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Laufberichte

Viel Historie und viel Natur

 

Lange habe ich darauf gewartet, dass es in Erfurt, der Landeshauptstadt von Thüringen, einen Marathon gibt. Nun ist es soweit, ich kann meine Liste der Landeshauptstadt-Marathons erweitern. Normalerweise würden so ein großes Event die Stadt oder große Sportvereine auf die Beine stellen. In Erfurt ist das anders. Hier ist der Verein für Kunst, Bewegung und soziales Engagement (ANNAKRAM e. V.) der Initiator.

Findige Läufer werden sagen, dass es in Erfurt ja schon Marathons gab. Ja, aber keinen, der so viel von der Stadt zeigt. Man nennt das neue Event so auch nicht 1. Erfurt Marathon, sondern Erfurt Marathon 1.

ANNAKRAM will  anspruchsvolle künstlerische und kulturelle Projekte mit gesellschaftskritischen Positionen, Anregungen und Humor zu verbinden um damit breite Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Eines ihrer vielen Projekte ist „laufendhelfen“. Die Annakram- Laufenthusiasten, wie sie sich nennen, sind im letzten Jahr über 1.000 km gelaufen und haben dabei fleißig Spenden gesammelt. So wird es auch beim Erfurt Marathon 1 sein, denn vom Startgeld gehen mindestens 10€ pro Starter an das Kinderhospiz Mitteldeutschland. Jeder Läufer ist also auch gleichzeitig Sponsor. Gute Idee, also auf nach Erfurt.

 
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Erfurt liegt ziemlich im Zentrum von Deutschland. Nach Leipzig sind es rund 95km, nach Frankfurt rund 180km und nach Nürnberg rund 160km, alles Luftlinie. Im Nordpark, rund 2km nördlich der Altstadt, ist Start- und Ziel und das Veranstaltungszentrum. Die 9 ha große öffentliche Parkanlage wurde vor rund 90 Jahren als Naturpark erbaut. Er liegt zwischen dem Helios Klinikum und einer Geraschleife.

Die Startunterlagen gibt es also hier im Nordpark. Wer noch nachmelden will, muss 5€ Aufschlag zahlen (Marathon 43€). In der Startertüte sind einige Infos und die Startnummer. Marathon4you-Reporterkollege  Anton Reiter ist extra aus Wien angereist, um bei der Premiere dabei zu sein. Wir schwätzen viel und ich vergesse fast, mir meinen Zeitchip bei Sportident abzuholen und ihn aktivieren zu lassen. Der Chip wird am Handgelenk getragen. So bekommt man seine exakte Laufzeit.

Der Marathon startet um 9 Uhr, Zielschluss ist um 15:30 Uhr (Marathonzeit 6 ½ Stunden). Die Wettervorhersage verspricht uns Sonne und Temperaturen bis 23 Grad, Regen erst am Abend. Jetzt sind es rund 15 Grad, also perfekt zum Laufen. Mit einer Klatsche werden wir pünktlich auf die Reise geschickt. Das Feld ist recht klein, rund 50 Marathonis werden es sein.

 
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Wir verlassen den Park gen Norden über die Gera. Rechts liegt das Nordbad, das uns nach dem Lauf offen steht. Nach rund 2 km laufen wir über die breite Warschauer Straße,  vorbei am Sportpark folgen wir dem Fluss bis zum Stadtteil Gispersleben, wo wir eine Schleife laufen. Die Streckenmarkierungen sind leider etwas undeutlich und so bin ich froh, dass ich hinter Sigurd Reisener, dem Vorsitzenden und Streckenmarkierer, herlaufe. Hin und wieder muss er Läufer korrigieren, denn viele seiner Markierungen sind verschwunden, sprich geklaut. Besonders beliebt scheinen bei den „Sammlern“ die handgemalten Kilometerschilder zu sein. Bis km 9 fehlen sie komplett. 

Wir kommen zur Radrennbahn Andreasried. Diese 250m lange Betonbahn (heute mit Kunstharzbelag) ist die älteste Radrennbahn, auf der noch heute Rennen gefahren werden. Sie gehört zum Olympiastützpunkt Thüringen, der schon viele Olympiasieger und Weltmeister hervorgebracht hat.

Wir sind wieder im Nordpark und haben die ersten 10km geschafft. Die zweite Versorgung ist mit belegten Broten und allem,  was das Läuferherz begehrt, bestückt. Auf den folgenden 1,5km kommen uns andere Läufer entgegen, dann führt uns die Laufstrecke wieder zum Fluss. Beim Überqueren von Straßen sind die Verkehrsregeln und vor allem die Fußgängerampeln zu beachten. Wer hier bei Rot weiter läuft und erwischt wird, droht die Disqualifikation. So steht es in der Ausschreibung. Jeder hält sich dran.  Das erlebe ich zum ersten Mal bei einem Marathon. Aber jeder weiß ja vorher Bescheid. Und deshalb höre ich auch keinerlei Meckern oder Klagen.

Wir laufen Am Venedig vorbei und verlassen die Uferidylle. Jetzt geht es durch schmale Straßen und Gassen. Dank Sigurd bleibe ich problemlos in der Spur. Vorbei am Andreasturm kommen wir bei km 12,5 an den Petersberg. Berg steht für aufwärts, also laufen wir rauf zur Zitadelle. Die Festung Petersberg wurde im 17. – 19. Jh.  zur Stadtbefestigung errichtet und sollte vor Angriffen der Protestantischen Mächte schützen. Eine Besichtigung lohnt sich. Man wird durch viele kleine und enge Geheimgänge geführt.

Sigurd kennt die Strecke im Schlaf.  Wir laufen direkt an der Zitadellenmauer auf dem schmalen Weg rund um die Burg. Bei einem meiner zahlreichen Foto-Stopps erwische ich auch eine waschechte hübsche Braut. Aber auch sonst hat man herrliche Blicke -  über die Stadt z. B. und den naheliegenden Dom und Domplatz.

Hinter dem Weinberg verlassen wir die Zitadelle. Wo es bergauf geht, geht es auch wieder bergab. Über die Cusanusstraße (Nicolaus Cusanus war Philosoph, Theologe, Mathematiker und lebte im 15. Jh.) geht es vorbei am Amtsgericht Erfurt. Der Gothaer Platz ist  mit mehreren Ampelanlagen bestückt und manchmal bildet sich bei „rot“ ein Grüppchen. Dann geht es durch den Luisenpark runter an den Gothaer-Flutgraben, dem wir ein Stück folgen.

 
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Bei km 17 kommen wir in den Dendrologischen Garten (Gehölzkunde), der wegen seiner terrassenförmigen Anlage, den vielen Blumen und den im Frühjahr blühenden Obstbäumen ein Gartendenkmal ist. Kurz danach gibt es wieder eine Verpflegungsstelle. Die nächsten 2km geht es dann wieder richtig aufwärts in den Steigerwald. Am Fuchsbau haben wir die erste längere Steigung geschafft und es geht über Wiesen vorbei an Kleingärten, immer mit herrlichen Ausblicken. Am Waldrand erreichen wir Bischleben, gleichzeitig ist Halbzeit. Hier ist auch Staffelwechsel.

So richtig aufwärts geht aber erst jetzt. Nach einem Asphaltstück wird es sogar „trailig“. Wir laufen oberhalb von Möbisburg und Rhoda und vorbei am Ungeheuer- und Teufelssumpf. Nach dem vielen Regen der letzten Tage ist auch unsere Laufstrecke ziemlich sumpfig und rutschig. Wie man später erkennen kann, haben manche diese Trailpassage nicht unbeschadet überstanden. 

Hinter Rhoda verlassen wir den Wald und laufen in Richtung Waltersleben. Von weitem ist die Kirchturmspitze zu sehen, die nur langsam näher kommt. Es geht kurz durch den Ort, wo wir bei km 26 erneut versorgt werden.

Dann geht es wieder aufwärts und ein längeres Stück wellig durch den Steigerwald. Km 30 ist an der Brauereigaststätte Waldhaus Rhoda erreicht. Hier gibt es eine Zwischenzeitnahme und Versorgung. Nicht im Gasthaus, an der Straße. Weiter geht‘s in einer großen Schleife durch den Steigerwald abwärts in Richtung Innenstadt. Zwischendurch gibt es schöne Rastplätze und viel, viel Wald.

Über eine Treppe geht es runter zur Versorgung unter die Brücke kurz hinter km 35. Nun folgen wir wieder dem Gera-Flutgraben durch den Luisenpark, dann über den Wilhelmsteg und aufwärts zur Thomaskirche und Richtung Innenstadt. Zwischen den Häuserzeilen sehen wir kurz den Dom und die Severikirche. Es geht durch kleine romantische Sträßchen, in denen sich viele Touristen tummeln. Sigurd und ich sind immer noch zusammen. Für mich ist das ideal. Ich kann die Strecke genießen, ohne auf irgendwelche Markierungen zu achten.

Die Kilometer  39 – 40 sind der Augenschmaus schlechthin. Wir sind im Herzen der Altstadt. Am Hochzeitshaus, dem Haus zum Sonneborn, machen wir Halt und Fotos. Dann kommen wir durch eine enge Gasse zum Fischmarkt. Es geht über den Fischmarkt runter zur Krämerbrücke. Wer hier nicht schaut, ist selber schuld.

Am Fischmarkt steht auch das Rathaus aus dem 19 Jh. mit vielen Gemälden aus dem Leben Luthers. Eine Führung durch das Rathaus ist einfach ein Muss. Um den Fischmarkt befinden sich zahlreiche Renaissance- und Fachwerkgebäude. Wer noch nicht in Erfurt war, sollte einen Besuch unbedingt nachholen und viel Zeit mitbringen. Nur der Form halber sei erwähnt, dass Thüringer Klöße hier besonders gut schmecken.

Unterhalb vom Fischmarkt ist die Krämerbrücke, die über die Gera führt. Es ist nicht irgendeine Brücke, sondern eine mit beidseitiger Fachwerkbebauung. In den über 30 Häusern sind Kunsthandwerker, Antiquitätenhändler und Kneipen zu finden. Es geht nur langsam voran, denn die Brücke ist wie immer voll mit Touristen.

Vom Wenigemarkt.hat man einen ganz anderen Eindruck von der Krämerbrücke und man sieht, dass es tatsächlich eine Brücke über mehrere Arme der Gera ist.  Wir kommen zur  Ägidienkirche aus dem 12. Jh., eine von 22 Kirchen alleine in der Altstadt. Im Mittelalter nannte man Erfurt daher auch Thüringisches Rom.

Nach einer Runde ums evangelische Augustinerkloster, in dem Luther studiert hat, kommen wir wieder an einen der schmalen Arme der Gera. Jetzt sind nur noch die schon bekannten 1,5 km im Nordpark zu laufen, dann sind wir mit Applaus im Ziel empfangen. Eine herrliche Stadtführung mit viel Historie und viel Natur (mit einigen Höhenmetern) ist zu Ende. Ich tausche den Chip gegen eine wunderschön gestaltete Medaille.

 

Marathonsieger:
Männer

1. BECKER, Frank (USV Erfurt), 03:25:23
2. RIEDEL, Andreas (Wohlmirstedter SV), 03:28:02
2. BACKES, Mike 03:28:02

Frauen

1. Annett Müller      4:20:48
2. Heike Fritzlar  Mühlhäuser Röbblinglauf e.V. 4:48:24

38 Finisher

 

 

Informationen: Erfurt Marathon
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