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Laufberichte

Premium-Run mit traumhafter Kulisse

 

Um es gleich vorweg zu sagen: Der Engadiner Sommerlauf ist weder ein Marathon, noch ein extremer Trailrun. Aber er ist ein perfekt organisierter Lauf über 25 km durch eine traumhaft schöne  Bilderbuch-Landschaft, die ihresgleichen sucht.

Vor vier Jahren war das Grund genug, meinem Prinzip untreu zu werden, das da lautete: Marathon und mehr, aber nicht weniger!  Mein Kommentar danach: „Nun kann ich nicht mehr damit angeben, noch nie unter 42 km gewertet zu sein. Der Engadiner Sommerlauf ist mir das aber wert. Die Ausnahme habe ich für einen der schönsten Läufe gemacht, die ich kenne.“

Davon nehme ich nichts zurück. Auch heute nicht, wo einmal nicht, wie sonst beim Engadiner Sommerlauf üblich,  die Sonne vom strahlend blauen Himmel scheint und statt schneebedeckter Berge nur dunkle Wolken zu sehen sind.

Sorry, Ihr wollt wissen, wo wir hier überhaupt sind. Ich sage nur ST. MORITZ, das kennt jeder. Wo der Nobelort aber genau liegt, vielleicht nicht. Als Marathonläufer kennt man Davos schon eher. Von dort sind es über den Flüelapass (2383 m) ungefähr 70 km, von Chur über den Julierpass (2284 m) 90 km, jeweils südlich.

Ich muss mich korrigieren.  Die internationale Marathon-Elite kennt St. Moritz sehr wohl, denn die Höhe von 1800 und kilometerlange Wege ohne nennenswerte Steigungen sind ideal für ein Höhentraining. Irgendwann am Vormittag oder Abend läuft einem in höllischem Tempo am St. Moritzsee garantiert eine Gruppe Läuferinnen oder Läufer  über den Weg, die man demnächst bei einem der großen Citymarathons auf dem Siegerpodest sieht.

5400 Einwohner hat St. Moritz, in der Saison kommen 3000 Angestellte dazu.  5300 Hotelbetten, meist in der 4- und 5-Sterne-Kategorie und tausende in Ferienwohnungen und Pensionen sind im Angebot.  Der Ursprung als Heilbad geht bis ins Mittelalter zurück,  1928 und 1948 wurden die Olympischen Winderspiele ausgetragen.  St. Moritz ist einer der nobelsten Ferienorte weltweit.

 
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Und dennoch, nicht jedem wird der Ort gefallen und schon gar nicht wird sich jeder dort einen Urlaub leisten können. Kein Problem, Sils, Silvaplana, Pontresina, Celerina, und Samedan liegen genauso schön und man lebt dort nicht teurer als anderswo in der Schweiz. Die genannten Orte liegen an der Engadiner Seenplatte, zu denen  neben ein paar kleineren Seen der St. Moritzer-, Champfèrer-, Silvaplaner- Silsersee gehören.  Damit ist auch schon fast die 25 km lange Strecke des Engadiner Sommerlaufes beschrieben. Denn sie führt von Sils aus genau zu diesen Orten und Seen, wobei St. Moritz ziemlich genau in der Mitte liegt. Das Ziel ist in Samedan, dem Hauptort des Oberengadins, in der neuen Promulins Arena.

2013 hat man das Projekt „6 Seen, 6 Gemeinden und 6 Jahre bis zum Jubiläum“ gestartet. 2019 findet nämlich der 40. Engadiner Sommerlauf statt. In jedem Jahr bis dahin übernimmt eine dieser Gemeinden das Patronat und wird auf dem Finisher-Shirt verewigt. So ergibt sich für die Teilnehmer bis dahin eine nette Sammlung. Sils und Silvaplana waren schon dran, dieses Jahr ist St. Moritz an der Reihe, nächstes Jahr Pontresina.

 

 
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Seit der Engadiner Sommerlauf 2007 nach einem Führungswechsel praktisch neu erfunden wurde, werden jedes Jahr Teilnehmerrekorde gemeldet. Jetzt steht die Bestmarke bei 2.202, allerdings nur für ein Jahr. Viele Neuerungen tragen zur weiteren Verbesserung des ohnehin schon als Premium-Lauf einzustufenden Events bei und werden im nächsten Jahr für eine erneute Steigerung sorgen.

Nicht auszudenken, welche Entwicklung der Lauf nehmen könnte, würden sich die Veranstalter endlich dazu entschließen, das Streckenangebot um einen Marathon zu erweitern. Dass das nicht längst geschehen ist, verwundert sowieso, denn die amtierende OK-Chefin ist die erfolgreiche Extremläuferin  Anne-Marie Flammersfeld. Darüber hinaus gibt es mit dem legendären Engadiner Skimarathon eine Kooperation.

Dabei wäre die Ergänzung relativ einfach zu machen, ohne die einmalige Besonderheit, zwar ein Lauf in den Bergen, aber ohne nennenswerte Steigungen zu sein, aufzugeben. Man könnte nämlich komplett auf der jetzigen 25 km-Strecke bleiben, in Samedan dann weiter  Richtung Bever  (dort war früher das Ziel) laufen, und zurück nach Samedan.  Ich kann aber nur mehr oder weniger gescheit daher reden, machen müssen das andere.

Das aktuelle Angebot beinhaltet den 25 km-Lauf, den Muragl-Lauf (Start in Pontresina) über 11 km und Kinder- und Jugendläufe.  Was auffällt, ist der hohe Frauenanteil. Beim 25 km-Lauf sind es 36 %, beim 11 km-Lauf  sogar 54%. Und dass schnell gelaufen werden kann, beweisen die Zeiten:

 

Ergebnisse


Engadiner Sommerlauf, 25 km

Männer

1. Muthoni Simon Kiruthi, A-Fürstenfeld      1:21.14,5
2. Zanotti Franco, I-Bergamo (BG)            1:28.04,2
3. Schenkel Laurent, Therwil                 1:29.26,5

Frauen

1. Maina Veronicah Njeri,  A-Fürstenfeld      1:28.12,2
2. Fischer Sabine, 1973, Glarus                    1:34.48,0
3. Berchtold Conny, 1976, Spiez                    1:37.26,5

1162 Finisher, davon 422 (!) Frauen

Muragl-Lauf, 11 km

Männer

1. Bräutigam Marcel, D-Erfurt                36.38,3
2. von Wartburg Geronimo, Winterthur         36.46,8
3. Pauchard Yanik, Madulain                  37.58,4

Frauen

1. Ricard Coline, Winterthur                 42.30,3
2. Drelicharz Joanna,  I-Nova Milanese (MB)   43.36,8
3. Derron Julie, Zürich                      45.26,1

572 Finisher, davon 308 (!!) Frauen

 

 
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Es ist  gute Sitte bei Marathon4you und Trailrunning.de, dass nur aktive Teilnehmer über den Lauf berichten. Ich bin nicht gelaufen, also halte ich mich diesbezüglich zurück und verweise auf die bereits vorliegenden Berichte und Bilder von der gesamten Laufstrecke und erzähle euch noch ein wenig, weshalb ihr unbedingt einmal hierher ins Oberengadin kommen sollt.

Wie eingangs schon erwähnt, der Engadiner Sommerlauf ist (noch) kein Marathon und auch kein extremer Trailrun. Warum er seit Jahren trotzdem sehr prominent auf unseren Portalen vertreten  ist, hat einen einfachen Grund. Wer Marathon oder Ultratrail laufen will, muss sich vorbereiten. Hat man sich einen schnellen Citymarathon vorgenommen, nimmt man die bewährten Trainingspläne und zieht das gnadenlos durch. Je nach Ambitionen kann auch ein Höhentraining dabei sein, muss aber nicht. Beim Trailrunning, vor allem im Hochgebirge, kommen da aber entscheidende Faktoren dazu.

Auf Höhen zwischen 2000 und 3000 m zu laufen, ist etwas ganz anderes als durch’s Bankenviertel in Frankfurt zu düsen. Empfehlenswert ist, Puls und Ausdauer in solchen Höhen einmal zu testen, und zwar bevor man sich für einen Wettkampf entscheidet.  Das kann man in unseren Breiten aber nicht vor der Haustür, dazu muss man in die Berge. 

Spätestens jetzt kommt wieder die Engadiner Seenplatte ins Gespräch. Ich war schon an vielen Plätzen in den Alpen. Aber nirgendwo habe ich auf 1800 m Höhe, und das sollten es schon sein, so ideale Laufbedingungen gefunden, wie hier. Man kann sich nicht nur kilometerweit auf nahezu ebenen Wegen bei verschiedenen Tempi austesten. Man kann z. B. auch mit der Corvatsch-Bahn fahren und auf 3303 m Höhe in der Sonne liegen, oder an der  Mittelstation aussteigen und in einer guten halben Stunde auf die nur  40 m  höher gelegene und bis auf das letzte Stück fast ebenem Weg erreichbaren Fuorcla Surlej (2755m) laufen.  Wer noch Luft hat, dem raubt der Blick auf Piz Bernina (4049 m), Piz Roseg (3937 m) und unzählige andere Berg- und Eisriesen den Atem.  Auch hier begegnet man den ganzen Tag über Läuferinnen und Läufer beim Training.

 
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Nicht vergessen, auch das Gehen und Laufen mit Stöcken, die einem im Gebirge unschätzbare Dienste erweisen, muss geübt werden. Ebenso das Tragen des Rucksacks und stabiler Trailschuhe. Also wenn schon, dann bitte mit voller Ausrüstung auf die Teststrecken.

Übrigens, 13 Bergbahnen und diverse öffentliche Verkehrsmittel in der Region sind kostenlos, wenn man in bestimmten Hotels für mind. 2 Nächte gebucht hat. Der geldwerte Vorteil ist enorm. Eine Fahrt mit der Corvatsch-Bahn kostet z. B. normal hin und zurück 58 Franken pro Person. Auf dieses Angebot sollte man unbedingt achten.

Ich hatte mich für das Sporthotel in Pontresina entschieden, was ich jederzeit wieder tun würde. Zu diesem Hotel gehört auch die Alp Languard (2330 m), zu der man von der Bergstation Muottas Muragl (die erste Bahn fährt um 7.45 Uhr) auf dem Panoramaweg (der Weg trägt den Namen nicht ohne Grund) in etwa einer Stunde laufen kann. Dort wird einem dann das im Hotel bestellte Frühstück serviert. Danach hat man die Qual der Wahl: Entweder mit der Seilbahn zurück nach Pontresina, oder zu Fuß. Oder durch das Languardtal und über die Fuorcla Pischa (2848m) zur Station Bernina-Diavolezza (2093 m) und mit der Bahn zurück.

Natürlich gibt es 100 weitere Möglichkeiten, sich als Trailrunner zu testen, zu trainieren oder um einfach nur Spaß zu haben. Für ein verlängertes Wochenende mit dem Engadiner Sommerlauf als Abschluss finde ich es aber ideal. Vielleicht sehen wir uns ja nächstes Jahr am 21. August.

 

Informationen: Engadiner Sommerlauf
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