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Laufberichte

Atemlos durch die Nacht

 

Ein kleines Jubiläum für mich. Ich will mich auf der 100 Kilometer-Distanz zum fünften Mal versuchen. Und damit es mir nicht zu langweilig wird, soll ich Patric Marquardt zu seiner Premiere auf dieser Streckenlänge verhelfen. „Du bist ein alter Hase, das ist für dich ein Klacks“, versucht er mir einzureden. Bernhard Sesterheim hat da schon eher recht als Routinier, denn er sagt: „Der Hunderter ist wie eine Diva. Manchmal will sie geschmeichelt werden und im nächsten Augenblick tritt sie dir in den Hintern“.

 

Start der Wanderer

 

Nachdem mir im letzten Jahr ein Hunderter nicht so recht in den Plan passte, will ich mich in diesem Jahr wieder auf dieser Streckenlänge probieren. Am späten Freitagnachmittag fahre ich mit meiner Karre auf den geräumigen Parkplatz beim Robert-Epple-Stadion in Blaustein. Die 15000 Einwohner zählende Stadt grenzt im Westen direkt an die Großstadt Ulm und liegt daher nicht in Ulm, sondern um Ulm herum, wie der Zungenbrecher ja heißt. Und die Blau ist ein Flüsschen, das im Blautopf bei Blaubeuren entspringt. Sie mündet dann in Ulm im Fischerviertel in die Donau. Für Kanuten (Beschränkungszeiten  beachten) und Sportkletterer bieten Gewässer und Blautal gute Sportmöglichkeiten.

 
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Als berühmte Persönlichkeiten Blausteins gelten Erwin Rommel, der Wüstenfuchs, und Dieter Baumann, der heute zwar nicht mehr als Leistungssportler unterwegs ist, aber mit seinem Kabarettstück „Dieter Baumann, die Götter und Olympia“ die Region unterhält. In der Woche vor dem Ulmer Einsteinmarathon, wo er eine Wette über die Halbmarathondistanz auslaufen wird, wird er mit seinem Stück in der schwäbischen Großstadt auftreten. 

Ich komme gerade recht in der Zeit, sehe die Wanderer zum Stadion gehen, die um 17.00 Uhr auf die Strecke geschickt werden. Die Wertung der Veranstaltung beim Deutschen Volkssportverband hat immerhin gut 70 Sohlensportler für die Teilnahme motiviert. Die Wanderer gehen genau vier Stunden vor unserem Start auf die Strecke. Sie marschieren zwar die ersten 20 Kilometer in einem zeitlich gedeckelten Tempo mit fünf bis sechs Kilometer pro Stunde, aber danach gilt keine Geschwindigkeitsbegrenzung mehr.

 

Läufer bei der Vorbereitung

 

In der Lix-Hall gibt es die Startunterlagen. In Sekundenschnelle hast du Startnummer, T-Shirt, Schuhbeutel und weitere Gaben empfangen. Im oberen Hallenbereich läuft bereits die Spätzles-Party. Ein Gutschein liegt den Startunterlagen bei. Die Pasta werden mit Braten- oder Tomatensauce gereicht. Wer noch ein Getränk haben will, löhnt einen EUR und bekommt dafür Wasser, Isogetränk oder bleifreies Radler. Ein Teil der Halle ist für eine Übernachtung oder für eine Ruhemöglichkeit eingerichtet. Wer mit Wohnmobil oder Zelt unterwegs ist, hat sich bereits im Umfeld des Parkplatzes eingerichtet.

 
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Ich bin gerade am Verdrücken der Nudeln, da tippt mir jemand von hinten an die Schulter. Patric ist soeben eingetroffen. Übrigens, Blaustein ist mit der Bahn gut erreichbar. Entweder über den Fernbahnhof Ulm oder direkt auf der Donautalbahn Ulm -  Donaueschingen. Von Seiten der Wettervorhersage ist alles perfekt. In der Nacht vielleicht noch mit Temperaturen von knapp unter zehn Grad etwas kühl, aber am Tag werden sich die Temperaturen um etwa 20 Grad bewegen. Für die Nacht sollte daher der Wärmeliebende noch ein langes Shirt anziehen oder zumindest mitnehmen.

Um 21.45 Uhr erhalten wir beim Briefing der Einzelläufer und Staffeln die letzten Informationen zur Laufnacht, wie z.B. markiert ist, wie genau der Streckenverlauf ist und wie die Wechselstellen der Staffeln aufgebaut sind, wann sich die Begleitradler treffen und so weiter.

Meine Ausrüstung habe ich zuvor schon hergerichtet und so mache ich noch ein kleines Nickerchen auf einer Matratze. Einen richtigen Schlaf finde ich aber nicht. Denn ein paar Meter entfernt haben sich einige Verdächtige lautstark niedergelassen, die Freunde vom Team Icehouse aus Oberfranken. Vor dem Abmarsch zum Epple-Stadion läuft mir noch Klaus „Keule“ Neumann und Karl-Heinz Kobus über den Weg. Wer will, der kann noch sein Gepäck aufgeben. Dieses wird entweder auf die Strecke oder zum Zielbereich verbracht.

Etwa 20 Minuten vor dem Start verlassen wir die warme Halle und begeben uns in Richtung Sportplatz. Und da ist mir ein kleines Missgeschick passiert. Denn wir sehen nur noch von der Ferne das Ballonglühen. Schade, denn ein paar Bilder hätte ich euch gerne mitgebracht.

 

Start, bis Kilometer 20

 

Punkt 23.00 Uhr ist der Start vorgesehen. Zuschauer und Läufer werden informiert, dass für das Feuerwerk der Innenraum der Laufbahn aus Sicherheitsgründen frei sein muss.  Der Schuss aus der Pistole gibt uns das Startsignal und auch den Feuerwerker, der das Brillantfeuerwerk zündet. Raketen, Böller und Kanonenschläge verräuchern die Luft im Nu. Nach einer dreiviertelten Runde auf der Tartanbahn  verlassen wir das Stadion. Wie viele Stunden werden bis zur Rückkehr vergehen? Und wie viele Entbehrungen werden wir bis dahin erleiden müssen? Die Neulinge haben es gut, die laufen unbekümmert los. Oder etwa nicht? Ist vielleicht der Routinier besser dran?

 
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Wir sind bereits aus dem Stadion, da macht ein Mordsböller den letzten Schlag und das Feuerwerk ist beendet. Die zurückbleibenden Zuschauer höre ich noch applaudieren. Nach wenigen Metern mündet unser Kurs in einen Radweg ein. Ich schlucke Staub, denn der Weg entlang der Blau ist furztrocken.

Etwa nach Kilometer vier laufen wir den Ort Arnegg hinein. Die Hauptstraße ist für uns an der Seite gesperrt. Kurzzeitig gibt es einen Autostau. Einige wenige Zuschauer stehen am Rande und applaudieren artig.

Eine etwa fünf Kilometer lange Steigung führt uns hinauf zur Hochsträß. Etwa 120 Höhenmeter sind bis zum ersten Höhepunkt bei Kilometer 9,5 zu bezwingen. Eigentlich hatte ich die Steigung ungut in Erinnerung und habe mir gemerkt, da zu marschieren. Und heute? Die ist ja gar nicht so steil, also laufen wir beide, wie das restliche Feld, im langsamen Schritt nach oben.

Auf halber Strecke der Steigung tangieren wir Markbronn (gehört auch noch zu Blaustein). Man nimmt an, dass der Name der Ortschaft von einer Quelle (Brunnen) stammt, die dem heiligen Markus geweiht war. Am Rand des Ortes ist ein großes Fest, wo wir uns nicht beirren lassen sollen, so bei dem Briefing, falls der eine oder andere Zuschauer sich auf die Laufstrecke verirrt. Es geht sehr gesittet zu, wir erhalten sogar vereinzelte Ansprache.

Den höchsten Punkt der Hochsträss durchlaufen wir im kurzen Waldstück. Verlaufen ist nicht möglich, denn alle Abzweige sind entweder beleuchtet oder mit Helfern abgesichert, es stehen Gitter da und der Boden ist mir vielen Pfeilen markiert.

In Eggingen (Kilometer 11,5) wartet die erste V-Stelle mit Isogetränken auf uns. Wir schnappen uns zwei Becher, leeren diese in einem Zug und machen uns auf den  weiteren Weg. Hier auf der Höhe ist die gefühlte Temperatur wärmer als zuvor im Blautal. 

Ein paar Meter hinter der der V-Stelle haben sich die Begleitradler eingefunden. Da versucht man sich mit Zurufen zu finden. Ach ja, für 20 EUR können die Radbegleiter das volle Servicepaket der Läufer nutzen (incl. eigenem Begleitershirt). Kurze Zeit später sehen wir einen Radler auf weiter Flur, der noch seinen Läufer sucht.

Die Tendenz nach Erbach hinunter ist gefällig, auch wenn sich uns einige kurze Gegenanstiege in den Weg stellen. „Wir sind fast am Schluss des Feldes,“ unkt Partic.  Ich kann ihn aber beruhigen, denn eine nicht endende Karawane uns verfolgt uns wie Glühwürmchen. Wir sind rund zwei Stunden unterwegs, da laufen wir in Erbach ein. Vor dem Schloss wartet ein Gegenanstieg von etwa 40 Höhenmeter.

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Informationen: Ulmer Laufnacht
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