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The most wonderful People - oder: Conch is everywhere

14.02.10
Autor: Klaus Duwe

Von den tollen Tagen wollte ich nie was wissen. Aber soweit bin ich noch nie vor Helau und Humba-Humba davon gelaufen: 10 Flugstunden! So lange ist man von Frankfurt unterwegs, ehe man auf den Bahamas landet. Aber ehrlich, schuld für meine Fernreise ist der nach langer, langer Pause erste Marathon in Nassau, der Hauptstadt des Inselstaates und nicht der Karneval in der Heimat. 

Die Bahamas, das sind 700 Inseln (davon 30 bewohnt) und 300.000 Einwohner, von denen über 2/3 in der Hauptstadt Nassau leben. Wer kennt nicht die Bilder in bunten Reisekatalogen, in denen mit menschenleeren weißen Sandstränden, türkisfarbenem Meer, kristallklarem Wasser und strahlender Sonne für die Bahamas geworben wird? Alles echt, kann ich nur sagen. Auch jetzt im Winter erreichen die Temperaturen 20 – 26 Grad, abends wird es kühl – 13, 14 Grad. Die Monate Dezember bis März sind die schönsten mit den wenigsten Regentagen. Wenn es nass wird, dann höchstens für Stunden.

Ausgerechnet für den Marathon-Sonntag sagt mein Online-Wetterdienst Regen voraus. Ich frage einen Einheimischen nach seiner Einschätzung: „Regen? In Nassau?“ In seinem Gesicht kann ich lesen: „Wer hat Dir solchen Mist erzählt?“

Am Samstag sind wir auf dem kleinen Fischmark unter den Brücken zu Paradise-Island. Wir schauen einem Fischer zu, wie er bizarr geformte Muscheln bearbeitet. Ob wir probieren wollen? Nein, so’n ekliges Zeug essen wir nicht. Was wie Muscheln aussieht sind in Wahrheit Schnecken, Meeresschnecken. Er macht den Vorkoster und erzählt, dass die Dinger (sie heißen Conch, gesprochen Konk) nicht nur gut schmecken, sondern auch für mancherlei anderes gut sind. Da ich hier aber keine Werbung für Potenzmittel mache, verrate ich nicht mehr.

 
Conch
© marathon4you.de 8 Bilder

„Ich laufe morgen Marathon, ist Dein Conch auch dafür gut?“ Den Fischer solltet ihr mal sehen und hören: „Keine Frage, Du gewinnst!“ Er lobt den Conch als Energiespender erster Güte. Ich probiere. Schmeckt echt gut, etwas salzig und das Fleisch ist ziemlich fest. Hätte ich mich zuerst nicht so blöd angestellt, würde ich jetzt um Nachschlag bitten.

Mittags bestellen wir uns im Restaurant eine Platte mit einheimischen Spezialitäten und lassen uns alles erklären. Ganz verzückt schaut die junge Dame, als sie endlich zu den frittierten Spießchen kommt. „Das ist Conch“. Und dann erzählt sie was von „Energy pure“. 

Am Abend sind wir, insgesamt 6 Leute, bei Jane und James zum Essen eingeladen. „People to People“ nennt sich das und ist eine Art Talk-Show im Wohnzimmer. Wir kennen unsere Gastgeber natürlich nicht, sie empfangen uns aber wie alte Freunde. Man will viel über Deutschland wissen, wie es uns geht in der Krise, ob Mercedes immer noch die besten Autos baut und warum man in München das Bier aus Eimern trinkt. Im Gegenzug erfahren wir viel über die Bahamas, die Menschen und ihre Arbeit.

Über die natürliche Freundlichkeit der Menschen, ihre Herzlichkeit und Lockerheit muss ich mich wundern. So coole Typen habe ich noch nie erlebt. Schon heute auf der Straße war ich mehrfach erstaunt. Der Straßenverkehr läuft fast geräuschlos ab. Wird gehupt, ist es ein „freundliches“ Hupen. Statt „ich hab Vorfahrt“, will man sagen: „Ich lass Dich vor“. Von zehn Menschen lachen Dir acht ins Gesicht und sagen: „Hello“. Einer von zehn fragt: „Woher kommst Du, gefällt es Dir bei uns?“

 
Romeo (links) bedankt sich bei den Gastgebern James und Jane
© marathon4you.de

Zurück zu James und Jane. Als erstes serviert man uns einen Salat und erklärt uns die Zutaten. Ich verstehe nur „Conch“. Die dritte Variante heute, und morgen ist Marathon. Bedenken habe ich jetzt keine mehr. Es gibt noch Fisch und andere Köstlichkeiten und ganz zum Schluss sagenhafte Kekse mit Erdnüssen. Die Schwiegermutter hat sie gebacken. Sie ist nicht da. Deshalb bleibt das Rezept ein Geheimnis. Ich kann nicht mehr und deshalb bittet man mich, von den Keksen einzupacken. Drei nehme ich mit. Mehr würde ich gerne, geniere mich aber.

Um vier Uhr heißt es aufstehen. Frühstück gibt es keines, nur Kaffee aus der kleinen Bordküche auf dem Zimmer und ein paar Bananen. Weil ich Gel und Riegel zu Hause habe liegen lassen, stecke ich mir die Kekse von Jane’s Schwiegermama ein.

 
 

 

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