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Laufberichte

Theorie und Praxis passen doch zusammen

30.07.05

Der K 78 von Davos ist der weltweit größte Ultra-Bergmarathon

 

Wenigstens behauptet das der Veranstalter. Was heißt größter? Der Mont Blanc-Lauf zumindest ist länger und hat viel mehr Höhenmeter! Aber klappern gehört zum Handwerk, wer sich heutzutage nicht darstellt, hat schon verloren. Daher auch wird die 20. Austragung des Swiss Alpine Davos zum Jubiläum erklärt und in der Tat, die Macher haben das zum Anlass genommen, einen bewährten Lauf zu überdenken und rund zu erneuern, was ihm sichtlich nicht geschadet hat, denn erstmals sind die Teilnehmerzahlen über die magischen 5.000 gestiegen, genau auf 5.709. Nun ja, natürlich nicht 5.709 für den Großen, den K 78, sondern für alle 10 angebotenen Veranstaltungen zusammen. Beachtliche knapp1.200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer immerhin steuerte der K 78 bei, einige hundert mehr als vergangenes Jahr - und ich war dabei. Erfolgreich, wie ich schon mal vorweg  sagen kann. Jetzt, wo ich meinen Bericht schreibe, bin ich immer noch begeistert von mir selbst, dass ich diesen Giganten geschafft habe. Aber der Reihe nach.


Vergangenes Jahr wollte ich bereits den K78 in Davos laufen. Ich hatte den Isarlauf - 340 km in fünf Tagen - geschafft, war in Biel die 100 km gelaufen, also würde ich auch die 78 km in Davos bewältigen. Ich war damals wirklich nicht übermütig, hatte gehörigen Respekt vor diesem Lauf, ging ihn ganz demütig an und scheiterte grandios. Bereits nach 30 km hatte ich mein Pulver verschossen und war froh, dass ich noch nach Bergün und dort noch in die Wertung des C 42 kam. Es war das erste Mal, dass ich einen Lauf nicht zu Ende brachte! Damals nahm ich mir vor, diese Scharte im Jahr darauf auszuwetzten.


Nun, dieses Jahr würde es die Chance nicht mehr geben, in Bergün mit einem Marathon aufhören zu können. Zum Jubiläum wollte man alle Läufe in Davos enden lassen und hatte daher kurzerhand den C 42 "umgedreht", also Start in Bergün. Ich war also gezwungen, den Lauf entweder zu bestehen, oder irgendwo abzubrechen und ohne jeglichen "Abschluss" mit der Bahn zurückzufahren. Als ich 2004 in Bergün auf den Zug wartete, kam eine Läuferin in den Bahnhof. Ich fragte sie, ob sie auch hätte vorzeitig aufgeben müssen und in die Wertung des C42 gekommen sei. Sie brach sofort in Tränen aus und erzählte, dass sie die Durchgangszeit in Chants nicht erreicht und man sie aus dem Rennen genommen hätte. Zweimal schon hätte sie den Lauf problemlos geschafft und jetzt das. Für sie war es nahezu ein Drama. Ich konnte ihr das nachfühlen.


Man muss wissen, dass es beim K 78 an verschiedenen Stellen Durchgangszeiten gibt, die strikt eingehalten werden. Schafft man diese Zeiten nicht, wird man aus dem Rennen genommen und muss seine Startnummer abgeben - wohl ein Gefühl wie bei einer Degradierung. Für einen Marathonläufer, der sicher 3:45 h oder schneller läuft, sind diese Zeiten kein Problem, wenn er nur ein wenig Bergerfahrung hat. Ein Läufer, der sicher 4:15 Stunden erreicht, kann die Zeiten ebenfalls einhalten, sollte aber Erfahrung bei Bergmarathons haben und steht doch die ersten knapp 53 km unter Zeitdruck. Wer den Marathon langsamer läuft, steht unter Dauerstress und wird nur an einem sehr guten Tag durchkommen.


Ich hatte ein Jahr lang Zeit, mich auf diesen Lauf einzustellen. Meine Planung für die erste Hälfte 2005 war ganz auf den K 78 ausgerichtet. Den Rennsteiglauf bestand ich problemlos in wenig mehr als 9 Stunden, Biel weniger gut mit mehr als 15 Stunden. Ich war also hin- und hergerissen zwischen "ganz sicher bestehen" und "das kann wieder schief gehen". Anfang Juli machte ich zwei Bergmarathons (Oberstaufen, Montafon-Arlberg), die sehr gut liefen. Meine Zuversicht stieg, ich war mir ziemlich sicher, durchzukommen. Die beiden letzten Wochen vor dem Lauf hielt ich mich zurück und lief nur noch wenig.


Wer mich kennt, weiß, dass ich meine Läufe gerne plane, ich bin kein "Bauchläufer". Ich nahm mir also das Höhendiagramm der Ausschreibung her, trug an den entsprechenden Orten die kritischen Durchgangszeiten ein, plante meinen Schnitt, den ich auf den einzelnen Abschnitten laufen wollte, angepasst an die jeweiligen Steigungen und berücksichtigte dabei, dass ich bei den Durchgangszeiten zumindest ein paar Minuten "Puffer" hatte. Mein Motto hieß: „Auf den ersten 31 km bis Filisur einrollen.“ Bis dahin zeigte das Höhendiagramm keine Steigungen, sondern man "verlor" etwa 500 m an Höhe. In Filisur wollte ich einen Puffer von 20 Minuten haben, den ich dann bis Bergün (km 40, Steigung 2,4 %) halten wollte. Ab Bergün nimmt die Steigung leicht zu (3,3 %). In Chants wollte ich noch 13 Minuten Puffer haben, den ich dann auf den restlichen 5,7 km (bis zu 13 % Steigung) bis zum höchsten Punkt, der Keschhütte, "verbrauchen“ wollte. An der Keschhütte (km 52,9) war die letzte kritische Stelle, wer hier noch in der Zeit ankam, würde nicht mehr aus dem Rennen genommen.


Ein einfacher Plan, den ich auf mein Höhendiagramm eintrug und in meine Laufhose steckte. Unterwegs würde ich mich dann daran orientieren und versuchen die geplanten Zeiten einzuhalten. So weit die Theorie.

 

Theorie und Praxis passen doch zusammen

Klaus ging es ebenso wie mir, nur dass er nichts plante und von Anfang an sein Tempo laufen wollte, so dass er an keiner Stelle mit der vorgegebenen Zeit in Konflikt kommen würde. Da ich jedoch ganz gezielt langsam beginnen wollte, würden wir wohl diesen Lauf nicht zusammen machen können. Mit dem Startschuss Punkt 8 Uhr im Sportzentrum in Davos liefen wir zusammen los, aber bereits nach wenigen hundert Metern, als ich meine ersten Bilder machte, war Klaus weiter vorne und bald hatte ich ihn aus den Augen verloren.

 

 
Vor dem Start
© marathon4you.de 7 Bilder

Wir waren schon im hinteren Drittel gestartet und jetzt bereits hatte ich das Gefühl, nur noch wenige hinter mir zu haben. Vergangenes Jahr starteten gemeinsam mit uns auch die Läuferinnen und Läufer vom C 30 und C 42, so dass damals genügend um einen herum waren und man nicht das Gefühl hatte, ganz am Ende zu sein.


Nach etwas mehr als einem Kilometer wurden wir in großem Bogen um 180 Grad umgelenkt und liefen auf der Hauptstraße durch Davos, freundlich mit Beifall bedacht. Welches Tempo ich lief, ob es dem entsprach, was ich mir vorgenommen hatte (etwas langsamer als 7 min pro km) - keine Ahnung. Wieder mal ein Lauf ohne Entfernungsangaben. Irgendwann dann mal ein Schild: "K 78 - 75 km. Wenn ich das richtig interpretierte, würde man also bei diesem Lauf die noch zu laufenden Kilometer angeben. Das half mir jetzt aber überhaupt nichts, ich wusste nicht genau, wie lang der Lauf war (78,5 km) und traute auch dem Schild nicht unbedingt. Meine Theorie wurde also schon auf den ersten Kilometern durch die Praxis "ausgebremst". Ich musste nach meinem Puls laufen, der mir normalerweise auch ziemlich genau sagte, wie schnell ich war. Aber auch das funktionierte erst Mal nicht, weil meine Pulsuhr noch keine vernünftigen Werte lieferte. Mir blieb also nichts anderes übrig, als nach Gefühl zu laufen, bis ich dann endlich Pulswerte bekam.


Kurz nach dem Start hatte sich mir Hans angeschlossen und wir informierten uns gegenseitig über unsere heutigen Ziele. Für ihn, der den Lauf bereits vergangenes Jahr in guten 11 Stunden geschafft hatte, kam es heute darauf an, durchzukommen, größere Ambitionen hatte auch er nicht.


Nach etwa fünf Kilometern hatten wir den Bahnhof erreicht. Dort standen Angelika und Jörg und winkten mir zu. Vergangenes Jahr führte die Strecke auf einer schönen Asphaltstraße ganz sanft abwärts hinaus aus Davos und weiter durch die grünen Wiesen nach Frauenkirch. Zum Jubiläum aber hatte man die Streckenführung hier geändert, wir wurden durch eine Unterführung unter den Bahngleisen geführt und kamen dann auch hinaus aus Davos, weiter auf einem geteerten Feldweg. Auch ganz schön.


Häufig nach 35 bis 50 Kilometern breche ich bei langen Rennen ein und muss mein Tempo drastisch reduzieren, nicht weil ich keine Kräfte mehr habe, sondern weil mir schlicht schlecht wird. Ich muss dann das Tempo stark drosseln, um durchzukommen. Mein Arzt hatte mir geraten, viel mehr zu trinken, das würde vom Magen-Darmbereich kommen, verstärkt durch den Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen. Mindestens einen Liter pro Stunde würde man verlieren und den Verlust müsse ich durch Trinken ersetzen. Diesmal sollte mir das nicht passieren, ich hatte also schon vor dem Start sicher einen Liter getrunken und auch an der ersten Getränkestelle kurz nach Davos drei Becher. Einen Teil davon musste ich jetzt wieder loswerden. Wir waren längst außerhalb von Davos und liefen in der freien Natur, als sich endlich die Gelegenheit dazu ergab.


Während der ersten 50 Minuten war die Stecke recht flach gewesen, was sich dann aber recht schnell änderte. Wir liefen jetzt auf einem Naturweg und es ging ganz ordentlich hoch. Auch die folgenden acht Kilometer änderte sich das nicht. Ein ständiges Auf- und Ab, insgesamt gewannen wir dabei nahezu 200 Meter an Höhe. Waren auf dem Höhendiagramm die ersten 17 km absolut flach eingezeichnet, hielt sich unser Weg überhaupt nicht daran. Die Praxis sah schon wieder ganz anders aus als die Theorie. Weiß der Teufel, wer dieses Höhendiagramm gezeichnet hat. Na, das ging ja lustig weiter.


Exkurs: Im Höhendiagramm des Veranstalters sind etwa 70 Punkte der Strecke angegeben, mit genauer Kilometeranzahl und dazu gehörender Höhe. Jetzt, nach dem Lauf, habe ich mir die Mühe gemacht und alles in eine Excel-Liste eingetragen und danach ein Höhendiagramm zeichnen lassen. Aber Hoppla! jetzt sieht das Diagramm so aus, wie ich es erlebt habe. Da hat der Veranstalter in seinem Diagramm aber ziemlich "nivelliert" und mich in die Irre geführt.


Ich lief also weiter ganz verhalten, immer noch keine Ahnung ob ich richtig in der Zeit war. Etwas unwohl war mir aber, da hinter mir nur noch ganz wenige zu sehen waren. Hoffentlich war ich nicht zu langsam? Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich die Landschaft besser genießen können. Glücklicherweise aber machte ich Bilder, so dass ich mich jetzt zuhause wieder an die Gegend erinnere. Schöne Wiesen, immer wieder durch einen Tannenwald, leicht zu laufende Naturwege tendenziell stets nach oben. Zu meiner Beruhigung waren bereits jetzt viele Läufer vor mir ins Gehen übergegangen und ich konnte immer wieder jemand überholen; offensichtlich gab es noch welche, die langsamer waren als ich.


Über das Wetter konnte ich mich bislang nicht beklagen. Die Wettervorhersage die Tage zuvor hatten so ziemlich alles vorhergesagt, von Gewitter und Dauerregen bis zu Sonnenschein war alles dabei. Tatsächlich hatten wir dann moderate 12 .. 16 Grad, meist war der Himmel bewölkt, so dass die Sonne nicht zu sehen war. So hatte ich es mir gewünscht, auch ein wenig Nieselregen wäre mir willkommen gewesen.

 

 
Unerwarteter Anstieg
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Hans hatte sich ein wenig vorgearbeitet und ich lief jetzt alleine, als ich auf Frank-Ulrich stieß. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit hatte er auf allen Firlefanz verzichtet, sich nicht als Hexe mit Besen verkleidet, sondern lief in normalen Laufklamotten. Für ihn ging es hier darum, durchzukommen, wie er mir erklärte und das war schon in normaler Aufmachung schwer genug für ihn. Bergauf hatte er mehr Mühe als ich und nach ein paar Minuten Unterhaltung ließ ich ihn langsam hinter mir.


In Spina wurden wir von einer Dreiergruppe - vermutlich ein Vater mit zwei Söhnen - mit großen Kuhglocken empfangen, die uns durch lautes Läuten anfeuerten. Wer da wohl mehr Mühe hatte? Die mit ihren großen Glocken oder wir Läufer? An der Verpflegungsstelle trank ich wieder gemäß dem Ratschlag meines Arztes: zwei Becher Wasser, einen mit Eistee, dann füllte ich meine Flasche wieder auf und weiter ging es.


Ich hatte keinerlei Orientierung, wie ich in der Zeit lag. Vor kurzem hatte ich wieder eine Entfernungstafel mit den Restkilometern gesehen: K 78 - 65 km. Warum auch immer, aber ich konnte damit recht wenig anfangen. Eigentlich kein Problem, aber die Rechnung 78-65=13, also bisher 13 km gelaufen, wollte mir nicht einfallen. Die nächsten drei Kilometer ging es im Wald stets nach oben, ein sehr gut zu laufender Naturweg, aber anstrengend, da wir mehr als hundert Meter an Höhe gewannen. Immer wieder gehen, wenn es zu steil wurde und joggen bei weniger steilen Passagen. Verflucht, irgendwann musste es jetzt doch abwärts gehen, bis Filisur (km 31) musste man gegenüber der Höhe von Davos etwa 500 Meter an Höhe verlieren.


Etwa 1:45 h war ich unterwegs, als es dann tatsächlich deutlich abwärts ging, nicht sanft, wie man es sich wünscht, sondern recht steil, so dass man eher bremsen musste, da auch der Weg schlechter wurde. Hier überholte mich Frank-Ulrich und meinte, dass er bergab die Zeit gut machen müsse, die er aufwärts verliere. Schlagartig wurde auch mir bewusst, dass ich mich beeilen musste. Mein Plan war danach ausgerichtet, dass ich auf den folgenden Kilometern bergab bis Filisur etwa 20 Minuten Zeitpolster gewinnen musste. Ich beschleunigte also auch und hoffte, dass ich bei diesen schlechten Wegverhältnissen auch die notwendige Geschwindigkeit erreichen würde.


Monstein war erreicht, der Weg war jetzt wieder besser. Zwei Becher Wasser, zwei mit Bouillon, einen mit Iso und wieder die Trinkflasche aufgefüllt. Zur Bouillon aß ich ein paar Stückchen Weißbrot und weiter ging es. Bisher hatte ich die notwendige Flüssigkeitsmenge stets erreicht. Zwischen den Stationen trank ich den Vorrat in meiner Flasche, so dass ich sicher auf den Liter pro Stunde kam, den mir der Arzt empfohlen hatte. Ich merkte das auch daran, dass ich in einigermaßen regelmäßigen Abständen pinkeln musste. Von daher musste ich mir also keine Sorgen machen.


Noch einmal kam ein Stück bergauf. Hier überholte ich Hans und ließ ihn dann für den Rest des Laufes hinter mir. Noch etwa zwei Kilometer, die es mehr oder weniger steil abwärts ging, bis wir dann bei Schmelzboden die Bahnstrecke erreicht hatten. Nun kamen herrliche vier Kilometer in der Zügenschlucht. An diese tolle Landschaft konnte ich mich noch gut erinnern, hier war ich vergangenes Jahr noch gut drauf. Aber auch dieses Jahr ging es mir gut. Der Weg war sehr gut zu laufen, unmerklich abwärts und ich konnte die Ausblicke in die Schlucht genießen, in der sich mehr oder weniger tief unter uns der Landwasser Fluss schlängelte. So locker hatte ich mir den Lauf bis Filisur vorgestellt. Wieder überholte ich Frank-Ulrich, den ich von da an ebenfalls nicht mehr sah.


Noch einmal ging es in den Wald hoch, wieder runter und schon hatte ich den Bahnhof Wiesen erreicht. Irgendwie hatten mich die letzten schnelleren Kilometer und die herrliche Schlucht so beflügelt, dass ich keinen Gedanken mehr an meine Zeit verschwendete, obwohl ich hier das erste Mal hätte kontrollieren können, ob ich im Zeitplan lag. (Meine Auswertung zu Hause ergab, dass ich die Zeit perfekt erreicht hatte.) Beim Einlaufen in den Bahnhof machte ich ein Bild, als mir Roland Maier vom TF Feuerbach zurief. Kurz winkte ich ihm zu, wunderte mich, dass er nur Zuschauer war und nicht selber lief und war dann vorbei. An der Verpflegungsstation versorgte ich mich mit der obligatorischen Menge an Trinken und schon ging es weiter.

 

 
Zügenschlucht
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Jetzt kam das wohl bekannteste und am meisten fotografierte Stück des Laufes, die Passage über den Wiesen Viadukt. Rechts von uns die Gleise der Eisenbahn und wir Läufer auf einem Gittersteg, den man an den Viadukt "angeklebt" hatte. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr waren hier nur noch wenige Läufer vor mir und als ich am Ende des Viadukts zurück schaute, war nicht eine Läuferin mehr zu sehen. Ich war wohl ziemlich am Schwanz des Feldes, eine weitere Motivation für mich, mein Tempo zu halten. Erst Mal aber wurde der Weg sehr viel schlechter und bald ging es mal wieder ein Stück auf einem Wurzelpfad nach oben. Aber nach knapp 15 Minuten lag auch dieser Abschnitt hinter mir, der Wald lichtete sich und bald ging es auf einem Asphaltweg abwärts durch eine liebliche Wiesenlandschaft und nach weitern 15 Minuten in flottem Tempo war ich in Filisur. Auch hier vergaß ich meine Zeit zu kontrollieren. Gut so, denn ich lag da 10 Minuten hinter meinem Plan.


Die Verpflegungsstation war bestens ausgestattet, so dass ich mich hier etwas länger aufhielt und wieder genügend trank. Insgesamt kann man zu den Verpflegungsstationen (insgesamt 25) sagen, dass sie in angemessenen Abständen positioniert und ausreichend ausgestattet waren: Wasser, Eistee und/oder Iso gab es immer, an jeder zweiten bis vierten auch Bouillon. Mit dem Essen war es etwas dürftiger, immer wieder mal Bananen, ab und an kleine Stückchen Ballisto Riegel, Weißbrotstückchen dort wo es auch Bouillon gab und an zwei Stationen Power Bar und Rosinen. Einigermaßen ausreichend, nicht üppig, ich habe das auch schon deutlich besser erlebt; nun ja, wir waren zum Laufen da, nicht zum Essen.


So ab Filisur begann der Aufstieg, jetzt kam es zum Schwur, die nächsten 21,8 km ging es unablässig hoch, insgesamt 1.650 Meter, bis zur Keschhütte auf 2.632 m Höhe. Auf diesem Streckenabschnitt würde es sich entscheiden, ob ich durchkam, ob ich die Durchgangszeiten schaffte. Vier Stunden hatte ich dafür Zeit, ausreichend, wenn da nicht die 31 km "Einlaufen" bis hierher gewesen wären. Ich fühlte mich aber noch gut, die 31 km hatte ich erstaunlich problemlos verkraftet, dank auch meiner zurückhaltenden Geschwindigkeit.


Immer noch voll Respekt, aber auch zuversichtlich lief ich wieder los, erst Mal noch ein paar Meter abwärts und dann auf einem ebenen Schotterweg hinein in das Tal und bald aufwärts. Der Weg wurde schlechter, immer wieder ging es auch mal hoch durch den Wald, links von uns ein Gebirgsbach. Ständig wurde ich an vergangenes Jahr erinnert, als sich Klaus mit seinen Pulswerten oberhalb von 200 immer wieder setzen musste, um den Puls auf Normalwerte zu bringen.


Da, den Läufer in Blau kenne ich doch, das musste Vittorio sein. Bald hatte ich ihn erreicht und fragte nach seinem Befinden. Vittorio startet oft zu schnell und so war es wohl auch hier. Er sah nicht sehr zuversichtlich aus, wir wechselten ein paar Worte und bald hatte ich ihn hinter mir gelassen. Ob er wohl durchkam? Ja, auch er kam noch als einer der Letzten in die Wertung.

 

 
Blumenwiese
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Bellaluna war erreicht. Hier hatte sich Klaus ein paar Minuten hingelegt, um seinen Puls zu beruhigen und wohl auch um wieder ein wenig Mut zu schöpfen. Mir selbst ging es damals besser, aber den Lauf hätte ich sicher nicht geschafft. Heute hielt ich mich an diesem Ort nicht lange auf, mein übliches Pensum an Trinken, Flasche auffüllen, ein Stückchen Ballisto Riegel und ich war wieder unterwegs, hoch den Weg. Wir liefen nun auf einem schmalen Waldpfad , dann einen Wiesenhang entlang, links von uns jetzt die Autostraße nach Bergün. Irgendwann würden wir den Rest der Strecke nach Bergün auf dieser Straße laufen. Erst aber ging es wieder in den Wald, steil hoch auf einem schmalen Pfad und dann endlich waren wir auf der Straße. Ausgerechnet jetzt hatten sich die Wolken so verzogen, dass schon einige Zeit die Sonne unbarmherzig auf meinen dünn behaarten Kopf schien. Zum Glück hatte ich meine Schildmütze am Gürtel hängen, die leistete mir hier gute Dienste. Weiter ging es auf der Straße, vielleicht noch knapp zwei Kilometer, dann war ich in Bergün. Immer noch fühlte ich mich gut, offensichtlich trank ich genügend und mein Magen konnte auch die großen Mengen nutzbringend verarbeiten.


Hurra! die Verpflegungsstation Bergün war erreicht. Ich schaute hier das erste Mal ganz bewusst auf meinen Plan. Donnerwetter, da trafen sich aber Theorie und Praxis in idealer Weise. Laut Plan wollte ich um 12.41 Uhr hier sein und meine Uhr zeigte 12.41 Uhr! Ich war so verblüfft und erfreut über diese Übereinstimmung, dass ich das dem nächstbesten Läufer mitteilen musste. Immer noch fühlte ich mich bestens, trotz der gelaufenen knapp 40 Kilometer.


Hier hätte ich mich auch umziehen können, die in Davos aufgegebenen Kleiderbeutel waren in der Mehrzweckhalle neben der Straße deponiert. Bisher war ich jedoch richtig angezogen, das Wetter sah auch nicht bedrohlich aus, so dass ich einfach vorbeilief und meinen Kleiderbeutel schlicht "verachtete". Besser verwendete ich die gewonnene Zeit dazu, den vor mir liegenden Aufstieg in der Zeit zu schaffen. Natürlich aber nahm ich mir hier die Zeit, wieder zu trinken, Wasser, Iso, drei Becher Bouillon mit Weißbrot, Eistee, Ballisto Riegel und Power Bar, Trinkflasche auffüllen, das ganze Programm in höchstens zwei Minuten und wieder war ich auf der Strecke, hinein nach Bergün.

 

 
Nur noch 40 Kilometer
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Wieder kamen die Erinnerungen auf. In Bergün hatten wir vor einem Jahr unseren Lauf beendet und waren als ziemlich die Letzten kurz vor Zielschluss noch in die Wertung des C 42 gekommen. Ein kleiner Trost damals, wenigstens wurde der Lauf noch als Marathon gewertet. Wenn heute jemand hier aufhören würde, hätte er nicht mal diesen Trost, da ja der C42 neuerdings hier gestartet wird und das Ziel in Davos lag. Nun, ans Aufhören dachte ich nicht mit einem Gedanken, ich strotzte vor Selbstvertrauen, heute würde ich es schaffen. Im Ort dann wieder Zuschauer, die uns Läufer beklatschten und auch die drei Ehefrauen Hanne, Margot und Uta standen da und fotografierten mich. Ich zeigte meinen Optimismus durch beide Daumen, die ich nach oben streckte, ein paar kurze Worte und weiter ging es, hoch die Kopfsteinpflasterstraße. Was war das? Jürgen kam mir entgegen! Den hatte ich weit vor mir gewähnt, war er doch in Biel mehr als drei Stunden schneller gewesen als ich. Offensichtlich plagten ihn heute Muskelkrämpfe, so dass er hier aufgeben musste. Nun, dann kenne ich schon einen, der nächstes Jahr hier wieder läuft. Nach ein paar Worten lief ich weiter hoch, links weg, durch die Messanlage, in der die Zwischenzeit genommen wurde und schon war ich aus dem Ort, bergauf die Straße Richtung Chants.


Diese acht Kilometer bis Chants waren laut Höhendiagramm nur wenig steiler (3,3 %) als hoch nach Bergün, also immer noch gut zu laufen. Erleichternd kam noch dazu, dass wir die ersten 20 Minuten auf einer Asphaltstraße liefen, also ganz problemlos, mein Puls lag mit max. 140 vollkommen im grünen Bereich und ich konnte die Landschaft genießen. Je höher wir kamen, desto mehr weitete sich das Tal und man hatte Ausblick auf die vor uns liegenden Berge. Eine schöne und auch motivierende Kulisse für uns Läufer. Die Teerstraße war übergegangen in einen breiten, gesplitteten Weg, die Steigung war deutlich steiler geworden (7 %), so dass ich diesen Kilometer gehend zurücklegte. Dann aber wurde es wieder flacher, so dass ich immer wieder joggen konnte. Wäre ich nicht so vorsichtig gewesen, hätte ich die gesamte Strecke joggen können. Ich hatte jedoch während meiner Laufkarriere schon so viele unerwartete Einbrüche erlebt, dass ich hier auf Nummer Sicher gehen wollte; verausgaben konnte ich mich immer noch auf den letzten 14 Kilometern vor Davos. Die letzten beiden Kilometer bis Chants verliefen dann wieder auf Asphalt.


Um Punkt 14. 01 Uhr war ich in Chants. Was zeigte mein Plan? Richtig! 14.02 Uhr, wieder lag ich total im Plan ?. Man glaubt gar nicht, was das für eine Beruhigung für mich war! Wie bisher immer trank ich in aller Eile meine vier oder fünf Becher, nur keine Zeit verlieren, denn jetzt kam die Prüfung.
Erst Mal ging es 1,5 Kilometer auf gutem Weg mit 5 % Steigung hoch, die nächsten 1,4 Kilometer dann waren unglaublich: 13 % Steigung! Wie auf einer Passstraße schlängelte sich der Pfad in Serpentinen hoch. Keiner joggte mehr. In welcher Geschwindigkeit hier wohl die Spitzengruppe hoch kam? Ich jedenfalls versuchte meinen flotten Gehschritt beizubehalten, überholte auch einige, musste aber auch langsamer tun, da mein Puls sonst höher gewesen wäre, als zuvor beim Joggen. Die Vegetation war merklich weniger geworden, viel niedrige Koniferen, wenige hohe Kiefern. Auch der Natur sah man an, dass wir bereits über 2.000 Meter hoch waren.

 

 
Val Tuors
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Genau so hatte ich mir diesen Streckenabschnitt vorgestellt, sehr steil und ich noch mit genügend Energie! Die Wirklichkeit aber war noch viel schöner, nichts ist zu vergleichen mit dem Gefühl, wenn man eine solche Strecke bewältigt und spürt, dass man noch genügend Kraft hat, auch das Kommende zu schaffen.


Knapp eine halbe Stunde benötigte ich für diese steilen 1,5 Kilometer, keine tolle Zeit, aber was soll's, ich hab das gut hinter mich gebracht und nur das zählte. Ab jetzt ging es wieder moderater hoch (7 %), der Weg wurde etwas breiter, aber die Umgebung hatte sich radikal verändert, nur noch Moos, Gras und Steine waren zu sehen, keine Büsche und Bäume mehr. Auch hier war an joggen nicht zu denken. Ich meinte zu spüren, dass die Luft dünner war, ich musste mehr "schnaufen" und immer wieder wurde mir ganz leicht schwindlig. Gut, dass ich mich zurückgehalten hatte, so konnte ich immer noch auf Reserven zurückgreifen. Unterwegs sah ich Rainer Satzinger am Wegesrand sitzen. Er stand auf und schloss sich mir an. Gemeinsam erreichten wir dann endlich die Keschhütte(2.632 m), sieben Minuten vor meinem Zeitplan. "Eberhard, das hast du gut gemacht!" Ganz heimlich musste ich eine Träne des Glücks verdrücken. Leute, ihr könnt gar nicht nachvollziehen, was das für ein Gefühl war, hier rechtzeitig anzukommen und sich auch noch gut zu fühlen. Das kann nur nachvollziehen, wer es selbst erlebt hat. Leider haben viel zu viele Läufer nur ihre gute Zeit im Kopf und vergessen dabei ganz, so einen Lauf auch zu genießen.

 

 
Die Keschhütte - das Ziel meiner Träume
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Im Überschwang meiner Gefühle gönnte ich mir fünf Minuten Pause an der Verpflegungsstelle, trank und aß ganz in Ruhe, lauschte der Dixiland-Band, die hier oben spielte und genoss die Aussicht auf den Gletscher des Piz Kesch (3.417 m). Jetzt war ich mir sicher, dass ich den Lauf in Davos beenden würde. Immer noch im Überschwang der Gefühle machte ich mich auf den Weg. Auf die kommenden sieben Kilometer auf dem Panoramatrail war ich echt gespannt.


Erst Mal aber ging es ganz profan steil runter, der Weg war miserabel und vermutlich war ich langsamer als bergauf, so musste ich bei dem steinigen Weg aufpassen. Hinzu kam, dass mir zunehmend schwindlig wurde, ich musste also doppelt aufpassen. Hatte ich bergauf einige Läuferinnen und Läufer überholt, so wurde ich jetzt von allen wieder eingeholt. Immer wieder musste ich auf dem schmalen Pfad an die Seite gehen um welche vorbei zu lassen. Kein Problem, würde ich hier eben Zeit verlieren, besser, als mir den Fuß zu vertreten oder gar zu stürzen.

 

Der schmale Pfad war wirklich nicht gut zu laufen, eigentlich mehr Steine als Weg, ein andauerndes Auf und Ab. Aber die Aussicht war grandios. Bis in die Ferne schlängelte sich der Pfad den Hang entlang und tief unten sah man einen Gebirgsbach. Dort hinunter mussten die Läufer und Läuferinnen vom K42, für die hatte der Panoramatrail nicht genügend Kapazität.


Zunehmend bemerkte ich einen Kräfteverlust und meine Ultra Gel Chips waren auch beinahe aufgebraucht. Hoffentlich kam bald eine Verpflegungsstelle mit Cola. Die Verpflegungsstelle kam, aber mit Cola war nichts. "Das ist noch viel zu früh, das gibt es erst in Dürrboden." Glücklicherweise entdeckte ich aber Rosinen und auch Power Bar. Von den Rosinen verdrückte ich mehrere Hände voll. Dazu trank ich Eistee. Eigentlich musste ich dankbar sein, dass es hier überhaupt eine Verpflegungsstelle gab. Da hatten die tatsächlich bis zur Mitte des Panoramatrails einen Tisch geschleppt, Getränke und Rosinen und das für 1.200 Läuferinnen und Läufer. Wirklich beeindruckend. Tatsächlich spürte ich dann auch bald die Wirkung der Rosinen, meine Kraftlosigkeit war überwunden, nur schwindlig war mir immer noch ganz leicht. Das würde wohl erst besser werden, wenn ich die Höhe verlassen konnte.


In der letzten Stunde hatte die Bewölkung zugenommen, die Sonne hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Es war deutlich kühler geworden und langsam zog Nebel auf, bzw. die Wolken kamen auf unsere Höhe herunter. Mir war nicht kalt, nur die Hände wurden zunehmend gefühlloser. Aber immer noch besser als zu warm.


Endlich, nach knapp eineinhalb Stunden war der Scalettapass erreicht, zwanzig Minuten nach meiner geplanten Zeit. Schwindel, Wegverhältnisse und Kräftemangel hatten eine bessere Zeit verhindert. Auch kein Problem, denn ich war immer noch in der offiziellen Durchgangszeit.


Hier würde auch der Laufarzt Beat Villiger stehen und überprüfen, ob ich das Gefälle hinunter nach Dürrboden noch schaffen würde. Ob der schon mal jemand aus dem Rennen nehmen musste? Ich denke schon, denn so harmlos der Panoramatrail auch vom Höhenprofil her war, die liederlichen Wegverhältnisse darf man nicht unterschätzen, die ziehen einem brutal die Kräfte aus dem Körper. Tatsächlich, da stand er vor mir und reichte mir die Hand. "Wie geht's?" "Bestens!" und ich drückte ihm kräftig die Hand. Kein Problem für mich, trainiere ich das doch bei jedem Lauftreff, wenn Sepp dabei ist. Offensichtlich war er mit mir zufrieden, denn er wandte sich schon dem nächsten Läufer zu.

 

 
Wo Steine sind, ist auch ein Weg
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Auch hier machte ich fünf Minuten Pause, trank Bouillon, aß Weißbrot dazu, dann kam ein Becher Eistee, wieder Bouillon, nur mein geliebtes Cola vermisste ich. Ich ließ noch ein Bild von mir machen und dann war ich auf dem Weg nach unten. Auf den vier Kilometern bis Dürrboden verlor man 600 Meter an Höhe, durchschnittliches Gefälle von knapp 8 %. Dazu kam, dass das kein guter Weg war, eigentlich nur Stein an Stein, man musste gut aufpassen. Die Belastung der Oberschenkel war enorm, jeder Schritt musste abgefangen werden. Hier kam mir der Trainingseffekt meiner beiden Vorbereitungsmarathons in Oberstaufen und Montafon-Arlberg. Dort ging es auch abwärts, nicht so steil wie hier, aber als Training ideal.


Eingermaßen gut kam ich dann in Dürrboden an. Schwindlig war mir überhaupt nicht mehr und das versprochene Cola würde mir die Kräfte geben um die letzten 14 Kilometer flott laufen zu können. Sack Zement! Nur noch zwei Becher Cola waren hier. Eigentlich hätte ich mindestens drei oder vier trinken wollen. Einen Becher erbat ich dann. Die Läuferin nach mir verlangte auch sofort nach einem Cola und war glücklich, dass sie noch einen Becher bekam. Ein Rosinenbrötchen wurde mir angeboten, das solle auch Kräfte bringen. Ok, nahm ich auch, trank noch zwei Becher Iso und lief dann weiter.


Der Weg war jetzt gut, kaum noch Steine und das Gefälle war so, dass man flott vorwärts kam. Von hier an wollte ich nur noch joggen, nicht mehr gehen. Ich kam ganz flott voran und erreichte bald die nächste Verpflegungsstelle. Tatsächlich sah ich da mehrere Flaschen Cola stehen. Ich glaube, drei Becher trank ich, bevor ich weiterging. Jetzt konnte nichts mehr schief gehen, energiegeladen lief ich weiter. Da sprach mich ein Läufer an. Er hatte mich wohl kurz nach Davos gesehen, wie ich Fotos machte. Ob ich zufällig Thomas Schmidtkonz kennen würde? Verblüffte bejahte ich. Wie kam er wohl auf die Idee, dass ich Thomas kennen würde? Der würde auch immer fotografieren. Er berichtete mir, wie er ihn kennengelernt hatte und dass sie jetzt in Kontakt seien. Immer wieder würden sie Bilder austauschen, seine Frau würde ihn bei seinen Läufen begleiten und Bilder machen. Er fragte, ob er von mir auch Bilder von diesem Lauf bekommen könne. Natürlich bejahte ich.

 

 
Dischmatal - bald ist das Ziel erreicht
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Irgendwann wechselte er ins Gehen und ich schloss mich an. Wir unterhielten uns so nett, dass ich das nicht einfach unterbrechen wollte. Er erzählte von seinen Läufen, dass er eigentlich vom Waffenlauf her kommen würde. Wir joggten wieder und unterhielten uns. Als er wieder ins Gehen verfiel, verabschiedete ich mich und wollte weiter laufen. Er meinte zum Abschied noch, dass das sein letzter Lauf sei, er wäre immerhin schon 63 Jahre alt. Erstaunt blieb ich stehen und wartete auf ihn. Das konnte ich nicht fassen und wollte ihm erklären, dass 63 doch kein Alter zum Aufhören sei. Wieder gingen wir nebeneinander her. Vermutlich hatte er das auch nicht im Ernst gemeint, denn er erzählte mir von seinem diesjährigen Bieler Lauf, dass ihn da sein Korporal bei Kilometer 76 im Stich gelassen hätte, bloß weil ihm der Fuß weh getan hätte. Auch hatte er darauf sofort eine Frau angesprochen und sie gefragt, ob sie mit ihm zusammen im nächsten Jahr den Waffenlauf in Biel machen würde. Noch einige Episoden aus seinem Läuferleben erzählte er, bis ich mich dann endgültig von ihm verabschiedete und Tempo aufnahm.


Locker und leicht nahm ich die restlichen Kilometer unter die Füße und ließ mich auch von der Schikane vor Davos irritieren. Lenkten die uns tatsächlich nochmals in den Wald und ein Stück hoch. Nur wenige Meter ging ich und joggte dann mit etwa 5:30 min pro km die vielleicht 2,5 km bis ins Ziel, wo ich von Uta, Angelika und Klaus in Empfang genommen wurde.

 

 
Nur noch happy
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Mit 11:44.52 Stunden bin ich eingelaufen, sieben Minuten früher als geplant, glücklich, dass ich es geschafft hatte, dass mir nichts weh tat. Noch war ich geprägt von den Anstrengungen und fragte Klaus, ob er den Lauf nochmal machen würde. Ich konnte es mir nicht vorstellen, Klaus war sich noch nicht sicher. Jetzt, mit ein paar Tagen Abstand, frage ich mich, wie ich überhaupt auf so eine blödsinnige Idee kommen konnte. Natürlich mache ich den Lauf nächstes Jahr wieder! Ich glaube, ich würde ihn sogar in drei Wochen wieder laufen, wenn er nur angeboten würde. Ich bin derart von mir und meiner Leistung beeindruckt, dass ich das baldmöglichst wiederholen möchte. Kein Problem, in drei Wochen findet der Defi in der Westschweiz statt, 72 Kilometer, 2.000 Höhenmeter. Der Lauf behauptet von sich, der schönste Erlebnislauf Europas zu sein. Und da wären wir wieder am Anfang: "Klappern gehört zum Handwerk!" Ich fahre hin und laufe und werde dann wissen, ob es stimmt.


Nicht dass ich es vergesse. Frank-Ulrich kam nur wenige Minuten nach mir ins Ziel. Aber auch Hans und Vittorio kamen in die Wertung. Offensichtlich hatte man die Durchgangszeiten in Chants und bei der Keschhütte um jeweils 20 Minuten verlängert und damit einigen Läufern ermöglicht, doch noch den Lauf zu beenden. Gratulation.


Mein persönliches Fazit vom K 78

Ein toller Lauf, grandiose Herausforderung, was die geforderten Zeiten, aber auch die Strecke betrifft, wunderschöne Landschaft, nahezu perfekte Organisation. Da werde ich nächstes Jahr ganz sicher wieder teilnehmen.


Was mir insgesamt sehr gut gefällt, sind die vielen sinnvollen Angebote, die auch weniger trainierte Läuferinnen und Läufer ansprechen und so vielleicht an den Großen Alpine heranführen. Besonders erwähnen möchte ich da den Alpinathlon Team: 33,1 km Fahrrad (+ 330m/-990m), 11,8 km Skaten (+420m/-10m), 13,7 km laufen (+1.360m), 12,3 km laufen (+440m/-1.140m), 14,1 km laufen (+50m/-520m). Fünf Sportler übernehmen je einen dieser Parts und werden dann mit ihrer Gesamtzeit gewertet. TV-Stammheim, das wäre was für dich!

 

 

Informationen: Swissalpine
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