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Laufberichte

Wo sich Fuchs und Igel „Guten Morgen“ sagen

27.09.09
Autor: Joe Kelbel

Im Südosten von NRW und im Nordwesten von Hessen liegt das Hochsauerland. Die Gemeinde Bestwig liegt an der noch jungen Ruhr. Hier gibt es ein Minidorf namens Föckinghausen, es hat 40 Einwohner und  liegt auf einem Plateau in wunderschöner Natur und von viel, viel Wald umgeben. Der Ort ist wirklich so klein, wenn man meint, er müsse gleich anfangen ist man auch schon wieder raus.

Früher lebte die Gegend vom Bergbau.  Heute lebt man hauptsächlich vom  Tourismus. Es gibt einen Wild-West- Freizeitpark und ein Besucherbergwerk, dessen originale Grubenbahn die Besucher 1,5 km weit und 300 Meter tief einfährt. Und dann gibt es kilometerlange herrlichen Wanderwege mit tollen Ausblicken von den höchsten Gipfeln des Sauerlandes.

Nachdem ich den 6 h-Waldhessenlauf samstags mit gesunden 59,207 km gefinisht hatte, machte ich  mich auf den Weg nach Bestwig um dort  sonntags einen gemütlichen Hochsauerland-Marathon zu absolvieren.

Um 21 Uhr hatte ich den  Nebenort Föckinghausen gefunden. Niemand da. Die Jugendherberge (Übernachtung 10 € ) war offen, in einem Schrank fand ich Bettwäsche (4,50€). Irgendein Stockbett, möglichst ohne Leiter in irgendeinem Zimmer, und schon war ich im verdienten Ultradämmertraum.

Schnell merkte ich: das Hochsauerland ist nachts so still, da kannste eigentlich  nicht schlafen! Kein Auto, kein Zug, kein Flugzeug, nur grenzenlose Stille. Richtig unheimlich! 

Irgendwann werde ich brutal aufgeschreckt! Ein Igel raschelt randalierend im trockenen Laub vor meinem Fenster. Jeden seiner Funde macht das Ungeheuer mir  mit einem angeberisch-heisernen Fiepen kund. Das Heulen des Käutzchens schickt mich zurück in Hitchcocks Traumwelt.

Um 7 Uhr schrecke ich hoch, weil ein neues, großes, giftig-gelbes Wesen an meinem Fenster vorbeihuscht. Dieses Wesen bestätigt meine lang gehegte Vermutung, daß die 100 MC-Tiere in ihren Vereinsklamotten pennen. Es war der Kalle, der den Startplatz suchte. Der Helmut, ein anderer Vertreter dieser Gattung 100 MC-Tier,  hat gar ein Vereinsshirt, wo sein Name in Spiegelschrift draufsteht. So ist gewährleistet, daß er sich  morgens zwischen den vielen grauen Barthaaren erkennt. Hat er sich erkannt, läuft er ohne Hemd.

 
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Während der Nacht finden sich noch drei weitere Gäste in der JH ein: Kalle, Irene und Dietrich. Nach den Schrecken der Nacht hatten wir vier ein vorzügliches Frühstück (4,50€), das beste was ich je hatte in einer JH.

Im Gegensatz zum Waldhessenlauf muss ich aber die 10fache Entfernung von der JH bis zum Start zurücklegen: nämlich 20 Meter. Ich komme an meinem Auto vorbei und bemerke, daß ein Fuchs seine Abneigung gegen den fremden blauen Gegenstand offenbart  und seine verdaute herbstliche Speisekarte auf der Kühlerhaube ausgebreitet hat.

Die Nachmeldung (20 € ) ohne Nachmeldegebühr macht man noch Minuten vor dem Start, der um 9 Uhr ist.

Nur 38 Marathonläufer treten an, einer weniger als am Vortag in Rothenburg an der Fulda. Zwei Runden müssen gelaufen werden. Die Strecke ist wie ein große Schleife, der Knotenpunkt ist der Gemeinskopf, er könnte auch Fieskopf heissen, denn hier müssen wir 6 mal  hoch.

Schnell ist es vorbei mit der Vorstellung eines gemütlichen Sonntagsläufchens. Die Schotterwege sind für mich nach dem anstrengenden Lauf am Vortag sehr schmerzhaft. Ob hoch oder runter, es tut weh, und es geht immer hoch und runter. Aber dies  ist ja selbst gewählt, am Wahlsonntag. Gute Wahl.

Verpflegung gibt es alle 3 Kilometer: Wasser, Cola, Iso, Bananen. Wer mehr als Bananen braucht, sollte dies mitbringen. Jeder Kilometer ist ausgeschildert, die Freiwillige Feuerwehr gibt uns Sicherheit. Um 10 Uhr werden die HM-Läufer (8 € Startgeld) auf die Strecke geschickt.  Da fällt mir ein, wie mir jemand nach dem Karlsruhe-Marathon (wir saßen im Zug) sagte, er sei heute Marathon gelaufen. Interessiert fragte ich: „Soso, welche Zeit denn?“  „2 Stunden 10, aber es wäre mehr drin gewesen!“.....

 
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Nun gut, HM-Läufer und Marathonläufer  begegnen sich nur kurz, dazu noch ein paar Stöckchenschwinger, und schon hat man die Strecke wieder für sich und kann die Stille genießen.

Es geht nur durch den Wald, mit riesigen Lichtungen, dank Kyrill. Die Sonne wärmt, die frische, harzige Waldluft ist glasklar und erfreut die Lungen. Waldesruhe, mehrfach unterbrochen vom herbstliche Rufen eines Rehbockes, sonst keine besonderen Vorkommnisse.

Es ist ein wunderschöner Sonnenlauf mit Blick über die grünen Weiten des Sauerlandes, wenn da nicht das mitleidhabenwollende Gesicht von dem 100 MC-Tier Bernd gewesen wäre! Schreckliche Kugelblitzkrämpfe haben ihn im Wald überfallen und sind rotierend um seine Stahlbeine gerast. Das Sauerland ist mir so unheimlich!

 
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Im Ziel gibt es Bier und sehr gute, grobe Bratwurst für kleines Geld. Man genießt noch die letzten  warmen Strahlen und lässt diesen vorzüglichen, selbst gewählten Wahlsonntag ausklingen. Erste Wahl.

Siegerliste

Männer

1.Dietrich, Frank MT Melsungen 02:58:33
2.Knopp, Felix Team Teva 03:02:47
3.Weber, Burkhard Rott Runner Wuppertal03:24:44

Frauen

1.Begas, Silke (Arolsen) 03:54:55
2.Hettler, Ute (Detmold) 04:04:32
3.Hansen, Heidrun Laufohle.de 04:14:04

 

 

Informationen: Hochsauerland-Waldmarathon
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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