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Laufberichte

¡Venga, ánimo, vamos!

 

Habe ich sie doch tatsächlich herumgekriegt, meine geliebte Gattin, und mir ihr Einverständnis eingeholt: Auch für uns geht es endlich mal aufs Kreuzfahrtschiff. Da man vorher ja nie weiß, wie einem so etwas bekommt, fangen wir sicherheitshalber erst einmal mit einer einwöchigen Seereise zum Ausprobieren an. Zuhause ist es bekanntermaßen wettertechnisch noch sehr usselig und im Sommer, wenn es eh warm ist, brauche ich nicht aufs Mittelmeer. Also haben wir uns für die Kanaren entschieden, die das ganze Jahr über mit ziemlich konstanter, nicht zu großer Wärme, locken und erleben so schon mal eine sehr frühe Frühlingswoche.

Wer mich kennt weiß, daß bei mir Reisen und Laufen untrennbar zusammengehören. Natürlich weiß das auch die beste Ehefrau von allen, aber entweder hat sie diesmal wirklich keinen Verdacht geschöpft oder aber resigniert und sich in ihr ach so hartes Schicksal ergeben. Jedenfalls bemühe ich weit im Vorfeld der für etwa Ende Januar/Anfang Februar geplanten Reise ausgiebig diverse Laufkalender und lande tatsächlich einen Volltreffer: Marathon in Las Palmas auf Gran Canaria, dem Start- und Zielort unserer Rundreise. Selbstverständlich ist damit der Reisezeitraum sofort fixiert und mein Argument, es sei ja vernünftig, bereits zwei Tage vorher zwecks Akklimatisation anzureisen, überzeugt die Dame. Was sie natürlich auch nicht weiß ist, daß sie auf diese Weise erneut zu einem schönen 10 km-Lauf im Ausland kommen wird. Ich weiß ja, wie sie tickt. Wie war es nochmal in Las Vegas? Schockstarre beim „zufälligen“ Besuch der Marathonmesse, um dann leichenblaß die beiden Startnummern für den gemeinsamen Fünfer und den Viertelmaraton am Folgetag in Empfang zu nehmen. Noch heute sehe ich sie mit breitestem Grinsen an allen Themenhotels vorbei über den „Strip“ laufen.

Am Freitagmorgen geht es mit dem Flieger ab Düsseldorf in Richtung Gran Canaria, der nach Teneriffa und Fuerteventura drittgrößten der sieben Haupt- und sechs Nebeninseln der Kanaren. Nach viereinhalb Stunden Flug kommen wir mittags an und nutzen dankbar den kostenlosen Shuttleservice unseres AC-Hotel Las Palmas, der uns über knapp 20 km vom Flughafen in die Stadt bringt. Die Unterkunft liegt unmittelbar an der Laufstrecke, etwa drei km von Start und Ziel und schlappe 300 m vom Kreuzfahrtpier entfernt, das ist logistisch für uns also kaum zu toppen. Genauso wie das Wetter, das uns mit eitel Sonnenschein bei 20° verwöhnt.

Nach dem Einchecken animiere ich die Gattin direkt zu einem schönen Spaziergang entlang des 3,2 km langen Strandes Las Canteras und seiner Promenade an der westlichen Seite der Landenge von Guanarteme. Die verbindet die Halbinsel La Isleta im Nordosten Gran Canarias mit dem Rest der Insel. Las Canteras ist der größte und während des ganzen Jahres von Stadtbewohnern und Besuchern am stärksten genutzte der vier städtischen Strände. Schon bald nähern wir uns einem markanten Gebäude: Auditorio Alfredo Kraus heißt der 1997 errichtete Musentempel nach dem 1927 in Las Palmas als Sohn einer spanischen Mutter und eines österreichischen Vaters geborenen Alfredo Kraus, der 1999 sein irdisches Dasein in Madrid beendete. Er gilt als einer der besten Tenöre des zwanzigsten Jahrhunderts.

Noch ist die Gattin völlig arglos hätte ich an dieser Stelle gerne gesagt, aber leider macht die Stadt keinen Hehl aus dem kommenden Ereignis und wirbt, was das Zeug hält. Plakate an allen Straßenlaternen und (leider) auch auf den großen Anzeigetafeln über der großen Zufahrtsstraße vom Flughafen nach Las Palmas, die meine Holde natürlich sofort entdeckt hatte: „Schau mal, hier wird ja am Sonntag Marathon gelaufen! Du nimmst da doch nicht etwa teil?“ „Desde luego, mein Schatz, selbstverständlich!“ Sie ergibt sich, kurzzeitig leicht angesäuert, in ihr Schicksal. Das Dumme nämlich ist, daß sie derzeit verletzt ist und den Zehner, zu dem sie angemeldet ist, leider sausen lassen und sich daher während meines Laufs alleine beschäftigen muß.

Wir nutzen die anderthalb Tage vor dem Lauf zu einer ausgiebigen Inselerkundung, die angesichts der doch überschaubaren Größe durchaus gelingt, zumindest reicht es für einen nachhaltigen ersten Eindruck. Am Freitagnachmittag gesehen haben sollte man auf jeden Fall die gut drei km südlich des Hafens gelegene Altstadt („Vegueta“) mit dem Hauptplatz Santa Ana (Kathedrale, Rathaus, Casa de Colón) als auch den benachbarten Plaza Espíritu Santu. Nördlich der Altstadt, also wieder in Richtung des Hafens Santa Catalina (Touristenzentrum), liegt der Stadtteil Triana, der mit Bauwerken aus der Zeit um 1900 entlang der Calle Mayor de Triana (Hauptgeschäftsstraße und Fußgängerzone) beeindruckt. Die Häuser zeigen typische spanische Architekturelemente dieser Zeit, unter anderem Jugendstilfassaden, auf die ich ganz besonders stehe.

Am Samstag haben wir für kleines Geld ein Auto gemietet und lümmeln erst einmal im Inselsüden herum. Da es in Las Palmas häufig stark bewölkt ist, hat sich der Tourismus von der Hauptstadt in den Süden verlagert und ist heute nahezu ausschließlich auf Maspalomas und die Costa Mogán konzentriert. Wer El Arenal auf Mallorca mag, ist hier richtig aufgehoben. Aber es gibt auch durchaus Schönes zu entdecken: Ganz besonders sehenswert sind die Dünen, die sich über eine Länge von sechs und eine Breite von ein bis zwei Kilometern erstrecken. Der Sand besteht hier überwiegend aus von der Brandung angeschwemmtem und zerriebenem Korallen- und Muschelkalk – verwehter Sand aus der Sahara ist nicht der eigentliche Ursprung. Immer wieder richteten schwere Stürme einigen Schaden an und spülen viel Sand ins Meer. Am Leuchtturm befindet sich eine Oase („La Charca“), in der zahlreiche Wasservögel brüten, und die ebenso wie die Dünen seit 1987 unter Naturschutz steht.

Die Rückfahrt nehmen wir über die Inselmitte. Schnell zeigt sich, daß wie alle Inseln der Kanaren auch diese vulkanischen Ursprungs ist. Die höchste Erhebung ist der 1949 Meter hohe, erloschene Vulkan Pico de las Nieves. Wahrzeichen Gran Canarias ist der 1813 Meter hohe Roque Nublo. Den Abend beschließt, wie am Vortag, ein leckeres Essen auf der Plaza Catalina unweit unseres Hotels, die Pastaparty fand nur bis 16 Uhr statt.

 
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Der nun schon zum siebten Mal durchgeführte Gran Canaria Marathon in Las Palmas samt Nebenwettbewerben beginnt sonntags recht früh. Gut, daß wir unweit zu Start und Ziel wohnen. Die Startzeit des Zehners (bereits um 8:20 Uhr) spielt ja keine Rolle mehr, daher gelingt uns ein vernünftiges Frühstück, bevor wir uns zu Fuß aufmachen, damit ich die knapp 400.000 Einwohner Stadt auf Laufschuhen erobere. Um 9 Uhr geht es los, vor halb neun sind wir vor Ort und sehen die letzten beiden km nach dem Gang zur Startnummernausgabe bereits zum zweiten Mal. Die ersten Urlauber und/oder Einheimischen liegen bereits am Strand oder surfen, teils auf, teils prustend in den kräftigen Wellen. Auch treffen wir die diesmal überwiegend äthiopischen Gazellen beim Warmmachen, sie sind schon gut drauf und grüßen freundlich.  Während der große Rest Europas friert, genießen wir so schon morgens angenehm frühlingshafte Temperaturen um die 20 Grad.

Die Startaufstellung läßt auf eine Veranstaltung für Weltklasseläufer schließen. Wo sonst  kommst Du bei vier Startblöcken schon ab einer avisierten Zielzeit über 3:31 Std. nur noch in den letzten? Die ersten drei sind reserviert für Läufer, die in 2:50, 3:00 bzw. 3:30 Std. zuhause sein wollen und können. In die ersten beiden Blöcke kommt man darüber hinaus sogar nur bei zeitgerechtem Nachweis einer entsprechenden, nicht mehr als drei Jahre alten, gelaufenen Zeit. Meine vor vielen Jahren erzielte Bestzeit bringt mich in den vorletzten Block. Preisgelder gibt’s für die jeweils ersten Zehn, wobei Männer unter 2:20 und Frauen unter 2:45 Std. bleiben müssen, sonst werden 25% der jeweiligen Summen (von 2.000 bis 75 €) abgezogen. Also doch ein Lauf der Asse. Für die jeweils ersten Drei gilt: Wer die Streckenrekorde (2:14:39 Std. bei den Männern und 2:34:56 Std.- bei den Frauen) unterbietet, kassiert zusätzlich 500, 350 oder 200 €). Für Nordafrikaner rentiert sich das schon im Falle einer (gesponserten) Einladung.

Pünktlich geht es im strahlenden Sonnenschein vor dem Auditorio los, schon die ersten Meter sind nur zum Wohlfühlen. Viele, ja sehr viele Teilnehmer sind in den gelben (Halbmarathoni) bzw. roten Veranstaltungsshirts (Marathoni) unterwegs, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Gilt es nicht, sich dieses redlich zu erarbeiten, bevor man es über die dann zu recht stolzgeschwellte Brust zieht? Noch kein km ist gelaufen, heizt uns bereits die erste von einer ganzen Reihe Trommel- und Percussionsbands ein, als ob es nicht auch so schon warm genug wäre. Die ersten Straßen sind optisch eher unspektakulär, was aber kein Problem darstellt, da sich das Feld eh erst einmal sortieren muß.

 
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Ich könnte Euch jetzt erzählen, daß wir von der Calle del Industrial José Sánchez Penate über die Calle Castillejos (links der Plaza del Pilar) und weiter über die Calle Costa Rica und die Avenida Josè Mesa y López usw. usw. laufen, doch diese Informationen sind für Euch von eher geringem Wert. Toll anzusehen, und daher ist man ja auch in solchen Gegenden unterwegs, sind die vielen großen Palmen, welche die Straßenränder links und rechts schmücken. Ich habe mein Tempo schnell gefunden und komme gut voran. Deutsche Läufer sind erkennbar in nicht unerheblicher Zahl dabei – wer will schon den ganzen Winter nur im Kalten laufen, wenn man sich eine Alternative leisten kann und will? Mit einer netten Läuferin der LG Rüsselsheim komme ich ins Gespräch, wir freuen uns gemeinsam über diesen schönen Tag.

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Informationen: Gran Canaria Marathon
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