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Laufberichte

Mit 63 janz vorn dabei

02.10.11
Autor: Joe Kelbel

„Dicke Mädchen haben schöne Namen, heißen Rosa, Tosca oder Carmen“ so höhnert es in der Kölschkneipe am Alder Maat. Schlanke Mädchen heißen auch ganz prima, denke ich mir, heißen Kerstin, Steffi oder Agrippina.

Agrippina wurde im Jahre 15 n.Chr. in Köln geboren. Die Römer planten in der Stadt schon Thermalbäder, während sie noch rechtsrheinisch in Wäldern und Sümpfen gegen zottelige Germanenhorden kämpften. Agrippina heiratete mit 12, ihr Sohn war Nero. Agrippina war ne heiße Braut, sie hatte mit jedem rumgemacht, ließ ihren Bruder Caligula ermorden und heiratete ihren Onkel Claudius. Ihrem Geburtsort verschaffte sie römisches Recht, indem sie ihn zur Kolonie erklärte und frecherweise ihr „Agrippina“ in den Stadtnamen plazierte.
Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA) Die “Claudius-Kolonie mit einem Altar der Agrippinenser.” Im März 59 fand man Aggripina erstochen im Schlafgemach, ihr Sohn Nero war‘s.

„Agrippina vun dingem Schisselameng wacklen hück noch de Wäng” so höhnert es weiter, mitten in Köln am Freitagabend in der Kölschpinte. Agrippina ist immer noch allgegenwärtig, überall in Köln.

Deswegen muss ich aufpassen. Vor zwei Jahren ist mir nämlich meine Startnummer beim Schunkeln abhanden gekommen. Ich fand sie am nächsten Morgen an die Kneipendecke geheftet, zwischen rosa  BH´s und roten Schlüppern. So eine Schmach sollte meiner Startnummer dieses Jahr nicht wieder passieren, es ist eine besondere Startnummer, eine Ultrastartnummer. Ich werde 63 km durch Köln laufen. Erst den halben, dann den ganzen Marathon. Wer bei der 63 dabei ist, der genießt VIP-Status, erhält beste Betreuung und steht ganz vorne in den Startblöcken.

 

Der Halbmarathon

 

 
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Sonntag, 8 Uhr ist Briefing im Wechselzonenzelt der Ultraläufer. Anwesenheitspflicht. Wir sind 89 Starter, 10 von uns werden nicht ankommen.

8:30 Start. Ich stehe ganz vorne in der ersten Reihe, soll nicht dauernd über die Matte spazieren, die Zeitnahme verträgt das nicht, aber ich muss doch  Fotos schießen. Die Hahner-Twins, Anna und Lisa, 21 Jahre alt, wiegen nur ein Drittel von mir. Die Erfolge der beiden lesen sich auf deren Website wie ein Traum nach dem anderen.

 
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Jürgen Roters, der Oberbürgermeister von Köln, startet mit der Nummer 99. Der Countdown läuft schon, da kommt Sabrina Mockenhaupt, sie wird heute mit 1:10 gewinnen, und was macht Mocki? Sie stellt sich direkt neben mich!  Mit 45 Kilo wiegt sie weniger als die Hälfte von mir. Unglaublich, aber da grinsen 1,55 Meter Deutsche Spitze den alten  Ultra-Joe über beide Ohren an, dass mir die Knie zittern!

Vitaly Rybak, der Ukrainer wird heute 1:05 laufen und steht hinter mir! Anna und Lisa Hahner, Platz drei und fünf werden sie heute laufen, stehen  rechts von Mocki zusammen mit  Veronica Pohl (Vero), sie macht  heute Platz vier.  Mir wird angst und bange, ich versuche noch irgendwie weiter nach hinten zu kommen, doch keine Chance, der Startschuß fällt und eine brutale Stampede bricht los. Mehr als 90 Kilo Ultraschwergewicht auf Weltniveau zu bringen ist schmerzhaft, aber ich schaffe es, es ist so  schnell, dass Fotos verwischen.

 
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Ich  laufe die schnellsten 500 Meter meines Lebens, wetze total bekloppt und kopflos die Brücke hoch, um nur nicht von der schwarzen Macht Afrikas niedertrampelt zu werden. Auf der Brücke bei km 1 bitte ich jemanden, ein Foto von mir zu schiessen. Ich versuche Luft zu bekommen.  Nach den wenigen Metern eines Weltklasse-Kampfes  bin ich total kaputt. Dann  bricht es aus mir aus, muss lauthals  lachen, wie bescheuert war das  denn! „Und Bolle hat sich köstlich amüsiert!“

 
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Die Halbmarathonstrecke ist nahezu identisch mit der Marathonstrecke ab km 19,5, ich werde später berichten. Nun habe ich meine Mühe, brauchbare Fotos zu schiessen. Was hier vorne für ein Tempo gelaufen wird, ist der Hammer. Dann reihe ich mich wieder ein, laufe einige Meter das Tempo mit. Bei Kilometer 8 überhole ich die ersten Halbmarathonläufer, bei Kilometer 10 kübelt der erste. Ich halte das Tempo mit. Zuschauer ohne Ende, die Strassen sind brechend voll. Das ist Wahnsinn, aber ab dem Hansaring muss ich mich bremsen, denn der Tag wird noch lang werden.

Die meisten der Ultraläufer kommen um die 2 Std in den für uns reservieren Bereich an der Brücke. Dort sind unsere Sachen deponiert, abgeschirmt von dem Trubel dort draußen. Hier ist unser Verpflegungsbereich, eigenes Klo. Ich haue mir einen halben Ring Fleischwurst rein und warte die Stunde bis zum nächsten Start.

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Informationen: RheinEnergie Marathon Köln
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