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Laufberichte

Einmal auf den Mount Everest und wieder zurück

18.04.08

Wer träumt nicht davon? Einmal den Mount Everest, den höchsten Berg der Erde, zu besteigen. Viele Mythen und zum Teil tragische Geschichten existieren um diesen Bergriesen. Der Mount Everest stellt dabei ein faszinierendes Ziel dar, das den Menschen schon seit Jahrzehnten in seinen Bann zieht. Eine Herausforderung, die sowohl körperlich wie auch mental allerhöchste Anforderungen stellt. Bei einem Lauf der etwas außergewöhnlichen Art spielte dieser Berg ebenfalls eine zentrale Rolle. Die Rede ist vom sächsischen Mount Everest Treppenmarathon. Dabei handelt es sich um den schwersten und größten Extremtreppenlauf der Welt. Es gilt 8.848 Höhenmeter, 79.400 Stufen und einen Doppelmarathon innerhalb von 24 Stunden zu bewältigen.

Mit diesen unvorstellbaren Zahlen im Hinterkopf fuhr ich, zusammen mit Kurt Süsser, Bernie Conradt und seiner Freundin Sabine nach Radebeul, wo dieser einzigartige Lauf stattfinden sollte. Radebeul – eine Stadt zum Genießen – so wirbt die Imagebroschüre der Stadt. Dies ist in Anbetracht der reizvollen Umgebung entlang der Sächsischen Weinstrasse nicht zu leugnen. Doch ob wir Radebeul als Genussstadt in Erinnerung behalten sollten, wird sich noch zeigen. Zunächst bekamen wir alle beim Anblick der Spitzhaustreppe mit ihren insgesamt 397 Stufen gehörigen Respekt. Diese wollen wir morgen hinauf- und herunter laufen? Einhundert Mal?

Am Samstag, 22. April fand um 15 Uhr das Briefing und die Startnummernausgabe für die Alleingänger im Läuferzelt statt. Laut Starterliste waren 50 Teilnehmer für den Alleingang gemeldet. Dazu kamen noch Läufer, die zeitlich versetzt als Dreier- oder in Touristenstaffeln an den Start gingen. Der Wettergott meinte es an diesem Wochenende nicht allzu gut mit uns Läufern. Es herrschten relativ kühle Temperaturen mit leichten Regenschauern. Um 16 Uhr erfolgte der Startschuss zu diesem außergewöhnlichen Laufevent. Der Parcours verlief im Rundenmodus. Eine Runde bedeutete 88,48 Meter Abstieg und 88,48 Meter Aufstieg sowie eine Strecke von 843,90 Meter. Diese wurde einhundert Mal durchlaufen und ergab somit einen kompletten Anstieg vom Meeresspiegel bis zum Gipfel des Mount Everest und wieder zurück. Da ich bisher über keinerlei Treppenlauf Erfahrung verfügte, ließ ich es verhalten angehen. Mein Plan sah zwölf Minuten pro Runde vor. Das bedeutete fünf Runden in der Stunde. Rein rechnerisch hatte man für jede Runde 14 Minuten und 25 Sekunden Zeit, um in 24 Stunden einhundert Runden zu laufen.

Die ersten Runden vergingen wie im Flug und nach 25 gelaufenen Runden hatte man den ersten Halbmarathon mit knapp 2.210 Höhenmetern absolviert. Noch nie benötigte ich fünf Stunden für diese Distanz.

Vor allem die mentale Auseinandersetzung mit dem Lauf ist für mich entscheidend in der Vorbereitung gewesen. Das monotone und immer wieder kehrende Auf- und Absteigen kann einen auf Dauer ermüden. Dieses hatte ich vorab durch stundenlanges Treppensteigen am Durlacher Turmberg in Karlsruhe simuliert. Das intensive Training kam mir, speziell mit zunehmendem Rennverlauf, zugute. Ich lief weiterhin ein gleichmäßiges Tempo mit Rundenzeiten um die zwölf Minuten.

Der Regen hatte zum Glück aufgehört und die ganze Nacht über blieb es trocken. Für mich ist es jedes Mal ein erhabenes Gefühl durch die Nacht laufen zu dürfen. Die Strecke war gut beleuchtet und an der Treppe standen zudem noch Laternen, die Licht spendeten. Mich faszinierte immer wieder die beeindruckende Kulisse der Weinberge um mich herum, die auch bei Nacht ihren Reiz hatte. Da um 22 Uhr die Dreier Staffeln und um Mitternacht die Touristenstaffeln starteten, herrschte eine hohe Frequenz auf der Treppe. Auf diese Weise kam es manchmal zu riskanten Überholmanövern, die glücklicherweise alle glimpflich abliefen.

 
Streckenbesichtigung
© marathon4you.de 4 Bilder

Als es gegen 5:30 Uhr langsam wieder hell wurde, lief ich bereits meine 65. Runde. Ich fühlte mich nach wie vor ausgezeichnet. Ohne nennenswerte Tiefs hatte ich die Nacht überstanden. Runde für Runde, Stunde um Stunde vergingen. Nach jeder Runde nahm ich einen Becher Flüssigkeit und Nahrung zu mir. Die Verpflegung war hervorragend und abwechslungsreich. Von warmen Nudeln über Riegel, Obst bis zu Muffins und Kuchen gab es alles, was das Läuferherz begehrte. Außerdem stand den Läufern ein Zelt zur Verfügung, in dem man sich umziehen und sich auf Feldbetten schlafen legen konnte. Ich blieb meiner Taktik treu, keine längeren Pausen einzulegen. Die Verlockung des warmen Zeltes mit Massagegelegenheiten und komfortablen Schlafmöglichkeiten widerstand ich.

Während des Rennens herrschte eine tolle und zum Teil sehr familiäre Atmosphäre. Ähnlich einem 12 oder 24 Stunden Lauf gab es zahlreiche Gelegenheiten, sich mit anderen Läufern zu unterhalten. Man feuerte sich gegenseitig an und unterstützte den anderen mit aufbauenden Worten. Im Start und Zielbereich versammelten sich zahlreiche Zuschauer und feuerten die Läufer an. Damit erfuhr man einen zusätzlichen Motivationsschub, um die jeweils letzten Treppenstufen einer Runde zu meistern. Am Sonntagmorgen heizte die Dresdner Gruppe „Blechlawine“ mit lautstarkem Trommeln den Läufer zusätzlich ein. Der Veranstalter hatte sich Steckbriefe von allen Läufern erstellt, die der Kommentator den Zuschauern des Öfteren zum besten gab.

Dann hatte ich nur noch zehn Runden zu laufen. Die Gewissheit, in guten zwei Stunden das Ziel zu erreichen, beflügelte mich nochmals. Mir ging es prächtig! Meine Rundenzeiten absolvierte ich jetzt unter zwölf Minuten. In meiner letzten Runde kündigte der Sprecher meinen Namen an. Mit jeder Stufe kam das Ziel näher. Die letzten einhundert Stufen! Dann war es endlich soweit. Nach 21 Stunden und 14 Minuten erreichte ich überglücklich als Gesamtzehnter der Männer das Ziel. Insgesamt schafften eine Läuferin und 23 Läufer die 100 Runden innerhalb von 24 Stunden. Schnellste Frau war Ulrike Baars mit 17:43 Stunden. Bei den Männern gewann Stefan Ungermann in einer Zeit von 15:32 Stunden.

Fazit: Ein außergewöhnlicher und erlebnisreicher Lauf, der sehr anspruchsvoll und perfekt organisiert ist.

 

Informationen: Sächsischer Mt. Everest Treppenmarathon
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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