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Laufberichte

Bergurlaub im Schnelldurchlauf (C 42)

27.07.13

Als ich mich entschlossen habe, am C42 Davos teilzunehmen, war noch von 540 Höhenmetern die Rede. Tags darauf war auf der Homepage zu lesen, dass der C42 die letzten Jahre zu kurz gewesen wäre, eine Streckenänderung sei nun durchgeführt worden. Bei dieser Gelegenheit sind gleich ein paar hundert Höhenmeter dazu gekommen, sodass es heuer mehr als 1000 Höhenmeter bergauf sein werden. Tja, wer zu spät kommt . . .

Über Tirol reise ich an, immer dem Inn entlang, bis ich ins Engadin komme. Um nach Davos zu kommen, muss ich noch über den Flüelapass (2.383m). Da oben liegt stellenweise noch Schnee, dieser Pass ist eine Wasserscheide zwischen Donau und Rhein.

Wenige Minuten vor 19 Uhr bin ich dann im Kongresszentrum von Davos, gerade noch rechtzeitig, um die Startnummer zu übernehmen. Für die Marathonmesse selber habe ich keine Zeit mehr.

Das Hotel ist ausgebucht, ist unschwer am überfüllten Hotelparkplatz zu erkennen. Zum Start (1.538m) sind es von da nur ein paar Gehminuten. Am Vorabend der Marathons wird in Davos gefeiert. Die Promenade wird zur Feiermeile: Würste und Spieße werden gebraten, es gibt eisgekühltes Bier und für zehn verwegene Rider eine Snowboarderrampe. Ich gehe einmal hin und zurück, sehe mir das geschäftige Treiben an und dann ab ins Bett, um 5 Uhr ist Tagwache!

Das Hotel bietet wegen der Laufveranstaltungen am Renntag das Frühstück bereits ab 5Uhr an und dieses Angebot wird auch von vielen genutzt. Am Weg zum Start deutlich zu sehen: Es wird ein prachtvoller Tag werden, die Radionachrichten bereiten uns auf extreme Hitze vor. Doch wohl nicht auf 1.500m und höher!   

Die Kleiderbeutelabgabe ist schnell gefunden, Startnummern werden noch ausgegeben. Ich sehe mich nach bekannten Gesichtern um, es sind ja auch einige M4Y-Reporter hier.

 
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Von Judit weiß ich, dass sie am Start sein will. Vor zwei Wochen beim Fichtelgebirgsmarathon hat sie mir von ihrem großen Traum erzählt, den K78 zu absolvieren. Dafür hat sie seit vielen Monaten trainiert. In den diversen Bewerben werden 4.700 LäuferInnen starten, etwa 1.600 davon nun am Samstag früh um 7Uhr. 30km, der C 42, die nachgeschärfte Marathon-Strecke, und die K78-Runde für Extremisten. Diese K78er kommen, wie die K42er, immerhin bis auf 2.739m Seehöhe rauf. Wenn ich daran denke, fange ich schon an nach Luft zu schnappen!

Christina aus Linz ist da, nicht zum ersten Mal. Sie ist eine sehr erfahrene Ultramarathonläuferin, und schnell ist sie auch noch! Sie hat wieder eine Startnummer für den K78. Mit meinen besten Wünschen verschwindet sie in der Startaufstellung. Rechts von uns der Sportplatz, links von uns der Eislaufplatz, im Freien, im Hochsommer! Der Eishockey-Club von Davos, der HC Davos ist schweizerischer Rekordmeister, die können ja seit jeher das ganze Jahr über trainieren.

Doch jetzt denkt keiner an Eishockey. Vangelis’ 1492 ertönt und stimmt uns auf den Lauf ein. Die Sonne ist soeben hinter den Bergen hervorgekommen. Noch 5 Minuten. Der Sprecher wünscht uns einen schönen Tag, alle sind ergriffen. Hier wird der Start zelebriert! Schließlich, wie bei einem Raketenstart, der Countdown!

Unter großem Zuseherinteresse geht es raus aus dem Stadion, der Sonne entgegen. Etwa 2km, dann in einem weiten Bogen eine Kehrtwende und ein paar Meter oberhalb des Stadions auf der Promenade durch Davos, nun die Sonne im Rücken. Wo gestern noch gefeiert wurde, ist jetzt alles tipptopp sauber, wir werden angefeuert. Ein gemütliches Anlaufen, die ersten km zeichnen sich vor allem durch geringes Gefälle aus. Neben mir läuft einer, der ist vor 8 Jahren schon einmal den K78 gelaufen, in 10 Stunden. Heute ist er mit unter 12 Stunden zufrieden. Ich habe mir zeitlich nichts Spezielles vorgenommen, zu wenig kenne ich die Beschaffenheit der Strecke. Nur, meine langsamste Marathonzeit soll es nicht werden!

 
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Schließlich geht es spürbar rechts die Straße rauf, der Hang liegt schön in der Sonne. Anwohner und Urlauber stehen auf den Balkonen der Holzhäuser, zum Teil mit großen Glocken ausgerüstet. Als es wieder runter geht, bekommen wir bei km9 in Lengmatte die zweite Stärkung.

Tief links unter uns das Landwasser. Dieser Fluss wird von der Rhätischen Bahn begleitet, bis nach Filisur, da wollen wir auch hin. Alle, die da unterwegs sind. Für die K30er ist dort das Ziel, für alle anderen Zwischenstation. Ein Schild warnt uns vor dem nächsten Gefälle, 18%!

Bei km10 sind wir wieder unten am Fluss in Mühle (1.477m), und gleich geht es rauf. Diesmal am linken Flussufer und im Schatten. Eine schöne asphaltierte Straße windet sich den Berg rauf, die Gespräche sind weniger geworden. Es ist angenehm kühl. Mittlerweile bin ich wieder so hoch, dass der Ausblick schon wieder beeindruckend geworden ist. Ganz unten im Tal ist noch Schatten!

Eine fantastische Labestelle nach 11,5km in Spina (1.587m). Mit großem Getöse werden wir Läufer begrüßt. Einer hat eine ganze Batterie von Glocken in einem Holzschuppen montiert, sitzt draußen mit einem Strick und kann alle Glocken gleichzeitig läuten. Er hat einen Mordsspaß dabei. So klein kann einer gar nicht sein, dass er nicht an der Strecke steht und uns anfeuert. Eine ganz herzliche Stimmung - vielen Dank! Ihr macht das großartig!

Aus Spina raus endet der Asphalt und bald geht es in den Wald, Singletrail. Stetig geht es bergauf, Augen auf den Boden. Denn der ist wellig, hat Steine und Wurzeln und es nicht allzu hell. Die Luft ist super, ab und zu sieht man zwischen den Bäumen durch ins Tal. Noch 30km bis ins Ziel für die C42er. Bisher habe ich 80min gebraucht.

Am höchsten Punkt für die C42er und K30er kippt der Weg. Aus leichter Steigung wurde leichtes Gefälle. Jetzt läuft es ganz zügig.

 
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Dann mit herrlichem Ausblick die Jugendstil-Kirche von Monstein. Damit man diesen Ausblick länger genießen kann, wurde eigens eine Aussichtsplattform gebaut. Jemand ist so nett und macht ein Foto von mir. Runter nach Monstein (1.700m), nach 14,5km gibt es zum Isotee und Wasser auch Bouillon, die Helfer haben alle Hände voll zu tun.

Wir müssen wieder runter zum Fluss. Da fällt mir Michel auf, als Sonnenschutz hat er ein an allen 4 Ecken geknotetes weißes Stofftuch am Kopf. Ist das Stofftuch aus Stockholm? Tatsächlich, auch Michel war im vorigen Juli beim „Jubileumsmarathon“ anlässlich 100 Jahre Olympiamarathon 1912 in Stockholm. Wir haben viel zu plaudern, derweil wir runter laufen.

Als wir die Gleise der Rhätischen Bahn überqueren, achten Streckenposten auf uns und auf die Eisenbahn. Auf einer nassen, die Schritte gut abfedernden Wiese entlang der Straße nach Schmelzboden (1.340m), gut sortierte Labe. Zeit für mein MulticarboGel, das ich seit Davos in der Hand halte, angeklebt auf meiner Trinkflasche.

 
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Wir nähern uns km20, der Beginn der Zügenschlucht. 130min bis hierher. Stockdunkel ist es im ersten Tunnel, der ist aber nicht lang. Ein schönes Laufen entlang des Flusses, abwechselnd Sonne und Schatten, unter Viadukten durch. Das Flusswasser schimmert in verschiedensten Grüns. Ein Schild warnt vor Steinschlag, mehrere Tunneleingänge sind überhaupt abgesperrt.

Ich knipse so ein Schild, da prackt mir einer von hinten auf die Schultern: Wolfgang Bernath, es freut mich, ihn zu sehen. Er ist seit vielen Jahren M4Y-Reporter und auf der K78 unterwegs! Ich beneide ihn nicht.

Auf einem Steg nun über einen Bach, den Wald hoch. Von da oben nun ein toller Ausblick auf ein Eisenbahnviadukt. Schön ist es hier, wie im Urlaub. Der Weg führt uns runter, am Bahnhof Wiesen (1.197m), km24, kommen wir wieder ans Tageslicht. Labestelle. Hier sind wieder Zuseher die uns anfeuern. Oft mit „Heja“, und da ist auch wieder dieses „Supr Leischtig!“, das mir so gut gefällt.

Wir überqueren die Schienen und folgen der Eisenbahntrasse, überqueren die Schlucht auf der Eisenbahnbrücke. Die gelochten Bleche federn die Schritte ab, da kann man gut laufen. Wolfgang und ich knipsen und gegenseitig, bevor es im Wald rauf geht. Km 24,5 auf 1.250m und wieder in der Sonne. Da ist auch Stefan, der hat mich in Davos angesprochen. Jetzt ist Zeit für gegenseitiges Fotografieren, Wolfgang ist nun auf und davon. Während ich schon über der Hälfte bin, hat er noch nicht einmal ein Drittel seines heutigen Pensums. Das muss man sich einmal vorstellen!

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Informationen: Swissalpine
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