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Laufberichte

Freiheit gebucht

 

Marrakesch bedeutet in der Berbersprache Tifinach „Durchzugsland“. Hier beginnt das Land der Berber, welches sich weit nach Süden in die Sahara erstreckt.

Über den Flughafen von Marrakesch fallen die Durchziehenden ein, der Flughafen platzt aus allen Nähten. Zwei Stunden würde ich heute an der Passkontrolle warten, es sind Ferien in Marokko. Ich warte nicht, in Afrika muss man die richtigen Leute kennen. Noch in diesem Jahr soll Terminal 3 fertiggestellt werden, dann werden die Pässe eingescannt, dann kommen noch mehr Billigflieger. Ich zahle im Schnitt 70 Euro für den Flug nach Marrakesch, soviel beträgt auch das Startgeld.

1942 wurde der Flughafen von den Amerikaner als Zwischenstop der Versorgungslinie Kairo-Dakar angelegt. Es gibt immer noch nur zwei Verbindungen nach Süden: die N9 über den Hohen Atlas, 1960 gebaut, und der wöchentliche Flieger nach Zagora, neuerdings auch ab Marrakesch.

Die Stadt brodelt, Menschenmassen sind wegen der Ferien aus ganz Marokko gekommen. Man verbringt hier gerne seinen Urlaub, es gibt gute Einkaufsmöglichkeiten und viele Gärten.

Züge aus dem Norden enden in Marrakesch.Vom Ibis Hotel am Bahnhof kann man direkt auf die Bahnsteige schauen. Dies ist nicht der Bahnhof in Köln, hier gammelt niemand rum. Es ist leise, man könnte vom Bahnsteig essen. Die Zimmer im dritten Stock auf der Rückseite sind ameisenfrei und neben einen genialen Blick auf die Bahngleise gibt es den wunderbar türkisfarbenen Pool unter Palmen. 36 Euro pro Doppelzimmer. Wer zu mehreren zum Marathon in Marrakesch anreist, sollte sich im Mogador Menzah Apart einmieten. 35 Euro für eine Wohnung mit Küche und Blick auf den Innenpool. Nicht erschrecken wegen des heruntergekommenen Entrees. Vom Balkon der Zimmer kann man arabischen Schönheiten beim Baden zuschauen.

Meistens werden die teuren Hotels gebucht: „Ich will doch mal ein Erlebnis wie 1001 Nacht“ sagt Sabine. Also, sei es drum: „1001 Nacht“ ist eine Sammlung erotischer Praktiken, die von der Tochter des Wesirs aufgelistet wurden. Denn der König ließ sich vom Wesir, also seinem Minister, jeden Tag eine Jungfrau bringen, die er nach Gebrauch töten ließ. Die Tochter fand das nicht so gut und beginnt ihr Werk mit: „Der duftende Garten zur Erbauung des Gemüts“, einem Leitfaden für ein perfektes Vorspiel - zumindest aus ihrer Sicht. Aber wer braucht das schon? Deswegen hat wohl auch noch niemand das arabische Kamasutra je gelesen.

Wer also die Geheimnisse einer orientalischen Nacht erfahren will, sollte nicht unbedingt „1001 Nacht“ zitieren, sondern erstmal im alten Kolonialviertel, dem Guéliz, mit seinen Bars und Kneipen anfangen. Dort holt man auch seine Startnummer ab ( Fr + Sa, bis 19 Uhr). Es ist zweckmäßig, sich erst vor Ort anzumelden. Der Preis bleibt gleich. Das Marathonvillage ist am Platz des 16. November. Man sollte dann unbedingt in den „Jardin el Harti“ gehen, ein ruhiges Plätzchen, gleich gegenüber, wo man zwischen Studenten und farbenprächtigen Bougainville-Ranken sein Lieblingsgetränk zu sich nehmen kann. Schon vor dem ersten Schluck begeistern die Gesänge der Vögel. 

Meine Startnummer sollte im Hotel liegen, aber da liegt nur Abderrattaq, Favorit für den Halbmarathon. Sein Manager heisst Cherwaui, ist Präsident von irgendwas, schreibt gerade für die ARD einen Bericht übers Doping beim Marathonlauf und  macht auch die Zeitnahme bei den Läufen. Das passt ja!  Für ein Foto nimmt Abderrataq den Telefonhörer in die Hand, vom Festnetzt! Ich lach mich  schief. Cherwaui verspricht, mir eine Startnummer zu besorgen. Also los geht’s, zum Marathonhotel El Andalous. Dort singt der „beste Sänger Maraokkos“, sowieso ist alles vom Besten. Alles was Rang und Namen hat, hängt hier in der Bar, wo die heisse Kohle für die Sischas geschwenkt wird, und gelangweilte Damen auf Kundschaft warten.

Um fünf Uhr morgens poltert Cherwaui ins Zimmer. „Wo ist meine Startnummer?“ „Demain!“ „ Kei Muschkil!“ – „Katastrophe“ fluche ich.

 

Sonntag 7 Uhr

 

Ein Taxi innerhalb der Stadt kostet 20 Dh (= 2 Euro). Es fährt direkt an die Kreuzung Avenue de la Menara/ Mohamad VI, dem Startort.

Ende letzten Jahres hat hier die Menara Mall eröffnet, finanziert von der Pickalbatros Gruppe, einer Freizeitfirma aus dem arabisch-ägyptischen Raum, mit US-Einfluß. Abends schauen  vermummte Frauen auf ihre lieben Sprösslinge, die sich am Automaten gegenseitig abballern. Es gibt aber auch arabische Schönheiten, geschminkt und voll in Schale, die vor Hulk, Spiderman und Co posieren.

 
© marathon4you.de 27 Bilder

Es gibt Achterbahnen, Freefalltower und eine richtige Eisbahn, auf der Halbstarke sich mit Helm und Halte-Pinguin präsentieren. Gegessen wird amerikanisch, zu unglaublich hohen Preisen. Von den Dachterrassen gibt es einen 360 Grad Rundblick über Marrakesch, bis zu den schneebedeckten Bergen des Hohen Atlas. Und genau hier drunter ist die Start/Ziellinie.

Ich brauche eine Startnummer! Die Absperrungen rund um den Start sind länger als beim Frankfurt Marathon. Es werden auch so viele Läufer erwartet, allerdings für den Halben.

Es gibt keine Nachmeldemöglichkeit. Nezha hat noch eine Startnummer für den Halben im CTM-Bus liegen, aber der Busfahrer ist verschwunden. Halbmarathonläufer kommen mit Autos in einer Reihe und überhöhter Geschwindigkeit auf den riesigen Parkplatz gefetzt, der Staub raubt den Atem.

Ich bin nervös. Dann geht’s schnell, zack zack zurück zur Startlinie.

 
© marathon4you.de 35 Bilder

 

Startschuß 8 Uhr

 

„Menara“ heisst die Avenue, auf der wir starten. Hinter uns das Minarett der Koutoubia Moschee (12.Jahrh). Der Flughafen, Hotels und vieles mehr nennt sich Menara, so wie der Garten (auch 12.Jahrh), UNESCO Welterbe. Der Mythos dieses Gartens liegt in der Heimlichkeit. Hier werden Laken zwischen Olivenbäumen gespannt, um ohne Überwachung durch Eltern, Lehrer oder Universitäts-Aufpasser eine gute Zeit zu haben. Dieses Wochende sind Abertausende in den Gärten und wirbeln feinen Staub auf, der sich auf den Marmorplatten der Mall niederschlägt.  Vorsicht: Die Gärten werden bei Dunkelheit abgeschlossen, und am hohen Zaun reisst man sich die Jeans im Schritt auf, was mir langssam zu teuer wird.

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Informationen: Marrakech Marathon
Veranstalter-WebsiteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner
 

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