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Laufberichte

Kleines Jubiläum im Kraichgau

29.09.13
Autor: Olaf Ulmer

Zum bereits 15. Mal hat der SV Rohrbach zum Kraichgau-Lauf eingeladen. Was als kleiner Volkslauf 1999 zur 900-Jahr-Feier des Ortes Rohrbach angefangen hatte, mauserte sich in den vergangenen eineinhalb Dekaden zu einem Laufereignis mit rund 800 bis 900 Teilnehmern pro Jahr über alle Distanzen.

Angedacht war der Lauf für den 22.09. dieses Jahres. Wegen der Bundestagswahl wurde der Termin um eine Woche nach hinten geschoben. Recht- und frühzeitig stand auch diese wichtige Information auf der Homepage des Laufes zur Verfügung.

Die gesamte Familie kommt hier im Kraichgau auf seine Kosten. Angefangen bei Schülerläufen über 1,4 km bieten die Veranstalter Läufe über 5, 10, Halbmarathon, 33 und 44 km an. Die meisten Teilnehmer nehmen die Halbmarathon-Strecke in Angriff. Die Anmeldegebühren sind erfreulich niedrig. Selbst bei Nachmeldung über die Kurzultra-Distanz muss der Geldbeutel nicht mehr als 24 Euro ausspucken. Trotzdem schafft es der Veranstalter, auch dank zahlreicher Sponsoren, bereits zum zweiten Mal von jedem gelaufenen Kilometer 5 Cent abzuzwacken und einem guten Zweck zuzuführen. Im vergangenen Jahr kamen so 800 Euro zusammen, die dem Kinder-HILFE-Fonds Kraichgau überreicht wurden.

Aber wo liegt nun dieses Rohrbach? Rohrbach ist ein Stadtteil von Sinsheim und liegt im nördlichen Baden-Württemberg an der A6. Sinsheim ist vor allem bekannt durch das Auto&Technik-Museum und als Heimspielstatt der TSG Hoffenheim.
Rohrbach wurde, wie der gesamte Kraichgau, jahrhundertelang von Kriegen und Verwüstungen heimgesucht. 1806 wurde Rohrbach dann endgültig Baden zugesprochen.

 
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Doch nun zum Lauf: Das Epi-Zentrum des Laufes ist die Kreuzgrundhalle in Rohrbach. Zu erreichen ist der Ort sehr verkehrsgünstig über die A6 oder auch per Bahn. Parkplätze sind etwa 600 Meter vom Start- und Ziel entfernt und reichlich Menge vorhanden. Seine Siebensachen kann man im Kinderhort den verlässlichen Händen der Helfer des SV Rohrbach zur sicheren Verwahrung übergeben.

Zusammen mit der Startnummer erhalte ich die Jubiläumsschrift mit zahlreichen Anekdoten und Geschichten rund um den Kraichgau-Lauf und dem veranstaltenden Verein. Ebenso mit dabei ist ein Etikett, mit an der Kleiderabgabe dann meine Sporttasche markiert wird. Da ich recht zeitig in Rohrbach bin, gönne ich mir noch eine heiße Tasse Kaffee. Die Außentemperaturen sind nicht mehr Sommer-like. Bei der Kleiderabgabe werde ich als Wiederholungstäter entlarvt. Schuldig im Sinne der Anklage, kann ich da nur sagen.

Kurz vor dem ersten Startschuss des Tages markiert der Orga-Chef Michael Czink persönlich mit einem Kreidestrich die Startlinie. Als Zeitmesssystem für alle Läufe wird zwar der Champion-Chip verwendet, beim Start wird aber auf die Überquerung der orangenen Messmatten noch verzichtet. Somit entspricht die Brutto- auch der Netto-Zeit. Oder auch umgekehrt.

Unser Lauf über die 44 km, die vom Veranstalter nur erfahrenen Marathon-Läufern empfohlen wird, erfolgt pünktlich zusammen mit den 33km-Läufern, dessen Lauf einem flachen Marathon von der Belastung und dem Gefühl her entspricht, um 9 Uhr. Ein Countdown und Highway To Hell von AC/DC führen zum Startschuss vom Ortsvorsteher von Rohrbach Friedhelm Zoller.

 
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Kurz nach dem Start werden wir musikalisch von den Rohrbacher Bruchbatschern hinausbegleitet. Von Beginn an führt der Lauf zunächst sanft ansteigend auf die Höhen des Kraichgaus. Nach einem Rechtsknick folgt der erste kurze, aber knackige Anstieg, ehe die erste Verpflegungsstelle auf uns wartet. Mit Sägemehl-Pfeilen und gut sichtbaren, wechselbaren Schildern, aber auch mit aufmerksamen Helfern wird jedem Läufer der richtige Weg gewiesen. Denn je nach Distanz müssen die Läufer an den neuralgischen Punkten in unterschiedliche Richtungen abbiegen. Diese Markierung und auch die Helfer sorgen dafür, dass ein Verlaufen nahezu unmöglich ist. Hut ab vor dieser Leistung.

Im sanften Auf und Ab geht es durch die Wälder des Kraichgaus. Kurz vor der zweiten Verpflegung erreichen wir offenes Feld auf den Höhen des Kraichgaus und ein kalter Wind schlägt uns entgegen. Mein höchster Respekt gilt den Helfern, die an dieser Verpflegung trotz der kühlen Temperaturen und der kalten Winde stundenlang ausharren und auch den Letzten von uns verköstigen, denn die Ultraläufer kommen hier noch zweimal, das letzte Mal 5 km vor Schluss, vorbei.
Alle Läufer verhalten sich diszipliniert und rücksichtsvoll. Die uns mittlerweile passierenden Halbmarathonis konnten nahezu ungehindert durch unser Feld pflügen und suchen sich ohne großes Tamm-Tamm ihren Weg. So sollte es überall sein.

Es geht bergab, und das recht lange. Ich weiß: Später muss das alles wieder ausgeglichen werden. Nicht einmal, nein zweimal. Im Tal angekommen, erwartet uns parallel zur Verbindungsstraße von Rohrbach nach Adersbach ein Single-Trail. Herrlich, trotzdem ein zusätzliche Herausforderung, da von hinten immer wieder Halbmarathonis auf Durchlass beharren. Nach der nächsten Verpflegung geht es bergan und die 10 Kilometer-Läufer kommen uns entgegen. Auch hier verläuft alles reibungslos, obwohl es sich nicht um die sechsspurige Autobahn, sondern um einen normalen Waldwirtschaftsweg handelt.

Der Anstieg wird steiler, nachdem wir die Begegnungsstrecke nach links verlassen. Auch so mancher Halbmarathoni verfällt hier in den Wanderschritt. Wir erklimmen beinahe wieder die Höhen rund um Sinsheim, als es wieder nach unten geht. Wie gewonnen, so zerronnen. Und zum Dank dafür dürfen wir die verlorenen Höhenmeter gleich wieder zurückerkämpfen. Dieser Kampf gipfelt in der Ankunft der bekannten zugigen Verpflegungsstelle auf der Höhe des Kraichgaus. Und nicht vergessen: Wir kommen hier noch einmal vorbei.
Oben auf der Höhe hat man einem wunderbaren Blick auf Adersbach.

 
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Es geht nun wieder bis Neckarbischofsheim merklich bergab, von  einigen gemeinen Gegenanstiegen einmal abgesehen. Am Ortsrand entlang hangeln wir uns zur nächsten Verpflegung, die wir auch zweimal passieren werden. Nach der Stärkung geht es wieder bergan. Hier kommen uns bereits die ersten 33 und 44 km-Läufer entgegen. Die absolute Spitze habe ich verpasst. Ein Abstieg bietet zwar Erholung, aber auch die Erkenntnis, dass ich hier in der Gegenrichtung wieder hinauf darf.

Auf einem kurzen, heftigen Anstieg wird die Halbmarathon-Marke erreicht. Waibstadt in Sichtweite und oben angekommen, folgt die nächste Verpflegung, die wir ebenfalls zweimal passieren werden. Eine Schleife von rund drei Kilometern erst runter, dann rauf, trennen uns von dem Wiedersehen.

Zur nächsten Verpflegung geht es auf dem bereits beschrittenen Weg in umgekehrter Richtung zurück. Da mir keine Läufer mehr entgegenkommen, weiß ich, dass ich ziemlich am Ende des Feldes bin. Die Uhr tickt und das Zeitdiktat. 4 Stunden bei Kilometer 31 ist das Limit. Es geht zwar stetig bergan und meine Muskulatur ist schon heftig am lamentieren, aber mir ist klar: Dieses Zeitziel erreiche ich. Und so kommt es: Knapp 30 Minuten bevor die Schranken fallen, erreiche ich die ehemals erste Verpflegung, nun der Cut-Off und später noch einmal die letzte Verpflegung.

Mir kommen die vor mir laufenden Ultras entgegen und gegenseitig feuern wir uns an. So sind halt Ultras. Nach einem welligen Abschnitt geht es nach einem Rechtsknick wieder den Berg abwärts. Wir befinden uns auf der ehemaligen Begegnungsstrecke mit den 10km-Läufer, nur folgen wir diesmal deren Kurs bergabwärts. Im Tal angekommen, erreiche ich wieder die Verpflegungsstelle mit einigen unerschütterlichen Helfern, die für eine ausreichende Verpflegung sorgen. Als nächstes steht wieder der Single-Trail auf dem Plan, diesmal in umgekehrter Richtung. Und das Beste: Ich habe ihn ganz für mich alleine.

Nach diesem Genuss geht es wieder bergan und zwar sehr, sehr lange. Bis zu der windumkämpften Verpflegungsstelle auf der Kraichgauer Höhe. Nach kurzer Verpflegung verlasse ich diese tollen Helfer mit einem „Einen schönen Sonntag noch“ und gehe die letzten sieben Kilometer an. Es geht nun wieder recht wellig bis in Richtung letzter Verpflegung. Hundert Meter vor der Verpflegung werde ich laufend und motivierend von einem Helfer begleitet. Klasse, das tut gut. Noch ein Schwätzchen, etwas Wasser und Tee und weiter geht’s zum Ziel. Nur noch bergab und zwei Kilometer heißt es von nun an. Trotz aller Strapazen genieße ich diese letzten Meter. Ich bekomme das Technik-Museum und die Burg ins Visier meiner Kamera und weiß, es ist nicht mehr weit.

Persönlich werde ich vom Streckensprecher angekündigt und bekomme gleich hinter der Ziellinie eine Medaille überreicht. Als Zielverpflegung gibt es neben dem Üblichen noch einen Schokodrink und ein alkoholfreies Biermischgetränk. Lecker, nach den ganzen Mühen.

Im Ziel komme ich mit Rainer Leyendecker ins Gespräch, der seine Altersklasse gewinnen konnte und den ich auch in Karlsruhe bei der Deutschen Meisterschaft über 24 Stunden gesehen hatte.

Alles in allem, ohne Ausnahme, ist der Kraichgau-Lauf ein wunderschöner Lauf mit wunderbaren Helfern und super organisiert. Ich komme definitiv wieder.

 

Informationen: Kraichgau-Lauf
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