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Laufberichte

Schlammschlacht im Siebengebirge

13.12.09

Perfekter Saisonausklang

Vernimmt der Rheinländer die Zahl „11“, so schreckt er auf und wird aktiv. Manch einer fängt, insbesondere in der fünften Jahreszeit, zu schunkeln an; auf jeden Fall drängt es ihn nach Bewegung. Was macht der Rheinländer, der zudem den Langstreckenlauf liebt? Na klar, er nimmt an der 11. Auflage des Siebengebirgsmarathons teil. Für mich, der ich möglichst viele unterschiedliche Läufe und damit auch neue Städte und Regionen kennenlernen möchte,  eigentlich völlig untypisch. Aber Heimspiele haben doch auch immer etwas für sich.

Und so trete ich nach 2002, 2003 und 2006 bereits zum vierten Mal bei meinem Heim-Marathon an, zu dem ich nur schlappe 20 Minuten zu fahren habe. Fürs Laufen muß ich allerdings schon ein wenig mehr Zeit einplanen. 2002 hatte ich hier meinen ersten Marathon absolviert und bin zum Glück trotz damaligen großen Leidens bei der Stange geblieben. Gut, daß der Schmerz doch immer wieder schnell vergeht und auch verdrängt wird.

Hier bin ich schon bei 10° und strahlendem Sonnenschein unterwegs gewesen, aber auch bei –7°, insofern liegt die heutige Temperatur (um den Gefrierpunkt) im langjährigen Mittel. Wenigstens ist es von oben her trocken, obwohl die vorangegangenen Regentage eine Schlammschlacht am Boden erwarten lassen.

Das Bürgerhaus Aegidienberg, in dem später auch der Zieleinlauf stattfinden wird, ist gut gefüllt. Normalerweise finden sich hier „nur“ gut 500 Marathonis ein, aber der erstmals ausgetragene Halbmarathon bringt die kleine Halle schon an die Kapazitätsgrenze. Gut, daß ich nicht zu schnell sein werde, dann dürften die Halben bei meiner Rückkehr schon fertig und ein Sitzplatz für die morschen Knochen zu ergattern sein.

 
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In der Halle, so weit ich sie kenne und erkenne, ein Auflauf deutscher Langlauf-Elite: Horst Preisler und Sigrid Eichner, die Weltrekordhalter im Viellauf, viele weitere 100MCler mit HaJo Meyer an der Spitze, Bernhard Sesterheim, Birgit Lennartz und und und. Etliche Teilnehmer sind aus dem benachbartem Ausland angereist, darunter zwei aus der Tschechei (Brandeis an der Elbe und Prag). Und ein japanisches Ehepaar – kurzum: Eine bunte, illustre Schar hat sich hier versammelt. Gerne hätte ich jeden von Euch hier namentlich aufgeführt!

Ich werde heute zum dritten Mal nach Bad Pyrmont und Münster mit Markus aus Bad Driburg laufen. Ihm hat Waldbreitbach beim Staffelmarathon gut gefallen und so hat er sich mit Familie für ein verlängertes Wochenende im Weihnachtsdorf eingemietet. Und wenn man schon mal da ist, kann man ja auch, wenn’s gerade so gut paßt... Ihr wisst schon. Bescheuerte unter sich eben. Erstaunlich genug, daß ein Rheinländer und ein Ostwestfale so gut harmonieren. Was hat dieser Mensch an sich, daß ich mich zu ihm hingezogen fühle? Klare Sache, der Mann hat am 11.11. Geburtstag. Im Rheinland würde er dafür heilig gesprochen.

Auf der Pferdegangbahn, dem Startgelände, rund 400 m vom Bürgergaus Aegidienberg entfernt, wird sich schon kräftig eingelaufen. Ich halte mich zurück und lieber Schwätzchen mit vielen lieben Bekannten aus Nah und Fern, u.a. mit den Ultraläufern Claudia Weber und Thomas Wenning, die heute nur für die Runner’s World zum Fotografieren da sind und die ich in ihrer warmen Kleidung erst beim zweiten Hinsehen erkenne. Heute wird ohne Chip gelaufen und so kann ich in aller Ruhe den Start knipsen. Markus läuft auftragsgemäß auf der linken Seite und so kann ich mich bequem in das große Feld eingliedern. Solch einen Andrang hat es hier noch nicht gegeben. 545 Marathonis und 311 Halbe werden im Ziel gezählt, also dürften sich an die 900 auf den Weg gemacht haben.

 
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Wir laufen zunächst eine kleine Runde im Pferdebereich und kommen dann auf der Durchgangsstraße in Aegidienberg heraus. Mental bin ich auf das Kommende perfekt vorbereitet und so trifft mich das gleich gesichtete Km-Schild „42“ dieses Mal nicht ganz so hart. Schon irgendwie witzig. Die ersten km führen weitestgehend bergab, das ist fürs Einlaufen sehr günstig und wir lassen es locker rollen. Der Weg ist zwar gut gefüllt, aber nie so voll, daß ich nicht frei laufen könnte. Die Strecke verträgt den neuen zusätzlichen Halbmarathon also gut. Auch das Bürgerhaus habe ich wider Erwarten nicht als völlig überfüllt empfunden.

Bei ca. Km 5 gibt es das erste von acht Mal Verpflegung: Wasser, Iso und warmer Tee, da fällt mir die Wahl nicht schwer, obwohl ich es als gar nicht so kalt empfinde. Ich friere nicht im Ansatz. Unter meinem Langarm- und dem Trägershirt trage ich das neue langärmelige Unterhemd von Odlo. Sündhaft teuer, aber sensationell gut. Hält super warm, saugt sich nicht voll Schweiß und man hat nie das Gefühl, klatschnaß zu sein (was man natürlich im Laufe des Rennens wird). Bevor Ihr anfangt zu lästern: Nein, ich bin an dem Unternehmen weder beteiligt noch bekomme ich von irgend jemandem Umsatzprovision...

Die ersten Anstiege auf den folgenden km fallen noch kaum ins Gewicht, Markus und ich tratschen schön einträchtig und die Zeit vergeht wie im Fluge. Einige Male werde ich angesprochen, daß man sich bei bestimmten Läufen schon gesehen hat, mache ein paar Fotos auf „Bestellung“, werde selber geknipst und erfreue mich des Lebens. Markus wird schon übermütig, aber ich bremse seine Euphorie ein wenig, denn die Strecke hat schon noch einige schwierige Passagen in der Hinterhand. Die 10 km-Marke ist in gut 56 min. erreicht und das sieht doch gut aus. Genau so wie übrigens der Wald, denn zum ersten Mal in diesem Jahr liegt etwas Schnee, der in den Ästen hängen geblieben ist und die Welt verzaubert. Hier, auf der Höhe, liegt auch etwas auf dem Boden und das hat doch seinen ganz besonderen Reiz.

Nachdem wir den Lohrberg umrundet haben – hier habe ich noch vor kurzem mit dem sog. „7 Berge-Lauf“ eine tolle Trainingseinheit mit „dem lievDerKlaus“ und seinem LT Siebengebirge hingelegt – geht es in Richtung Margarethenhöhe, einem der Top-Ausflugsziele in dieser Region. Ich kann Markus wenig später die Ruine der Löwenburg zeigen, die wir umrunden. Der Aufstieg wird uns, ganz im Gegensatz zum Löwenburglauf, heute erspart. Hier bekomme ich schon heimatliche Gefühle, denn fast alle Läufe im Siebengebirge führen über diese Ecke.

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Informationen: Siebengebirgsmarathon
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