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Laufberichte

Fünf Brötchen die Woche

 

Eigentlich war für heute schönes Wetter angesagt: Und bei der dritten Teilnahme endlich einmal die schöne Landschaft der Vulkaneifel im Sonnenschein zu erleben, reizt sehr. Aber der Wetterbericht wurde in den vergangenen Tagen immer schlechter, ja am Vorabend und in der Nacht gab es langen Dauerregen: Würde sich also der 1. Mai wieder grauverhangen zeigen?

Immerhin: Selbst bei wolkenverhangenem, immerhin trockenem Wetter kann der Vulkan-Halbmarathon in Mendig, der 2016 zum zweiten Mal auch als Marathon angeboten wird, begeistern: Nicht nur meine junge Lauffreundin Camille will den Lauf auch in diesem Jahr wieder absolvieren, sondern auch ihr kaum älterer Freund Robert ist dieses Mal mit dabei. Für ihn ist es der erste Landschaftslauf, aber immerhin kennt er die Höhen rings um Mendig durch Verwandtenbesuche in der Region. Und so weiß er auch, dass mich mein Navi zufälligerweise die landschaftliche schönste Route nach Mendig führt: Von Sinzig über Waldorf und nur noch ein kurzes Stück A 61 und die gutausgebaute B 262. Auf diese Weise komme ich zum ersten Mal durch Waldorf, wo ein mittlerweile langjähriger Kollege seit vielen Jahren Bürgermeister ist.

In der Nacht ist der Regen abgezogen – merkwürdigerweise dieses Mal nicht nach Nord- oder Südosten, sondern andersherum, nach Nordwesten. Und dieser merkwürdigen Wetterlage ist es geschuldet, dass es lausig kalt ist: Wohl kaum 5 Grad mögen es sein und es weht ein heftiger, im Tagesverlauf noch zunehmender Wind. Für Mai ist mir das viel zu kalt! Auch wenn es– so viel vorweg – zunehmend aufklart. Trotzdem, die Laufkleidung fällt fast winterlich aus, kaum ein Läufer zeigt sich mit kurzer Hose und nur mit kurzärmeligem Shirt. Trotzdem ist die Sporthalle in Mendig schon gut besucht: Der Lauf hat in der Region einen sehr guten Ruf. Und jeder Läufer gewinnt schon beim Abholen seiner Startnummer: Denn jeder bekommt einen Gutschein für ein großes, wohlschmeckendes Brot und einen Müsliriegel der in der Region ansässigen Bäckerei, die ihr Filialnetz u.a. bis Bonn betreibt. Merkwürdig, wenn auch für uns als Nutzer sehr angenehm ist, wie leer die Umkleideräume trotz der vollen Sporthalle sind: In sie verliert sich kaum ein Läufer. Dabei ist zumindest nach dem Lauf meine Dusche fast schon zu warm!

 

 
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Als wir kurz nach halb zehn die angenehm warme Sporthalle verlassen, stehen wir sogleich zum zugigen Wind: Da ziehen wir uns gern noch einmal unter die Halle zurück, wo es für durstige Läufer auch schon vor dem Start Wasser zu trinken gibt. Das sei gleich hier deutlich gesagt. Der Vulkanlauf zeichnet sich nicht nur durch eine tolle Landschaft und sehr gute Organisation, sondern auch durch allerorten sehr freundliche Helferinnen und Helfer aus! Was man vom Eifelwind nicht behaupten kann. Aber nachdem die Kinderläufe geendet haben, füllt sich der Sportplatz trotzdem mit Läufern, die sich für den Halbmarathon und für den zehn Minuten später startenden 10-Kilometer-Lauf warmlaufen. Die Marathoni sind schon um acht Uhr gestartet. Wer von ihnen schnell unterwegs ist, kann also seine zweite Runde zusammen mit den Halbmarathonis absolvieren.

Der Halbmarathon ist allerdings, was auch schon an der Internetadresse zu merken ist, der Hauptlauf – auch wenn der 10-km-Lauf inzwischen noch mehr Zulauf findet. Übrigens ist auch er ein sehr schöner, für die 10-Kilometer-Distanz ziemlich anspruchsvoller Landschaftslauf. Er ist mit dem ersten Teil des Halbmarathons bis auf eine 1,5 km lange Pendelstrecke identisch, führt also auch ziemlich steil an den Hängen des Hochsteins hinauf und bietet beim Abstieg denselben großartigen Höhepunkt des Bergablaufs auf Obermendig zu. Positiv ist für den Marathon festzustellen, dass sich 2016 die Finisherzahl von 66 auf 88 erhöht hat – ein interessanter Trend. Während die Citymarathons bei gleichzeitigem Halbmarathonangebot zunehmend um ausreichend hohe Teilnehmerzahlen kämpfen müssen, nehmen hier die Teilnehmerzahlen (wenn auch auf niedrigem Niveau) zu.

Camille, Robert und ich haben uns für den Halbmarathon entschieden, denn alle drei sind wir nicht recht fit und Camille hat sich sogar vom Halbmarathon auf den 10-Kilometer-Lauf umgemeldet. Doch als ich noch in der Sporthalle von den Umkleideräumen hinunterblicke, sehe ich sie plötzlich zur Startnummernausgabe eilen: Was ist los? Stimmt etwas mit ihrem Zeitmesschip für den Schuh nicht? Nein, es gibt eine hübschere Erklärung: Camille hat zwei andere junge Frauen getroffen, die den Halbmarathon absolvieren wollen.  „Da kann ich doch nicht nur zehn Kilometer laufen!“ Das ist toll – eigentlich nicht fit, weil ihr Studium anstrengender ist als gedacht, hat sie sich jetzt doch für’s ganze Vergnügen entschieden. Denn der Halbmarathon besteht nach der ersten Runde am Hochstein noch aus einer zweiten Runde an einem niedrigeren Berg, so dass insgesamt gut je 400 Höhenmeter bergauf und bergab zusammenkommen.

Die Strecke ähnelt einer recht komplizierten Acht, wobei man die Kilometer 1 bis 3 auf den Kilometern 18 bis 20 zum zweiten Mal läuft. Die Marathoni laufen die „Doppelrunde“ des Halbmarathons zweimal und müssen dazu noch eine zwei Kilometer lange Wendestrecke zweimal absolvieren; insgesamt sind gut 800 Höhenmeter zu bewältigen.

Auf dem Sportplatz haben wir uns warmgelaufen, soweit es bei dem kalten Wind geht. Eigentlich wäre es gut, sich besser aufzuwärmen, denn schon auf dem ersten Kilometer geht es ordentlich bergab. Der Start erfolgt durch einen recht engen Startkanal. Das führt zwar zu Gedränge vor der Startlinie, aber dank der Nettozeitmessung stört die Verzögerung nicht und man kann auf dem Sportplatz umso entspannter loslaufen. Der Sprecher erinnert noch einmal daran, dass heute der 1. Mai, also eigentlich Frühling ist – die meisten Läufer werden eher frieren.

Schon vom Sportplatz aus geht der Blick hinauf in die Berge, die immerhin nicht mehr wolkenverhangen sind. Beim Verlassen des Sportplatzes wird es doch noch einmal eng, kurz geht es rechts auf die Straße und dann links den steilen Thürer Weg bergab. Kaum hat man den Ort verlassen, gibt es einen schönen Blick auf die Läuferschlange voraus; anders als im Vorjahr gibt es diesmal hier aber keine blühenden Rapsfelder. Die ersten Laufbilder zeigen es deutlich: Noch ist es verhangen, der Natur fehlt die Farbenpracht des Frühjahrs. Immerhin ist es trocken, was nach dem langen Dauerregen am Abend zuvor und in der Nacht doch ganz angenehm ist.

 

 
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Während die Asphaltsträßchen von Anfang an abgetrocknet sind, sind die Waldwege später häufig recht nass, gelegentlich matschig und somit etwas schwerer als sonst zu belaufen. Besonders schön ist übrigens an den Laufstrecken des Vulkan-Marathons, dass man durch ein großes Gebiet läuft, das nicht von einer größeren Straße durchschnitten wird; nur zum Schluss läuft man erst ober-, dann unterhalb der gutausgebauten B 262.

Nach gut einem Kilometer sind wir im Tal, zweigen rechts ab und laufen jetzt auf den Hochstein zu: Hier bläst der Wind besonders unangenehm – beim zweiten Mal 17 Kilometer später übrigens so heftig, dass dann die Kilometerschilder umgeblasen sind. Kurz geht es mit einer Kehre steil aufwärts, dann wieder flacher mit schönem Blick nach rechts zum Bergrücken von Obermendig mit der hübschen Kirche St. Genovefa obenauf. Nach dem ersten Verpflegungspunkt geht es wieder links und  nun endgültig dem Hochstein entgegen, auch wenn der Berg durchaus noch für einige flachere Felder Raum lässt; schön, die Läuferschlange vor sich zu sehen, die jetzt auch noch von hinten „verstärkt“ wird. Denn zehn Minuten nach den Halbmarathoni sind auch die 10-Kilometer-Läufer gestartet, schieben förmlich von hinten, auch wenn es auf der Laufstrecke nie zu eng wird.

Im Wald ist das ganz angenehm und ich nehme die Steigung kaum wahr, empfinde sie eher als sehr human. Auch wenn mir die Kraft durch meine Erkältung fehlt – ausnahmsweise bin ich sogar mit Kopfschmerzen gestartet –, wird mein Kopf nach vier Kilometern frei und beginnt der Lauf richtig Spaß zu machen. Schon bald kommt der nächste Verpflegungspunkt kurz hinter einem eifeltypischen Steinkreuz in den Blick: Die 10-Kilometer-Läufer dürfen hier gleich den Abstieg unter die Füße nehmen, die Halbmarathonis erwartet hingegen anderthalb Kilometer Pendelstrecke durch den schönen Wald bis zum höchsten Punkt auf 445 Meter. Robert kommt mir schon bald entgegen, ein gutes Bild gelingt, aber Camille sehe ich zu spät – sie ist bisher noch gar nicht so weit vor mir.

Die Pendelstrecke verlassend geht es einen längeren Hangweg bergab, dann wieder wenige Meter bergauf, bis sich der Wald öffnet. Auf einem breiten Kammgelände geht es jetzt talab mit vollem Panoramablick auf Obermendig und die dahinter liegende Beckenlandschaft Richtung Koblenz; den nahen Laacher See kann man wohl von der Laufstrecke aus überhaupt nicht sehen. Im letzten Jahr hatte ich über die größte Vulkankatastrophe Mitteleuropas nach der letzten Vereisung berichtet – kaum vorstellbar, dass sich hier mal eine Katastrophe abgespielt hat, die den Ausbruch des Mount St. Helens, aber auch des Vesuv deutlich übertroffen hat und dass das kaum 12.000 Jahre her ist. Wer in die Vulkaneifel kommt, kann hier einiges entdecken – bis hin zu einem immer noch aktiven Vulkanismus, dem der weltgrößte Kaltwassergeysir in Andernach, 15 Kilometer entfernt, seine Existenz verdankt.

Beim Bergablaufen nach Obermendig beeindruckt mich freilich weniger der Vulkanismus, sondern dass die weiten Hänge in diesem Jahr in das leuchtende Gelb des blühenden Rapses getaucht sind: Interessant ist, dass überall dort, wo im vergangenen Jahr eher langweilig grünes Getreide oder Gras wuchs, jetzt der Raps blüht, und umgekehrt. Und plötzlich leuchtet der Raps sogar in einem Sonnenloch auf! Wir passieren nahe dem Ende des Gefälles wieder den Verpflegungspunkt bei km 3,4, laufen jetzt aber im Tal unterhalb des Kammes weiter, auf dem die Kirche von Obermendig thront. Links und rechts ist es jetzt überwiegend grün, während hier im letzten Jahr der Raps entzückte.

Unmittelbar vor dem steilen Zielhang beginnt für die Halbmarathoni die zweite Runde an einem zweiten, weniger markanten Berg. Die Laufstrecke wird überquert, und wieder laufen wir erst auf den zweiten Berg durch offene Landschaft zu; interessant ist, dass sich auf dem Feldweg kurz vor dem Wald teilweise noch ein altes Pflaster erhalten hat: Gab es hier eine historische Straße? Im Wald geht es dann ziemlich unübersichtlich, aber spannend weiter; einen Verpflegungspunkt, an dem ich als Bekannter vom Vorjahr begrüßt werde, passieren wir gleich zweimal.

Dann folgt ein schöner langer Weg talab zu einer Eisenbahn. Längs von ihr geht es dann längere Zeit, einmal sogar über einen Grasweg, dahin. Überhaupt sind auch die befestigten Waldwege der Strecke in einem eher trailartigen Zustand; es sind nicht die langweiligen, breiten Forststraßen, die leider relativ häufig beim nahen Siebengebirgsmarathon zu belaufen sind. Das fördert, ähnlich wie die abwechslungsreiche Landschaft, ungemein die Attraktivität des Vulkanlaufs; er gleicht in dieser Hinsicht sehr dem Monschau-Marathon, der ebenfalls durch eine sehr abwechslungsreiche Eifellandschaft führt.

Witzig ist ein Kilometerschild der Eisenbahn: 18,6 – es steht so aufreizend nahe an der Laufstrecke, dass man es für ein besonders genaues Kilometerschild halten könnte. Dann allerdings hätte es einen Zahlendreher: An dieser Stelle sind wir nahe den 16,8 Kilometern. Und beginnen jetzt, erst ober-, später unterhalb der B 262 zu laufen, die meist aber nur an der Leitplanke zu erkennen ist, welche die Böschung zur Straße hinunter absichert. Noch einmal geht es kurz, aber sehr heftig bergauf – zurück gibt es einen weiten Blick. Kaum ist die Kuppe und kurz darauf eine zweite  Anhöhe überschritten, geht es sehr steil bergab. Am Fuß des Berges fädelt man bereits in den zweiten Kilometer ein, den wir vor knapp 17 Kilometer schon einmal gelaufen sind.

 

 
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Noch einmal verläuft die Laufstrecke für zwei Kilometer parallel zum Bergkamm von Obermendig mit dem Blickfang seiner Kirche. Obwohl das Wetter inzwischen deutlich besser und heller geworden ist, bläst der Wind noch heftiger, so dass ich mich über Windschatten hinter Büschen und Bäumen freue. Das ist natürlich das Interessante an Landschaftsläufen: Heute sorgen heftiger Wind und im Wald die teilweise nassen Wege für schwerere Bedingungen als im letzten Jahr – die Herausforderungen sind bei jedem Lauf neu, als Läufer muss man sehr viel flexibler sein als bei Cityläufen. Mit Zeitvergleichen – „im letzten Jahr war ich noch zehn Minuten schneller“ – sollte man deshalb aufpassen. Schön ist es, ins Ziel zu kommen – und noch schöner, dabei möglichst viel Spaß zu haben.

Für Spaß sorgt beim Vulkanlauf immer auch der Zielhang,  denn er ist, schon optisch, eine Herausforderung  und die letzte ordentliche Hürde vor dem Ziel. Wer genügend Power hat, läuft ihn durchgehend hoch – wie mir Robert später stolz berichtet („ich bin kein Mal gegangen“)-. Wer weniger gut trainiert ist und trotzdem Spaß haben will, fotografiert einfach seinen Vorgänger zusammen mit dem Profifotografen, der oben auf die „Läufer“, die hier oft gehen, wartet. Natürlich bin ich mit meiner Streckenkenntnis gut vorbereitet und laufe die 15 Meter vor dem Fotografen, um dem gleich dahinter stehenden Zuschauer zu sagen: „Jetzt kann ich ja wieder gehen!“ Und zum Glück drehe ich mich sogar um: Denn der Fotograf hat die Stelle mit Bedacht gewählt. Im schönsten Sonnenlicht liegt jetzt die Vulkaneifel-Landschaft! Danach noch kurz weiter den Berg hinauf und hinunter zum Sportplatz – Schlussspurt, denn im Ziel wartet Camille: Und da muss ich doch nochmal ein wenig angeben ...

 

 

Duschen und dann ans Kuchenbüfett: Dass eine Bäckerei der Hauptsponsor ist, sieht man an der tollen und immer noch reichlichen Auswahl, obwohl sich die Veranstaltung dem Ende zuneigt. Außerdem gibt es auch Wurst, Suppe und belegte Brötchen und in der Sporthalle genügend Platz zum Sitzen. Schon bald folgt die Siegerehrung und eine Überraschung für Camille: Obwohl sie mit ihrer Zeit nicht recht zufrieden ist, gewinnt sie als Zweite ihrer Altersklasse Gutscheine für je fünf Brötchen je Woche für ein halbes Jahr. Ein schönerer Abschluss für einen tollen Lauf!

Marathon

(88 Finisher (2015: 66), davon 24 Frauen

Sieger Männer:

Ingo Neumann, M45, 2:54:29

Siegerin Frauen:

Doris Marquardt, W30, 3:20:46

Halbmarathon (276 Finisher (2015: 239), davon 82 Frauen

Sieger Männer:

Nils Schäfer, MHK, 1:19:58

Siegerin Frauen:

Thurid Buch, W 45, 1:32:11

Außerdem 10- und 5-km Läufe/Walkings und einige Kinderläufe: insgesamt 1526 Teilnehmer! Veranstalter ist die Laufgemeinschaft Laacher See e.V.

 

Informationen: Vulkan-Marathon
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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