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Grand Raid Dentelles Ventoux: Trailrun in der Provence

16.05.09

Der “Grand Raid Dentelles Ventoux“ ist ein 100 km Trailrun mit 5160 Höhenmetern. Der Lauf beginnt in dem Ort Gigondas der für seine hochwertigen Rot- und Roséweine bekannt ist.

Wie üblich bei solchen Läufen gibt es eine Liste an Pflicht-Ausrüstung, die bei der Ausgabe der Startnummer überprüft wird. Hier werden unter anderem ein ärztliches Attest, eine geeignete Lampe, Verpflegung mit mindestens 3000 Kalorien, eine wasserdichte Jacke und eine Pumpe, um Schlangen- und Insektengift zu entfernen, verlangt.

Freitag, den 15. Mai ist es dann soweit. Ich hole die Startnummer ab und treffe dort auch direkt auf zwei weitere deutsche Läufer. Abends besuche ich mit meiner Frau die Pasta Party. Dort wird man herzlich von den Helfern empfangen und an einen der runden Tische gebracht. Wir sitzen zu zehnt und lassen uns die vielen frisch zubereiten Köstlichkeiten schmecken. Die Nudeln und die Sauce werden ebenso an den Tisch gebracht wie die Getränke. Es gibt eingelegte Tomaten, Weißbrot, Käse, Wein, Bier, Wasser und ein Dessert.

Samstag, den 16. Mai 3:30 Uhr, ich checke zum letzten Mal meine Ausrüstung und begebe mich an den Start. Dort treffe ich wieder die zwei Deutsche vom Vortag. Wie es aussieht, sind wir die einzigen Landsleute, die bei dieser 10. Auflage am Start sind.

4:30 Uhr -  der Startschuss zum Grand Raid ist gefallen. Zirka 240 Starter beginnen in dieser sternenklaren Nacht das Rennen. Es geht gleich steil bergauf, die ersten Höhenmeter beginnen direkt hinter dem Start. Ich reihe mich in der Mitte ein und versuche,  mich nicht in der Euphorie zu einem zu hohem  Tempo mitreisen zu lassen. Es funktioniert ganz gut, das Feld zieht sich sofort auseinander und man sieht, wie sich der Lindwurm den Berg hinauf schlängelt. Nach wenigen Metern geht es von der Teerstraße ab auf einen breiten Feldweg. Es ist noch stockdunkel und meine Lampe weist mir den Weg. Die Markierungen reflektieren und sind somit sehr schnell und leicht zu entdecken.

 
© marathon4you.de 23 Bilder

Nach den ersten Höhenmetern geht es bergab und ich nehme wieder Fahrt auf. Die erste Versorgung ist bei Kilometer 18 mit einem Zeitlimit von vier Stunden. Das sollte doch leicht zu schaffen sein. Gerade als ich mir darüber Gedanken mache, führt der Weg an einem Abhang vorbei. Eine recht gefährliche Stelle, die ich mit der üblichen Vorsicht nehme. Es dämmert gerade und ich habe bei diesen Lichtverhältnissen so meine Defizite. Für die Lampe ist es schon zu hell und ohne ist es noch zu dunkel. Ich lasse hier einige vorbeiziehen, da ich Angst vor einem Sturz habe.

Dann geht es aber recht schnell und ich erreiche den See “Lac du Paty“. Ein traumhaft schöner Anblick, vor allem weil ich mir die Zeit nehmen kann diese schöne Stelle ausgiebig zu betrachten. Die ersten 18 Kilometer schaffe ich in 2:30 und habe mir damit ein gutes Polster erarbeitet.

Dann geht es weiter Richtung Curnier bei Kilometer 30. Dabei sind 629 Höhemeter zu überwinden. Das Stück führt durch dicht bewachsene Singletrails und über die üblich schlechten Wege. Aber alles läuft gut und ich erreiche die Cut-off- und Verpflegungsstelle.

Ich fülle meine Trinkblase auf und will mich wieder auf den Weg machen. Ein Helfer spricht mich an, mit der Bitte meine Ausrüstung zu überprüfen. Obwohl ich ihn genau verstehe gebe ich mich ahnungslos und er überprüft erstmal den Rucksack eines Franzosen. Bevor er sich mir zuwendet, stehle mich davon. Die Pflichtausrüstung habe ich ja dabei, aber ich habe keine Lust, das ganze Zeug aus- und wieder einzupacken.

Bis zur nächsten Verpflegungsstelle sind es zirka 9,5 Kilometer mit 1536 Höhenmetern. Jetzt steht der harte Anstieg auf den Mont Ventoux an. Vor diesem Anstieg habe ich großen Respekt. Viele Legenden ranken sich um diesen Berg. Wir haben jetzt 10 Uhr und es ist kein Wölkchen am Himmel. Ich ahne, was da jetzt auf mich zukommt, denn ich kann schon den weißen Gipfel des Ventoux erkennen. Er ist weit entfernt und die Wetterstation ragt wie ein überdimensionaler Pfeiler in den Himmel.

Sein wie ewiges Eis schimmernder Gipfel  übt seit Menschengedenken einen besonderen Reiz aus. Sein Name bedeutet “Der Windige“. Im Sommer ist es möglich,  dass erstickende Hitzewellen von Hagelstürmen und Schneefall abgelöst werden. Die Winde wehen aus allen Richtungen und Stürme bis zu 250 km/h sind keine Seltenheit. Den Mistral nennt man ein Kind dieses Berges, hier kühlt er ab, um dann durch das Rhonetal bis ans Mittelmeer zur stürmen.

 
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Heute zeigt sich der Berg aber von einer anderen Seite. Die Sonne scheint gnadenlos vom strahlend blauen Himmel und lässt den Berg noch mächtiger erscheinen. Ich ziehe meine Legionärskappe auf, um mich vor der Sonneneinwirkung zu schützen. Meine Stöcke klackern und ziehen mich Meter um Meter weiter den Berg hinauf. Der Untergrund wechselt ständig und kommt mir entgegen.

Nachdem ich jetzt eine Stunde unterwegs bin, kommen mir Zweifel auf, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin. Habe ich vielleicht eine Abzweigung verpasst? Niemand vor und niemand hinter mir, das kann doch nicht sein. Eine Markierung habe ich auch schon lange nicht mehr gesehen. Ich bleibe stehen und warte einige Minuten, ob nicht jemand von hinten aufläuft. Aber nein, nix und niemand ist zu sehen. Es hilft nichts, ich muss wieder absteigen, bis ich eine Markierung finde. Nach ewigen fünf Minuten kommt mir dann ein Läufer entgegen.
Ich war doch auf den richtigen Weg, so ein Mist!

Drei Stunden brauche ich für den anstrengenden Gipfelsturm. Jetzt sind es nur noch einige Geröllfelder, die ich überwinden muss. Der Gipfel des Mont Ventoux schimmert weiß, als sei der “Riese der Provence“ mit Schnee bedeckt. Aber in Wirklichkeit ist er mit hellen Bruchsteinen und riesigen weißen Geröllriffen bedeckt. Ich erreiche die Kappelle und sehe Sabine nur wenige Meter weiter auf der Aussichtsterrasse stehen. Jetzt geht es auf die Straße, die letzten Meter hoch bis zu Gipfel auf 1912 m.

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