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Laufberichte

„Was ist das denn für ein Tag?“

02.05.10
Autor: Klaus Duwe

„Staffel oder ganzer Marathon?“ frage ich Stefanie, die den Altersdurchschnitt der Teilnehmerinnen deutlich senkt.

„Marathon“, sagt sie so bestimmt, dass ich mich fast für die Frage entschuldigen will. Meine Anschlussfrage  ist daher ganz schön mutig: „Dein Erster?“

Volltreffer. Und gut fühlt sie sich, nach sieben Kilometern. Getränk, Gel und Riegel trägt sie am Körper und ich will wissen, ob sie sich auch sonst gut vorbereitet hat. „Na, ja, das muss sich zeigen. Ich fürchte, so ganz optimal war das nicht.“

Das klingt aber schon sehr professionell und erinnert mich an die Sprüche der Läuferinnen und Läufer aus den ersten Startreihen. Und auch Stefanie stapelt tief. Sie schafft ihren Premieren-Marathon in gut 4 Stunden und bringt dabei das Kunststück fertig, die zweite Hälfte deutlich schneller zu laufen als die erste.

Kurz vor km 9 sind wir in Döhren in der Hildesheimer Straße. Die ganz Schnellen werden diesen Streckenabschnitt lieben, denn  6 Kilometer geht es schnurgerade aus.  Wohn- und Geschäftshäuser wechseln sich ab, typisch Vorstadt würde ich sagen. Menschenmassen empfangen uns hier nicht gerade, aber alleine ist man auch nicht. Es finden sich immer wieder Gruppen zusammen, die das bunte Läufervolk beklatschen und die Trommler vom Maschsee sind auf kürzestem Weg auch längst hier. Langeweile gibt es nicht.

Im ziemlich uniformen Stadtbild hat es der Döhrener Turm (km 12) leicht, aufzufallen. Der Wartturm war Bestandteil der Hannoverschen Landwehr  und stammt aus dem 14. Jahrhundert. Wenig später sind wir am von den Hannoveranern liebevoll „Aegi“ genannte  Aegidienplatz (km 14), der heute Treffpunkt der Marathonfans ist. Hier geht echt die Post ab. Dann kommt die Oper und der Kröpcke, der zentrale Platz in Hannover. Namensgeber ist Wilhelm Kröpcke, der als Oberkellner ein Café übernahm und unter seinem Namen 34 Jahre bis zu seinem Tod weiterführte und zu einer Goldgrube machte. Die gekonnt spielenden Jazzer und die Marathonis hätten hier ein paar Zuschauer mehr verdient.

Fast menschenleer ist der Bahnhofsplatz (km 16). Der zuletzt zur Expo 2000 umgebaute Hauptbahnhof ist der Stolz der Hannoveraner. Über  600 Züge mit 250.000 Reisenden kommen hier täglich an, 2000 Menschen finden bei der Bahn und der unterirdischen, 20.000 qm großen Einkaufsmeile Arbeit. Vor dem Bahnhof ist ein großes Reiterstandbild von Ernst August I., König von Hannover.

Durch die Bahnunterführung kommen wir in der Oststadt und laufen Richtung List. Paradiesische Zustände treffen wir in der Edenstraße an, denn die Verpflegungsstelle ist wieder mit allem bestückt, was das Läuferherz begehrt: Wasser, Apfelschorle, Cola, Gel, Bananen, Melonen, Äpfel und was weiß ich noch alles. Meine mitgeführte Notration wird wohl unangetastet bleiben.

Die vielen Zuschauer sind einfach klasse. Mit lustigen Schildern (Nichts ist Scheißer als Zweiter) und Zurufen fallen sie echt aus dem Rahmen. Als ich genüsslich im Gehen eine Banane esse, kommt es zu folgendem Dialog:

Sie: „Du sollst laufen, verstehst Du, laufen!“
Ich:. „Schrei mich nicht so an, oder sind wir verheiratet?“
Sie: „Nein, und so wird das auch nichts“.

Hier ziehe ich den Kürzeren, also lauf ich weiter. Applaus und Gelächter verfolgen mich.

Bei km 21 überqueren wir den Mittellandkanal, die längste künstliche Wasserstraße (325 km) in Deutschland. Er ist Teil einer Verbindung zwischen Rhein und Oder. Nur zwei Kilometer ist unser Ausflug nach Vahrenheide, dann laufen wir über die nächste Brücke schon wieder zurück nach List. Den leichten Anstieg meistern wir mithilfe der Trommler ohne Probleme.

Die Temperaturen mögen mittlerweile bei 14 Grad liegen, die Sonne lässt sich nicht blicken. Wem an einer guten Zeit gelegen ist, hat heute keine Ausrede.

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Informationen: HAJ Marathon Hannover
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