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Laufberichte

Balaton Supermarathon

 

Üdvözlünk a Balatonon - Willkommen am Plattensee

 

Der Plattensee in Ungarn ist mit annähernd 600 km² der größte Binnensee Mitteleuropas. Er ist ca. 79 km lang und ungefähr 8 km breit, wobei es an der engsten Stelle nur 1,3 km sind. Der See ist vor allem im Frühjahr und Herbst ein beliebtes Ausflugsziel für Radtouristen. Rund um den See führt ein ca. 210 km langer Radweg, der durchweg gut beschildert und meist verkehrsberuhigt ist. Der Radwanderführer empfiehlt für eine komplette Umrundung des Sees etwa eine Woche einzuplanen, um dem Körper zwischen den Touren auch Erholung zu gönnen.

Vom Veranstalter des Budapest Marathons wird nun bereits zum 9. Mal auf dieser Strecke ein Supermarathon für Langstreckenläufer angeboten. In 4 aufeinander folgenden Tagen legen die Ultras 195,4 Kilometer zurück. Die Etappen sind zwischen 45 und 53 km lang. Die Übernachtungen im Hotel mit Frühstück und Abendessen, sowie die Bustransfers, können beim Veranstalter direkt dazu gebucht werden.

Erster Anlaufpunkt ist das Hotel Magistern in Sjofok. Hier befindet sich im ersten Stock das Organisationsbüro mit der Startnummernausgabe und nach dem ersten Lauf auch die Massage. Wie die meisten ausländischen Starter, reisen Kati, Norbert und ich bereits am Mittwoch, am Tag vor dem Start an. Bei der Ankunft im Hotel wird uns angeboten, dass wir unsere Zimmer bis zum letzten Tag behalten können, obwohl wir zwischenzeitlich zweimal das Hotel wechseln werden. So können wir alles, was wir unterwegs nicht benötigten, in unseren Zimmern lassen - selbstverständlich ohne Aufpreis.

 

1. Tag

 

Der Start erfolgt am nächsten Morgen um 10 Uhr 45 direkt hinter dem Hotel auf der Seepromenade. Da es für uns der erste richtige Etappenlauf wird, waren wir die letzten Tage entsprechend nervös. Plötzlich ist bei mir die Anspannung verschwunden. Es ist eigentlich wie immer: Tasche aufgeben, ein letzter Toilettengang, noch ein paar Fotos; dann stellen wir uns hinter dem Startbanner auf. Die Stimmung ist gut, die Musik laut, der Moderator gibt die letzten Infos. Natürlich werden auch die Cracks vorgestellt. Neben lauter ungarischen Namen fällt uns der Deutsche Christoph Lux besonders auf. Wir haben ihn gestern beim Abendessen kennen gelernt und erst nach und nach erfahren, dass er hier letztes Jahr Zweiter war. In diesem Jahr nutzt er den Balaton als Trainingslauf für die DM im 24 h Lauf und hat sich seine persönliche Pace bereits zurechtgelegt. Mal schauen, wie weit das im Endranking reichen wird.

 

 
© marathon4you.de 18 Bilder

 

Dann geht es auch schon los. Wir haben mit der Startnummer einen speziellen Zeitmesschip bekommen. Dieser wird nicht über eine Zeitmessmatte ausgelöst, sondern muss in ein spezielles Gerät gesteckt werden. Jetzt beim ersten Start brauchen wir ihn aber nicht, da die Zeit als Massenstart brutto gewertet wird. An den Wechselpunkten für die Staffeln werden wir jedoch angehalten, unsere Zwischenzeiten zu registrieren. Obwohl das Verfahren für den Läufer etwas aufwendig ist, klappt es ganz gut.

Neben den Einzelläufern gibt es noch die Dreierstaffeln, die an festen Wechselpunkten den Chip übergeben und ein Paarlauf, bei dem beliebig gewechselt werden kann. Interessant ist, dass die Staffeln immer separate Verpflegungsstationen haben. Bei uns gibt es neben Wasser und Iso immer Cola und Radler. Dazu schon von Anfang an das volle Essensprogramm mit Apfel, Banane, Orange, Zitrone, getrockneten Früchten, Salzgebäck, Schokolade, Margarinetoast und Salz. Die VPs der Staffeln sind dagegen weniger üppig ausgestattet. Auf der ersten Etappe mit 48,2 km von Sjofok nach Fonyod gibt es insgesamt 7 VPs. Ich habe immer zusätzlich Gels dabei und bin daher mit dem Angebot optimal versorgt.

Die Strecke ist nicht abgesperrt. Sie führt aber meist auf dem Radweg entlang und ist zusätzlich mit orangenen Pfeilen gekennzeichnet. Kritische Bereiche wie größere Straßen und Bahnübergänge werden von Streckenposten, oft sogar Polizei, gesichert. An Bahnübergängen wird bei Bedarf die Wartezeit über den Chip registriert und hinterher abgezogen. Das ist dann Ausruhen ohne Zeitverlust, was mir aber leider nur einmal passiert.

Wider Erwarten ist relativ viel Publikum an der Strecke. Erst später erkenne ich, dass dies meist Angehörige der Läufer sind, die die Strecke mit dem Auto abfahren. So kommt es, dass man mit der Zeit die Leute kennt, wenn der zugehörige Läufer im ähnlichen Tempo unterwegs ist. Durch die personalisierten Startnummern wird man auch oft mit Namen angesprochen und angefeuert.

Alle 5 Kilometer steht ein Entfernungsschild und an den VPs ist die genaue, bereits gelaufenen Strecke des Tages ersichtlich, sowie der Abstand zur nächsten VP. Zusätzlich gibt es täglich bei Marathondistanz sowie bei Summe 100 km und Summe 150 km Hinweise.

Am ersten Tag komme ich gut voran. Eigentlich hatte ich vor, das gesamte Zeitlimit von 6h05 auszuschöpfen. Irgendwie bin ich aber doch mit 5h33 im Ziel. Norbert war natürlich schneller, hat aber knapp den ersten Transferbus verpasst, und mit Kati, die auch schon das ist, wird mein Zieleinlauf gebührend gefeiert. Nachdem ich mit Hilfe des Chips meine Zeit gestoppt habe, hält mich eine Helferin auf und bedeutet mir, den Chip noch einmal in ein anderes Gerät zu stecken. Dann bekomme ich wie an der Supermarktkasse einen Beleg, auf dem meine Zwischenzeiten und die Endzeit festgehalten ist. Sofort lotst mich Norbert zur Taschenausgabe und zum Stand für die Zielverpflegung. Der Transferbus ist nämlich schon zur Abfahrt bereit. Die Zielverpflegung besteht aus einer bereits vorbereiteten Tüte mit Banane, Apfel, Wasser, 2 Riegeln und einer Dose ungarischem Bier. Erschöpft falle ich in den Sitz des Busses und esse während der fast einstündigen Fahrt alles auf.
Der Bus bringt uns zurück ins Hotel Magistern. Beim Abendessen treffen wir wieder auf Christoph Lux. Mit einem breiten Grinsen erzählt er, dass er voll im Plan ist und als Dritter im Ziel war. Auch wir sind zufrieden und harren auf den morgigen Tag.

 

2. Tag

 

 
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Nachdem es am ersten Morgen sehr gemütlich war sind wir am zweiten Tag leicht gestresst. Wir müssen unsere Koffer packen und in den Bus verladen. Start ist zwar erst um 10 Uhr, der Bus fährt allerdings bereits um 8 Uhr 15. Kati und ich wollen die Option des Frühstarts nutzen und bekommen sogar mit ein paar anderen einen eigenen Kleinbus. Durch den Frühstart haben wir mehr Zeit und verlängern so das heutige Zeitlimit von 6h53 um 30 Minuten.

Als wir in Fonyod, dem gestrigen Ziel aus dem Bus steigen, ist es unangenehm kalt. Trotz voller Sonne hat es nur 5 °C bei kräftigem Wind. Wir sind schon ziemlich durchgefroren, als Norbert mit dem zweiten Bus ankommt. Kurzfristig entscheide ich mich für eine langärmelige Windjacke, die ich in weiser Voraussicht dabei habe.

Heute ist am Start noch nicht so viel los. Die Frühstarter werden mit Namen aufgerufen und dürfen sich unter dem Applaus der Anwesenden im Startbereich aufstellen. Nach dem Startschuss muss nun jeder mit Hilfe des Chips seine eigene Zeit starten. Heute geht es auf die Königsetappe, von Fonyod nach Szigliget; das sind 52,9 km. Ich nehme mir vor, es langsam anzugehen.

Als wir gerade bei km 10 sind, kommen bereits die schnellen Staffelläufer von hinten. Nach vielleicht 10 Staffeln kommt auch der Führende des Ultralaufs. Gespannt warte ich auf Christoph, der ja gestern Dritter war. Er kommt zusammen mit dem Zweiten, begrüßt mich freundlich im Vorbeilaufen und freut sich über das schöne Wetter. Das sieht bei den beiden richtig locker aus. Schnell sind sie vorbei. Das Wetter ist wirklich herrlich. Bei der milden Frühlingsluft bin ich mit langer Windjacke eindeutig zu warm angezogen - da muss ich jetzt eben durch.

Ab km 20 werden meine Beine schwer. Ich nehme Tempo raus. An der VP bei km 22 kommt Norbert von hinten. Wenn er auch schwere Beine hat, so sieht man es ihm nicht an. Es geht auf dem Radweg nun durch ein stilles, sumpfiges Gebiet. Während die Mittagshitze über mir brütet, versinke ich ebenfalls in Gedanken. Aber hoppla, was ist denn das? Werde ich schneller oder werden andere langsamer? Bisher wurde ich ständig überholt. Aber nun komme ich an Läufer vor mir heran. Tatsächlich, meine Beine fühlen sich besser an. Plötzlich macht das Laufen noch mehr Spaß.

 

 
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Ich erreiche Keszthely, hier war um 11 Uhr der Start des Halbmarathon. Es ist einiges los und der Moderator begrüßt mich. Wir halten ein kurzes Schwätzchen, ich bin gut drauf. Während der Planung hatte ich mir ausgerechnet, dass ich, wenn es super läuft, diese Etappe in 6h20 schaffen kann. Laut meiner Uhr bin ich jetzt voll in der Zeit. Jedoch weiß ich, dass das Ziel heute in Halbhöhenlage unterhalb der Burg von Szigliget sein wird. Das heißt, dass ich vermutlich zum Schluss noch gehen muss und mir somit einen Zeitverlust einhandle. Christoph meinte zwar, wir sollen nicht erschrecken, wenn wir die Burg von Weitem sehen würden, denn das Ziel würde sich deutlich unterhalb auf dem Parkplatz befinden.

Durch den Frühstart habe ich genügend Gelegenheit, die schnelleren Läufer anzufeuern. Führende Frau ist Timi, eine hochgewachsene, schlanke Läuferin mit modernem Kurzhaarschnitt. Es ist eine Freude, ihr beim Laufen zuzusehen. War ich am ersten Tag manchmal allein unterwegs, so ist das heute kein Thema. Ständig kommen Läufer von hinten, und manchmal kann ich sogar welche überholen.

Ungefähr bei km 45 geht es dann eine flache, aber langgezogene Steigung an einem Golfplatz hinauf. Oben führt die Strecke rechts an der Straße entlang. Auf der langen Geraden vor mir kann ich gut die Läuferschlange sehen. Aber wo ist die Burg? Müsste ich sie hier von der Anhöhe aus nicht erkennen können? In der Ferne sind schemenhaft Hügel zu erkennen, da wird das ersehnte Ziel wohl sein.

Zwischen Straße und Radweg ist ein schmaler Grünstreifen, hier parken die Begleiter der Läufer. Die Autoradios werden voll aufgedreht und jeder Vorbeikommende angefeuert. Ein bisschen wie bei der Tour de France. Ich bin jetzt bei km 50 und kann die Burg immer noch nicht sehen. Mir läuft die Zeit davon. Ah, rechts hinter einem hohen Schilfgürtel scheint sie zu sein. Aber wie kommt man da hinauf? Noch kann ich keinen Weg ausmachen.

Am Schild für Summe 100 km werden Fotos gemacht. Ich habe keine Zeit und eile vorbei. Während ich kurz darüber nachdenke, was für eine Wahnsinnsstrecke 100 km sind, kommt vor mir der Abzweig in Sicht. Es geht nach rechts bergauf. Um vielleicht noch die 6h20 zu erreichen, versuche ich abwechselnd zu gehen und zu laufen. Dann sehe ich vor mir eine Straße nach rechts abbiegend, während geradeaus eine steile Rampe bergauf führt. Oh je, wir müssen diese Rampe hinauf. Oben scheint das Ziel zu sein. Das schaffe ich nicht mehr in der Zeit.

Die Rampe besteht aus Kopfsteinpflaster, nur links kann man daneben auf der blanken Erde gehen. Mit schnellen Schritten nehme ich das Steilstück in Angriff. Da kommt ein älterer Mann von hinten und meint: “Come on Birgit, we run together“. Ich muss dankend ablehnen, denn Rennen kommt für mich nicht mehr in Frage. So joggt der Mann neben mir her und beglückwünscht mich überschwänglich für das bis jetzt geleistete. Unerwartet schnell sind wir oben. Ich verabschiede mich und trabe die letzten Meter nochmal an. Die Zieluhr zeigt 5h53. Mit dem Frühstart zusammen also eine Laufzeit von 6:23.

Wieder bekomme ich einen Bon mit meiner Laufzeit und muss zweimal hinsehen. Da steht tatsächlich 6:19:22. Da fällt mir ein, dass ich einmal am Bahnübergang warten musste. Hier wird die Zeit ja angehalten, und auch am Start war ich nicht bei den Ersten. Eigentlich ist es bei so einer langen Distanz egal, ob ich drei Minuten früher oder später das Ziel erreiche, trotzdem bin ich happy.

Ich hole meine Kleidertasche und ziehe mich im dafür vorgesehenen Zelt um. Mit der Zielverpflegung in der Hand genieße ich kurz die schöne Stimmung unterhalb der Burgmauern. Viele Läufer haben es sich auf der Wiese bequem gemacht und empfangen die müden Finisher. Dann geht es die steile Rampe wieder hinunter. Unten wartet schon unser Bus.

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