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Laufberichte

Maratona di Reggio Emilia

 

Nationales Läufertreffen in der Stadt der Tricolore


Als ich dort im Jahre 2001 zum Jahresabschluss bei Schneefall, Minusgraden, Wind und vereisten Wegen im hügeligen Gelände meinen bisher 5. Marathon in 4:24:47 finishte, waren weniger als 200 Läufer am Start. 12 Jahre später ist die Teilnehmeranzahl auf das Fünfzehnfache angestiegen. Der Marathon in der „citta del tricolore“ hat große nationale Bedeutung erlangt. Immerhin wurde dort die italienische Fahne kreiert, der Nationalstolz ist überall spürbar.

Ernst und ich reisen am Vortag mit dem Auto an, mit 5 ½ Stunden für die 650 km von der Steiermark aus ist die Fahrt ähnlich lang wie einige Wochen zuvor nach Ravenna. Das Corallo-Hotel ist ca. 2,5 km vom Zentrum der Altstadt entfernt, doch hier gibt es reservierte Gratisparkplätze. Ich kam 2001 mit dem Zug aus Bologna, damals schneite es. Im Zweisternhotel funktionierte die Heizung nicht, mit dicker Winterjacke kauerte ich im kalten Bett und wartete bis der nächste Morgen anbrach. Der Portier war auch der Hotelbesitzer, er war schlecht gelaunt, zum Frühstück gab es nur einen schwarzen Kaffee und altes Weißbrot. Damals war ich gut in Form, ich trotzte den Widrigkeiten vor Ort.

Daran denke ich, als wir gegen 15 Uhr zur Expo bei besten äußeren Wetterbedingungen für einen  Marathon spazieren. Schnee hat es für mich bei der Anfahrt nur am Wechsel gegeben, ab der südlichen Steiermark war alles trocken. Wie es auch bei anderen Läufen vorkommen kann, wird die genaue Adresse der Expo im Programmheft nicht angegeben. Wir fragen uns durch, ein Polizist sagt: „Tre cento metri siempre dritto e allora a sinistra…“ Ernst hat einen Dolmetscher neben sich, der so tut, als spreche er gut Italienisch. Aber wir finden hin, zunächst zum Start- und Zielbereich beim Corso G. Garibaldi, dann geht es weiter in eine Seitengasse zu einer großen Sporthalle. Dort ist die Expo.

 
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Im ersten Stock werden die Startnummern ausgegeben, das Startpaket muss man sich dann wieder im Parterre abholen. Mir fällt eine Art Ausstellung direkt neben der Nummernausgabe auf, die einem Marathonläufer namens William Govi gewidmet ist. Er starb heuer am 24. August erst 57-jährig nach langer schwerer Krankheit. Er war einer der vier Mitbegründer des 100 Marathonclub Italiens. William hat weit über 700 Marathons gefinisht. Für Hartmann Stampfer, Südtiroler und auch Mitglied beim 100 Marathon Club Austria, war er ein lustiger Mensch, der in seinem Haus bei Reggio Emilia eine Art Marathon-Museum eingerichtet hat.

Von jedem Mitsammler, der mehr als 100 Marathons absolviert hat, wollte er ein persönliches Präsent für sein Museum. Auch Gerhard Wally hat in einem kurzen Blog von William Govi Abschied genommen. Seine Witwe und die Mutter sitzen nun hier einsam und stumm neben den Tischen, auf denen viele Relikte von William aufgelegt sind. Läufer klopfen sanft mit der Faust auf ein großes Panoramafoto, das mit Anstecknadeln auf einer Styroporwand befestigt ist. Viele auch nichtitalienische Marathonläufer haben ihn gekannt, natürlich auch unser Chefredakteur. 

Wir holen unser Package mit der Startnummer, an die ein abnehmbarer Chip vom timing data service geklammert ist. Zudem gibt es ein Funktionsshirt in Gelb, das man vorher dank aufgelegter Probeleibchen betreffend Passform überprüfen kann. Weiters ist die Zeitschrift „marathon – la rivista per chi ama correre“ sowie ein Bon für die Pastaparty beigelegt – genau genommen bekommt man um 4,20 Euro zwei Gänge in einem Lokal im Subterrain. Ernst entdeckt schon beim Durchblättern der 10 x im Jahr nur auf Italienisch erscheinenden Rivista gleich einige neue Marathons im kommenden Jahr, die er sich als Italienliebhaber notiert.

 
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Am Renntag ist Tagwache um 6 Uhr 30, ab 7 Uhr wird ein Buffet-Frühstück angeboten – im Preis von 65 Euro ist ein Late-Check out bis 15 Uhr inkludiert. So lassen wir das Gepäck im Zimmer und marschieren um 8 Uhr 20 los über die viale Regina Margeritha in südliche Richtung zum Bahnhof, die Unterführung durch, weiter die via Roma, bis wir auf die via Emilia San Pietro stoßen. Nun geht es  noch ca. einen Kilometer nach Westen zum Startbereich.

Es hat leichten Morgenfrost, ich bin froh, dass ich wieder meine Handschuhe dabei habe. Ernst hat sich ebenfalls dick angezogen, doch einige Läufer sind so leicht gekleidet, dass sie vor Kälte frösteln und mit den Zähnen klappern. Die Stimmung ist großartig, die Italiener betrachten den Lauf über 42,195 km hier als nationale Zusammenkunft der Marathonläufer des Landes. Daher wurde die Schlusszeit auch auf 6 Stunden ausgeweitet, 2001 waren es noch 5 gewesen. Eine „Militärband“ formiert sich und probt zunächst, dann stellen sich die Uniformierten im Tarnanzug und mit Instrumenten ausgestattet statt armiert zu sein im Startbereich auf und spielen im flotten Laufschritt die „Fratelli d’Italia“. Ich mag den Refrain der italienischen Nationalhymne sehr: „Stringiàmci a coòrte, siam pronti alla morte. Siam pronti alla morte, L'Italia chiamò. Stringiàmci a coòrte, siam pronti alla morte. Siam pronti alla morte, L’Italia chiamò!” Bei der kommenden Fußball-WM wird diese musikalische Passage wieder für Hunderte Millionen Menschen, die mittels TV zuschauen, zu einem Ohrwurm werden.

 
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Ernst verliere ich aus den Augen, er stellt sich in den Block 3:30 bis 4 Stunden. Er wird diesen Marathon wie die meisten seiner bisherigen 173 nur einmal laufen. Hartmann ist da noch konsequenter: Er hat bisher 199 Marathons an ebenso vielen Plätzen bestritten, sein 200. Marathon wird voraussichtlich nächstes Jahr in London sein. So kommt er kommendes Wochenende extra nach Wien zur nach dem Indoor-Marathon angesetzten Cubsitzung, wird aber nur beim 10 km-Lauf und beim Halbmarathon starten, während 12 Mitglieder unseres 100 Marathon Club Austria die volle Distanz laufen werden.

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