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Wieder so ein Extremlauf

 

Normalerweise ist die Startnummernausgabe in Deutz, aber was ist in Köln schon normal? Ich schon gar nicht. Sonst wäre ich zum Hohenzollernring gegangen und nicht über den Rhein. Jetzt hänge ich in Deutz zwischen Take That Anhängern rum. Das ist mir sehr unangenehm.

Also dieses Jahr Startnumemrnausgabe ausnahmsweise in der Xpost, ein moderner Name für das Postamt von 1895.  Die Deutsche Bahn wurde mit dem Gesetz von 1875, das im Zuge der Verstaatlichung erlassen wurde, dazu verpflichtet, die Post zu befördern. Hier also war die erste Paketumschlagstelle der Welt.

Von Deutz zum Gladbacher Wall ist es nicht weit, habe aber schwer zu tragen, denn es gab einen Notruf aus der Expo: „ Hier gibt’s keine vernünftigen Getränke!“ Vor dem Eingang eine 500 Meter lange Menschenschlange, an der ich vorbeihechte. Der Securitytyp will diskutieren. „Biste jeck? Ich hab hier Medikamente, die müssen dringend da rein!“

 
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Innen wieder eine Schlange. Die Startnummer wird von der Meldebestätigung direkt ausgedruckt, geht eigentlich recht schnell. Die Helfer sind guter Laune, rackern, was sie können, doch es gibt heute Nachmittag zu viele Läufer, die sich lieber anstellen, als mal 30 Minuten über die Expo zu schlendern. Ich finde meine Patienten recht schnell und kann erste Hilfe leisten. Nächstes Jahr wird´s wieder gut, dann sind wir wieder in der Staatenhalle.

Der Startort bleibt, auch in  diesem Jahr, in Deutz. So mancher Marathonläufer, der in den Startblöcken auf dem Ottoplatz steht, denkt vielleicht, der Platz sei nach einem Ostfriesen benannt, oder nach dem Ottekolong, dem „Eau de Colongne“.  Die meisten aber wissen, die Ehre gilt Nikolaus August Otto, der 1864 die erste Motorenfabrik der Welt gründete - zunächst in einer Ölmühle hinter dem Hauptbahnhof. Nachdem er bei der Pariser Weltausstellung unglaublich viele Aufträge bekam, bezog er auf der anderen Rheinseite, in Deutz, ein Firmengelände, und begründete die Deutz AG. Deswegen steht vor dem Bahnhofsgebäude ein großer Ottomotor auf der Säule.

 
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Das Logo der Deutz AG zeigt das Ulmer Münster auf einem „M“ für Magirus, den Gerätehersteller für Feuerwehren, den die Deutz AG übernahm. Magirus entwickelte 1873 die „Ulmer Leiter“, die Schiebeleiter, die nun weltweit genutzt wird. Der Name Deutz geht auf die römischen Soldaten der Legion von Caligula zurück, die von Mainz abgeordnet wurden, auf der rechtsseitigen Seite ein Kastell zu bauen.

Als die  Halbmarathonläufer durch sind, tritt ein wenig Ruhe ein. Es gibt Extremisten, die laufen erst den Halben und dann den Ganzen. Früher gab es dafür sogar eine extra Ultra-Wertung.  Dazu muss man heute vom Ziel schnell über den Rhein  und zurück an den Start.

Das Ziel ist seit 2013 beim Dom  an der Komödienstrasse, ehemals die Armengasse „Vicus Pauperum“. Es war die Strasse der  Fetthändler und Talgmenger, auf kölsch: Smermengere, daraus wurde die  Schmierstrasse. 1813 gab es das erste Theater, da gab es dann die erste Schmierenkomödie, und nun ist es die Komödienstrasse.

Große Plakate gibt es hier. Es geht um die Oberbürgermeisterwahl. Ich will die Wahl nicht beeinflussen, also muss ich geschickt fotografieren. Aber unter uns: ich  würde Hunkemoeller wählen, da gibt es jeden dritten BH umsonst.

In den Rheinhallen, nördlich der Hohenzollernbrücke hängen auch große Plakate, mit Peter Kloeppel drauf, auf einem Rollsessel schwebend.  So gesehen, physikalisch ein Phänomen. Der Chefredakteur von RTL Aktuell hat 10.000 Nachrichtensendungen und vier Marathons hinter sich, den letzten hat er in New York gemacht, jetzt steht er vor mir. „Verhaltensaktivitäten und Aufzuchtentwicklung von Ferkeln in einstreulosen und eingestreuten Haltungssystemen“, war der Titel seiner Diplomarbeit. Na denn, schaun wir uns mal um:

Eingestreutes gibt es nicht. Die Jungs von den Stadtwerken sammeln gerade die Reste der Halbmarathonläufer ein, wir befinden uns also in einem einstreulosen Haltungssystem zwischen hüfthohen Absperrgittern. Ich mach noch Fotos, da ist mein Block schon weg. Der Blockwart sagt, mein Block sei weg. Hä? Wo ist mein Block denn hin? Vor mir sind jetzt die Schülerstaffeln, nee, da will ich nicht mitlaufen!

 
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Also drücke ich mich lachend rum, fotogafiere Zuschauer und warte auf den Blauen Bock,  Block meine ich, dann geht’s auch für mich los. Zunächst auf die Deutzer Brücke, die ist hohl, wie wir alle hier, aber in der Brücke kann man Party machen. „Klangkunst“ nennt sich das, wenn die Strassenbahn über den Köpfen rattert. Auch heute fährt die Strassebahn über die Brücke, lässt aber genug Freiraum für geile Fotos mit Läufern und Dom im Hintergrund. 

 
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Links geht es am Rheinauhafen, am Schokomuseum und den Kranhäusern vorbei. Endlich mal wieder Stadtmarathon, ich strenge mich an, laufe schnell und immer schneller. Es dauert nicht lange, da laufe ich auch schon im Spitzenfeld.
Die Brüder Heinrich und Joseph dachten im Jahr 1967 auch, sie würden träumen. Die Eltern waren gerade in der Schmierenkomödie, da buddelten sie im Keller des Elternhauses. Das haben wir zwar auch gemacht, aber eher im Weinkeller. Sie jedenfalls  entdeckten das dreigeschossige Grabmahl eines römischen Veteranen der 5. Legion, das einst auf der Heerstrase nach Bonn stand. Die 5.Legion entkam der Varusschlacht und rettete die Rheingrenze. 500.000 Mark erhielten die Brüder vom Römisch GermanischenMuseum für diesen Fund, der nun im Zentralen Bereich des Museums steht.

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Informationen: RheinEnergie Marathon Köln
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