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Laufberichte

Mit Volldampf nach Teutonia

08.08.09
Autor: Joe Kelbel

Nach dem Tode Karls des Großen wurde das Fränkische Reich(Karolingerreich) unter seinen drei überlebenen Enkeln aufgeteilt. Es entstand Westfranken, Lotharingen und Ostfranken.

Das Dreier-Frankenreich  stürzte infolge Thronstreitigkeiten in Bürgerkriege, und die ungarischen Reiterheere fielen in Ostfranken ein. Um  den Ostfranken mehr politisches Gewicht zu geben, damit diese  gegen die Plünderungen der Ungarn vorgehen können, wurde 919 erstmals ein Nichtkaroliner, also nicht ein Erbfolgeberechtigter, sondern ein Herzog zum König gewählt. Dies war der stärkste Herzog des Stammes der Sachsen, nämlich Heinrich.

Heinrich von Sachsen, fortan Heinrich I genannt, gehörte zu der ottonischen Dynastie.

Das Aufstiegsjahr der Ottonen (919) steht damit als Gründungsjahr für das Heilige Römische Reich, auf lateinisch Teutonia genannt. 921 erkannte der westfränkische Herrscher im Vertrag von Bonn Heinrich I als gleichberechtigten König an.

Otto I, der Sohn Heinrich I, stabilisierte in zahlreichen Feldzügen das Reich und besiegte tatsächlich  in der Schlacht auf dem Lechfeld 955 die Ungarn endgültig. Noch auf dem Schlachtfeld grüßte das Heer  Otto I als Imperator, also Herrscher von Rom.

Daraufhin bot der Papst dem nunmehr mächtigsten Herrscher der Welt, Otto I, die Kaiserkrone an (das Wort Kaiser bzw. Zar kommt vom Namen Caesar und bedeutet Schützer von Rom), um sich dessen militärischen Schutz  zu sichern.

Mit der Kaiserkrönung des Ottonen wurde die Teilung des Reichs vom restlichen karolinisch-westfränkische-französische Teil und die Entstehung des Reiches Teutonia(abgl. von germanisch theoda= das Volk), dem Land der Teutschen vollzogen.

Als Beschützer von Rom nannten sich die Ottonischen Kaiser  „Römischer Kaiser“ und betonten damit die Hinwendung zu christlichen Werten. Der Name Heiliges Römisches Reich setzte sich durch in ausdrücklicher Nachfolge zu dem antiken Römischen Reiche. Im Spätmittelalter dann „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“, als hauptsächlich deutschsprachige Gebiete Teil des Reiches waren. Es bestand bis 1806, bis Napoleon, im Prinzip ein Westfranke also, durch Deutschland zog.

Soweit zu den Ottonen und dem Harz, dem Kernland der Ottonen, der wegen seiner strategischen Bedeutung  zur Keimzelle Deutschlands wurde. Und hier in der Wiege Deutschland werden wir laufen!

Der Ottonenlauf wird in 3 Varianten angeboten:

Erstens: 69 km, Start 7 Uhr in Stiege, einem Luftkurort im Harz auf 500 Meter Höhe, wo sich das Jagdschloß der Grafen von Regenstein Blankenburg in zwei glasklaren Seen spiegelt.

Zweitens: 44 km ab Alexisbad und Drittens: 24,5 km ab Meisdorf.

Der Lauf führt dem urigen Selketal-Stieg entlang.  Die Selke fließt durch das Herzogtum der „Anhaltiner“, sie ist der größte der Harzer Bäche und hat in den Jahrtausenden ein einmaliges Tal in den Schiefer gesägt. Oberhalb ist die Burg Anhalt, sowie das Schloss Ballenstedt, mit seinem herrlichen Barockgarten und der Grablege des Markgrafen Albrechts des Bären, des Stammvaters der Askanier und späteren Anhaltiner.

In dem kleinen Herzogtum wurde auch Bergbau betrieben. Es fand sich Silber und  Gold, so dass hier Münzen geprägt werden konnten. Das Staatsbad Alexisbad brachte im 19. Jahrhundert dem Herzogtum Wohlstand. Später wurde eine  Schmalspurbahn gebaut.

Am Freitagnachmittag  gönne ich  mir das Vergnügen und fahre ab Quedlinburg mit dieser Bahn, „die die größte unter den Kleinen ist“, hoch in den Harz. Teilweise ziehen noch die alten Lokomotiven die Waggons  durch das Tal der Selke, dabei kann man Teile der  Laufstrecke inspizieren. Von 100 Metern Meereshöhe in Quedlinburg bis auf 400 in Alexisbad (44 km), 500 in Stiege  (69 km) bis weiter zum Brocken. Sie fährt ab Quedlinburg HBF, doch sollte man sich unbedingt 2- 3 Stunden Besichtigungszeit in Quendlinburg einplanen.

 
© marathon4you.de 19 Bilder

In der Bahn lerne ich Bernd kennen. Er ist 1963 mit Skiern über die Deutsch-Deutsche Grenze und fährt jetzt seine zwei Fluchtkameraden besuchen. In Wernigerrode hatten sie sich Skier geliehen und sind bei minus 20 Grad über den Scharfenstein nach Bad Harzburg geflüchtet. Die Eckertalsperre war zugefroren, der Kompass auch. Sie wußten nicht, ob sie schon im Westen waren, da der Stacheldraht unter dem meterhohen Schnee verborgen war. „Hattet ihr keine Angst gehabt, wegen der Mienen und so?“ frage ich ihn. „Nein, wir waren 21 Jahre alt, wir sind einfach los, wir hatten Glück,  wir wussten, wir schaffen es. Mit Gartenscheren haben sie uns aus den gefrorenen Klamotten rausgeschnitten.“

Die Bahn  bringt uns immer tiefer in den Harz und meine Gedanken kreisen um seinen Satz: „Wir wussten, wir schaffen es....“

Eigentlich wollte ich für die 69 km nach Stiege durchfahren, um dann dort in der Turnhalle zu übernachten. Als ich aber  über Alexisbad nachlese, habe ich die Idee: Drei Quellen gibts dort, mal jod-,fluor oder eisenhaltig, mich interessiert die Schönheitsquelle (so heißt die wirklich). Direkt am Start der 44 km-Strecke und direkt am Bahnhof der Schmalspurbahn: Lagunenpool, Vital SPA, progressive Muskelrelaxation, Vitalterrassen, Wellnessbereich mit Saunaanlage, Thalgo Care und Relax für den Rücken, Massagen für gestresste Marathonbeine, Gourmetbuffet statt Pastaparty, was will ich mehr. Auf Kuschelbad, Bodycheck und Beauty Beratung verzichte ich gerne, doch Begeisterung bekomme ich bei der Aussicht auf eine Trinkkur .

 
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Na gut, dies ist nicht im Startgeld von 20 € für den Supermarathon, 15 €, bzw  10 € für die kürzeren Strecken enthalten. Aber eben im Resort Habichtstein. Dies ist ein Vier-Sterne-Wellnesstempel und wie geschaffen für meine Marathonvor- und –nachbereitung. Preisgünstige Zimmer oder Zuckerstückchen wie Turmsuiten und  drei Berghäuser für mehere Personen lese ich. Also springe ich in Alexisbad  aus dem Zug und brauche mich nicht zu wundern, dort viele  Langstreckenläufer zu treffen, die teilweise mit Kind und Kegel angereist sind, um hier einige Tage zu entspannen. Schließlich dürfen die Ehefrauen die zwei „kürzeren“ Strecken auch walken, dafür müssen sie dann aber auch jeweils 2 Stunden vor den Läufern auf die Strecke.

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Informationen: Ottonenlauf
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