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Laufberichte

Arterhaltung in Mörfelden

13.01.13
Autor: Joe Kelbel

Dramatische Artensterben vor den Toren Frankfurts! Lahmschnecken, Super Girls, Speedy Turtles, Nikar Schnecken, Allwetterfüsse, fliegende Waden und viele weitere Kreaturen sind aus den Wäldern rund um den Flughafen einfach verschwunden. Welche haarsträubenden Begründungen wurden über Mails, Facebook oder beim winterlichen Käsefondue geliefert? Verletzungen? Kälte? Krankheiten?

Manche Arten mutierten: Aentschie und ihr Renntier werden zu ASC Darmstadt, Mutter und Tochter zu Vater und Sohn. Eine Teambezeichnung “Frauen und Chromosombeschädigte” lässt erahnen, was passiert, wenn man dort läuft, wo alle zwei Minuten ein Flugzeug startet. Wie soll es hier weitergehen im Mönchsbruch, wo nicht nur Weichtieren Artenschutz geboten werden sollte?

In einem Prospekt des Naturschutzgebietes kann man lesen, dass sich vom Aussichturm (Nähe Jagdschloss) der erhaltenswerte Artenreichtum besichtigen lässt, aber wie sichtet man die Lahmen Soggen oder die Schnepfkryorunners? Kann man Leas Unduschlegs riechen?

Verschwinden solche Teambezeichnungen, weil sich hier in Mörfelden, wenige Kilometer von der A 3, Ausfahrt Zeppelinheim oder Mörfelden gestandene Marathonläufer aus solchen Gruppen entwickeln?

Hinter der Hand munkelt man, die Mafia hätte da die Finger im Spiel. Tatsächlich jagt die Hardtseemafia seit Jahren alles, was sich bewegt auf dieser 10,5 km Strecke. Vor mir ein Rudel Hirsche, etwa 8 Tiere, die sehr imposant mit donnerndem Hufschlag durch den morgendlichen Wald jagen.

In dem Naturschutzgebiet, das wir heute durchlaufen, leben aber noch (jetzt im Winter pennen die!) solche - für Läufer äußerst wichtigen - Dinger wie Sumpfschrecke, Hirschkäfer, Heldbock und Kriechender Günsel. Die Biberratten (Nutrias) sind handzahm, entstammen aus Pelzfarmen und lassen sich gerne füttern. Wir Läufer erhalten kein Futter, schließlich kann man nach absolvierter Kurzstrecke im warmen Vereinshaus futtern.

 
© marathon4you.de 20 Bilder

Im Laufe der nächsten, eisigen Stunden wird dies von mehr als 400 Läufern wahrgenommen, die sich auf 120 Staffeln verteilen. Es sollen auch sieben Einzelläufer gesichtet worden sein. Die müssen allerdings die gesamte Strecke ohne Verpflegung auskommen, denn es ist ja ein Staffel-Marathon und die Läufer brauchen auf ihrer 10,5 km langen Runde nichts zu trinken und zu essen.   Einzelkämpfer werden zwar nicht abgewiesen, sollten sich aber schon grob im Rahmen von 4:30 Std halten können. Deswegen explizit ein großer Dank an die Zeitnehmercrew meinerseits.

Lobend muss ich hier Heiko und später Susi erwähnen, die unfreiwillig zu Mehrrundenläufern wurden, weil Laufpartner einfach in ihrem warmen Federbetten blieben. “Ich glaub', dann muss ich noch eine Runde laufen!”  Ein Satz,  zweimal gehört und eine absolut lobenswerte Einstellung.

Zweck des Staffel-Marathons ist aber die Bildung von Laufkameradschaften, die sich durch gemeinsames Training bilden.  

Es gibt Mannschaften, die sind in Mörfelden eine feste Größe, bilden Läufer zu richtig gutem Laufen aus: Skills 04 zum Beispiel, vereint Nicht-Sehende mit Sehenden, was jetzt nicht spirituell gemeint ist. Spirdon Frankfurt ist auch nicht spirituell, sondern der wohl größte Laufverein Deutschlands. Und Pfungstadt bietet nicht nur Bier, sondern auch die schnellsten Läufer des Tages.

Was dort vorne im Spitzenfeld läuft, wird vom Stadionrand aus von Talentsuchern observiert, die graugekleideten Herren haben leider mein beidarmiges Winken ignoriert. Der LT Hemsbach sucht auch Nachwuchsläufer, bietet sogar Ablösesummen (was wohl mein Preis wäre?) und Freistarts beim Silberseemarathon und vielen anderen einmaligen Laufevents.

Die LG Mörfelden hingegen macht nicht nur Laufförderung, sondern hat auch einige hoffnungsvolle Meister der Leichtathletik zu bieten. Wer sich unter die Obhut eines Sportvereines begibt, der erhält oft zusätzlich zum know how eine finanzielle Förderung in Form von Zuschüssen zu Startgeldern, Anfahrts- und Übernachtungskosten, Laktattests, Kleidung und Hallentraining. Man muss halt nur gut sein.

Der heutige Staffelmarathon ist ein Lauf der Winterlaufserie der LG Mörfelden,  klein und schnell: Parkplatz findet man innovativ innerhalb von 2 Minuten am Strassenrand oder auf den Waldwegen. Am Sonntag  findet das städtische Hilfspersonal nicht den Weg in dieses Gebiet, um den Aufstand zu machen. Jedoch sollte man seine Wertsachen im Vereinshaus deponieren, dafür gibt es direkt am Eingang einen netten Helfer. Die Startnummern gibt’s in Minutenschnelle, Nachmeldung ist bis kurz vor Startschuss möglich.  Zum Frühstück gibt’s Kuchen und Torte, die Klos sind sauber, die Duschen warm.

Jetzt noch ein weinig laufen, und dann ab nach Hause zum Mittagessen. Die Siegerehrung geht dann ebenso schnell. Leider ohne mich, weil alles hier schnell ist, wie das Artensterben. Als hätte Darwin die Mutation zum Marathonläufer vorhergesehen.

Eigentlich könnte ich diesen Bericht jetzt beenden. Aber noch ein kleiner Hinweis: Die Laufstrecke führt durch einen der größten Friedhöfe der Welt. Das hochwasserfreie (Main) Gebiet lag an einer wichtigen Handelsstraße. Seit etwa 3500 v. Chr. wurden hier Hieschelgräver (hessisch, heißt auf deutsch: Hügelgräber) angelegt, zunächst in Baumsärgen, später in Urnen, unter recht hohen Hügeln, meist direkt neben steinzeitlichen Gräbern. Einer neben dem anderen, bis ins späte Mittelalter, wohlgemerkt. Millionen Tote liegen in diesem Wald, verehrt, bis die Fürsten für ihre Jagdgesellschaften schnurgerade Schneisen mitten durch die höchsten Gräber schlugen, bis mit den Gedanken der Aufklärung eine Grabungswut einsetzte und sämtliche Fundstücke in Privatsammlungen verschwanden. Viele Hügel sind aber noch deutlich erkennbar, Hügel die einstmals wie Pyramiden weit über die heutigen Baumwipfel ragten.

Die Namen der Toten sind verschwunden, nicht jedoch die Namen der Staffeln. Sie spiegeln Kampfgeist und Kameradschaft wider. Der Mörfeldener Staffelmarathon ist oft die Geburtsstunde für ausgesuchte Talente. Und aus Weichtieren werden manchmal knallharte Ultras.

Der konkurrenzlose Termin, die sehr gute Erreichbarkeit, die unbürokratische kurzfristige Meldemöglichkeit und der Startpreis machen diesen (Staffel-)Marathon zu einem Highlight im Januar.

Fällt Euch bei den Bildern was auf? Nein? Dann ist gut. Ja? Ok, meine Kamera verkraftet weite Reisen und extreme Temperaturwechsel weitaus weniger gut als ich. Ich war auf der Strecke zwar auch nicht sonderlich gut beinander, die Kamera aber war ein glatter Totalausfall. Sorry.  

 

Informationen: Marathon-Staffellauf SKV Mörfelden
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