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Laufberichte

K 78 - Hart am Limit

26.07.08

Nach mehr als 30 Marathonläufen suchte ich eine neue Herausforderung. Seit langem spukte mir ein Lauf im Hinterkopf herum: der legendäre K 78 beim Swiss Alpine in Davos. Immer wieder hatte ich bei meinen bisherigen Bergmarathons (u. a 6x Jungfrau, 5x Oberstaufen)  Teilnehmer vom K 78 schwärmen gehört. Ich habe aber lange vor der fast doppelten Distanz zu einem normalen Marathon zurückgeschreckt. Aber Anfang des Jahres stand mein Entschluss fest: 2008 gehe ich es an und laufe den K 78.

Ich stellte mein Training auf die spezifischen Herausforderungen des Laufes um und machte viele lange Läufe in hügeligem Gelände. Zur Vorbereitung nahm ich in Mutscheid/Eifel an einem 19,4 km-Berglauf teil und lief in Duisburg den Marathon als Langen Lauf. Den letzten Schliff holte ich mir auf La Graciosa, einer kleinen Vulkaninsel bei Lanzarote. Ich nutzte die bis zu 266m hohen Vulkane als Trainingsgelände zu langen langsamen Bergläufen. 

Nach drei Wochen Vulkanlaufen fühlte ich mich fit. Zusammen mit Dieter und Frank machte ich mich per Bahn auf den Weg nach Davos. Wir wollten den Lauf zu einem kleinen Kurzurlaub nutzen. Dabei wollten wir von den Vorteilen des Rail and Run profitieren. Die Veranstalter bieten allen Läufern (Ausnahme  HM) freie Bahnfahrt ab Grenzbahnhof und auf diversen Regionalbahnen. Dazu kann man mit der Davoser Gästekarte mit Bergbahnen und Bussen vor bzw. im Ort fahren.
Am Mittwoch ging es morgens 8.53 Uhr von Köln los. Bis zur Schweizer Grenze nutzten wir ein Sparangebot der Deutschen Bahn. In Landquart stiegen wir in einen Regionalzug um und waren entspannt um 18 Uhr in Davos. Dort bezogen wir unser Quartier in  der Jugendherberge. Von der Dachterrasse der Jugendherberge genossen wir den schönen Blick über Davos.

Kaiserwetter

Donnerstag und Freitag wurden wir mit Kaiserwetter vom Feinsten verwöhnt. Die Sonne strahlte vom Himmel, Wolken gab es kaum. Wir nutzten das tolle Wetter und machten am Donnerstag eine Akklimatisationstour über Schatzalp (1861m, 40min), Strelaalp (1921m), Strelapass (2352m) und Panoramaweg zur Mittelstation der Parsennbahn (Zahnradbahn). 

 
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Auf den ersten Metern hinaus aus Davos wurden wir von Tannenhähern und Eichhörnchen begleitet, die von uns gefüttert werden wollten. Auf den Bergwiesen oberhalb der Baumgrenze konnten wir viele schöne Bergblumen bewundern, u. a. blauen und gelben Enzian. Sogar Orchideen und das seltene Edelweiß gab es zu sehen.

Die kurze Wanderung zur Schatzalp ist unbedingt zu empfehlen. Wer nicht laufen mag um seine Kräfte zu schonen kann auch die Schatzalpbahn benutzen. Von der Schatzalp hat man wie vom gesamten Panoramaweg einen fantastischen Blick über Davos und die umliegenden Berge. Wir genossen den tollen Fernblick. Sogar der Piz Kesch war klar zu sehen. Insgesamt bewältigten wir auf unserer Tour ca. 750 Höhenmeter und waren  4 Stunden unterwegs.

Streckenerkundung mit der Rhätischen Bahn

Am Freitag fuhren wir mit der Jakobshornbahn auf das Jakobshorn  (2590m). Wie wir waren viele weitere Teilnehmer unterwegs. Mein Respekt vor dem K 78 wuchs mit jedem Blick über die umliegenden Berge, deren Dimensionen immer deutlicher wurden. Mit dem Respekt wuchs aber auch meine Vorfreude auf den Lauf. Mit den vom Veranstalter vorab übersandten Regionaltickets fuhren wir noch von Davos über Filisur bis Bergün um Eindrücke von der ersten Streckenhälfte zu erhalten. Wir waren begeistert.

Informationen: Swissalpine
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteFotodienst AlphafotoHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

Startunterlagen

Im Kongresszentrum in Davos besuchten wir die Marathonmesse. Stolz nahm ich meine Startnummer für den K 78 in Empfang. Ich gebe zu, ich hatte unverändert großen Respekt vor dem Lauf. Frank meldete sich zum K 31 an und Dieter nutzte die Möglichkeit zur Ummeldung von C 42 auf den anspruchsvolleren K 42. Trotz der angebotenen sechs verschiedenen Laufwettbewerbe vom K 11 bis zum K 78 sowie dem Mini Run und Walking gab es kein Gedränge oder Durcheinander. Alle Helfer waren wie auch am Renntag sehr hilfsbereit und freundlich.

 
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Insgesamt hatten sich mehr als 5.000 Teilnehmer für die verschiedenen Wettbewerbe angemeldet. Viele waren an ihren Finisher-Shirts der vergangenen Jahre als Wiederholungstäter zu erkennen. Neu war in 2008 der Start des Alpinathlon bereits eine Woche vor dem Swiss Alpine. Der C 42 und der K 31 wurden wieder von Davos gestartet. Für Einsteiger in die Langlaufszene wurde der K 11 eingeführt. 

Der Schwerpunkt der Veranstaltung blieb der K 78. Für die Königsdisziplin gingen mehr als 1.200 Anmeldungen ein!

In die Veranstaltung ist nicht nur Davos eingebunden. Die ganze Region steht hinter dem Swiss Alpine. Orte wie Klosters, Filisur, Bergün und Tiefencastel sind als Start- bzw. Zielorte direkt engagiert. Der Swiss Alpine ist in der Region fest verankert und ein wichtiger Bestandteil des Jahreskalenders. 2008 war bereits die 23. Veranstaltung des Swiss Alpine.

Anspruchsvolle Strecke

Der K 78 hat es wahrlich in sich. Bereits ein Blick auf die Rahmendaten verdeutlichen die Dimensionen des Laufs: 2320 Höhenmeter sind auf 78,5 KM auf- und ab zu bewältigen. Der K 78 ist wirklich nur für erfahrene und gut trainierte Bergläufer zu empfehlen.

Die Laufstrecke ist nicht nur anspruchsvoll, sie ist auch ausgesprochen schön und abwechslungsreich. Nach dem Start vom Sportzentrum in Davos führt sie in einer Schleife durch Davos, am Bahnhof Davos Platz ist Km 5. Nach Davos geht es über Spina und Monstein nach Filisur. Dort laufen die Teilnehmer des C 42 weiter bis Mistail. Für den K 31 ist das Ziel in Filisur. Dort können auch Starter des K 78 den Lauf beenden und werden in der K 31-Wertung klassiert.

Der Untergrund ist wechselnd, viele Teile der Strecke führen durch Wald. Es geht insgesamt 870m abwärts von Davos nach Filisur (1032m). Es sind  aber auch 470m Steigung zu bewältigen. Höhepunkte dieses Streckenabschnittes sind die Kirche von Monstein und das Wiesner Viadukt. Beeindruckend ist auch die Durchquerung der Zügenschlucht. Man läuft durch einige Tunnels, überquert Brücken und hat tolle Tiefblicke hinab ins Tal der Landwasser.

Keschütte Kulminationspunkt der Strecke

Vielseitig, beeindruckend und anstrengend ist auch der weitere Verlauf der Strecke. Durch’s Albulatal und über Bellaluna geht es nach Bergün (1365m). Hier startet um 11.30 Uhr der K 42. Für den K 78 ist hier die Hälfte der Strecke bewältigt. Wer mag, kann vor dem Start in Davos Kleidung/Trinkgürtel für das „Effektendepot“ in Bergün hinterlegen und im Rennen dort abholen. Nach Bergün geht es über den Weiler Chants (1822m) weiter aufwärts zur Keschhütte (km 53), mit 2632m der höchste Punkt der Strecke.

Es folgt der berühmte Panoramatrail. Über fast sieben Kilometer führt die Strecke immer leicht auf und ab zum Scalettapass (2606m). Die Teilnehmer des K 42 verlassen den Panoramatrail kurz nach der Keschhütte und laufen in das Val del Funtauna hinab. An der Alp Funtauna steigen sie wieder hinauf zur Strecke des K 78. Gemeinsam wird die Steigung zum Scalettapass (2606m, km 60) bewältigt bevor es 700 Höhenmeter steil hinab nach Dürrboden (2007m) geht.

Die Strecke führt nun talabwärts durch das Dischmatal bis Davos, wobei es immer wieder kleine Gegensteigungen gibt. In Davos angekommen werden die Läufer noch einmal in den Wald geschickt und müssen eine letzte Steigung bewältigen bevor es zum Zieleinlauf ins Sportzentrum geht.

Nichts für Anfänger

Der Lauf ist nicht nur wegen seiner Länge und der zu bewältigen Höhenunterschiede ein wahrer Ultralauf. Er erfordert auch technische Fähigkeiten. Es sind einige Passagen über Stein- und Felsbocken zu bewältigen, viele kleine Bergbäche/Wasserrinnen sind zu queren. Hierbei kommt es auf den nassen Steinen sehr auf Trittsicherheit an. Wer keine Kraft mehr hat oder zu sehr auf das Panorama schaut kann leicht abrutschen und stürzen. Besonders die Bergabpassagen, insbesondere vom Scalettapass nach Dürrboden, sind anspruchsvoll. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Läufer hier bereits 60 Kilometer in den Beinen haben.

Zu beachten ist auch, dass der Lauf  durch das alpine Hochgebirge führt. Wie sehr sich hier die Wetter- und Streckenverhältnisse rasch ändern können und welche dramatischen Folgen dies haben kann, haben uns die Ereignisse beim Zugspitzlauf am 13. Juli 2008 deutlich gezeigt. Ich konnte dennoch viele Läufer des K 78 ohne Wechselkleidung im Trinkgürtel/rucksack beobachten. 

Es ist mir absolut unverständlich wie man nur in kurzer Laufkleidung ohne zumindest eine leichte Regenjacke im Gepäck einen Berglauf im Hochgebirge in Angriff nehmen kann. Man weiß doch um den zu bewältigenden langen Aufenthalt in großer Höhe. Ich konnte einige frierende Läufer in kurzer Kleidung an der Keschhütte beobachten. Zum Teil liefen sie mit umgehängten Müllsäcken aus Plastik weiter. Gedankenlos! Solche Läufer bringen mit Ihrem Verhalten den Berglauf in Misskredit. 

Start bei Conquest of paradise

Der Start des K 78 erfolgt Samstag um 8 Uhr gemeinsam mit dem K 31 und dem C 42. Wir finden uns um 7.30 Uhr im Sportzentrum ein. Dort treffe ich sofort Klaus Duwe und Eberhard Ostertag. Das m4y-Treffen wird komplett als ich eine Minute vor den Start Anton Lautner neben mir entdecke.

Vor dem Start werde ich noch um ein Interview gebeten. Leider habe ich vergessen zu fragen, für welchen Sender das Kamerateam arbeitet. Die Stimmung vor dem Start ist locker und gelöst. Man spürt die Vorfreude auf  den Lauf. Wie jedes Jahr wird der Start mit „Conquest of paradise“ eingeläutet. Punkt 8 Uhr geht es los. Frank und ich wünschen uns gegenseitig alles Gute für unsere Läufe und los geht es.

 
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Das Wetter hält

Das Wetter ist optimal. Die Sonne scheint und es hat früh am Morgen angenehme Temperaturen zum Laufen. Im Laufe des Tages kommen zwar einige Wolken. Es bleibt jedoch bis zum Abschluss des Laufes trocken und wir haben auf dem Panoramatrail eine gute Sicht. Der Wind ist mäßig, nur in einigen Lagen wird er etwas stärker.

Ich lasse es ruhig angehen und bleibe immer wieder zum Fotografieren stehen. Am Bahnhof Davos Platz bin ich daher von meiner Zwischenzeit 28,30’ überrascht und versuche noch langsamer zu laufen. Schließlich ist dies mein erster Ultra und ich möchte den Lauf beenden. Zeitvorgaben habe ich mir keine gemacht. Ich laufe ohne Druck und möchte den Lauf nur genießen und ankommen.

Trotz der frühen Tageszeit sind schon viele Zuschauer in Davos an der Strecke und feuern die Läufer an. Zum Teil stehen ganze Belegschaften von Hotels vor dem Haus und klatschen. Ich kann viele Köche in Arbeitskleidung erkennen.

Stau auf der Strecke

 
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Nach Davos verengt sich die Strecke. Es geht in den Wald. Der Abschnitt bis Filisur ist kurzweilig. Ich bin total begeistert. Nicht nur von den Highlights wie der Kirche in Monstein und dem Wiesner Viadukt. Die Strecke bietet ständig wechselnde Bedingungen und Einblicke. Aber man muss auch hier schon konzentriert laufen und darf vor lauter Schönheit der Landschaft nicht den Untergrund aus den Augen verlieren. Dies zeigt eine stark blutende, offensichtlich gestürzte Läuferin, die von Wanderern versorgt wurde.

 
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Besonders gefällt mir der Abschnitt entlang der tief eingeschnittenen Landwasser. Wir laufen durch kleine Tunnels und queren das Tal über Brücken. Immer wieder hat man beeindruckende Tiefblicke. Das gilt natürlich besonders für das Wiesner Viadukt. Die Rhätische Bahn führt hier hoch über die Schlucht. Leider fuhr gerade kein Zug über die Brücke. Das wäre zu schön gewesen.
Die Verengung der Strecke hat einen Nachteil. Es kommt bei km 10 zu einem Stau. Im Läuferfeld führt dies zu merklich wahrnehmbaren Unmut, gilt es doch in Filisur die Zeitgrenze einzuhalten. 3Std.40’ sind auf den ersten Blick locker zu schaffen. Betrachtet man jedoch die Anforderungen der Strecke ist das Limit respektabel, zumal die Veranstalter  es 2008 um 10 Minuten verkürzt haben. Man sollte für 2009 über eine Rücknahme dieser Maßnahme nachdenken (s. Anmerkung).

Der Zeitdruck wächst

Ich hatte mir im Vorfeld keine Gedanken um das Zeitlimit gemacht, wurde jedoch im Laufe des Rennens zunehmend damit konfrontiert. Ich hatte wohl in der Vorbereitung zu viel gemacht und war offensichtlich noch nicht richtig an die Höhe angepasst. Ich musste mein Tempo meiner bescheidenen Tagesform anpassen und erreichte Filisur (km 31) mit nur 9 Minuten Abstand zur Zeitgrenze. Dennoch blieb ich am Ziel des K 31stehen und beobachtete das stimmungsvolle Geschehen im Zielbereich. 

Von den 1.200 Startern des K 78 beendeten (meist zwangsweise) 175 den Lauf in Filisur, Bergün oder Chants und wurden im K 31 klassiert. Da auch die Starter des K 42 vor Filisur Richtung Tiefencastel / Mistail die Strecke des K 78 verließen wurde die Läuferschar deutlich übersichtlicher. Von den 1.200 Teilnehmern des K 78 erreichten am Ende nur 839 das Ziel in der vorgegebenen Zeit von 12 Stunden. 

Filisur ist wie Bergün ein schöner idyllischer Ort mit vielen alten Häusern, z. T. noch aus dem 16. Jahrhundert. Kurz nach Filisur wurde mit 1019m der tiefste Punkt der Strecke erreicht. Ich war froh, dass die Abwärtslauferei erst einmal ein Ende hatte und konzentrierte mich auf den Aufstieg nach Bergün. Mir war zu diesem Zeitpunk klar, dass ich mich auf das Einhalten der Zeitgrenzen konzentrieren musste. Ich lief ständig hart am (Zeit)Limit. Vor Bergün führte die Strecke aus dem Wald heraus und ein kurzes Stück über die Straße. 

 
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Halbzeit in Bergün

In Bergün kam ich 12 Minuten vor der Zeitgrenze an. Das Effektendepot konnte ich rechts liegen lassen, hatte ich doch Wechselkleidung im Trinkrucksack dabei. Dies werde ich sicher beim nächsten Mal anders machen.

Starter des K 42 sehe ich keine mehr. Dafür bin ich zu langsam unterwegs. Erst beim Aufstieg zum Scalettapass treffe ich auf den ersten K 42-Läufer. Ich bin froh die erste Hälfte der Strecke bewältigt zu haben und hoffe auch an der Keschhütte und am Scalettapass die Zeitgrenzen einhalten zu können. Ich möchte den K 78 unbedingt erfolgreich beenden. 

In Bergün unterhielt ein Sprecher Zuschauer und Läufer und bot viele Informationen zum Lauf. Dieter startete hier zum K 42 und konnte vor seinem Start den Durchlauf der Spitze des K 78 beobachten.

Am Geburtstag K 78

Auf dem Weg nach Chants und dem weiteren Aufstieg zur Keschhütte komme ich in einen guten Rhythmus. Stetig steige ich bergan. Die Untergründe und die Landschaft wechseln ständig. Nach Chants geht es zunächst auf einem breiten Weg in Serpentinen bergan. Nach einer Verpflegungsstelle wird der Weg schmaler, steiniger und bedeutend steiler. 

 
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Dieser Abschnitt brachte meinen Rhythmus sehr durcheinander. Aber es half nichts. Ich musste um 15.30 Uhr an der Keschhütte sein, wollte ich nicht aus dem Rennen fallen. Also machte ich fleißig weiter Schritt für Schritt bergaufwärts. Dabei konnte ich beobachten, wie die Baumgrenze erreicht wurde. Die Kiefern wurden immer weniger und spärlicher, dafür gewannen die Latschen die Oberhand. Irgendwann verschwanden auch die Latschen und es musste steiniges Gelände  bewältigt werden. Hinter mir läuft Herrmann. Er hat heute Geburtstag und die Teilnahme am K 78 einer Geburtstagsfeier vorgezogen.

Endlich Blick auf Keschhütte

Kurz nach einer weiteren Verpflegungsstelle kommt der langersehnte Blick auf die Keschhütte. Es ist mittlerweile 15 Uhr. Ich bin seit 7 Stunden unterwegs. Der Sieger Jonas Buud ist zu diesem Zeitpunkt bereits seit einer Stunde im Ziel und gerade läuft die Davoserin Jasmin Nunige als Siegerin über die Ziellinie. Ich freue mich über den Anblick der hoch oben liegenden Keschhütte. Mir ist aber bewusst, dass der Aufstieg noch seine Zeit fordern wird und ich beeile mich. An der Keschhütte habe ich gerade noch sechs Minuten bis zur Zeitgrenze.

 
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Ich geniesse den herrlichen Blick auf den Piz Kesch (3418m) und die umliegenden Berge. Deutlich sichtbar ist der Rückgang des Porchabellagletschers zu sehen. Durch das Abschmelzen des Eises wird einer neuer Berg sichtbar, der Piz Alpin.

An der Hütte beobachte ich Teilnehmer in kurzer Laufkleidung und den Rennarzt Dr. Grünenfelder, der sich Problemfälle unter den Läufern anschaut. Ich lasse mir trotz meines Zeitdrucks einige Minuten Zeit und lausche, während ich die nasse Kleidung gegen trockene aus dem Trinkrucksack wechsele, dem Livekonzert der Keschbuäba. Vier Musiker unterhalten hier mit Klarinette, Altsaxophon, Banjo und Gitarre Läufer und Zuschauer. Sie spielen einen tollen Jazz. Nicht nur Dieter hätte ihnen noch gerne länger zugehört.

Panoramatrail

Von der Keschhütte hat man auch einen schönen Blick auf die weitere Laufstrecke. Der Verlauf des Panoramatrails ist am Hang sehr gut zu sehen. Er führt über sieben Kilometer immer wieder mit leichterem Auf und Ab bis zum Scalettapass. Unmittelbar nach der Keschhütte geht es zunächst steil bergab. Der Panoramatrail windet sich nun entlang des Hangs und nimmt dabei jede Krümmung und Biegung des Berges mit. Ich bin froh, nicht wie die K 42-Starter 400 Höhenmeter hinunter in das Val del Funtauna hinab und von der Alp Funtauna wieder hinauf  zum Scalettapass laufen zu müssen.

Ich muss mich völlig auf den Weg konzentrieren. Der Panoramatrail verlangt höchste Aufmerksamkeit. Viele kleine Bäche sind zu queren. Es gibt einige Passagen über Fels und Stein. Der Weg ist schmal. Überholen kann man nur wenn der Vordermann mitmacht. Ich bin aber fast der letzte Läufer. Plötzlich ist der Besenläufer hinter mir. Ich mache Dampf. Irgendwo sind noch Körner vorhanden und ich laufe alle flachen und abfallenden Abschnitte. An den Aufstiegen gehe ich möglichst raschen Schrittes. Dennoch nimmt der Panoramatrail scheinbar kein Ende. 

Etwas voreilig hat ein mir entgegenkommender Helfer bereits die Fähnchen zur Streckenmarkierung und das Schild 55 KM eingesammelt. Aber das nehme ich ihm nicht übel. Er möchte ja auch einmal Feierabend haben. Aber bitte das nächste Mal noch einige Minuten warten, bis auch der letzte Läufer bzw. der Besenläufer vorbei ist.

Dank an alle Helfer

An dieser Stelle möchte ich die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft aller Helfer loben. Ihr Einsatz war vorbildlich. Wie auch die gesamte Organisation. Das Team um Rennleiter Andrea Tuffli hat wieder einmal eine tolle Veranstaltung organisiert. Auch an schwer zugänglichen Stellen gab es Verpflegungsstellen und Unterstützung für die Läufer. Herzlichen Dank für die kompetente und perfekte Organisation!

Noch dreißig Sekunden!

An einer Verpflegungsstelle frage ich wie weit es noch bis zum Scalettapass sei. Drei Kilometer lautet die niederschmetternde Antwort. Ich schaue zur Uhr und weiß, jetzt zählt jede Minute. Ich mache kaum noch Fotos und beeile mich so gut es geht. Beim Aufstieg zum Scalettapass sind zwei Schneefelder zu queren. Über Felsen wird der Scalettapass endlich erreicht und einige Zuschauer machen eine La-OlaWelle. Als ich sie fotografiere ruft mir jemand auffordern zu: „Beeil Dich, Du hast nur noch dreißig Sekunden“. Ich gehe rasch über die Zeitmessmatte und bin heilfroh weiter im Rennen zu bleiben.

Aber ich mache den folgenden steilen Abschnitt hinunter nach Dürrboden richtig Tempo. Beim rasanten Abstieg  laufe ich hochkonzentriert am Limit und kann einige Läufer überholen. Das ist mir aber völlig egal, ich möchte nur das Rennen beenden und in Davos über die Ziellinie laufen. Ich bin zwar ziemlich fertig, schaffe es aber dennoch auch in Dürrboden im Zeitlimit zu bleiben. In Dürrboden freue ich mich Klaus Duwe zu sehen, der hier Fotos macht und mich noch einmal für die letzten Kilometer anfeuert. 

Jetzt schaffe ich es

Ich bin mir nun sicher den Lauf zu schaffen. Dies setzt letzte Kräfte frei. Ich laufe nunmehr alle abfallenden Streckenteile und gehe die flachen und aufsteigenden Abschnitte. Der Weg bis Davos kommt mir endlos weit vor. Immer wieder glaube ich dies sei nun die letzte Schwelle vor Davos. Immer wieder weitet sich das Dischmatal und zieht sich mehr und mehr in die Länge. Ich sehe es ganz pragmatisch und sage mir, jeder Meter abwärts bringt mich auch einen Meter näher ans Ziel. 

So kommen die Hinweisschilder auf Kilometer 65, 70 und 75 zwar langsam, aber sicher näher. Unmittelbar vor Davos wird endlich Kilometer 75 erreicht, das letzte Kilometerschild des K 78. Jetzt sind es nur noch 3,5 km bis ins Ziel. An der letzten Verpflegungsstelle am Ortseingang trinke ich zwei Becher Cola und bereite mich auf ein Laufen der letzten Kilometer durch Davos vor. Weit gefehlt! Es geht am Golfplatz wieder in den Wald und das mit einer für mich zu diesem Zeitpunkt deftigen Steigung. Aber ich bleibe bei meiner Einstellung, dass mich auch dieses Stück dem Ziel näher bringt. Längst bin ich mir sicher den K 78 erfolgreich zu beenden. Die letzten Kilometer waren daher zwar hart aber dennoch schön zu laufen/gehen.

 
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Unvergleichlicher Zieleinlauf

Nach einem letzten Abstieg aus dem Wald hinunter nach Davos sind im Ort noch wenige hundert Meter zu laufen. Meine Stimmung steigt mit jedem Meter den ich dem Ziel näher komme. Da ist es endlich erreicht. Ich bin auf der Straße zum Sportzentrum und sehe den Einlauf vor mir. Jeder auf der Straße feuert mich an und beglückwünscht mich. Ein fantastisches Gefühl. So etwas habe ich noch bei keinem Lauf erlebt. 

Unmittelbar vor dem Einlauf ins Sportzentrum sitzen Zuschauer in einem Cafe und klatschen. Als ich meine Kappe verliere habe ich richtig Probleme sie vom Boden aufzuheben. Meine Bemühungen werden von Anfeuerungen der Zuschauer unterstützt und als ich erfolgreich bin gibt es donnernden Applaus. Einer ruft: „Das hat der doch extra gemacht“. 

Ich laufe ins Sportzentrum und sehe dort als ersten Eberhard Ostertag. Schon kommt auch Frank gelaufen und  feuert mich für die letzten Meter an. Ich registriere, dass ich noch durch die Kurve laufen muss und die Außenbahnen für die K 78er vorgesehen sind. Der Lauf durch die Kurve ist Genuss pur. Beschreibung nicht möglich. Es ist überwältigend die Zuschauer zu erleben, die hier seit Stunden jeden der ins Ziel des K 78 einlaufenden Läufer frenetisch anfeuern. Vor lauter Glücksgefühl bekomme ich die Anfeuerungen von Dieter gar nicht mit. 

Ich habe es geschafft! Der erste Ultra ist erfolgreich bewältigt. Nach 11Stunden und 28 Minuten bin ich wieder da, wo ich morgens um 8 Uhr gestartet war.
Die Zeit ist mir egal. Auch, dass der Lauf für mich weitaus schwieriger war als ich angenommen hatte. Ich habe mich durchgekämpft und darf mir die verdiente Medaille und stolz das Finisher-Shirt des K 78 abholen. Unmittelbar danach starte ich die gemeinsam mit Dieter und Frank die Regenerationsphase mit einem alkoholfreien Weizenbier.

Fazit

Mein mit Abstand bisheriger härtester Lauf. Tolle Veranstaltung, perfekt organisiert. Teilnahme K 78 ist nur für wirklich erfahrene, gut trainierte und gesunde Bergläufer zu empfehlen. Davos und Umgebung sind absolut empfehlenswert.

Anmerkung:

Der Veranstalter hat bereits auf Kritik an der Kürzung der Durchgangszeiten und den Stau bei km 10 reagiert und die Reduzierung der Zeitgrenzen zurückgenommen. 2009 werden alle 2008 beim K 78 aus dem Rennen genommenen Läufer einen Freistart erhalten. Zudem werden Ihnen im August 2008 Medaille und Shirt zugeschickt. Des Weiteren werden Maßnahmen überlegt, um Staus bei K 78 und HM zukünftig zu verhindern.

Für diese unverzüglichen Maßnahmen muss man dem Veranstalter ein hohes Lob zollen. Die Ankündigungen werden sicher den Unmut der Läufer beruhigen und dem Swiss Alpine auch 2009 eine feste und treue Kundschaft sichern. Die Veranstalter verdienen Respekt für diese durchaus kostspieligen Maßnahmen. Die Läufer werden es Ihnen danken. 

Sieger K 78
Frauen
Jasmin Nunige, Davos  7.00,36 h

Männer
Jonas Buud, Schweden 6.00,36 h

 

Informationen: Swissalpine
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