und nach fallen auch die deutschsprachigen Läufer auf. Günther aus Österreich ist wie letztes Jahr dabei. Er trägt ein Shirt des Abbott World Marathon Majors und hat erfolgreich an den Läufen in Tokio, Boston, London, Berlin, Chicago und New York teilgenommen.

Ein Läufer trägt ein Hemd des Lwt Koblenz. Olli freut sich, uns zu treffen. Er konnte nach Lektüre des letztjährigen M4Y-Berichts seine Frau überzeugen, auf Lanzarote einen Urlaub zu verbringen. Da bin ich auch ganz stolz und hoffe, dass seine Erwartungen erfüllt werden.

Um 5 Minuten vor Acht starten einige wenige Handbiker. Und um  8 Uhr fällt für uns der Startschuss.

Costa Teguise wurde vor 30 Jahren als Retortenstadt um einige Buchten mit natürlichem Sandstrand herum angelegt. Die Entwicklung kam dann etwas zum Erliegen, sodass noch einige Flächen unbebaut sind. Im Moment ist der Baumboom in Playa Blanca im Südwesten der Insel angekommen, dort soll das Wetter noch beständiger und urlauberfreundlicher sein. Wir machen ein kleines Schleifchen durch Costa Teguise. Im Moment sind wir noch zu sehr mit den anderen Läufern beschäftigt, als dass wir viel von der Strecke mitbekommen. Aber: auf dem ersten Kilometer ist die Hölle los, denn viele Begleiter feuern ihren Club und alle anderen an.

 

 

Ein perfekter Sonnenaufgang lässt die folgenden Meter auf der Uferpromenade in goldgelbem Licht erstrahlen. Es gibt viel zu sehen. Einige Badende kommen aus dem mit 21 Grad erfrischenden Meer zurück. Die dachten wohl, sie wären Frühaufsteher. Eine Mitläuferin kommt aus Perth. Auf Nachfrage erfahre ich, dass damit nicht die Stadt in Westaustralien gemeint ist, sondern die  ehemalige schottische Hauptstadt.

Über Sträßlein geht es teilweise ein wenig auf und ab, bevor sich nach km 5 das Stromkraftwerk samt einiger Windräder zeigt. Wind gibt es viel in Lanzarote und an einigen Stellen vermiest er den Besuchern das Sonnenbad am Strand. Heute bringt er etwas Abkühlung. Am Start hatte es schon 18 Grad und das macht Judith und mir, gerade erst aus dem eisigen Deutschland hier eingetroffen, doch etwas zu schaffen.

Las Caletas erwartet uns mit den ersten weißen Häusern der Einheimischen. Könnte mal ein Fischerdorf gewesen sein. Wie ich später recherchiere, tragen die Straßennamen hier ortstypische Fischnamen. Die Calle la Fula ist demnach die Mönchsfischgasse.

Dem Künstler César Manrique (1919-1992) ist es unter anderem zu verdanken, dass es auf Lanzarote nur wenige Hotelburgen gibt. Weiße Bungalowanlagen herrschen vor, wobei die Häuser am Meer blaue Fensterrahmen haben sollen, die im ländlichen Gebiet grüne. Damit ist die Farbfrage für Hausbesitzer schnell geklärt. Noch idyllischer wirken die Wohngebiete der Einheimischen, weil die Häuser individueller gestaltet sind und man sich beim Blumenschmuck und zurzeit auch mit Weihnachtsschmuck wunderbar abheben kann, wie wir erstmals bei Kilometer 7 in Punta Grande feststellen. Manrique hat mit seinem Stil die Insel geprägt und ist allgegenwärtig. Sehenswert sein futuristisch anmutendes ehemaliges Domizil in Tahiche – heute ein Museum mit moderner Kunst -,  sein letztes Wohnhaus in Haría oder auch die Höhlenanlage Jameos del Agua mit einem verwunschenen Salzwassersee und einem Auditorium mit exquisiter Akustik, alles in die Lavafelder integriert.

Auf den folgenden zwei bis drei Kilometern kommen die Läufer auf ihre Kosten, die über Industrieabschnitte nörgeln wollen. Erst ein großes Stromwerk samt Meerwasserentsalzungsanlage. Viel Energie wird dafür benötigt: 8 Liter Öl für 1.000 Liter Wasser, lese ich. Die teilweise recht starken Regenschauer im Winter werden nicht mehr in Zisternen gesammelt und rauschen somit ins Meer. Oder verhindern wie vor einigen Jahren den Start des Marathons. Einige Barrancos - Flussläufe, die nur bei ergiebigen Regenfällen Wasser führen - haben wir schon überquert.

Aber auch hier, zwischen recht kleinen Betrieben, gibt es viel Geschichte zu sehen; so z. B. die kleinen viereckigen Parzellen zwischen Lavasteinmaueren, auf denen früher dem kargen Boden etwas abgerungen wurde. Die Feuchtigkeit des Passatwinds hilft dabei, den dunklen Steinboden landwirtschaftlich zu nutzen. Oder die Reste ehemaliger Windmühlen. Und natürlich der Blick auf den Hafen von Arrecife. Auch nicht unbedingt einer der größten Häfen. Kreuzfahrschiffe sind fast jeden Tag zu Gast. Davor ein modernes Shopping- und Vergnügungszentrum auf der Mole.

Und dann natürlich das kleinen Castillo de San José. 1774 bis 1779 im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die notleidende Bevölkerung erbaut, beherbergt es heute das Museo Internacional de Arte Contemporáneo. Viele Werke von Künstlern der klassischen spanischen Moderne sind ausgestellt: Joan Miró, Antonio Tápies, Pablo Picasso.

 

 

Durch Fischereibetriebe geht es unvermittelt ins Zentrum. Der Charco de San Ginés taucht auf. Eine kleine Bucht, die von netten weißen Häuschen mit blauen Fenstern gesäumt ist und natürlich von unzähligen Lokalen, in denen die Einheimischen die Nacht zum Tag machen. In der Bucht liegen viele farbenfrohe Fischerboote vor Anker. Ganz unverhofft eine kleine schöne Änderung der Wegeführung. Wir kommen näher am Charco vorbei.

Links das Castillo de San Gabriel aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, malerisch auf einem Inselchen gelegen und mit zwei steinernen Brücken angebunden. Hier gibt es eine sehenswerte Ausstellung zur Geschichte Lanzarotes. Erst 1402 konnten die Spanier diese Insel einnehmen. Die Urbevölkerung setzte sich wohl aus nordafrikanischen Völkern und auch Europäern zusammen. Entdeckt wurden die Kanaren schon von den Römern. Ursprünglich bildete die Landwirtschaft im Westen Lanzarotes die Haupterwerbsquelle der Einwohner. Der große Vulkanausbruch von 1730 hat dort alle Dörfer zerstört und viele Menschen zur Umsiedlung nach Gran Canaria veranlasst.

Heutzutage leben die Einheimischen vorwiegend vom Tourismus. Der Kiosk auf der Strandpromenade gehört zu jeder spanischen Stadt. Hier trifft man sich zum Plausch – aber nicht samstags um 9 Uhr früh. Wer es historisch verträumt mag, ist übrigens in der 57.000-Einwohner-Stadt Arrecife nicht so gut aufgehoben. Wie vielerorts sind die Geschäfte in die Vororte gezogen. Die Einkaufsstraßen veröden. Auf jeden Fall sollte man Arrecife an einem Werktag besuchen. Sonntags sind wohl alle Einwohner ausgeflogen. Schöner sind auf jeden Fall die königliche Stadt Teguise im Hinterland und Haría, das Dorf der 1000 Palmen.

Nach dem Yachtklub öffnet sich der Blick auf das wunderschöne Halbrund des Sandstrands Playa del Reducto. Goldgelber Sand. Am Stadthotel Lancelot Playa eine große Schar von begeisterten Zuschauern. Von hier an geht es nun nur noch über die Küstenpromenade weiter Richtung Westen. Die jungen Helfer an den Verpflegungsstellen sind topmotiviert und feuern jeden Läufer mit viel Spaß an. Besonders hübsch sind die kleinen Wasserflaschen mit ihren farbigen Deckeln. Die Helfer haben diese schon geöffnet.

Marina Colón ist der nächste kleine Stadtteil. Dann noch ein paar Schlenker und wellige Abschnitte und wir erreichen Playa Honda. Ein bevorzugter Wohnort der Lanzarotiner. Wirklich schön ist es hier: einige alte Fischerhütten, nette Lokale. Die Aufbauarbeiten sind in vollem Gange. Ein Rollstuhlfahrer kommt uns hier schon entgegen. Viele blaue Hütchen säumen den Weg. Soll man rechts davon laufen? Oder wird so die Laufstrecke von den nun vermehrt auftauchenden Touristen und Radlern abgetrennt? Egal.

Rechts von uns einige Vulkankegel. Durch die fehlende Vegetation und die klare Luft tun wir uns schwer, Entfernungen zu schätzen. Irgendwie kommen die Erhebungen kein bisschen näher.

Das nächste Highlight hat sich schon seit einiger Zeit akustisch angekündigt. Hinter Playa Honda kommt die Startbahn des Flughafens ins Blickfeld, die hier am Strand entlang führt. Viele Flugbewegungen gibt es nicht. Wobei ich im Laufe der letzten Tage festgestellt habe, dass Charterflieger oft im Pulk ankommen, um dann nach zwei Stunden ebenso schlagartig wieder abzuheben. Nachts gibt es übrigens keinen Flugverkehr.

Zwischendrin starten die Propellermaschinen auf die anderen Kanareninseln. Das haben Judith und ich auch schon mal mitgemacht: Für 40 Euro nach Teneriffa, 300 km weit. Einheimische zahlen nur 10 € für den Flug. Leider wieder kein Flieger direkt am Startbahnende über unseren Köpfen. Aber vielleicht auf dem Rückweg.

Die erste Frau kommt uns entgegen, ganz ohne Fahrradbegleitung. Die nächsten Kilometer nutze ich, um jeder Läuferin ihre aktuelle Postion zuzurufen. Manch eine lächelt mir zu.

 

 

Hinter der Piste beginnt wieder der Tourismus: Matagorda markiert den Beginn einer langen Zeile von Hotelanlagen, die 6 km später am Hafen von Puerto del Carmen endet. Die abendlichen Unterhaltungsangebote nehmen entsprechend zu.

Viele Urlaubsgäste verfolgen nun unsere Anstrengungen. Einige Sportgeräte an der Promenade werden eifrig genutzt. Diese Geräte sieht man oft in spanischen Städten. Und oft wird da ganz fleißig trainiert. Einmal sehe ich einen Herrn im Rollstuhl, der seine Oberarme trainiert. Richtig laut wird es an der Wendestelle, da dort die Halbmarathonis auf ihren Einsatz warten und uns anfeuern. Vom riesigen Strand Playa de Los Pocillos sehen wir daher nichts. An der Playa Blanca, 3 km weiter Richtung Puerto del Carmen, liegt das Ziel des Lanzarote Ironman, auf das mit einer eigenen Infotafel hingewiesen wird. Die stählernen Sportsfreunde dürfen zwischen dort und Arrecife dreimal hin und her laufen und haben noch einige zusätzliche Höhenmeter zurückzulegen. Wir wenden. Vielleicht ein ganz kleiner Wermutstropfen, dass wir diese Strecke mit ihren unzähligen Lokalen nicht auch ablaufen können. Aber vielleicht bleibt in den nächsten Tagen noch Zeit für ein Trainingsläufchen? Der Ironman Lanzarote wird von einem anderen großen Sporthotel, dem Club la Santa, veranstaltet. Wer zu der auf einem entlegenen Fleckchen erbauten Anlage unterwegs ist, wird schon vorab von Läufern und Radlern auf der einsamen Landstraße begrüßt.

Inzwischen ist es unangenehm heiß geworden. Einige Wölkchen verziehen sich schnell wieder. Mein Thermometer zeigt 30 Grad an. Ich freue mich auf die Verpflegungsstelle bei km 20 bzw. 22. Von nun an wird an jedem VP nachgetankt. Die Wasserflaschen gibt es auch „frío“, also mehr oder weniger eisgekühlt. Zusätzlich Cola und Isotonic, Bananen- und Orangenstücke. Und die obligatorischen blauen Häuschen. Bis Playa Honda ist es jetzt flach. Weiter hinten sieht man das Hochhaus in Arrecife, unser Etappenziel bei km 30. Auch 10 km hinter mir sind noch Marathonis unterwegs, auffallend viele davon im 100-MC-UK-Shirt. Einige von den ganz Eifrigen kennen wir nun schon. Die Läufer aus Großbritannien zeigen sich ja gerne sehr nationalbewusst mit dem Union Jack. Oder mit den Fahnen von Wales, England oder Schottland ... Ich bin mal wieder mit meinen 12 goldenen Sternen in Sachen EU unterwegs. So wie übrigens alle anderen Läufer, auch die Brexit-Befürworter, denn die Fahne der EU ziert als Sponsor auch die Startnummer.

Die fast drei Kilometer lange Strecke am Flughafen zieht sich nun sehr in die Länge. Die letzte Läuferin ist auch schon durch. Auch der Strand ist hier sehr einsam - aber schön. Ich komme mit Fernando, einem Läufer aus Tarragona, ins Gespräch. Der tritt im Januar 2018 in seiner Heimatstadt als Pacer für 4:30 h an und übt hier das gemächliche Laufen, da der gewohnte Platz als 4-Stunden-Pacer schon vergeben war. Er findet den Marathon in Tarragona nicht so berauschend. Aber ich schon. Und daher sind Judith und ich nach 2016 auch 2018 wieder dort angemeldet.

In Playa Honda ist jetzt mehr los. Die Kneipen und Lokale füllen sich langsam. Der schönste Teil des Ortes ist sicher die Strandpromenade. Und dann kommen diese kleinen Hügelchen, die sich zu Bergen aufbauen. Aber: „Never give up“ steht in großen Lettern auf der Rückseite des Lanzarote-Marathonhemds. Das verpflichtet zum Durchhalten. Von der nächsten Erhebung kann man auf einem Strandabschnitt eine Gruppe sehen, die hier ein ordentliches Gymnastikprogramm absolviert. Der 4:15-Stunden-Mann samt Anhängerschaft zieht langsam vorbei. Judith hält noch länger mit, ich falle zurück. Noch mal eine kleine Häusergruppe, dann geht es auf die breite Promenade Richtung Arrecife. Am VP 35 spielt  eine Musikgruppe in farbenfrohen Gewändern heimische Weisen. Die Spitze an der Playa del Reducto ist erreicht. Das Hochhaus zum Greifen nahe, von dort sind es noch 11 Kilometer. Unter einem Zeltdach  spielen ältere Herren Karten. Einige Touristen sind auf Sightseeing-Tour, feuern uns an. Günther überholt mich.

 

 

Die Häuser am Charco leuchten weiß im Sonnenschein. Dort warten die 10-km-Läufer auf ihren Einsatz. Eine der insgesamt sechs Zeitmessungsstellen befindet sich hier. Auch das englische Läuferpärchen, das wir 2016 im Hotel kennengelernt haben, ist wieder dabei. Eine Sambatruppe heizt uns ein. Noch zehn Kilometer. Hinter den Hafenkneipen geht es ordentlich bergauf. Viele Halbmarathonis überholen mich nun sehr schnell, ein paar Marathonis ziehen langsamer vorbei, wobei auf diesem letzten Abschnitt noch einige Steigungen warten. Insgesamt sind 150 Höhenmeter zu überwinden.

Über die Schnellstraße geht es nun bergab, am Wrack des 1981 auf Grund gelaufenen griechischen Frachtschiffs „Telamon“ vorbei. Der vordere Teil ist schon verrostet und in den Fluten versunken. Ich freue ich mich auf die letzten sieben Kilometer. Im Fischerdörfchen ist wie immer einiges los. Etliche Bewohner stehen vor ihren Häuschen. Da gibt es wieder viel zu sehen. Km 37, VP und Start des 5-Kilometer-Laufs, aber erst um 12:45 Uhr. Die erwischen mich nicht mehr. Dafür machen Rachel und Jean aus Großbritannien hier wieder Stimmung. Sie haben um 8:00 Uhr schon ihre Vereinskollegen zum Start des Marathons begleitet und werden die fünf Kilometer als Letzte, aber unter 60 Minuten beenden.  

Hier kommt nun auch das einzige kleine Stück abseits vom Meer. Die Straße heißt Calle Real und deutet darauf hin, dass wir an einem königlichen Anwesen vorbeilaufen. Und der König hat natürlich einen exklusiven Meerzugang. Interessanterweise ist eben diese königliche Straße mit einem sehr grobkörnigen Teer bedeckt. Keine Löcher, aber man spürt den rauen Untergrund.

 

 

Dann endlich erreichen wir das erste große Hotel in Costa Teguise. Die Promenade beginnt. Ein DJ macht Stimmung. Viele Urlauber jubeln uns zu. Die freuen sich sichtlich über die willkommene Abwechslung. Am Jabilillo-Strand, der durch ein Felsenriff geschützt ist, tummeln sich viele Urlauber im Wasser. Eine lange Biegung bringt uns einen Blick auf den Cuacharas-Strand. Ich nutze jeden abschüssigen Abschnitt, um etwas Zeit zu gewinnen. Bei Km 41 sind wir im touristischen Zentrum von Costa Teguise.

Ich freue mich über den unglaublichen Zuspruch der Fans am Streckenrand. Schaue ich wirklich so fertig aus?  Ja! Windstill und viel Sonne: brutal. Dann ein langes Stück bergab. Unter dem Jubel von Tausenden trotte ich in Ziel. Glücklich, dass ich gerade einmal nicht von Halbmarathonis überholt werde. Die Medaille ist riesengroß. Judith war wieder mal schneller. Trotzdem hat es mir unheimlich viel Spaß gemacht. Auch nach der zweiten Teilnahme kann ich mich dem Reiz der Strecke nicht entziehen. Objektiv ist es ein netter Marathon am Meer, subjektiv  wirklich ein perfektes Erlebnis. Und so denken anscheinend auch viele andere Läufer, die den Lanzarote-Marathon als schönsten Marathon der kanarischen Inseln bezeichnen. Ich werde wiederkommen und hoffentlich meine Zeit verbessern.

An einem Biertisch erhole ich mich. Judith versorgt mich mit den Köstlichkeiten der Zielverpflegung, die mit das Beste ist, was ich je erlebt habe: Zusätzlich zum Standardprogramm mit Obst gibt es noch verschiedene Nudelsorten und Eis, Nüsse, vielerlei Kekse, Gummibärchen, Gebäck, Limonaden, Energydrinks und Erdinger Weißbier. Definitiv nicht gibt es warmen Tee, den man vielleicht andernorts im Schnee und bei Kälte gerne trinkt. Und Sangria wird erst auf der Marathonparty außerhalb des Zielbereichs angeboten. Weiterhin gibt es Massagen und zwei Duschcontainer.

Viele deutsche Sportler tauchen in der Ergebnisliste auf den AK-Rängen auf. Prämiert werden in allen Disziplinen die ersten drei Gesamtsieger und in den Altersklassen die jeweils Erstplatzierten.

 

MARATÓN(42 km)    

Männer
1 Gary O'HANLON        02:27:20
2 Che COMPTON        02:36:30
3 Brian HEGARTY        02:38:45

Frauen
1 Alexandra TONDEUR    02:51:01
2 Claudia MARIETTA    02:58:21
3 Elena GENEMISI        03:11:26    

Halbmarathon

Männer
1 Jack MORRIS        01:10:43
2 Chema MARTINEZ    01:11:26
3 David O'FLAHERTY    01:12:31

Frauen
1 Emma PALLANT            01:13:43
2 Lucy BIDDLESTONE        01:22:25    
3 Gloria CUELLAR MARCOS    01:26:14

 

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Informationen: Lanzarote Marathon
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