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Laufberichte

Maraton Solidarności Danzig

15.08.13

Schon mal was von Steffen Möller gehört? Bei uns hält sich seine Bekanntheit in Grenzen, in Polen jedoch ist er ein großer Star. Er spielte einige Jahre lang in einer polnischen TV-Serie einen deutschen Bauern. Außerdem ist er in Polen als Kabarettist unterwegs. Durch ihn wurde das Bild vom modernen Deutschen in Polen geprägt. Steffen Möller hat inzwischen auch zwei humoristische Bücher über seine Erlebnisse im nordöstlichen Nachbarland geschrieben, mit denen man sich wunderbar auf eine Reise nach Polen einstimmen kann. Soweit ich weiß, ist  Möller kein Marathonläufer, aber das kann ja noch werden.

Nach unserer schönen Urlaubswoche in der Trójmiasto, der Dreistadt Danzig (Gdańsk), Zoppot (Sopot) und Gdingen (Gdynia) im letzten Jahr haben wir uns entschieden, noch einmal einen Marathon-Kurzurlaub an der Ostseeküste zu verbringen. Nach einstündigem Flug aus München landen wir auf dem Flughafen Lech Wałęsa. Mit dem Bus sind es nur 7 km nach Danzig, für die wir staubedingt eine geschlagene Stunde benötigen.

Wir holen uns noch am Abend die Startunterlagen in Gdynia (S-Bahnhof Gdynia Maximilianska) ab. Dort einfach durch eine lange Unterführung und schon steht man an einem kleinen Park, an dessen Ende sich eine Sporthalle befindet. Die Unterlagen gibt es bis 22 Uhr (Personalausweis mitbringen). Dieses Jahr mit Funktionslaufshirt, Deo oder Fußbalsam vom bei uns unbekannten, aber in Polen überall präsenten Sponsor Ziaja. Am Stand vor der Halle dann noch ein kostenloser Energiegel. Dergleichen „Marschverpflegung“ ist interessanterweise in Polen teurer als bei uns.

Wer möchte, kann in der Turnhalle kostenlos übernachten. Abholung und Nachmeldung sind auch am Marathontag möglich. Die Kommunikation geschieht mit einfachem Englisch sowie Händen und Füßen. Ansonsten sprechen die Polen gut Englisch, viele Ältere auch Deutsch, aber nach meiner  Erkenntnis beschränken sich Marathonläufer ganz aufs heimische Idiom - oder wie sollte man es sonst deuten, dass man oft auf Polnisch angesprochen wird und das Gespräch sofort verstummt, wenn man Englisch antwortet. Schade.

Dieses Jahr gibt es auch eine Pasta-Party in einem Vier-Sterne-Hotel in Sopot (28 Złoty bzw. 7€). Leider sind wir zu spät dran. Also gehen wir zum Italiener. Hier kann ich gleich mal wieder berichten, dass die Lokale in Polen immer noch wesentlich günstigere Preise haben als bei uns. Aber man muss viel Zeit mitbringen.

In Polen ist das katholische Fest Mariä Himmelfahrt ein Feiertag, an dem nun zum 29. Male der Marathon ausgetragen wird. Er dient dem Gedenken der bei den Werksunruhen im Sommer 1980 umgekommenen Arbeiter der einstigen Lenin-Werft und der sportlichen Ertüchtigung. Für die Teilnehmer aus den Reihen der Gewerkschaft Solidarnosc sowie die Sportler aus der Trojmiasto gibt es eine eigene Wertung.

Nachdem Mariä Himmelfahrt meist nicht auf einen Sonntag fällt, wäre der Termin ideal für Vielläufer und Sammler und natürlich für einen Kurzurlaub. 2014 fällt Mariä Himmelfahrt übrigens auf einen Freitag!

Wettertechnisch ist es ein gewisses Lotteriespiel. Hier im Norden regnet es im August häufig, es kann aber auch sehr heiß werden. Im Jahr 2010 hatte es beim Marathon 30 Grad. Dieses Jahr sind wir um 8:00 Uhr schon bei 16 Grad, es ist aber bedeckt.

 
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Den Kleidertransport übernehmen zwei Busse, die noch etwas auf Nachzügler warten. Um 9:45 Uhr beginnt der offizielle Teil der Veranstaltung  am Denkmal für die gestorbenen Werftarbeiter. Es gibt kurze Ansprachen und eine Blumenniederlegung durch Politiker der beteiligen Städte. Hier ist auch viel Presse und Fernsehen dabei. Danach gehen wir alle  zum nahen Startbogen. Dieses Jahr sind auch Pacemaker mit ihren Luftballons dabei.

Gdingen ist eine junge Stadt. Erst nach der Einrichtung des polnischen Korridors nach dem ersten Weltkrieg baute Polen das einstige Fischerdorf zu einem strategischen Hafen aus. Daher gibt es hier keine älteren historischen Gebäude. Der Hafen existiert immer noch mit einem Museums-Kriegsschiff und einem Segelschulschiff. Außerdem gibt es am großen Pier ein Aquarium und viele nette kleine Lokale. Leider kommen wir im Rahmen des Marathons nicht dort vorbei. Wir laufen die schöne Haupteinkaufsstraße leicht bergab, um nach einem 180-Grad-Schwenk die Parallelstraße wieder bergauf zu laufen. So bleibt der Kurs ein Weilchen ganz leicht hügelig. Die nächsten Kilometer führen uns auf einer schönen Allee Richtung Sopot.

 
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Zuschauer gibt es einige, natürlich besonders am S-Bahnhof, in deren Nähe ja der Start ist. Dieses Jahr wird auch mehr aktiv angefeuert.

Judith ist super drauf und zieht mit mir den 4 Stunden-Läufern davon. Ich fühle mich schon bei Kilometer 7 nicht so richtig wohl. Mal sehen. Wir laufen ein Stück hinter Christoph her. Der ist im physiotherapeutischen Bereich tätig und wahrscheinlich schon deshalb super vorbereitet.

Kurz vor Kilometer 9 kommen wir nach Sopot, hier gab es zwischen den Weltkriegen eine Grenze zwischen Polen und der freien Stadt Danzig. Sopot ist der Sommer-Hotspot Polens. Die Amüsiermeile heißt Bohaterow Monte Cassino und führt bis ans Meer zur Mole, Sopots Wahrzeichen und mit 512 Metern die längste hölzerne Seebrücke Europas. 

In Sachen Nachtleben ist hier einiges geboten. Männliche Marathonteilnehmer möchte ich nicht vorenthalten, dass viele Polinnen selbst an kühleren Abenden sehr kurz bekleidet und auf extrem hochhackigen Schuhen unterwegs sind. In „Der Bettelstudent“ werden die polnischen Frauen so beschrieben:

Die Polin hat von allen Reizen
Die exquisitesten vereint;
Womit die andern einzeln geizen,
Bei ihr als ein Bukett erscheint.
Die Nase hat sie griechisch-römisch,
Glutaugen von der Spanierin,
Der üpp'ge Mund ist slawisch-böhmisch,
Und lieblich wienerisch das Kinn.
Von der Pariserin das Füsschen,
Und von der Britin die Figur,
Von allem Reizenden ein bisschen,
Doch immer grad' das Beste nur.
Sie borgt sogar von der Mongolin
Etwas Pikanterie vielleicht -
Und g'rade dadurch wird die Polin
Von keinem andern Weib erreicht!

Leider folgt der Laufweg hier der Hauptverbindungsstraße zwischen Gdynia und Gdansk, sodass man von der Stadt und dem bunten Treiben nicht viel sieht. Ihr müsst also unbedingt auch außerhalb des Laufes vorbeikommen oder gleich in einem der vielen Hotels in Sopot übernachten.

 
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Verpflegungsstellen gibt es alle 5 Kilometer mit Wasser und Iso-Getränken. Spätestens ab Kilometer 20 auch mit Bananen und Zuckerstücken. Das ist in diesem Jahr neu und mir sehr willkommen. Leider gibt es auch nur alle fünf Kilometer eine Kilometermarkierung. Und die Feuerwehren der beteiligten Orte machen sich einen Spaß daraus,  die Läufer zu bespritzen.

Im März 2014 wird übrigens in der neuen Ergo-Arena in Sopot die Leichtathletik-Hallenweltmeisterschaft ausgetragen.

Hinter Sopot kommen wir nach Gdańsk oder Gduńsk, wie es auf Kaschubisch heißt. Wir sind im Stadtteil Oliwa, bekannt für seine Kathedrale – die aber auch nicht an der Laufstrecke liegt.

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