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Laufberichte

Traumpfad im Wasser- und Eisenland

10.09.11
Autor: Joe Kelbel

Am Fuße des Platberges, am Zusammenfluss von Grüne und Oester liegt die Stadt Plettenberg, im Sauerland, etwa eine Autostunde südwestlich von Dortmund.

Der Plettenberg-Weg, kurz P-Weg folgt im Großen und Ganzen dem spätmittelalterlichen  Grenzweg der Stadt, die auf eine Gründung durch Karl den Großen zurückzuführen ist. Der Weg passiert drei Kreise und verläuft durch vier Flußtäler und gibt dir auf 67,7 km mit 1937 HM ein wunderbares Achterbahngefühl. Man muss nur schnell genug laufen.

Das Eisenerz hat Plettenberg reich gemacht. Geblieben ist die Eisenverarbeitende Industrie. Kaltwalzwerke,Hammerschmieden und Gesenkschmieden prägen das Stadtbild, nur 1% der Erwerbsttätigen ist in der Landwirtschaft tätig.

Wo kaum Landwirtschaft, da bleibt eine ursprüngliche, wilde, knallharte Naturlandschaft. Das raue, regenreiche Klima schuf steile, schmale, Täler und herrliche Ausblicke. Der P-Weg-Ultra zählt für mich zu den allerschönsten Läufen, deswegen hatte ich vergessen, wie brutal die Strecke ist, mit krassen klimatischen Unterschieden und wasserreichen Traileinlagen.

 
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Samstag 7:30 - Endlich wieder unter normalen Leuten, endlich wieder auf dem Traumpfad. Wir, die Ultras, dürfen zuerst los. Die Marathonläufer und HM-Läufer erst später, denen werden wir auf der Strecke kaum begegnen. Morgen am Sonntag, wenn die  Biker durch den Wald jagen, bin ich dann wieder unter den normalen Leuten, beim Münstermarathon. Nur je 1000 Sportler für die Disziplinen Laufen und Bikern sind zugelassen. Wer beides macht, ist hier ein VIP.  Ich bin glücklich einer der 92 Ultraläufer zu sein, die heute antreten.

 
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Warum nach dem ersten knüppelharten Anstieg  die lila Kuh dort oben auf der Bracht steht, ist egal. Hauptsache so bekloppt wie wir. Die Kuh gehört zu diesem Lauf wie die Gummibärchenabbiegung irgendwo im Wald, wo  Schalen mit Weingummi bereitstehen, oder der Schnaps irgendwo an der Verpflegungsstelle.

Die Bracht ist eine alte Flurbezeichnung. Hier ziehen sich immer noch mächtige Eisenerzlager durch, die dem Schichtenverlauf des Lennegebirges folgen. Überall auf dem P -Weg werden wir Überreste des historischen Bergbaus sehen. Häufig sind es Pingen (Schürflöcher) und Haldenreste, die der Nähe von Schächten zu finden sind. Hier oben vom Tanneck hat man einen herrlichen Blick zurück nach Plettenberg. Wir haben km 1,6. Nach dieser Steigung liegen die Platzierungen praktisch schon fest.

Nach der lila Kuh geht es zügig ins Lennetal hinab. Diesmal muss ich genau schauen, um noch die Reste der Burg Schwarzenberg zu entdecken. Vor zwei Jahren habe ich berichtet, wie der Brunnen der Burg der Sage nach gegraben wurde, er reicht nämlich 80 Meter bis zum Grundwasser der Lenne hinab. Man hat begonnen den Brunnenschacht archäologisch auszugraben. Die Nachkriegsreste bestanden hauptsächlich aus Bierflaschen, dann fand man ein Beutegewehr aus dem ersten Weltkrieg, danach 400 Jahre alte Kaminplatten und jede Menge metallene und keramische Nutzgegenstände. Auch wenn es reizvoll wäre, eine Grabung bis auf 80 Meter durchzuführen, aus Sicherheitsgründen musste man bei 26 Meter aufhören.

Am Talgrund gelangen wir in den kleinen lieblichen Ort Pasel, am niedlichen Flüßchen Lenne. Links oben der Engelbertstuhl  ( siehe Bericht 2009 ) und die Schwarzenburg. Auf der anderen Seite  die Hohe Wibbecke, Richtung Ruthenberg wo wir hoch müssen. 20% Steigung und schwül-warme Luft, oben dichter Nebel, ich bekomme kaum Luft, die Schuhe sind nass, was für eine Quälerei!

Rechter Hand ein Hohlwegbündel, diese entstanden durch jahrhundertelange Nutzung durch Ochsenkarren. War der Weg wegen des rauen Wetters nicht mehr nutzbar, nahm man einen kleinen Umweg. Einzigartige Biotopwelt.

Bei km 10 ist der zweite VP erreicht, ich bin fertig, liege auf dem letzten Platz. Es ist neblig-nass und dunkel. Am VP ein großer Scheinwerfer. Unheimliche Stimmung hier oben im dunklen Wald.

Fast 100 Jahre lang ließen Hexenkommisare, die von Kurköln eingesetzt wurden (Inquisition Magicae) im Märkischen Kreis foltern und morden. Zwischen 1592 und 1666 wurden mindestens 400 Frauen, Männer und Kinder als Hexen, Zauberer oder Werwölfe verurteilt und hingerichtet.

Ein alter Grenzstein: Herzogtum Westfalen/ Kur Köln/ Grafschaft Mark, heute entspricht dies den Kreisen Olpe/Hochsauerlandkreis und Märkischer Kreis.

Die Streckenführung ist neu. Kaum Orientierung, irgendwann ins Tal gekommen, erst spät sehe ich ein Ortschild, wir waren kurz in Blemke, es ist wieder das Tal der Lenne. Sehr schönes Tal. Kilometerweit laufen wir am Flußufer entlang. Dann Umleitung, weg vom Uferweg, durch den Vorgarten, zwischen Zäune und Garagen. Was ist hier los? Zahlreiche Ordner weisen mit Flaggen den Weg, Rot-weisse Bänder bilden schmale Gasse. Und dann muss ich herzlich lachen: Wir laufen über das Gelände eines Altersheimes. 100 Meter Zick-Zack-Umweg und dann sowas! Da sitzen die Alten wie in Käfigen hinter dem Balkongitter und heben schwach eine Hand zum Gruß. Wie geil ist das denn! So ein Lauf kann auch Freude schenken! Absolut geile Idee! Ich hoffe nur, dass die Alten nach uns nicht in die Langeweile zurückfallen. Bekämen die nicht nur Brei, ich hätte gerne ein Bier mit den Gebrechlichen getrunken.

Dann wieder auf dem Uferweg, es geht über zahllose Brücken, immer die Seite wechselnd. Schwüler Nebel liegt über dem Wasser. Die Sonne ist unangenehm heiss. Keine Zuschauer, kein Wunder, alles was gehen kann steht als Order an der Strecke. Das habe ich noch nicht erlebt, alle 100 Meter ein, zwei Ordner, sichern, informieren, klatschen, rufen, absolute Begeisterung, die ich gleich nochmal erwähnen werde. Im Sauerland haben die samstags eine unangenehme Eigenart: Sauerbraten, Sauerkraut und Klöße. Oh wie das hier duftet!

 
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Ich frage, wo wir hier sind, kann mir die Namen der Orte aber nicht merken. Und dann sehe ich die riesigen Wasserrutschen. Aqua Magis, europaweit der erste Wasserrutschenlooping. Wir sind also durch Böddinghausen und jetzt in Ohle. Und wie geil ist das denn? Wir laufen durch das Erlebnisbad, durch die Dusche, über eine Metallbrücke über das Wasserbecken, eine Ehrenrunde über das Gelände. Absolut geile Idee! Ich lache mich krumm und schief, das ist der absolute Hit. Ich stelle mir vor, wie morgen die Mountainbiker hier durchfetzen, einfach cool.

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Informationen: P-Weg Marathon
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