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Laufberichte

Zeitlimit! (1. Teil)

12.03.11

„Mit 80 werde ich noch Marathon laufen!“ Seit ich Bernhard Sesterheim kenne, ist das eine seiner immer wiederkehrenden Behauptungen. Obwohl er vieles sagt, mit dem ich nicht einig bin, diesen Wunsch von ihm teile ich uneingeschränkt.

Nun aber ist das zuerst einmal ein Wunsch. Ein 50jähriger kann das auch locker so sagen, kennt er doch die Einschränkungen nicht, die das Alter mit sich bringt. Mit den Jahren aber bemerkt man plötzlich Grenzen, von denen man meinte, dass sie einen selbst nicht betreffen. Nach meinen zwei Marathonläufen in 3:45 Stunden – 2001 und 2002 - verstieg ich mich zum Beispiel zu der Aussage, dass ich die weiteren Marathons alle locker unter vier Stunden laufen würde und ich war davon fest überzeugt. Seither aber habe ich aber nicht einen einzigen Marathon mehr unter vier Stunden geschafft und heute rückt bereits die fünf-Stunden-Grenze bedrohlich nahe! Jetzt bin ich 64 Jahre alt, die Marathonzeit ist etwa 45 Minuten langsamer geworden und ich frage mich, ob die eingangs gemachte Aussage überhaupt für mich erreichbar ist?

Nun ist die Marathonzeit nicht das einzig maßgebende Kriterium, an dem man solche Vorhersagen festmachen sollte. Auch die Ausdauerfähigkeit sollte man nicht unterschätzen, gibt sie uns doch den Regenerationsbedarf vor, der mit zunehmendem Alter ansteigt. Konnte ich früher mehrere harte Trainingseinheiten ohne einen Tag Pause verkraften, fällt mir das heute sehr viel schwerer. Nicht nur der Körper, auch der Kopf ist dagegen. Den Kopf kann man auch, vielleicht gerade im Alter,  gut beeinflussen. Aber was ist mit dem Körper?

Der Leser bemerkt, dass der Eberhard Ostertag sich um seine Laufzukunft Gedanken macht. Er will will wissen, ob er auch in fünf oder zehn Jahren noch laufen kann. Und schon sind wir beim Thema, meinem Doppeldecker am vergangenen Wochenende. Am Samstag fand der 6-h-Lauf in Nürnberg statt und am Sonntag der Marathon in Kandel. Auch vor sieben Jahren lagen diese beiden Läufe am selben Wochenende, ich war dabei und lief damals meinen ersten Doppeldecker. Mit 58,7 km in Nürnberg und einer Zeit von 4:46:34h in Kandel fiel dieser Test, für mein damaliges Leistungsvermögen, recht gut aus.

Nürnberg und Kandel 2011 – das wäre doch ein Prüfstein, der meine Fragen -  wenigstens zum Teil – beantworten könnte.  Ganz abgesehen davon, dass ich demnächst zwei anspruchsvolle Läufe vorhabe und schon von daher entsprechend trainieren muss!

Die Strecke in Nürnberg ist ein ziemlich ebener Rundkurs in einem öffentlichen Park, 1.522 m lang, schön gelegen, eine Wiese in der Mitte, die als Spielplatz für Alt und Jung dient und Bäume neben der Strecke, die bei Sonne Schatten spenden können. Dazu kommen jede Menge Spaziergänger, so dass die Umgebung immer belebt ist. Der Start um 10 Uhr ist auch prima, muss ich doch erst gegen 6.45 Uhr in Stuttgart losfahren, um in aller Ruhe vor Ort alles erledigen zu können: Startnummer abholen, mit den Lauffreunden reden, umziehen, mich dem Zähler vorstellen.

 
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Das Wetter war bestens, sonnig, aber nicht zu warm, die Organisation mit Zählern und Verpflegung optimal und Angelika und ich guten Mutes. Wir hatten uns etwa 50 km vorgenommen, also etwa 10 bis 11 Minuten pro Runde. Wie üblich begannen wir aber etwas schneller. Nun ja, das würde sich im Laufe der Runden schon einpendeln, war ich überzeugt.

Kurz vor Ende der Runde war der Verpflegungstisch aufgebaut. Es gab alles, was man sich nur vor-stellen konnte: Cola, Wasser, Malzbier, Iso, Apfelsaft, Tee, Gemüsebrühe zum Trinken und Brote (Käse, Marmelade), Kartoffeln, Eier, Orangen, Bananen, Kekse, Schokolade, Kuchen, Salzgebäck, Nüsse, Rosinen und noch mehr. Bei so viel Auswahl hat man Entscheidungsprobleme, denn man möchte ja auch nicht zu viel Zeit verlieren. Meist nahm ich daher nur in jeder zweiten Runde etwas.

Fünfzig Meter nach dem Verpflegungstisch saßen die Zähler und notierten, dass und wann „ihr“ Läufer vorbeikam. Meist klappte das, man verständigte sich auf Zuruf und wenn er mal abgelenkt war, dann lief man zum Tisch und tippte ihn an. Gemeinsam schafften wir es so, dass alle meine Runden vermerkt wurden.

Weiter ging es am Spielplatz vorbei und anschließend passierte man ein richtiggehendes Stimmungsnest. Eine größere Gruppe Fans hatten hier eine private Verpflegungsstelle eingerichtet, feuerten nicht nur ihre Läuferinnen und Läufer an, sondern auch alle anderen und das die gesamten sechs Stunden. Manchmal rannte jemand aus der Gruppe eine Runde mit, oder es kam der Hund aus der Gruppe auf die Strecke und verpasste Angelika einen Adrenalinschub, so dass sie die paar Meter bis zum Rundenende etwas beschleunigt lief.

Wie bei solchen Rundkursen üblich, verteilten sich die Läufer bereits kurz nach dem Start gleichmäßig über die Strecke. Die Schnellen überholten uns bereits nach wenigen Runden das erste Mal; im Verlauf der sechs Stunden wurden wir von vielen überrundet, von der Spitze nahezu 20 Mal.

Wie im Flug vergingen so die ersten Kilometer. Ich traf viele alte Freunde und bis man jeweils die aktuellen Informationen ausgetauscht hatte, waren schon wieder eine oder zwei Runden vergangen. Nürnberg ist ein überaus kurzweiliges Rennen, es gibt jede Menge zu sehen, Spaziergänger aller Altersgruppen neben und auf der Strecke, Kinder spielen auf der Wiese und da am Samstag das Wetter warm und sonnig war, lagen auch einige auf der Wiese und genossen den Tag.

 
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Nur kurz wurde ich ein wenig sorgenvoll, als mich Dieter unterwegs darauf aufmerksam machte, dass es in Kandel ein Zeitlimit von fünf Stunden geben würde. Zeitlimit – da war es wieder das Wort, das ich gar nicht liebe, das mir aber immer öfter Sorgen macht. Fünf Stunden würde bedeuten, dass wir am nächsten Tag zumindest dasselbe Tempo laufen müssten wie heute. Ob das wohl gelingen würde? Vor sieben Jahren war meine Zeit in Kandel 4:46 h und gegenüber damals war ich doch erheblich langsamer geworden. Nun, ich würde es schon irgendwie schaffen.

Alle fünf Runden stoppte ich meine Zeit. Mit einer Geschwindigkeit um 6:45 min/km waren die ersten zwanzig Runden etwas schneller als geplant, die folgenden zehn lagen wir dann mit 7:10 min/km im Plan. In unserer vorletzten Runde bekamen wir das rote Fähnchen, das anzeigte, dass wir irgendwo in dieser Runde die 50 Kilometer erreichen würden. Damit hatten wir unser Soll übererfüllt und freuten uns auch entsprechend. Nach der Runde gaben wir das Fähnchen wieder ab und bekamen je ein blaues, das wir nach den sechs Stunden in den Boden stecken sollten. Wir legten noch etwas zu und kurz vor der Verpflegungsstelle kam dann das Signal: „Die sechs Stunden sind rum!“

 
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Nach dem Lauf gingen wir noch in die Halle, duschten und genossen dann Nudeln mit Soße und das alkoholfreie Bier, alles kostenlos und so viel man wollte. Die Siegerehrung konnten wir nicht abwarten, da wir noch zurück nach Stuttgart mussten und am nächsten Tag wieder früh aufstehen.

 
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Die Halbzeitbilanz meines persönlichen Prognosetests fällt unsicher aus: positiv war, dass ich die vielen Kilometer gut verkraftet und vor allem mein Leistungsvermögen realistisch eingeschätzt habe, nachdenklich aber machten mich die 7,5 km „Verlust“ in sieben Jahren, immerhin knapp 2 % jedes Jahr.

Siegerliste

Männer

1 Stephan Frank Bad Soden Skills 04 Frankfurt DE  76,399
2 Ganz Oskar Zürich Sri Chinmoy Marathon Team CH  71,175
3 Schwitter Daniel Binningen LSV Basel CH  71,085

Frauen

1 Veith Pamela Dettingen TSV Kusterdingen DE  72,857
2 Müller Antje Rötha LC Auensee Leipzig DE  71,319
3 Constien Imke Ostelsheim VfL Ostelsheim DE  65,678

 

Informationen: 6-Stundenlauf Nürnberg
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