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Laufberichte

Högschte Disziplin

12.06.10

Mein zweiter Hunderter führt mich nach Mekka. Nein, nicht nach Arabien, sondern in die Schweiz. Es heißt auch für mich: Irgendwann musst Du nach Biel. Wie es mir bei Nacht und Tag ergangen ist, lest weiter. Und was es mit der Überschrift auf sich hat, erfahrt Ihr auch.

Nachdem ich im letzten Jahr in Ulm meinen ersten Hunderter gut absolviert habe, hat mich Klaus motiviert: „Jetzt musst Du auch mal nach Biel.“ Ja, und so reise ich neugierig in unser Nachbarland, wo ich immer gerne an Rennen teilnehme.

Wo liegt denn Biel? Nun, grob gesagt, ist es von Basel, Zürich, Bern und Lausanne rund eine Autostunde entfernt. Biel liegt an der deutsch-französischen Sprachgrenze. Die französische Ortsname Bienne ist für uns vielleicht etwas irreführend.

Am späten Nachmittag komme ich am Startgelände am Eisstadion an. Es sind hier noch genügend Parkplätze vorhanden. Ich finde einen Stellplatz auf einer Grünfläche rund 200 Meter vom Start entfernt. Zahlreiche Wohnmobile und Zelte sind um das Stadion schon aufgebaut und platziert.

Im Eisstadion erhalte ich meine Unterlagen nach wenigen Sekunden. „Viel Glück“ wünscht die Helferin mir für meinen späteren Lauf durch die Nacht. Nun, Glück braucht es für ein erfolgreiches Finish schon, vielleicht um verletzungsfrei über die Runden zu kommen. Man muss auch sein eigenes Können dazu richtig einschätzen. Gleichmäßigkeit im Tempo, immer sich genug Zeit für die Verpflegung nehmen und den Hunderter sich in mehrere Abschnitte einteilen. Was für Jogis Jungs gilt, das gilt auch für uns: Högschte Disziplin!

Ich schaue mich noch kurz in der angrenzenden kleinen Läufermesse um und verdrücke noch einen Teller Nudeln. „Wenn es nicht reicht, dann können Sie noch Nachschlag haben“, heißt es im nebenanliegenden Verpflegungszelt.

Zurück am Fahrzeug richte ich meine Sachen für den Wettkampf her und mache mich dann lang, um noch ein Nickerchen abzubekommen. Denn mit Schlaf wird es in der Nacht nichts werden.

Wettertechnisch hat es sich zum Start hin zugezogen. Die große Hitze der vergangenen Tage hat sich ein wenig verzogen. Doch immerhin hat es bei Beginn der Dämmerung deutlich über 20 Grad. Der Wind bläst gehörig. Es könnte gewittrigen Niederschlag in der Nacht geben, das höre ich nicht nur von einer Stimme. Es stellt sich die Frage, Funktionsjacke mitnehmen oder nicht. Ich beschließe, die Jacke nicht mitzunehmen, da ja keine Kaltluft kommen soll. Zudem bin ich mit Hüftgurt, Trinkflasche, Stirnlampe und Fotoausrüstung aufgepackt wie ein Lastesel.

Vor dem Start

 
© marathon4you.de 23 Bilder

Rund 30 Minuten vor dem Start (22.00 Uhr) halte ich es in meinem Auto nicht mehr aus und mache mich dann zur Startlinie auf. Vorneweg stehen schon die zahlreichen Begleitradler, alle gekennzeichnet mit COACH. Die werden dann vorausgeschickt, denn eine Begleitung ist erst ab Lyss erlaubt. Zuvor wäre es zu eng und gefährlich. Die Radler brauchen auch Beleuchtung, ansonsten werden sie aus dem Rennen genommen.

Für mich hat sich nicht die Frage gestellt, ob mit Begleitung oder ohne. In Ulm ging es gut und auch heute werde ich aufgrund der zahlreichen Verpflegungsstellen eine Begleitung nicht brauchen. Und ganz einfach ist es ja für den Freizeitradler auch nicht, 100 Kilometer zu radeln und das noch in der Nacht.

Im Startfeld sehe ich dann die ersten Bekannten. Martin Feigel, Ralf Giese, Peter Wangler und Karl Ziegelmeier. Einer erzählt noch was von einem 180 Kilometer-Lauf in Griechenland vor kurzer Zeit und das bei fast 40 Grad. Mit hat der Lauf letzte Woche in Görlitz bei 25 Grad schon gereicht. Kriegen die Burschen gar nicht genug? Ich stelle mich dann noch ein wenig nach hinten im Startfeld. Nur nicht überpacen am Anfang. Ihr wisst schon: Högschte Disziplin.

Fototechnisch sind solche Läufe schon eine Gratwanderung. Reicht der Strom und wie haut es mit der Belichtung hin. Landschaftsaufnahmen bringen in der Nacht natürlich nichts, also vielleicht bei guter Straßenbeleuchtung etwas ausprobieren. Oder vielleicht nur bei den Verpflegungsstellen, da ich dort ohnehin stehen bleiben will. Oder am Anfang die Kamera in der Tasche lassen und dann am nächsten Morgen herausholen. Und wenn man dann platt ist wie eine Flunder und sich nicht mehr aufraffen kann. Schwierig.

„Schön dass Du hier dabei bist“, so begrüßt mich Manfred Dachs. In Davos habe ich Manne zum letzten Mal gesehen, als ich in Dürrboden meinen Endspurt gesetzt habe. „Wir könnten zusammenbleiben auf dem ersten Wegstück“, so schlägt er vor. „Und wenn Du fotografierst mache ich langsam.“ Vor uns steht einer der Paarläufer. „Imperiale Kampfläufer“ haben die als Bezeichnung gewählt.

Das Abenteuer beginnt

 
© marathon4you.de 20 Bilder

Dann um Punkt 22.00 Uhr hallt ein Schuss aus der Pistole. Kein geringerer als Vorjahressieger Walter Jenni gibt den Startschuss zum 52. Bieler 100-Kilometer-Lauf. Der Sieger aus 2009 und auch 2008 kann heuer aufgrund einer längeren Verletzung nicht teilnehmen. Er kündigt aber an, dass er 2011 wieder angreifen werde. Langsam setzt sich das Feld ohne Hektik in Bewegung.

 
 

Informationen: Bieler Lauftage
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