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Laufberichte

City of Peace

07.08.11

Der Idee zum Friedensmarathon liegt das Augsburger Friedensfest zu Grunde. Seit 1650 feiert die Stadt jedes Jahr am 8. August das „Hohe Friedensfest“. Es bringt den Dank für das Ende des Dreißigjährigen Krieges zum Ausdruck und steht für den Beginn des friedlichen Zusammenlebens der evangelischen und katholischen Bürger. Im Westfälischen Frieden von 1648 wurden beide Konfessionen gleichgestellt.

Die Geschäfte haben an diesem Tag geschlossen und ökumenische Gottesdienste werden gefeiert. Mit den Veranstaltungen im Rahmen des Friedensfestes sollen der Gedanke des friedensstiftenden Wirkens und der Dialog zwischen den Kulturen, Ethnien und Religionen neue Impulse erfahren. Stationen an unserer Laufstrecke sind daher auch die Synagoge der Israelitischen Gemeinde, die Merkez Camii Moschee der Islamischen Union, der katholische Dom und die evangelische St. Anna Kirche.

Das Friedensfest ist seit 1949 in Augsburg ein staatlich anerkannter Feiertag und somit hat die Stadt die meisten Feiertage im gesamten Bundesgebiet. Wer auch in diesen Genuss kommen möchte, muss jetzt nicht zwingend in Augsburg wohnen, es genügt auch, hier seinen Arbeitsplatz zu haben. Wer auswärts arbeitet, aber in der Stadt wohnt, hat Pech gehabt, für den zählt der Feiertag nicht. Die Geschäfte im angrenzenden Umland machen daher auch an diesem Tag die besten Umsätze, weil Einkaufen in der Stadt nicht möglich ist. Der ursprünglich geplante Start des Friedensmarathons im Vorjahr wäre dann auch direkt auf den 8. August gefallen, leider musste er damals aus finanziellen Gründen erstmal abgesagt werden.

Vor 20 Jahren gab es schon mal einen Friedenslauf in Augsburg, der Friedensmarathon soll ein wenig an diese Tradition anknüpfen. Auch während der Frauen-Fußball-WM vor ein paar Wochen, bei der Augsburg einziger Süddeutscher Spielort war, suchte man die Verknüpfung zu Sport, Kultur und Frieden unter dem Motto: „City of Peace“ und das passt ja auch für unseren Lauf ganz gut. Neben dem Marathon stehen im weiteren Angebot noch Halbmarathon, Marathon im Duo, Viertelmarathon und ein 5 km Gesundheitslauf. Um den Teamgedanken zu stärken gibt es noch zusätzlich spezielle Wertungen für Mannschaften. Da ist wirklich für jeden etwas dabei. Ausreden können kaum akzeptiert werden. Schaun mer mal, wie viele Menschen der Friedensmarathon bewegen kann.

Für mich als Eingeborenen ist es natürlich Ehrensache – nach einem Aufruf des Veranstalters – heute, am Samstag bei der Startunterlagenausgabe als Helfer zur Verfügung zu stehen. Wie viele andere auch, freue ich mich sehr, dass wir endlich auch unseren eigenen Marathon bekommen. Ich kann mich noch sehr gut an einen früheren Laufbericht von mir erinnern vom Ulmer Marathon, da habe ich diesen noch als Heimspiel für mich bezeichnet. Das kann ich dann hiermit auch korrigieren. Apropos Einstein Marathon Ulm. Die Organisatoren beider Läufe arbeiten sehr eng zusammen, viele Dinge der Organisation konnten von den Ulmern übernommen werden, die wirklich vorbildlich den Augsburgern mit Rat und Tat zur Seite stehen. So gibt es auch einen Sonderpreis für die besten sieben Läufer/innen, die sowohl den Friedensmarathon als auch den Einstein-Marathon bestreiten.

 
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Nur einen Steinwurf entfernt vom Rosenaustadion, dem Start- und Zielort befindet sich die Augsburger Sporthalle, in ihr können an diesem Wochenende die Startunterlagen empfangen und nach den Läufen geduscht werden. 1965 wurde sie mit dem Handball-Länderspiel Deutschland gegen Frankreich eröffnet und war auch Austragungsort bei den Olympischen Spielen 1972 für einige Vorrundenspiele im Handball und Basketball. Wegen ihrer Hängedachkonstruktion aus Spannbeton gilt sie als architektonische Meisterleistung. Seit 2003 ist sie in die Denkmalliste eingetragen und somit als schützenswertes Denkmal anerkannt. Aber sie hat natürlich auch schon ihre besten Tage gesehen, derzeit steht sie stark unter Beobachtung. Eine Stichproben-Untersuchung brachte ans Tageslicht dass eines der vier Tragseile bereits angerostet ist. Bei Schnee und Eis muss deshalb die Halle aus Sicherheitsgründen sofort gesperrt werden. Derzeit sieht sie von außen nicht sehr einladend aus da sie gerade komplett mit Gerüsten versehen ist und wohl gerade irgendwelche Sanierungsarbeiten vorgenommen werden.

Mich persönlich führen bewegende Erinnerungen zurück in die Augsburger Sporthalle. Als Jugendlicher durfte ich selbst an einigen Schwäbischen Meisterschaften im Hallen-Fußball in ihr auflaufen, aber den unvergesslichsten Moment bescherte mir der Aufenthalt von „The Greatest“. Muhammad Ali gab im Mai 1976 in unserer Sporthalle ein Gastspiel. Keinen Kampf habe ich seinerzeit von ihm verpasst, obwohl die meisten bei uns im Fernsehen erst mitten in der Nacht um 4 Uhr begannen. Mit 2.000 anderen Fans wartete ich lange mit Spannung vor der Halle auf seine Ankunft. Als der größte Boxer aller Zeit endlich eintraf, stand ich optimal. Keine drei Meter von mir entfernt zog er umgeben von seinen Leibwächtern in die Halle ein. Er nutzte den kurzen Aufenthalt als Vorbereitung zu seinem WM-Kampf in der Münchner Olympiahalle gegen Richard Dunn. Seine Sparringspartner bei zwei kurzen Schaukämpfen waren Karl Mildenberger und der Amerikaner Jimmy Ellis. Und dann gab es hier noch tolle Konzerte zu früheren Zeiten, unvergessen für mich z.B. gleich zweimal 1981 & 1986 Manfred Mann’s Earthband mit dem großartigen Sänger Chris Thompson. Ok, das reicht, aber ist mir gerade so wieder eingefallen.

Vor den Eingangstoren der Halle sammelt der Lions Club Augsburg gebrauchte, aber noch tragbare Laufschuhe, um diese nach Eldoret in Kenia zu transportieren, wo sie an junge Lauftalente in der Region verteilt werden. Unter allen Spendern wird ein Wochenendausflug mit einem Fiat 500 Cabrio verlost. Die Aktion ist ein großer Erfolg, über 750 Paar Schuhe bekommen so in nächster Zeit einen neuen Besitzer. Diese Aktion wird auch gemeinsam mit den Organisatoren aus Ulm durchgeführt.

Einige Unkenrufe gab es im Vorfeld auch über den Termin mitten im August, wo es ja bei uns immer 30 Grad haben soll und Marathonlaufen daher schier unmöglich ist. Die Realität sieht heute ganz anders aus, wie von den Wetterleuten versprochen, zieht ein kräftiges Wolkenband über Deutschland und hält vor dem Start einiges an Regen für uns bereit, aber mit immerhin angenehmen Lauf-Temperaturen um 18 Grad. Gestartet wird auf der Stadionstraße vor dem altehrwürdigen Rosenaustadion, der früheren Spielstätte des FC Augsburg. Sportlich gesehen ist dieses Wochenende in Augsburg nicht nur wegen des Friedensmarathons ein denkwürdiges Datum. Auch die Fußballer des FCA feierten Premiere, als 51. Verein haben sie den Aufstieg in die Fussball-Bundesliga geschafft und in der nur wenige Kilometer entfernten neuen SGL-Arena gestern das erste Heimspiel bestritten.

Start- und Zielsprecher ist kein geringerer als Arthur Schmidt, viele Marathonläufer werden ihn kennen, er zählt wirklich zu den Besten in der Szene, kann das Publikum hervorragend unterhalten  und weiß fast von jedem Sportler/in etwas zu erzählen. Die Moderation unseres Augsburger Laufes ist ihm sehr am Herzen gelegen, da er sich hier bestens auskennt. Immer wieder schnappt er sich, ihm bekannte Teilnehmer zum Interview. Wie z.B. Konrad Dobler, früher Weltklasse-Marathonläufer, heute Bürgermeister in der Nähe von Augsburg. Und natürlich auch Bürgermeister Kurt Gribl und unsere Schirmherrin Sumaya Farhat-Naser, palästinensische Friedensvermittlerin im Westjordanland. Sie kam gestern extra aus Washington eingeflogen um uns das Startsignal zu erteilen. 2100 Anmeldungen sind es letztendlich geworden, auf den Marathon entfallen davon 688 Läufer/innen.

 
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Gelaufen wird heute auf einem Zwei-Runden-Kurs, die aber auf beiden Runden nicht ganz identisch sind. An der Strecke ist an jedem Kilometer ein Meilenstein des Friedens aufgestellt, mit dem ein Friedensstifter geehrt wird. Das sind Frauen, Männer und Organisationen, die sich durch ihr friedfertiges und tolerantes Handeln verdient gemacht haben. Dabei stand die „City of Peace“ Augsburg besonders im Fokus. Viele Träger des Augsburger Friedenspreises sind vertreten. U.a. Michael Gorbatschow, Richard von Weizäcker und Sumaya Farhat-Naser. Start ist Punkt 9 Uhr und während wir uns auf die Socken machen, stellt der Regen tatsächlich seine Tätigkeit ein. Das nenne ich mal ein prima Timing. Wie lange das anhält wird sich noch zeigen, aber immerhin.

Die Stadionstraße ist ausreichend breit, so kann sich das Feld ohne größeres Gedränge in Bewegung setzen. Auch bei dem großen Startfeld braucht keiner Angst zu haben, schon am Start wertvolle Zeit zu verschenken, die Zeit wird natürlich professionell per Netto-Zeit von Mika-Timing genommen. Nach dem ersten Kilometer kommt auch gleich eine erste Steigung hinauf zur Gögginger Brücke, wo wir die vielen, zum Hauptbahnhof führenden Bahngleise überqueren. Schon auf der Brücke kommen uns die Schnellsten wieder entgegen, da zunächst eine einige hundert Meter lange Begegnungsstrecke vor uns liegt. Durch die Hermannstraße geht es fast bis zum Stadtzentrum am Königsplatz, wo der Wendepunkt ist. Ursprünglich sollte der Kurs noch einen Haken ein paar Meter nach links machen, um direkt an der Synagoge vorbei geleitet zu werden, das musste aber einer Kurskorrektor zum Opfer fallen, so werden die wenigsten diese Station mitbekommen haben.

 
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Wieder zurück auf der Gögginger Brücke, läuft gerade wie auf Bestellung eine wunderschöne alte Dampflok mit markanten Rauchzeichen vom Hauptbahnhof aus. Direkt vor uns liegt der Maiskolben, der Hotelturm wird Weitgereisten oder Chicago-Marathon-Teilnehmern vielleicht bekannt vorkommen, architektonische Ähnlichkeit hat er nämlich mit den Marina City Towers in Chicago. Er ist das höchste Gebäude im Raum Augsburg und eines der zehn höchsten Bauwerke in Bayern. Durch den Stadtteil Göggingen geht es über die Wellenburger Allee bis an den Stadtrand, wo wir 7 km hinter uns haben.

An der zweiten Verpflegungsstelle beginnt der grüne Abschnitt unserer Strecke. Nach durchqueren eines kleinen Wäldchens geht es ein kurzes Stückchen an der 4-spurigen B17 entlang zur Wertach, die im weiteren Verlauf durch die Stadt führt. Ehemalige Wasserarme der Wertach wurden früher „Rössen“ genannt. „Au“ bezeichnet eine vom wechselnden Hoch- und Niedrigwasser geprägte Niederung entlang eines Flusses. Daraus entstand der Flurname „Rosenau“, namensgebend für unser Ziel, das Rosenaustadion. Im nördlichen Stadtgebiet fließt die Wertach in den Lech. Viele Kilometer unseres Kurses liegen heute direkt am Fluss mit viel Grünanteil, so hat man eigentlich nicht das Gefühl mitten durch die Stadt zu laufen, obwohl dem tatsächlich so ist. Bei heißem Sommerwetter wäre diese Streckenplanung natürlich ein unschätzbarer Vorteil.

 
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Nach 14 km passieren wir Augsburgs Schildbürgerstreich, das Eisstadion der Augsburger Panther. Nach einer Schleife durch die Innenstadt kommen wir auf einer anderen Seite noch mal daran vorbei, dann erzähle ich euch mehr darüber. 500 Meter weiter passieren wir das historische Wertachbrucker Tor, eines der ehemaligen Stadttore von Augsburg. Der Unterbau stammt aus dem 14. Jahrhundert, 1605 wurde es vom berühmten Augsburger Baumeister Elisa Holl zu diesem mächtigen Torturm erhöht. Während wir rechts daran vorbei laufen, zog früher schon viel Prominenz, wie z.B. König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, Friedrich der Große oder auch Napoleon durch das Tor in die Stadt.

Durchgehend flach ist der Kurs nicht, der jetzt anstehende Anstieg „Am Katzenstadel“ weißt immerhin knapp 20 Höhenmeter auf. „Am Katzenstadel“, ja ein netter Name, aber doch mit eher ernstem Hintergrund, es ist die historische Bezeichnung des Aufbewahrungsortes der „Katzen“ oder „Mauerbrecher“, das sind mittelalterliche Belagerungsmaschinen. Oben angekommen führt der Weg links ab in das Domviertel hinein, das bedeutet für uns viele Ecken und vor allem auch Kopfsteinpflaster. Aber halt Stopp, beinahe wäre ich daran vorbeigelaufen, neben uns liegt die anfangs schon angekündigte Moschee an der Strecke. Die meisten werden sie unbeachtet links liegen gelassen haben, ganz unscheinbar in einem normalen alten Gebäude ist sie untergebracht, nur erkennbar an der türkischen und deutschen Fahne und an einem relativ kleinen Schild an der Hauswand.

Gespickt mit vielen Kurven durchqueren wir den Fronhof, ein idyllischer Park führt uns bis zur Römermauer direkt vor dem Augsburger Dom. Unter der Überdachung der Mauer auf dem Domvorplatz sind römische Spolien aufgestellt. Das sind antike Überreste von Reliefs, Skulpturen und Säulen. Wer alle Steindenkmäler sehen will, muss links an der Mauer vorbeilaufen, der ausgeschilderte Kurs führt aber leider rechts daran vorbei. Das Augsburger Wappenornament, die Zirbelnuss kann man aber oben auf der Mauer auch von hinten ausmachen. Ursprünglich war der Zapfen Feldzeichen einer römischen Legion, die im Jahr 15 v. Chr. an einem Eroberungsfeldzug nach Rätien teilnahm. Ihr Feldlager „Augusta Vindelicorum“ gilt als Gründung unserer Stadt. Ja, und damit ist Augsburg zweitälteste Stadt Deutschland, knapp geschlagen von Trier, das noch ein Jahr mehr auf dem Buckel hat.

 
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Ein Schlenker führt uns noch einmal zurück durch die ehemalige Fürstbischöfliche Residenz. Der Fronhof diente noch im späten Mittelalter als Schaubühne für Ritterturniere, heute bieten wir die Schau. Obwohl es „rum und num“ geht, begeistert mich dieser Altstadt-Abschnitt ganz besonders. An einigen Ecken bin ich hier noch nie vorbei gekommen, oder habe sie mit dem Auto durchfahrend nicht wahr genommen, so entdecke ich Augsburg für mich wieder ganz neu.

Für’s Auge wird hier richtig was geboten und meine Kamera läuft auf Hochtouren. Der älteste Teil, der hier noch steht, ist der 1507 gebaute Burggrafenturm, wir unterqueren ihn durch ein einen kleinen Torbogen. In einem Raum, ganz oben im Turm, hat Albrecht Dürer Kaiser Maximilian I. gezeichnet.

Wir machen uns jetzt auf Richtung Stadtmitte, leider fängt es jetzt aber wieder ganz leicht an zu regnen. Viele Zuschauer hat das ungemütliche Wetter nicht an die Straßen gelockt. Durch den Rathausplatz werden wir aber lautstark begleitet von den Trommlern der „Sambamania“. Aber wunderschön ist allemal hier, vor den beiden Wahrzeichen der Stadt mit Rathaus und Perlachturm. Im Jahre 989 wurde er ursprünglich als Wachturm erbaut und erlebte im Laufe seiner Geschichte zahlreiche Umbauten. Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt er am Anfang des 16. Jahrhunderts. Optisch an das prächtige Rathaus angepasst, bildet er seither mit diesem zusammen eines der schönsten Renaissance-Ensembles nördlich der Alpen. Alljährlich findet sogar ein Lauf auf die Aussichtsplattform des Perlachturms statt. Im Zwei-Minuten-Takt wird gestartet und dabei müssen 70 Höhenmeter überwunden werden. Der Streckenrekord liegt bei 47,28 Sekunden.

Durch die Fußgängerzonen der Phillipine-Welser- und Annastraße (Km 17), vorbei an der evangelischen St. Anna Kirche verlassen wir die Augsburger Einkaufszone. Größte geschichtliche Bedeutung bekam die Kirche durch Martin Luther, der im Oktober 1518 im dazugehörigen Kloster nächtigte, als er dem römischen Kardinal zu seinen Thesen Rede und Antwort stehen musste, deren Widerruf aber verweigerte.

 
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In der Volkhartstraße können wir ein Stückchen den Berg runterbrettern, an deren Ende unterhält uns mit den „Sambattac“ noch eine weitere Trommlergruppe. Direkt an der Baustelle des Curt-Frenzel-Stadions haben sie sich postiert. Ja, und dazu wollte ich euch ja auch noch was erzählen. Ein wahrer Schildbürgerstreich ist der Stadt mit dem Eisstadion gelungen. Wo ist der Puck? riefen die Fans vor einem Jahr, beim ersten Spiel nach dem Teilumbau. Auf den frisch umgebauten Tribünen stellte sich heraus, dass die Hälfte der Zuschauer nur ein Drittel der Eisfläche sieht. Die Ränge wurden erneut abgerissen und heuer am Ende der Saison neu gebaut und am Ende dieser millionenschweren Operation, muss niemand für den Pfusch aufkommen. Ja doch, natürlich wir Steuerzahler.

Auf den letzen Kilometern bis ins Ziel dürfen wir wieder ins Grüne, ans Ufer der Wertach, diesmal auf der anderen Seite. Der Regen hat sich leider immer mehr intensiviert, hält sich aber gerade noch so erträglich. Die Temperaturen sind auch etwas in den Keller gegangen, im Gegensatz zu heute Morgen, wo es doch anfangs noch etwas schwül war. Vor dem Rosenaustadion werden die Halbmarathonis ins Ziel geleitet, ich drehe natürlich noch eine Runde.

 
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Stadtauswärts geht es weiter in die zweite Runde, nach einem kurzen Stück auf der Stadionstraße werden wir wieder an die Wertach geleitet. Hier unterscheidet sich die zweite Hälfte auch deutlich von der ersten, wo wir in entgegengesetzter Richtung erst noch bis zur Synagoge liefen. Erst an der Gögginger Wertachbrücke treffen wir nach ca. zwei Kilometern wieder auf den alten Kurs. Da wir aber noch einige Kilometer im Rückstand sind, müssen wir die Wellenburger Straße noch weitere zwei Kilometer auf einer Wendepunktstrecke mit Gegenverkehr laufen, so kann man gut sehen wer wie weit vor, oder auch hinter einem liegt.

Der Friedensmarathon ist beileibe nicht die erste Marathonveranstaltung die in Augsburg stattfindet. Bereits 1953 fand bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften im Rosenaustadion ein Lauf statt. Eine weitere Veranstaltungsreihe war von 1977 – 1986 der Via-Claudia-Augusta-Lauf, in dessen Rahmen auch jeweils ein Marathon ausgetragen wurde. Die Strecke führte aus Augsburg heraus in die hier angrenzenden „Westlichen Wälder“ die ein äußerst hügeliges Profil aufweisen. Die Austragung 1986 sorgte für viel Ärger, von Unbekannten wurden die Streckenschilder abgehängt, was dann auch das Ende des Marathons war. Für uns gibt es heute bei der Ausschilderung keine Probleme. In Wellenburg am Einstieg in die Westlichen Wälder ist der Wendepunkt der Begegungsstrecke.

 
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Auf meiner kompletten zweiten Runde werde ich durchgehend vom Regen begleitet. Auflockerung gibt es für mich noch in der Innenstadt, zum Verpflegungspunkt vor dem Fugger-Denkmal habe ich mir noch eine private Flasche Hopfensaft delegiert. Alle VP-Punkte sind zwar bestens sortiert mit Wasser, Iso, Bananen und teilweise auch Melonen und Äpfeln, aber irgendwann kommt halt der Zeitpunkt da gelüstet einem nach so viel Wasser nach was anderem. Andi kommt auch gerade vorbei …und lehnt doch tatsächlich meine Einladung zum Erdinger ab. Ja, gibt’s denn so was. Aber wenigstens Conny, der ich meinen Geheimtipp durchgegeben habe, bedient sich später noch, sie weiß halt was sich gehört.

Ich kann mich heute nicht beklagen, meine Beine sind gut gelaufen und relativ entspannt kann ich in eines der größten und modernsten Stadien im Bundesgebiet einlaufen …so zumindest wurde es 1951 bei der Eröffnung tituliert. Für den Friedensmarathon erfüllt es heute noch bestens seinen Zweck und die Zuschauer können uns sogar im Trocknen auf der Haupttribüne zujubeln. Im großen Verpflegungsbereich können wir uns noch ausreichend verstärken und auch nochmal in Ruhe einen großen Becher Erdinger Bleifrei reinziehen. Und plötzlich hört sogar noch der Regen auf und die Sonne spitzelt vereinzelt durch die Wolken.

 
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Wolfgang Hosp, einer der Organisatoren und Urheber des Friedensmarathons will gleich wissen wie es mir gefallen hat. Als begeisterter Läufer und Unterstützer des Friedensgedankens hatte er vor fünf Jahren die Idee zum Marathon. Eine schöne Aussage in Bezug auf den Frieden habe ich von unserer Schirmherrin Prof. Sumaya Farhat-Naser gelesen, die ich auch gerne auf den Friedensmarathon übertragen möchte: „Es hilft nicht, nur das Negative wahr zu nehmen“.

Noch ist nicht alles perfekt gewesen, es gibt sicher noch einige Sachen zu verbessern, das wissen auch die Veranstalter. Die Streckenführung z.B. war von den Organisatoren auch anders geplant, musste aber nach Problemen kurzfristig geändert werden. Das kalte Wasser in den Umkleiden der Sporthalle wird auch den wenigsten, die sich dort nach dem Lauf geduscht haben, gefallen haben. Dennoch hat mir die Premiere, trotz nicht idealer Wetterbedingungen schon sehr gut gefallen und ich freue mich schon auf die nächste Auflage und bin natürlich wieder dabei.

 

Informationen: Friedensmarathon
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