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Laufberichte

Flottenmanöver

15.05.11

Fotos: Kay Spamer

Wir schreiben das Jahr 1869. König Wilhelm I. von Preußen ist  auf der Suche nach einer einzigartigen und geschützten Lage, um eine Marinegarnison zu gründen. So findet er Deutschlands größte Meeresbucht, den Jadebusen, und gibt diesem Platz den Namen Wilhelmshaven.

Diese am Reißbrett entstandene „Stadt auf Befehl“ hat heute noch viele Namen: Schlicktown, Grüne Stadt am Meer, Marinestadt. Die Marine prägte die Geschichte der Stadt und die Geschichte der Bevölkerung.

Auch heute noch ist die Stadt Deutschlands größter Marinestützpunkt und der zweitgrößte der Bundeswehr. Von Wilhelmshaven aus bereist die Marine die ganze Welt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass an diesem Standort nun schon zum 4. Mal die Bundeswehrmeisterschaft im Marathon ausgetragen wird. Ein Großteil der Teilnehmer(innen) sind aktive Soldaten(innen).

Wir schreiben das Jahr 2006. Der 1. Gorch-Fock-Marathon wird ins Leben gerufen. Organisiert wird er von Claus Baumann, einem pensionierten Offizier und als Laufsport-Organisator in Baden –Württemberg bekannt. Neben dem Marathon finden auch ein Halbmarathon, ein 10-km-Lauf sowie diverse Schüler und Bambiniläufe statt.

Wir schreiben das Jahr 2011, Samstag, den 14. Mai. Seit Tagen ist schon das schönste Vorsommerwetter und so fahren wir bei strahlendem Sonnenschein aus dem Rhein-Main-Gebiet los. 40 km vor Wilhelmshaven werden wir von Hagel und Regengüssen überrascht. Wie passend für Norddeutschland.

Diesmal begleiten uns Heike und Dirk, gute Freunde von zu Hause, zu diesem Marathon. Wir haben ein nettes, kleines Hotel am Südstrand mit Meeresblick und sind dort mit den beiden verabredet. Nachmittags begeben wir uns zum Gorch-Fock-Haus, um unsere Startnummer abzuholen. Zeit haben wir genug, denn die Nummernausgabe mit der kleinen Marathonmesse hat bis 20:00 Uhr geöffnet. 

Wir schauen uns den Start der Nachwuchsläufer an. Alle Bambinis haben die Startnummer 1 manche haben noch Windeln an und andere laufen mit ihren älteren Geschwistern oder den Eltern Hand in Hand über die 600 Meter lange Strecke. Die Bundeswehr ist auch mit einem Stand vertreten und man kann sich über Karrieremöglichkeiten bei Heer, Marine und Luftwaffe informieren. Die Abholung der Startunterlagen ist sehr entspannt. Da wir bereits vorangemeldet sind, erhalten wir in einem getarnten Stoffbeutel ein schönes Funktionsshirt - sogar ein passendes, die meisten „Laufshirts“ werden bei mir zu Nachthemden zweckentfremdet. Während wir unsere Kohlehydratspeicher füllen, findet die Siegerehrung der Bambini- und Schülerläufe statt und es werden viele Pokale und Urkunden überreicht. Nudeln sind reichlich vorhanden, drei Sorten und vier Sorten Soße sowie eine große Auswahl Salate.

 
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Wir schreiben das Jahr 2011, Sonntag, 15. Mai: Sturm, Hagel, Kälte…Es herrscht eisige Stimmung. Nein, so ist es nicht, aber so:

Bei wechselhaften Witterungsbedingungen, Temperatur 11 Grad Celsius, bewölkt, teilweise sonnig und Windstärken von weiß ich nicht, in Böen noch stärker, begeben wir uns zum Start. Wir leisten uns den Luxus eines Taxis, denn eigentlich sind es nur 2 km von unserem Hotel am Südstrand bis zum Start. Die Kaiser-Wilhelm-Brücke, Anfang des letzten Jahrhunderts als größte Drehbrücke Europas erbaut, ist das eiserne Wahrzeichen der Stadt. Sie verbindet eigentlich die Südstadt mit der Südstrandpromenade. Die Brücke wird jedoch bis August 2012 restauriert und so müssten wir einen Umweg von ca. 4 km bei leichtem Regen in Kauf nehmen. Wir entscheiden uns kurzfristig für die Taxivariante und das war eine gute Idee. So sind wir bequem und trocken an den Startplatz gefahren. Noch dazu hat uns eine witzige, platt schnackende Taxifahrerin die Fahrt verkürzt.

Jeder von uns findet seinen Platz zwischen der nervös scharrenden Menge der Starter. So ist dies vielleicht bei anderen Stadtläufen, jedoch nicht hier. Die Marathonläufer stellen die kleinste Gruppe von Läufern. Besonders viele gehen an den Start auf die 10 km Strecke, die läuft auch Heike, der größte Teil der Läufer, so auch Dirk, sind für den Halbmarathon gemeldet. Alles ist entspannt, man unterhält sich, lernt neue Menschen kennen, mit noch mehr verrückten Läufer-Ideen und schon fällt der Startschuss.

Start und Ziel ist am Gorch-Fock-Haus. Das Haus wie auch der Marathon sind nach dem Dichter Johann Kinau, genannt Gorch Fock, der in der Skagerrak-Schlacht 1916 auf der S.M.S. „Wiesbaden“ gefallen war, benannt. Es geht vorbei am Stadttheater, vor dem Zweiten Weltkrieg noch Marine-Intendantur, weiter in die Fußgängerzone. Bis hierher laufen wir mit Horst Preisler, der schon das zweite Mal am Start ist, dem nun schon auseinandergezogenen Läuferfeld hinterher. 

Die Marktstraße wird bis zum Ende durchgelaufen und beim Christlichen Verein Junger Männer (CVJM) vorbei geht es zur Rüstringer Brücke. Diese Brücke wird nur einmal überquert. Weiter geht es zum Banter See in Richtung Großer Hafen. Wir sind etwa 7 km unterwegs und überqueren den Deich zum Wattenmeer  und laufen am Südstrand. Herrlich, diese südländisch anmutende Promenade, nur die 30 Grad fehlen noch. Nirgendwo sonst kann man an der Nordsee an einem Südstrand laufen. Maritime Impressionen begleiten uns  und wo es maritim ist, da ist auch Wind. Wind wiederrum macht auch die flachste Strecke zu einer anspruchsvollen. Denn die höchste Erhebung in Wilhelmshaven ist der Rüstinger Berg mit satten 13,2 m!

 
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Am Helgolandkai wird die ehemalige 1. Einfahrt passiert. Ich denke an Helgoland. Auch dort sind wir schon gelaufen, vier Runden und immer das Meer im Blick. Der Helgoland-Marathon findet immer einen Tag vor Wilhelmshaven statt und wenn man wollte, dann könnte man auf Deutschlands kleinster Hochseeinsel einen Marathon laufen und anschließend heute hier in Wilhelmshaven. Jedoch muss man sich beim Laufen sehr beeilen, um noch die letzte Fähre nach Wilhelmshaven zu bekommen. Wissen sollte man auch, dass man für die Überfahrt 4 Stunden einplanen muss. Tatsächlich sind einige Läufer gestern auch schon Helgoland gelaufen.

Es geht weiter, vorbei an der Nassaubrücke und dem Senckenberginstitut. Nun geht es wieder auf den Deich der Schleuseninsel hinein in den Marinestützunkt. Wir nähern uns langsam im 6er Schnitt dem Höhepunkt der Laufstrecke. Laufen, wo sonst „laufen verboten“ ist. Wir laufen in das Gebiet der Marine. Es fällt schwer, den Blick nach vorne zu richten, wo man doch links so viele Marineschiffe sieht. An der Ostmole liegt die Fregatte Schleswig-Holstein,  groß und beeindruckend, hier wenden wir.

 
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Weiter laufen wir am Marinemuseum vorbei. Man sieht auf dem Freigelände des Museums den Lenkwaffenzerstörer Mölders, Deutschlands größtes Museumskriegsschiff. Das Minenjagdboot Weilheim und auch das Unterseeboot U10 lässt unseren Schritt ein wenig langsamer werden. Wir laufen am großen Hafen entlang. Es ist eine Straße mit wenig Autoverkehr, dafür jedoch mit  umso mehr Gegenwind. Gegen den Wind ankämpfend erreichen wir dann auch die über hundert Jahre alte Deichbrücke. Die Deichbrücke überquert den Ems-Jade-Kanal und ist eine ungleicharmige Drehbrücke. Wir laufen hinter der Brücke  zur „Unterwasserwelt“. Jetzt sieht man schon die Christus- und Garnisonkirche, eine neugotische Kirche, in der am Samstag der Gottesdienst zum Gorch-Fock-Marathon gefeiert wurde. Unter dem Motto „Lauf des Lebens“ wurde eine Verbindungen zwischen (Marathon-) Laufen und Glauben gezogen. Unterwegs sehen wir Läufer mit Laufshirts und dem Aufdruck: „Kirche läuft“.

Hier ist auch heute das größte Stimmungsnest. Wir werden von einem Sprecher namentlich angefeuert und man hält uns wieder jede Menge Getränke entgegen. Überhaupt habe ich das Gefühl, es gibt hier besonders viele Verpflegungsstationen.

Inmitten blühender Natur laufen wir über den Friedrich-Wilhelm-Platz mit dem  Denkmal des Soldatenkönigs und erreichen nun wieder die Marktstraße.
Die Halbmarathonläufer sind so gut wie im Ziel, wir dürfen zum Glück noch weiter laufen, damit wir alles das, was wir auf der ersten Runde verpasst haben, jetzt doch noch sehen und es Kay fotografieren kann.

Wieder laufen wir also in die Fußgängerzone. Leute sieht man kaum und so fehlen Applaus und Anfeuerungsrufe. Es ist nicht viel los in der Stadt, denn der heutige verkaufsoffene Sonntag beginnt erst um 13:00 Uhr und jetzt ist es erst 11:30 Uhr. Wer sich nicht die Läufer oder die Geschäfte der Innenstadt ansehen mag, der kann auch seinen Sonntag im Küstenmuseum verbringen. Ins Küstenmuseum hat man heute freien Eintritt anlässlich des Internationalen Museumstages. Schade, wäre es die “Nacht der Museen“, dann könnten wir nach dem Lauf auch noch eine Museen-Tour machen. Vielleicht sollten wir dies mal dem Veranstalter vorschlagen, denn schlafen kann man meist sowieso nicht gut nach einem Marathon!

Bis zur Rüstinger Brücke ist die Strecke identisch mit der ersten Runde. Statt nach links, biegen wir jetzt nach rechts ab und laufen am Kanalhafen entlang zur Mariensieler Schleuse des Ems-Jade-Kanals. In Mariensiel verlassen wir den Kanal und gelangen direkt am kleinen Flugplatz Wilhelmshaven/ Friesland vorbei an den Jadebusen.

 
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Wie schön, bei strahlendem Sonnenschein laufen etwa 6 km an der Nationalparkgrenze Wattenmeer entlang bis zum Südstrand. Auf der linken Seite Schafe, auf der rechten Seite das Meer und den Wind endlich mal im Rücken. Es ist wirklich ein Marathon mit viel frischer Luft, der nicht umsonst auch „meer-marathon“ heißt. Es bieten sich viele Fotomotive und zum Glück habe ich immer meinen eigenen Fotografen, Kay, dabei.

Weiter entlang zum Banter Fischerdorf (km 27), ursprünglich von Fischern am Seedeich errichtete Hütten, die inzwischen durch mobile Hütten ersetzt wurden. Diese stehen in Reih und Glied und sozusagen in erster Reihe zum Meer. Zwei Männer sitzen Bier trinkend vor ihrem mobilen Haus und wir prosten uns mit unseren unterschiedlichen Getränken zu. Bei km 32 laufen wir ein zweites Mal an unserem Hotel am Südstrand vorbei. Es geht Richtung Marinesperrgebiet, wir wenden in dieser Runde aber viel früher. Dann verläuft die Strecke wieder wie in der ersten Runde.

Kurz vor dem Ziel feuern uns noch auf den letzten Metern Heike und Dirk an, die natürlich schon längst im Ziel sind. Wir freuen uns und ich sehe, dass Heike eine Rose in der Hand hält. Toll, sie konnte ihre Altersklasse im 10 km Lauf gewinnen und hält mir ganz stolz eine schöne Gorch-Fock-Tasse entgegen.

Direkt am Zielkanal stehen die LKW´s, an welchen wir heute Früh unsere Wechselkleidung abgegeben haben. Ganz schnell und zügig bekommen wir unsere Taschen und können mit einem Becher Erdinger Alkoholfrei in das direkt nebenan aufgestellte Zelt zum Umkleiden. Ein Shuttlebus fährt die verschwitzten Läufer zu den Duschen. Wir verzichten darauf, uns reicht heute die Deo-Dusche.

Frisch eingesprüht begeben wir uns in den Veranstaltungssaal des Gorch-Fock-Hauses. Dort hängen bereits die Ergebnisse des Zieleinlaufes. Bei einer Tasse Kaffee und einem großen Stück Erdbeerkuchen warten wir auf die Siegerehrungen. Wir kommen mit anderen Läufer-/innen ins Gespräch und so vergeht die Zeit wie im Flug.

Zuerst werden die Bundeswehrläufer geehrt. Der Flottillenadmiral, Wolfgang Bremer, betritt die Bühne und überreicht die Glückwünsche und Pokale an die Sieger der Bundeswehrmeisterschaft. Den Gesamtsieg beim Marathon und der Bundeswehrmeisterschaft holt  Maximilian Wagner, ein Soldat vom Hubschrauber-Geschwader 64, mit einer Streckenbestzeit von 2:39:14 Stunden. Eine tolle Leistung – vor allem, wenn man bedenkt, dass es Wagners erster Lauf über diese Distanz war.

Bei den Frauen gewinnt Katharina Gall in 3:24:05 Stunden. Sie sagt bei der Ehrung, dass sie „lieber Berge rauf und runter läuft, als gegen den Wind anzukämpfen“. Wie wahr! Der Bundeswehr-Titel der Frauen geht an Jeanette Mattern vom Feldjäger-Bataillon 251. Sie war die einzige Soldatin im Feld.
Die Altersklassenehrungen der Zivilisten übernimmt der Gesamtorganisator Sören Lingenberg. Auch ich darf auf die Bühne, erhalte eine Rose und eine Tasse. Als Sieger einer Altersklasse erhält man noch einen Freistart für den 7. Wilhelmshavener Gorch-Fock-Marathon 2012. Da heißt es für Heike und mich: Tschüss, bis nächstes Jahr in Wilhelmshaven.

Fazit: Dieser Lauf mit und bei netten Menschen und seiner ganz eigenen maritimen Atmosphäre ist eine sehr schön organisierte Veranstaltung der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung in der Bundesrepublik Deutschland e. V. (EAS), der Stadt Wilhelmshaven, der Leichtathletikgemeinschaft (LGW) und der Bundeswehr am Standort.

Bei so viel frischem Wind haben wir jetzt einen ordentlichen Hunger! Gut gestärkt machen wir uns dann auf den Weg um ein weiteres Stück Norddeutschland kennenzulernen und dann geht es am Sonntag zum Hamburg Marathon. Von dort werden euch dann Joe und/oder Klaus berichten.

 

Informationen: Wilhelmshavener Gorch-Fock-Marathon
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