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Freundlich und nett ist mein geliebtes Plett

 

Jahrtausende hat das Wasser gebraucht, um die vier Täler von Lenne, Else, Oester und Grünbach zu schaffen. Elf Jahre hat der DUV gebraucht, um in Plettenberg die Deutsche Meisterschaft im Ultratrail auszutragen. Mein geliebter P-Weg ist endlich da, wo er hingehört!   

Es geht nach oben.  2000 Meter, die verteilen sich auf niedliche 74 km in einem angenehmen Wechsel von Steigung und Gefälle. Das „P“ steht für Plettenberg, dem Grenzweg der Stadt, ein Vorwand, um einmal im Jahr richtig auf die Kacke zu hauen. Hier im Sauerland gibt es kaum staatlichen Forst, so musste man in den Anfängen 152 Waldbesitzer von der Idee eines Ultralaufes mit anschließendem sonntäglichem MTB Rennen erstmal überzeugen.

Während in anderen Gebieten Deutschlands die Waldbesitzer mit Hinweis auf brütende Vögel jede Waldveranstaltung unterbinden, kann man den Plettenbergern so nicht kommen. Hier weiss die Bevölkerung, anders als mancher Öko-Abgeordneter, dass Flattermänner nicht im September brüten.

Mittlerweile laufen oder montainbiken alle Kinder und Enkel der Waldbesitzer. 300 sind es freitagnachts zwischen Pizzarestaurants und Biergärten. Die Idee, ein Wochenende für Läufer, Walker, Wanderer und Mountainbiker zu organisieren, hat Plettenberg einen deutlichen Imageschub gegeben. Das Zusammengehörigkeitsgefühl bei den ehrenamtlichen Helfern springt voll über, gerade auf mich!

 
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Heute Morgen nicht, zu früh. Für Smalltalk keine Zeit, ich muss auch meine Klamottenfrage klären. Es ist regnerisch und bleibt  8-11 Grad kühl. Die Ultra-Trail Meisterschaft wird von der DUV ausgeführt, der DLV macht die Meisterschaft für die 100 km Straße. Gestern schrieb mich Peter Seifert an, der Rekordmeister 2011 auf den 50 km Strasse. Er plant sein Comeback am 27.02 in Marburg auf der 10 km Strecke. Zur Erinnerung: Ihn erwischte ein Auto kurz nach seinem Rekordlauf während des Trainings. Ein Grund, weswegen ich nicht trainiere.

Rainer Koch hat auch 2011 einen Rekord erzielt, er gewann den Transamerikalauf und wird heute seine Fitness mit Platz 5 beweisen. Interessant wird das Duell zwischen dem langen Martin Schedler und dem langhaarigen Max Kirschbaum. Per Lautsprecher angekündet werde allerdings nur ich. Es ist ja auch mein geliebtes Plettenberg.

7 Uhr  Start.

Ein paar Meter geht’s durch die Stadt, dann hinauf zur Bracht (alte Flurbezeichnung), wo Gerhard Bracht aus dem Häuschen gerät. Eine gefühlte Ewigkeit später sind wir oben auf der Bracht und unterqueren die obligatorische Bergziege. Dann geht es zügig hinunter ins Tal der Lenne. Links geht ein Weg zur Ruine der Burg Schwarzburg, über die Lennebrücke zum Örtchen Pasel. Links oben der Heiligenstuhl mit dem Jungfrauensprung, der Absprungrampe einer Jungfrau, die vor einem heidnischen Unhold über die Lenne gesprungen ist. Am VP bei km 5  gibt es traditionell Kuchen, Tee und Kaffee.  Die Damen haben viel zu tun, das Läuferfeld hängt dicht zusammen.

 
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Pasel ist uralt, seit Generationen haben sich hier die Grafen von der Mark und die Herren von Plettenberg gekloppt. Auf dem Engelbertstuhl, den man hell leuchtend von hier unten sieht, sass einst der Graf und ruhte sich aus. In Siesel am Wehr gibt es eine Fischaufstiegshilfe, da gab es 42 Tagen lang eine „Kontrollbefischung“. Dbei stelle man fest, dass sich täglich 0,5 Fische für den Weg nach unten entschieden, während 0,3 Fische dachten, oben sei es besser. Die Orga denkt auch so, wir müssen also nach oben. Eigentlich könnten wir nach untern, würden eine stolze Abkürzung machen. Doch wir müssen hinauf Richtung Hohenwibbeke. Der Ort, der nur aus einem Haus besteht, gehört schon zu Hagen.

Rechter Hand unseres steilen Aufstieges sieht man Hohlwegbündel, tiefe Einfurchungen, auf denen einst die Erze transportiert wurden. Dahinter ein Landwehr, also eine relativ starke Grenzbefestigung aus Graben und Gerstrüpp, vermutlich aus dem Mittelalter. Wer noch nie etwas von einem Bilstein gehört hat: Hier ist wieder einer. Und zwar das Amt Bilstein, zu Olpe gehörig. Das wird nochmal am Grenzstein erklärt. Es ist ein Dreiländer-Grenzstein zwischen den Landkreisen Olpe, Märkischer Kreis und Hochsauerlandkreis.

Über den Eggenberg ( 557 m) geht es weiter am Nordhang des Hommert (517 m) entlang. Von hier bis nach Schweden gibt es keinen Berg mehr, der nasskalte Wind schlägt dementsprechen ungebremst ins Gesicht, der Regen kommt waagerecht von links. Im dichten, neblig-dunklen Wald schiesse ich gerade ein Foto, da flitzt zwischen den dichten Bäume eine kleine, behaarte Gestalt, duckt sich schnell hinter eine Wurzel. Entweder das gruselige Wesen dort ist ein Sasquatsch, oder Gerhard Bracht. Mir grieselt es eiskalt den Rücken runter!

Das Schönste am P-Weg ist, sobald du oben bist, geht es wieder rasant runter. Und das mehrfach. In diesem Fall nach Blemke. Links ein alter Galmeistollen. Galmei ist kein mittealterliches Musikinstrument, sondern ein Mineral, das zur Messingherstellung gebraucht wird. Es wurde auch Schwerspat gefördert, das mischten Gauner unter das Mehl um es teurer zu verkaufen. Denn wie der Name schon sagt, das Zeug ist schwer wie Blei, aber weiss wie Mehl. Seit 1949 ist diese Mine ein Wasserspeicher, die Mineralien töten Bakterien. Mit dem Bau des Tunnels der Westtangente schnitt man die mittelalterliche Grube „Neu Glück“ an und fand Weltkriegsrelikte. Heute ist die Grube ein Museum, man kommt auch durch den neuen Hestenberg-Tunnel hinein.

Wir laufen unter der alten Lennebrücke der Ruhr-Sieg-Strecke hindurch, stolz Liebesbrücke genannt, seitdem man dort Vorhangschlösser  aufhängt. Die kommen immer noch aus Plettenberg. Ansonsten ist man ja meistens auf Kunststoffe umgestiegen, zumindest wenn es um Autoteile geht. Unter zahllosen Regenschirmen verstecken sich die Helfer und Streckenposten. Ein großartiges „Hallo“, wenn ich sie ausgrabe. Wie sagte mein Bruder gestern, bei dem ich in Lüdenscheidt übernachtete: „ Samstags habe ich immer um 6 Uhr Lauftreff, da laufen wir 4,5 Km, aber bei dem Sauwetter morgen bleibe ich lieber zuhause!“ Gerne hätte ich gewusst, wie das Komma zwischen die 4 und die 5 gerutscht ist.

Es folgen lange Regale in langen Lagerhäusern entlang der Lenne. ATU ist bekannt, CD Wälzholz weniger, dabei arbeiten die seit 185 Jahren mit Metall: Bandstahl für die Ventilsteuerung bei Motoren, Federelemente in Bremssystemen. Gartenscheren, Möbelbeschläge, Sitzschienen, Notenständer, Sägeblätter, Reissverschlüsse und Lippenstifthülsen. Wer bitte braucht Lippenstifthülsen?

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Informationen: P-Weg Marathon
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