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Laufberichte

Coburger Wintermarathon

08.01.12

Weg mit dem (Weihnachts-)Speck

 

Schon letztes Jahr wollte ich zum Wintermarathon nach Coburg. Doch da hatte der Winter viel Schnee und Eis im Gepäck, so dass als Folge der geführte Lauf ausfallen musste. Doch heuer ist der Winter außerhalb der Alpen nur saft- und kraftlos.

Wo ist denn Coburg? Für diejenigen, die die Erdkundestunde geschwänzt haben: Die Stadt liegt in Oberfranken, hart an der Grenze zu Thüringen und rund 100 Kilometer nördlich von Nürnberg, verkehrsmäßig gut erschlossen mit Bahn und Auto (über die A 73).

Realisiert wurde die erste permanente Marathonstrecke im Jahr 2004 zum 100jährigen Jubiläum des TV 1904 Coburg-Lützelbuch. Idee der dortigen Laufgruppe war es, Marathon zu laufen, wann man will oder Coburg laufend zu erleben, ohne ortskundig zu sein. Man muss auch nicht den langen Kanten auf einmal herunterreißen, sondern kann an jedem Punkt aufhören und wieder einsteigen. Auch mit einem geländefesten Rad lässt sich die Strecke abspulen.

So ist der Coburg Marathon keine Marathonveranstaltung, wie wir sie kennen, sondern vergleichbar mit einer permanent ausgeschilderten Wanderstrecke, die in und um die Stadt führt. Ausgeschildert ist die vermessene (!) Strecke mustergültig, ein Verlaufen schier unmöglich. Auf der Strecke sind die Distanzen alle fünf Kilometer ausgeschildert. Start und Ziel ist in der Rolf-Forkel-Halle in Lützelbuch, im Osten gelegen von Coburg.

 
© marathon4you.de 6 Bilder

Seit 2005 findet hier immer Anfang Januar der Wintermarathon ohne Zeitnahme und ohne Hektik statt. Diese Veranstaltung ist sehr beliebt und hat mittlerweile eine Teilnehmerbegrenzung. Die Anmeldung ist problemlos übers WWW möglich. Aber man muss sich sputen, denn beizeiten wird einem Nachzügler mit einer Warteliste gedroht. Auf der Liste stehen heuer 170 Mitläufer.

So kalt wie vor drei Jahren bei meinem letzten Besuch ist es bei weitem nicht, aber das Regenwetter bei der Anfahrt mit knapp über null Grad lässt nicht nur bei mir „Freude“ aufkommen. Doch vor Coburg schließen sich die Schleusen von oben und mit drei, vier Grad ist es letztlich ganz okay zum Rennen.

In der gut gefüllten Halle wird sich noch aufgewärmt und der eine oder andere Ratsch geführt. Als „rasender Reporter“ ist man natürlich gern gesehen (Zitat von Jürgen Lesch, Boss der Lützelbucher Läufer) und bekannt wie ein bunter Hund. Dieter Ulbricht hat mich längst gesehen und haut mir in die Seite, als ich ihm von meiner Weihnachtsfresserei erzähle. Weg mit dem Weihnachtsspeck, das ist heute mein Motto. Langsam und weit laufen, so lässt sich die Fettverbrennung ankurbeln.

Jürgen beginnt mit der Einweisung der Teilnehmer und erklärt den Ablauf. Es gibt  Führungsläufer, einer von ihnen ist kein geringerer als Langstrecken-Ass Robert Wimmer. Ein anderer ist Dieter Ulbricht, den Schluss des Feldes bildet dann Thomas Schmidtkonz. Für seine Mühe erhält er einen kleinen Fresskorb, wovon eine Wurst als Notration in den Rucksack wandert. Ich hätte zusätzlich die Halbe Bockbier mit eingepackt, damit für ihn und seine Schäfchen eine eventuelle Dürreperiode bekämpft werden kann.

Im Vordergrund steht also das gemeinsame Lauferlebnis, gepaart mit einer Verbesserung der Grundlagenausdauer. Geplant sind zwei Laufgruppen, wobei die schnellere so rund 6.00 Minuten pro Kilometer laufen soll. So kann auch jeder Durchschnittsläufer teilnehmen.

Jürgen weist zudem darauf hin, dass ein Ausstieg bei jeder V-Stelle möglich ist. Die Marathonstrecke ist vergleichbar mit einer Acht, wobei der erste Teil mit etwa 34 Kilometer die Stadt Coburg umkreist. Die fehlenden Kilometer werden dann beim Abstecher von der Rolf-Forkel-Halle zum Coburger Forst gesammelt.

 

Es geht los, erste Kilometer

 

Drei Minuten vor 10.00 Uhr, der eigentliche Startzeitpunkt, begeben sich die Marathonis plus zwei Marathonhunde zum Startort vor der Halle, um noch ein Gruppenbild schießen zu lassen. Und dann geht es ohne großes Brimborium auf die Strecke mit 685 vor uns liegenden Höhenmetern. Doch keine Angst, diese sind schön verteilt.

 
© marathon4you.de 34 Bilder

Die ersten Kilometer führen gefällig auf einem Radweg nach Seidmannsdorf. Wir sehen rechts kurz die evangelisch-lutherische Pfarrkirche Zu Unserer Lieben Frau (im 15. Jahrhundert erstmals erwähnt). Auf welligen, zum Teil asphaltierten Feldwegen erklimmen wir den Buchberg und tangieren nach einem Gefällestück kurz Ketschendorf. Die Spitze ist längst auf und davon. Aber wenn die für die V-Stellen zu früh dran sind, dann sind sie selbst schuld, wenn sie nichts zum Beißen und Trinken bekommen. Mit einer Spitzkehre verlassen wir flugs Ketschendorf und es geht auf den Höhen munter bergauf, bergab weiter. Das erste Kilometerschild mit der fünf sehen wir an einem Rechtsabzweig auf einem freien Feld.

Creidlitz, im Süden der Kernstadt gelegen, erreichen wir nach einem kurzen heftigen und dreckigen Gefällestück. Wer hier ohne Profil unterm Schuh hinunter brettert, braucht sich nicht wundern, wenn es ihm die Füße nach vorne wegzieht und der Modder dann hinten dran hängt. Im Ort grüßt uns die auf einer Anhöhe stehende Martin-Luther-Kirche, die nach dem Zweiten Weltkrieg erbaut wurde.

In Ketschendorf fällt mir und weiteren Mitläufern ein bemerkenswertes Gebäude auf. „Das ist meine Villa“, lässt einer los. Im Recherchieren finde ich heraus, dass es das Schloss Ketschendorf ist, das 1804 als Sommerschlösschen für Herzogin Auguste Caroline Sophie errichtet wurde. Und wenn der Mitläufer sich da einquartieren möchte, braucht er nicht Herzog oder König sein. Auch als Bürgerlicher kann er das. Er braucht nur einen gültigen Jugendherbergsausweis.

Wir überqueren die Itz, die viel Wasser mit sich führt. Der Kurs verlässt später den Talgrund, es geht in Wüstenahorn kurz bergauf. Kurz nach dem Schützenhaus finden wir die erste V-Stelle, denn nach rund neun Kilometer können wir einen Bissen und ein Schlückchen vertragen. Warmer Tee, Apfelschorle, Dörrobst, Trockenfrüchte, Nüsse und als Spezialität, der Coburger Marathonriegel, sind bereitgestellt. Nicht wie im Rennen, greifen und weiterlaufen, ist angesagt, sondern man bleibt stehen und lässt sich ein paar Minuten Zeit für das Versorgungsgeschäft.

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