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Laufberichte

Kenia, Indien und wilde Löwen

15.10.11
Autor: Joe Kelbel

Luise Koschinsky hätte vor Lebensfreude gebrüllt. Ich hab´s dann an ihrer Stelle getan: „Mann, Mann, Mann ist das schööööön hier!“ Und wenn Luise sagt, dass es dort schön ist, dann ist es auch schön!

Da dümpelt so ein herrlicher Lauf seit 25 Jahren vor sich hin, nur weil Hachenburg keine eigene Autobahnabfahrt hat. Dabei war Hachenburg im Westerwald mal ganz oben, denn es entstand an der Kreuzung zweier bedeutender Handelswege: die Köln-Leipziger-Straße (heutiger Name: Leipziger Straße) und der Eisenweg zwischen Siegerland und Frankfurt (heute alte Frankfurter Straße). Zum Schutz der Händler baute der Graf von Sayn jene Hagen-Burg (Hagen=Dornen=Hachen), eine von Dornengestrüpp umsäumte Festung auf dem Basaltkegel.

Ein bißchen steil ist die alte Köln-Leipziger Strasse schon. Damals banden die Kaufleute ihre Ochsenfuhrwerke in langen Reihen  zusammen, um den steilen Weg gemeinsam zu erklimmen. Der Erste, der oben ankam stieß einen Freudenschrei aus, um den hinteren das Ausspannen anzukündigen. Im Volksmund heisst die Anhöhe noch immer „Juchee“. Wer den Lauf hier mitmacht, der kann wahrlich sagen: „Ich war auf der Juchee!“

 
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Der goldene Löwe steht auf seinen Hinterpfoten, schaut dich direkt an. Blaue Zunge, blaue Krallen mit zwei Schweifen, hebt  die rechte Pfote zum Gruß, in der linken hält er das Wappen der Stadtrechte. Es ist der Sayn´sche Löwe mit dem Wappen der Stadt Hachenburg.

Zwei Schweife, weil die Adelslinie Sayn mit der von Wittgenstein zusammen ging. Der Graf Sayn-Hachenburg hatte hier sein Schloss, welches jetzt die Fachhochschule der Bundesbank beherbergt.  Vor dem Schloss, der evang. Schlosskirche und der kath. Kirche, ist der Alte Markt mit dem Löwenbrunnen, umgeben von mittelalterlichen Giebelhäusern. Dort wird unser Zieleinlauf sayn.

Das Adelsgeschlecht Sayn-Wittgenstein ist in drei Linien aufgeteil, Sayn-Wittgenstein-Berleburg, Sayn-Wittgenstein-Hohenstein und Sayn-Wittgenstein-Sayn. Die haben so viel geheiratet, dass sich kaum einer für diesen  Kuddelmuddel noch interessiert.

Interessant wird es aber, wenn Wolfgang, Herbert Steffny und der  Joe von Sayn-Rhein-Main-Sayn auftauchen. Herbert hält seinen Vortrag über Eldoret, der kenianischen Marathonschule, und zeigt  jede Menge Bilder der begabten Läufer. Ich habe verstanden, warum ich nie einen Marathon gewinne, habe alles kapiert. Aber bei der Ernährung der Hochlandläufer mit Ugali mit Mala, dieser Hirtenpampe, kann ich nicht mithalten,  halte mich lieber an das gute Hachenburger Pils und das indische Buffet, schaue der indischen Tänzerin zu, die so gar nicht dem BMI einer Marathonläuferin entspricht.

Indisches Buffet deswegen da, weil der DJK Marienstatt, der Ausrichter, jedes Jahr die Überschüsse des Löwenlaufes nach Indien spendet, damit dort die Kinder auch so ne Hirtenpampe bekommen.  Ich kann mir nicht vorstellen, das bei 20 Euro Startgeld für den Marathon viel für die indischen Zwerge übrig bleibt, zumal ich dem auch noch reichlich entgegengewirkt habe.

Beim Frühstück kritisiert Herbert noch meine Ernährungsgewohnheiten, weil er sich selbst keine Butter aufs Brötchen schmiert. Er will heute  20-25 Kilometer laufen, er braucht halt mal eine „lange“ Trainingseinheit. Nach dieser heroischen Ankündigung landet seine Butter auf meinem Brötchen.  Ich bin Jäger, nicht Hirte!

 
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Laut Wikipedia ist das größte Ereignis des Jahres in Hachenburg die Kirmes. Deswegen ist der Start um 11:30, damit die Hachenburger nicht aus dem Bett fallen. Damit die überhaupt wach werden, gibt es Oktoberfest und verkaufsoffenen Löwensonntag.

Der Start ist dann an der Rundsporthalle, die ist tatsächlich rund. Vom Ziel am Alten Markt gibt es Shuttelbusse zurück, damit niemand diese 1,5 Kilometer zu seinem Auto laufen muss. Wir sind ja nicht in Kenia, sondern im Westerwald. Die Kleiderbeutel werden zum Ziel transportiert.

Die ersten 9 Kilometer zweifelst du an deinem läuferischen Können, denn 455 Höhenmeter sind schon nicht lustig  und leider alle gut laufbar, sodass man sich mit Gehen nur blamieren würde.

 
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Bisschen Wald, viel Sonne, ganz ganz tolle Stimmung unter den Läufern, weil absolut schöne Landschaft und kein Auto,  keine Bahn, keine Autobahnabfahrt, kein Flugzeug, kein Zuschauer, nur Kuhkacke. 

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Informationen: Hachenburger Löwen-Marathon
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