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Laufberichte

Alexander-der-Große-Marathon

 

Auf den Spuren von Alexander Superstar  

 

Marathonlaufen in Griechenland – damit verbindet man als halbwegs marathongebildeter Mitteleuropäer meist nur einen Lauf: Den Klassiker vom berühmten Schlachtfeld bei Marathon hinein in die griechische Hauptstadt. Läufer aus aller Welt treibt es dorthin, um auf Pheidippides Spuren laufend den Geist der Antike zu erspüren. Die Realität für weniger humanistisch inspirierte Läufer ist allerdings häufig durch die Erkenntnis geprägt: Viel Ödnis, reichlich Profil und den Athenern ist der touristische Läuferauftrieb, um es plakativ auszudrücken, schnurzpiepegal.  

Den Geist der Antike beschwört aber noch eine andere griechische Veranstaltung, die unter Läufern hiesiger Breiten allerdings bisher weitestgehend unbekannt ist. Alexander-der-Große-Marathon – griechisch Διεθνής Μαραθώνιος Μέγας Αλέξανδρος - nennt sie sich und wird seit 2006 auf einem Punkt-zu-Punkt-Kurs zwischen dem Städtchen Pella und Thessaloniki ausgetragen. Der Kurs verbindet damit geschichtsträchtig die einstige Hauptstadt des antiken Makedonien mit der  Kapitale der gleichnamigen heutigen griechischen Provinz.

 
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Mit dem Namen ehrt die Veranstaltung den berühmtesten Sohn Makedoniens. In Pella anno 356 v. Chr. Geboren, dehnte Alexander der Große von hier aus in seinen berühmten Feldzügen den hellenistischen Herrschafts- und Einflussbereich bis zum indischen Subkontinent und nach Ägypten aus. Und auch heute noch ist das Gedenken an „Alexander Superstar“ in der Region omnipräsent.

Fast 18.000 (!) Läufer, davon 1.700 Marathonis, sind anlässlich des 10-jährigen Jubiläums 2015 gemeldet und zeugen davon: Griechenlands zweitgrößte Laufveranstaltung hat sich zum Magneten entwickelt. Allerdings bislang nur bei den „Locals“. Gerade einmal bei 7 % liegt die Ausländerquote. Andererseits: Wer nicht nur das Laufen, sondern auch griechischen Flair und griechische Lebensart liebt, dem sei schon vorab gesagt: Hier läuft Griechenland.  

 

Flammender Auftakt

 

Auf die besondere Symbolkraft des Feuers setzt nicht nur bei Olympia. Mit der „Alexander Flamme“ wird auch hier ein besonderes Zeichen gesetzt. Offiziell entzündet wird sie in einer feierlichen Zeremonie am Vortag des Laufs im Archäologiepark von Pella und dann in einer Staffel, von Motorrädern und Polizei eskortiert, bis zum „Weißen Turm“ in Thessaloniki, dem Zielpunkt des Marathons, getragen. Dort brennt sie in einer Schale, bis der letzte Läufer die Ziellinie passiert hat.

 
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Direkt zu Füßen des „Weißen Turm“, am Ufer des Thermaischen Golfs im Stadtzentrum gelegen, schlägt auch im Übrigen das Herz der Veranstaltung. Einst war der mächtige, monolithische  Rundturm Teil der mittelalterlichen Befestigungsanlage, später Garnison und Gefängnis („Blutturm“). Heute ist er Museum und schlicht: DAS Wahrzeichen Thessalonikis. Bis zum letzten Jahr war hier auch die  Marathon-Expo angesiedelt, doch die hat man auf das Gelände der einen knappen Kilometer entfernten HELEXPO ausgelagert. Hier, in einer der Hallen des weitläufigen Messegeländes Thessalonikis, bekommt man seine Startnummer, kann ein wenig shoppen …. oder auch ganz schnell wieder das Weite suchen.

Denn in der Innenstadt nahe dem Weißen Turm gibt es viel zu entdecken. Uralte Kirchen erinnern als einsame Zeugen an eine ferne Zeit. Sie sind Inseln der Ruhe im quirligen Hexenkessel der Stadt. Ihnen verdankt Thessaloniki aber immerhin den Weltkulturerbe-Status der UNESCO. Von einer ganz anderen Seite präsentiert sich griechisches Leben im Labyrinth bunter Marktgassen nahe dem zentralen Aristoteles-Platz. Wem nach Chillen zumute ist, der hängt die Zeit in einer der zahllosen schicken Bars entlang der Uferpromenade oder in den Kneipen und Cafes des Ladadika-Viertels ab. Oder fährt mit dem Bus 23 hinauf in die Oberstadt nach Eptapyrgio, um auf mittelalterlichen Gemäuern thronend in luftiger Höhe ganz entspannt den Blick über die ganze Stadt und den Thermaischen Golf schweifen zu lassen. Und der ist heute ein ganz besonderer: Denn er reicht bis weit in die Ferne, bis zum schneebedeckten Gipfel des Olymp.  

 
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Spätestens um 18 Uhr sollte man aber wieder beim Weißen Turm sein. Immer mehr Menschen sammeln sich und warten auf die Ankunft der „Flamme“. Eine große Bühne ist direkt vor dem Turm aufgebaut, Fahnen wehen, alles in blau-weiß. Die Abendsonne blinzelt durch die Pinien am Meeresufer und lässt das Wasser erleuchten. Eine wundervolle Szenerie. Ein Chor probt noch einmal, Folkloregruppen formieren sich um ihre Banner. Aber die Flamme lässt auf sich warten. Mit Freibier von Amstel lässt sich die Zeit jedoch bestens überbrücken.

Dann ist es soweit. Die Flamme rollt an. Im Sinne des Wortes. Denn ein Rollstuhlfahrer, eskortiert von Trachtlerinnen, darf sie das letzte Wegstück bis zur Bühne tragen. Der Chor stimmt seine Hymne an und getragen von viel Pathos findet die Fackel den Weg zum Feuerkelch. Der Marathon ist offiziell eröffnet. Jetzt ist die Stunde der Folkloregruppen gekommen. Aus ganz Griechenland sind sie angereist. In ihren verschiedenen Trachten bieten sie ein ungemein farbenfrohes wie zeitentrücktes Bild. Das gilt für die Klänge der Musik ebenso wie für die traditionellen Tänze, die sie nach- und miteinander inmitten des Publikums vor der Bühne aufführen. Nichts hat das mit der Bouzouki-Sirtaki-Seligkeit  zu tun, wie sie unser Griechenlandbild prägt. Ein einmaliges Erlebnis und ein wahrlich besonderer Marathonauftakt.

 

Start unter den Augen Alexanders

 

Früh aufstehen heißt es am Sonntagmorgen. Denn wer nicht schon am Startort logiert, muss erst einmal dorthin gelangen. Zumindest über das „wie“ muss man sich aber keine Gedanken machen. Denn die Anreise zum Start ist vom Veranstalter bestens organisiert. So kommt es, dass schon um 6:00 Uhr ein Shuttlebus nach dem anderen das Stadtzentrum verlässt und das Läuferrudel durch die ausklingende Nacht hinaus ins scheinbare Nirwana chauffiert. Auf der Fahrt nach Pella können wir uns, soweit es Morgenmüdigkeit und Dunkelheit zulassen, schon einmal mit unserem Streckenkurs vertraut machen, nur eben in umgekehrter Richtung. Dieses Vorstartprozedere weckt bei mir Erinnerungen: Genauso läuft es beim Marathon in Athen ab. Und während der Bus fährt und fährt, stellt sich bei mir im hier und heute wie anno 2006 ein gewisses Gefühl der Ungläubigkeit ein: Und diese schier endlose Distanz soll ich zurück laufen?  

 
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Bereits im Morgenlicht erreichen wir Pella, eine beschauliche, gemütliche Kleinstadt, vor allem bekannt wegen ihres Ausgrabungsgeländes am Ortsrand. Von dem bekommen wir aber nichts mit, dafür umso mehr vom hübschen Hauptplatz im Zentrum. Rund um die stoisch und heroisch über allem thronende Reiterstatue Alexander des Großen tobt hier das Läufergetümmel. Bestens ist die Stimmung, laute Musik und Trommlergruppen heizen diese zusätzlich an. Dass der dichtbewölkte Himmel sich just vor dem Start anschickt, uns mit ersten Tropfen auf ein Regenrennen einzustimmen, stört wohl niemanden. Kurz vor acht rücken wir zusammen, auf Griechisch werden die letzten Sekunden herunter gezählt. Dann geht es los: Mit großem Gejohle ergießen sich die Läuferscharen unter dem Startbanner hindurch auf die Strecke.

 

Ethniki Odos 2 – das Erlebnis von Endlosigkeit

 

Zusätzlichen Schwung verleiht uns das Gefälle auf den ersten paar hundert Metern. Nach einem schnellen Startkilometer verabschiedet uns ein großes, über die Straße gespanntes Banner aus Pella.

Bereits kurz danach zweigen wir nach links ab auf die Nationalstraße 2. Die Ethniki Odos 2, wie sie auf Griechisch heißt, ist eine der zentralen West-Ost-Verkehrsverbindungen auf dem griechischen  Festland. Von der albanischen Grenze im Nordwesten reicht sie bis zur türkischen Grenze ganz im Osten und misst stolze 630 km, eine Distanz, die man in einem kleinen und landmassenmäßig doch ziemlich zerrupften Land wie Griechenland kaum vermuten würde. Auf den ersten der etwa 30 Kilometer, die wir ihr von Pella in Richtung Thessaloniki folgen, ist die N 2 heute komplett für den Verkehr gesperrt.

 
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Sehr angenehm ist das, sehr entspannend. Reichlich Auslauf bietet die Straße. Dank des flachen Profils mit einem Nettogefälle von gerade einmal 40 Metern zwischen Start und Ziel und quasi nicht vorhandener Kurven kann man tempomäßig so richtig den „Asphalt brennen“ lassen, vorausgesetzt, man hat PB-Ambitionen und ist entsprechend trainiert. Nun ja, nicht verschweigen will ich, dass es zwischendurch schon ein paar Steigungen gibt, aber Dramatisches ist nicht dabei. Jeder Kilometer ist ausgeschildert, alle fünf Kilometer gibt es sogar fest installierte Metallschilder, die die zurückgelegten Kilometer kennzeichnen.  

Aber zurück zum Streckenverlauf: Wollte man ihn kategorisieren, müsste man ihn wohl den Landschaftsläufen zuordnen, mit einer gehörigen Portion „City“ zum Abschluss. Reichlich Natur säumt außerhalb Pellas unseren Kurs. Über weite Wiesen mit vereinzelten Bäumen, Büschen, und Gehöften, reicht der Blick. Saftig grün ist jetzt im Frühling alles. Warum das so ist, dürfen wir heute sehen und fühlen, nachdem uns gestern noch eitel Sonnenschein in Thessaloniki verwöhnte.   

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