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Laufberichte

Adria Advent Marathon in Crikvenica ...

 

... mit Windböen um die 200 km/h


Als Werner seinen Volvo mit Ernst und mir in einer Fahrgemeinschaft nach rund 5 Stunden Autofahrt über Slowenien am Samstag gegen 14 Uhr im kroatischen Crikvenica einparkt, hat der Regen längst aufgehört und die Lufttemperatur am Nachmittag hat laut Außenthermometer immerhin 8 Grad C. Die an die 12.000 Einwohner zählende Stadt in der Kvarner-Bucht, ca. 30 km von Rijeka entfernt, gilt wegen ihres milden Mittelmeerklimas als beliebter Fremdenverkehrsort. So gesehen sind die Voraussetzungen für einen Marathon geradezu ideal.

Da unsere Hotels im nahen Selce  zwei Kilometer weiter östlich liegen, beschließen wir zuerst die Startunterlagen abzuholen und anschließend nach einem Spaziergang etwas zu essen. Während Werner im Kofferraum nach einer Jacke sucht, gehe ich ein Stück voraus, übersehe eine Betonstufe und stürze. Mit den Händen fange ich den Sturz ab, schlage mir aber etwas das linke Schienbein auf. Das fängt also gut an.

Wir schlendern in die Nähe des Starts am Hafen, dort werden vom Veranstalter die Startunterlagen ausgegeben. Bei einer Gebühr von 25 Euro, die ich an das deutsche Zeitmessungsunternehmen Meisterchip überwiesen habe, kann man nicht allzu viele Beigaben erwarten. Ein T-Shirt in Baumwolle wird in einer Jute-Tragetasche zusammen mit einem Prospekt in Kroatisch über die Region und je ein Essensbon für die Pasta-Party und nach dem Zieleinlauf ausgegeben.

 
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Bei der Pasta-Party werden diverse Nudelgerichte angeboten, doch da ich schon zuvor im Restaurant Spaghetti Bolognese und als Nachspeise Pfannkuchen mit Marmelade gegessen habe, kann ich mich im Gegensatz zu den vielen anderen Läufern, die mehrmals nachfassen, nicht so richtig dafür begeistern. Getränke muss man sich selbst bestellen bzw. bezahlen. Die Stimmung ist gut, ein Alleinunterhalter spielt am Keyboard und singt dazu „Jugo“-Musik, die man von früheren Aufenthalten noch im Ohr hat. Ich war allerdings zum letzten Mal vor 30 Jahren in der Gegend unterwegs auf dem Wege nach Krk. Dobrovnik hingegen kenne ich von Stopps mit Kreuzfahrtschiffen.

Die meisten Läufer an den Tischen sprechen eine Balkansprache, also Kroatisch, Serbisch oder Slowenisch. Es sind auch etliche Italiener anwesend, einem Läufer bin ich erst vor einigen Wochen in Ravenna begegnet.

Der Nachthimmel ist sternenklar, doch es ist kälter geworden und ein wenig spürt man auch den Wind. Als ich am Morgen auf die Terrasse gehe, erblicke ich umgestürzte Blumentöpfe nahe der Hoteleinfahrt, abgerissene Äste und ein aufgepeitschtes Meer. Es ist sehr windig, obwohl das Marina in einen Berghang hineingebaut ist. Und es ist keinesfalls mehr mild, wie gestern am Nachmittag, sondern recht kalt. Der Portier hat mir noch am Abend einen Urlaubsprospekt in Deutsch überreicht, in dem auf Seite 6 steht: „ Crikvenica wird durch die Hänge des Kapela-Gebirges im Norden und durch die Inseln Krk im Süden vor starken Winden geschützt.“ Da kann beim Marathon dann ja nichts schiefgehen.

 
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An den Frühstückstischen sitzen fast nur Italiener, mit 54 Euro ist das Marina für hiesige Einkommensverhältnisse vielleicht etwas zu teuer, obwohl man das Hotel weiterempfehlen kann. Wir checken gegen 9 Uhr aus, der Start des Marathons über zwei Runden ist um 10 Uhr angesetzt. Eine halbe Stunde später folgt der Halbmarathon und um 11Uhr dann der Fun-Run über 5 km. An die 160 Läufer sind für die 42,195 km registriert, insgesamt scheinen in der Melde-Statistik von Meisterchip 681 Starter in allen Disziplinen auf.

Am Start beim Stjepan Radic Platz direkt beim Hafen erblicke ich einen mir seit Jahren bekannten Läufer aus Serbien. Er heißt Vojislav und ist Mitglied beim Club Supermarathon in Italien. Trotz einer eigentlich schweren Behinderung  – sein linker Arm baumelt herab und ist nervlich gesehen nicht mehr willkürlich steuerbar – läuft er fast immer unter 4 Stunden. Seit heuer befindet er sich in der Altersklasse M-60. Egal wie kalt es ist, er ist immer mit kurzer Laufhose und Singlet anzutreffen. Ich bin richtig froh, die Winterlaufhose mitgenommen zu haben, doch bei der Wahl des Langarm-Shirts hätte ich mich für ein wärmeres entscheiden sollen.

 
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Wir stellen uns unterschiedlich auf: Ernst (M-45) weiter vorne, Werner (M-50) in der Mitte und ich (M-55) fast ganz hinten – so entspricht es der Laufleistung. Nach dem Startschuss geht es nach Osten in Richtung Selce, wo auch das Marina liegt. Der Wind stört am Beginn des Marathons nicht, weil er aus Nordwest kommt und in gewissen Streckenabschnitten sogar anschiebt. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, doch heftige Sturmböen peitschen das Meerwasser in der Kvarner-Bucht auf. Ob ein Surfer bei Windstärke 7 oder mehr es schaffen würde, so zu kreuzen, dass er je wieder an die Nordseite käme? 

Kaum bin ich beim Hotel Marina vorbei, kommen mir auch schon die Schnellen aus der Spitzengruppe nach der Wende um Selce-Slana bei Kilometer 5 entgegen. Ich laufe 11 km/km, die Spitzengruppe an die 16 km/h. Bald kommt auch Ernst, etwas später dann Werner. Vor der Wende wird gerade ein Tauchgang vorbereitet - ich selbst habe einen CMAS-Tauchschein und Taucherfahrung am Roten Meer und im Great Barrier Reef, doch mich würde es keine Sekunde reizen, bei der Kälte auch mit dem dicksten Neoprenanzug in die Adria zu steigen. Knapp dahinter ist dann die erste Labe aufgebaut, die ich aber erst nach der Wende beanspruchen werde.

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