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Laufberichte

Schlaflos in Marburg

03.07.09
Autor: Joe Kelbel

Endlich wieder unter normalen Leuten. So 'ne Woche kann ja lang sein... Eigentlich hätte ich heute abend zum Bruce in die Commerzbankarena gehen wollen, aber Marathon ist mir lieber. 24 Jahre ist es jetzt genau her, da war der Boss schon mal in Frankfurt, damals im Waldstadion. Das Konzert war so gut, daß ich mit 14 Stichen genäht werden musste. Schon damals gab es normale Leute.

 
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Nicht nur der Boss ist älter geworden. Aber ohnehin würde ich in Marburg das Durchschnittsalter gewaltig anheben, denn die 80.000 Einwohner-Stadt lebt von ihren knapp 23.000 Studenten. Andere Städte haben eine Universität, Marburg ist eine. Klar, daß die Startnummernausgabe und das Ziel im Universitätsstadion ist. Der Start jedoch ist auf dem alten Marktplatz, etwa 1 km und 100 Höhenmeter vom Stadion entfernt.

 
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300 Kneipen und Gaststätten gibt es in dieser kleinen Stadt, die urigsten in der Oberstadt, deren Straßen mehr Treppen als die Häuser haben. Ohne die zahlreichen Aufzüge würde die Stadt kaum funktionieren.In Deutschland gibt es nur drei Gemeinden, in denen Aufzüge Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs sind.

Die bekannteste Persönlichkeit und Patronin der Stadt ist die Heilige Elisabeth. Eine weitere ist Philipp von Hessen, der für die Gründung der Universität verantwortlich ist. Nach seinem Tod (1567) wurde Hessen unter seinen vier Söhnen aufgeteilt und verschwand politisch von der Bühne.

Der Laufkurs ist flach und führt über Straßen und Radwege (da gibt es Fahrradschläuche aus Automaten!). Es ist ein nach IAAF-Regeln vermessener Rundkurs, der je nach Wettbewerb mehrmals durchlaufen wird.  Eine erste, etwa 11 km lange Schleife führt nach Norden und zurück. Eine zweite Schleife nach Süden und zurück ist ca. 10 km lang. Die Halbmarathonis sind danach im Ziel, die Marathonis müssen diese Südschleife noch zwei Mal durchlaufen. Durch den Rundenkurs kann der Veranstalter, der Ultra Sport Club, die Kosten gering halten, denn schließlich sind die meisten Läufer Studenten. 14 € kostet der Halbmarathon, 24 € der Marathon. Ob es am kleinen Bafög  liegt, daß nur 20 % der etwa 1200 Läufer den Ganzen laufen?

Ausdrücklich loben muss ich die Website für diese Veranstaltung. Schnell, übersichtlich und klar, wie die gesamte Oragnisation.

Der Startschuß wird einmal nicht vom Oberbürgermeister Egon Vaupel gegeben, diesmal übernimmt dies ein Profi: Sven Fischer, mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger im Biathlon. 33 Weltcupsiege errang er in seiner Karriere, 1997 und 1999 gewann er den Gesamtweltcup. Der Thüringer erlebte vier Oympische Spiele als Teinehmer: in Lillehammer, Nagano, Salt Lake City und Turin, wo er nach drei olympischen Goldmedaillen mit der Staffel endlich die begehrte Einzelgoldmedaille im Sprint gewann.

Eine Stunde vorher gibt Pfarrer Ulrich Biskamp den „geistlichen Startschuß“, bevor er und zahlreiche „geistliche“ Läufer unter dem Vereinsnamen „Kirche Marburg“ an den Start gehen.

Seit vergangenem Jahr ziert die Finishermedaille jeweils ein neues Motiv der Stadt. Letztes Jahr war es das Landgrafenschloß, dieses Jahr die Elisabethenkirche. Die  wurde  nach der 1235 Heilig  gesprochenen Landgräfin Elisabeth von Thüringen benannt. Die verwitwete Landgräfin kam 1228 nach Marburg, um vor den Toren der Stadt ein Hospital zu gründen. Die über ihrem Grab errichtete Elisabethkirche diente vor allem als Deutschordenskirche, als Ruhestätte der Landgrafen von Hessen und, bis heute, als Gedenkstätte für Pilger.

Die Gebeine der Elisabeth von Thüringen blieben aber nicht lange vollständig, da Elisabethenreliquien sehr begehrt waren. Der Kopf, als wichtigste Reliquie wurde von Kaiser Friedrich II  höchstpersönlich, barfuß und in Büßergewand, in einen goldenen Becher gelegt, gekrönt, und auf den Altar der Kirche gebracht. Der Becher ist heute in Stockholm, der Schädel vermutlich in Wien.

 
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Ein Haufen normaler Leute versammeln sich : Volker Berka, für seinen 406ten Marathon, Dr. Jürgen Kuhlmey lässt sich von seiner Frau per Privatjet zu seinem 355ten Marathon einfliegen, Sagbo Dogbe-Semanou kommt aus Togo angereist, der Kanadier Daniel Mildenberger läuft für den Laufclub Las Vegas, Cliff Davidson aus Pittsburgh macht nur einen stopover am Frankfurter Flughafen und will seinen Jet-lag überwinden, alles ganz normale Leute.

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Informationen: Nachtmarathon Marburg
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